Alles über Chausson Welcome
Reisemobil Chausson Welcome 620 35 Bilder Zoom

Chausson Welcome 620 im Test: Teilintegrierter mit innovativem Raumkonzept

Ein ganz neues Raumgefühl bietet der innovative Grundriss des Welcome 620. Das längs eingebaute Hubbett eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Herzlich Willkommen im neuen T-Modell von Chausson.

Als eine der wichtigsten Importmarken in Deutschland macht Chausson selten viel Aufhebens um seine Qualitäten. Dabei haben die Modelle für die Saison 2016 gleich eine ganze Reihe interessanter Neuerungen im Gepäck. Dazu gehört zum Beispiel ein Aufbau aus modernen, hochwertigen Materialien, der jedoch entgegen dem Trend an tragenden Stellen bewusst nicht auf Holzeinlagen verzichtet.

Absolut einmalig ist zudem der Grundriss des Welcome 620 mit einem längs angeordneten Hubbett als einzigem Schlafplatz. Anders als Konkurrent Bürstner, der in der neuen Ixeo-Baureihe ausschließlich ein Hubbett in Fahrtrichtung einsetzt, probiert Chausson sein neues System – und die Akzeptanz beim Kunden – erst einmal nur an einem Modell aus. Für andere Varianten gibt es nach wie vor ein konventionelles absenkbares Querbett. Was Reisemobilfahrer – außer fühlbar mehr Liegelänge – von der neuen Version haben, finden wir in diesem Test heraus.

Besonders bei Chausson ist schließlich auch die Modellpolitik. Alle Teilintegrierten gibt es sowohl als Flash wie als besser ausgestatteten Welcome. Beim Basisfahrzeug kann man zwischen Fiat Ducato oder dem günstigeren Ford Transit wählen. Was ist das beste Angebot und wo spart man unter Umständen am falschen Ende?

Wohnen im Chausson Welcome 620: Küche, Bad, Betten

So ungewöhnlich wie vorteilhaft ist die Aufteilung des 620, dessen Raumgefühl für einen Teilintegrierten von 6,99 Meter Länge massiv überrascht. Besonders die Sitzgruppe gefällt mit ihrer großzügigen Anordnung; sie steht klar im Zentrum und ist von allen Seiten zugänglich. Um die Rückbank kann man sogar herumgehen, wobei sich jedoch die geringe Stehhöhe unter dem Hubbett (1,84 m) als Manko erweist. Mitfahrern, sofern es sie geben sollte, kommt sowohl die straffe Polsterung als auch die Verstellbarkeit der Lehnenneigung und Kopfstützen entgegen. Etwas kompliziert gestaltet sich das Wenden der Transit-Vordersitze, da die Längsverstellung nicht mitdreht. Auch lassen sich die Sitzflächen nicht auf das Niveau der übrigen Sitzplätze anheben, weshalb man zum Essen die hinteren Plätze präferiert. Der Tisch ist trotz fehlender Erweiterung groß genug für vier und lässt sich zudem kinderleicht verstellen.

Sogar elektrisch absenkbar ist die Tafel, was zum allabendlichen Ritual gehört, wenn man das an vier Gurten und zwei Schienen geführte Hubbett herablässt. Der Vorgang verlangt viel Geduld und eine ausgeklügelte Choreografie: Sitzbankpolster abnehmen, Banklehne umlegen, Schlüssel einstecken – erst nach mehrmaligem Knöpfedrücken ist die endgültige Liegehöhe erreicht. Anschließend schiebt man Matratze samt Lattenrost nach vorn ins Fahrerhaus und hat nun ein großes, von drei Seiten hervorragend zugängliches Queensbett mit exzellenter Kopffreiheit zur Verfügung, das trotz dünner Matratze einen angenehmen Liegekomfort bietet. Ein Schönheitsfehler: die blendenden Leselampen.

Von der schlichteren Sorte ist die Küche; wer regelmäßig kocht, wird mit dem Stauraum kaum auskommen; was jedoch nicht für den großen Kühlschrank gilt. Die Arbeitsfläche ist klein, der Kocher hat keine Zündhilfe. Die große Spüle mit der soliden Metallarmatur gefällt aber ebenso wie die Arbeitshöhe.

Zu den Highlights im 620 zählt das Bad im Heck. Die Höchstpunktzahl rechtfertigt allein das Platzangebot. Die riesige Dusche lässt sich, abgesehen vom fehlenden Halter für die Brause, gut nutzen. Die Druckpumpe sorgt für ordentlich Strahlkraft. Die Abdichtung ist hier – anders als rund um das Waschbecken – tadellos. Als Abtrennung zum Wohnraum dient eine sauber laufende Rollotür. Nett sind Accessoires wie Handtuchhalter und -haken. Eine zweite Dachhaube zur besseren Entlüftung würde indes nicht schaden.

Die Beladung im Chausson Welcome 620

Das hat wirklich Seltenheitswert in einem Reisemobil: Abgesehen von den beiden Hängeschränken in der Küche verfügt der Chausson 620 über keine weiteren Dachstaukästen. Dass dennoch niemand einen Mangel an Stauraum fürchten muss, liegt an dem Prachtexemplar von Kleiderschrank, das sich hinter zwei großen Spiegeltüren im Bad im Heck versteckt. Hier konzentrieren sich im Urlaub sämtliche benötigten Klamotten: Hemden, Blusen, Jacken, Hosen, Pullover und Wäsche. Für alles ist gut zugänglich Platz und sogar noch für ein bisschen mehr. Schön, wenn die Diskussion, was nun mit darf und was nicht, endlich mal ausbleibt. Da die großen Ablagebords jedoch weder eine Unterteilung noch brauchbare Rüttelkanten haben, heißt es am Zielort, erst mal neu sortieren.

Sonst gibt es im Wohnraum keine Unterbringungsmöglichkeiten für Kleider. Ein Fach für Schuhe sucht man vergeblich, und auch die größtenteils von der Bordtechnik belegten Sitztruhen sind bis auf ein kleines Geheimfach nicht zu nutzen. Allerdings kann man Jacken gleich nach dem Einsteigen an zwei praktischen Garderobenhaken deponieren. Dazu gibt es mehrere offene Ablagen.

Für den Transport von zwei Fahrrädern prinzipiell groß genug ist die Heckgarage. Erfreulich auch, dass sie serienmäßig von drei Seiten und daher sehr gut zu beladen ist. Auch bietet sie links ein extra hohes Staufach, das sich mit flexiblen Regalböden variabel einteilen lässt. Der Boden verzeiht auch mal eine härtere Behandlung. Eine Lampe fehlt ebensowenig wie zwei Steckdosen. Eine einzelne Zurrschiene ist für das sichere Verstauen von Drahteseln allerdings zu wenig. Wenigstens einige weitere Ösen zum Einfädeln von Transportgurten wären sinnvoll.

Mit der Zuladung kommen Paare selbst dann mit Anstand zurecht, wenn der Frischwassertank für die Fahrt mal komplett gefüllt sein sollte. Reserven bietet der 620 sogar noch für zwei weitere Mitreisende. Ziemlich entspannt fällt der Blick auch auf Achs- und Radlasten.

Beladungstipps

Mit dem 3,5-t-Chassis bietet der Welcome 620 für zwei Personen eine ordentliche Zuladung. Selbst für beinah obligatorische Extras wie Markise und Sat-Anlage bleiben die Reserven ausreichend. Die optional erhältliche Auflastung auf 4,1 Tonnen dürfte nur in den seltensten Fällen nötig werden, zumal auch Achs- und Radlasten nicht bis an die Grenze ausgereizt sind.

Die Technik im Chausson Welcome 620

Anders als die anderen – wie beim Grundriss geht Chausson auch bei der Technik eigene Wege. Der Aufbau, der jetzt neben GfK-Dach und -Wänden auch einen Boden aus dem unempfindilchen Kunststoff hat, ist dafür ein gutes Beispiel. Überraschend sind besonders die üppigen Isolationsstärken von Dach und Boden sowie die Tatsache, dass Chausson zwar auf hochwertigeren XPS-Schaum umsattelt, jedoch den Holzverstärkungen in den Sandwichwänden treu bleibt. Man argumentiert mit der größeren Stabilität gegenüber PU-Leisten, schützt die Fichtenlatten aber immerhin mit Kunststoffeinlagen vor Feuchtigkeit. Überdurchschnittliche sieben Jahre Garantie gibt Chausson auf die Dichtigkeit des weitgehend passabel verarbeiteten Aufbaus, an dem hier und da aber sichtbare Verschraubungen und mäßig passgenaue Verkleidungen das Auge stören.

Trotz einfacher Elektrik profitieren Kunden nicht nur von der sparsamen LED-Beleuchtung, sondern auch von einer werksseitigen Vorverkabelung für Rückfahrkamera und Solaranlage. Sicherungen und FI-Schutzschalter sind bedienfreundlich in der linken Sitzbank untergebracht. Eine einzelne 11-Kilo-Gasflasche versorgt Kocher, Kühlschrank und den separaten Warmwasser-Boiler, während sich die Heizung aus dem Kraftstofftank bedient. Lauthals meldet sich der Dieselofen zum Dienst und sollte – wie die Druckwasserpumpe – akustisch besser gekapselt werden. Nachteilig: Bei den Ausströmern auf der linken Fahrzeugseite kommt fühlbar mehr Warmluft an.

Sofern noch nicht vorhanden, sollten sich Besitzer einen Wasserschlauch mit Gardena-Kupplung anschaffen, denn so klappt das Wasserfassen von außen immerhin bequem. Der große Frischwassertank in der zentralen Rückbank, der in Fahrstellung noch 50 Liter fasst, lässt sich zwar auch direkt füllen, aber im Innenraum mit Gießkanne oder Schlauch zu hantieren, missfällt sicher manchem. Wintercamper bekommen eine Isolierung des Abwassertanks gegen Aufpreis.

Fahren

Mehrere Gründe sprechen für den günstigen Ford Transit als Basis des Welcome: die bessere serienmäßige Sicherheitsausstattung inklusive ESP und der kraftvolle 155-PS-Motor, der schon deshalb empfehlenswert ist, weil er nur 1000 Euro Aufpreis kostet. Damit ist der Teilintegrierte prinzipiell völlig ausreichend motorisiert. Allerdings tut er sich trotz bulligem Drehmoment im niedrigen Drehzahlbereich ein wenig schwer; erst ab 1500 Touren erwacht der eher unruhig laufende Turbodiesel – zunächst ruppig nagelnd, mit steigender Drehzahl immer seidiger – zum Leben. Fleißiges Schalten ist also notwendig; bei geringen Geschwindigkeiten ebenso wie etwa an Autobahnsteigungen. So hat man stets eine Hand am geschmeidig durch die Schaltgassen huschenden Joystick.

Raus aus der Stadt, am Ortsschild einen Gang zurückschalten und gemächlich übers Land cruisen. Sportliche Ambitionen bremsen die etwas indifferente Lenkung und die weiche Federung aus. Wer’s gern direkter hat, kann sich für den 2000 Euro teureren Fiat Ducato entscheiden. Der Fahrkomfort wäre sogar noch größer, wären nicht die Dachhaube über dem Fahrerhaus und ihr Rollo eine zuverlässige Quelle für Wind- und Klappergeräusche. Der niedrige Verbrauch kann dafür nur bedingt entschädigen, ist mit 9,8 Litern aber gleichwohl bemerkenswert.

Preise

Zum Grundpreis des Welcome 620 kommen noch 305 Euro für TÜV und Fahrzeugpapiere. Für weitere 1200 Euro Frachtkosten steht das Mobil abholbereit beim Händler. Trotz guter Basisausstattung sollte man ehrlicherweise 4500 Euro noch hinzurechnen für das VIP-Welcome-Paket, das neben Klimaanlage und Beifahrerairbag unter anderem die unverzichtbare Fahrerhausverdunkelung sowie eine Aufbautür mit Zentralverriegelung und Fenster enthält. Darüber hinaus ist die Anzahl der verfügbaren Extras sehr übersichtlich. Überdurchschnittlich dagegen: die beruhigend lange Dichtigkeitgarantie von sieben Jahren.

Grundpreis: 51.895 Euro (Ford Transit 350 M, Motor 92 kW/125 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II
Testwagenpreis: 59.379 Euro

✘ Turbodiesel 114 kW/155 PS (0 kg) ✔ 1000 Euro
✘ ABS/ASR/ESP ✔Serie/Serie/Serie
✘ Fahrer-/Beifahrerairbag ✔Serie/VIP-Paket Chassis mit 4,1 t zGG (0 kg) 1000 Euro
✘ Klimaanlage Fahrerhaus (15 kg) ✔VIP-Paket
✘ Kunstlederpolsterstoff Elite784 Euro
✘ VIP-Welcome-Paket: Fahrerhaus-Klimaanlage, Beifahrerairbag, Tempomat, Außenspiegel el. beheizbar, Frontstoßstange und Kühlergrill lackiert, Nebelscheinwerfer, Armaturenbrettveredelung, Fahrerhausverdunkelung, Aufbautür mit Fenster und Zentralverriegelung, Fliegenschutztür (42 kg) ✔4500 Euro

Kosten und Service

Kfz-Steuer (3,5 t zGG, S4): 240 Euro
Haftpflicht/Vollkasko (500 Euro SB, Tarif Allianz): 565/1200 Euro
Dichtigkeitsgarantie/Kontrolle: 84/12 Monate
Servicestellen in Deutschland/Europa: 34/170

✘ im Testwagen enthalten; ✔ empfehlenswert

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Andreas Becker

Datum

18. November 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 10/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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