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Chausson Odyssee 71: Überzeugt der Mittelweg?

Der Odyssee steuert genau zwischen die bekannten Teilintegriertenbaureihen von Chausson. Ein guter Weg?

An passenden Teilintegrierten herrschte bei Chausson schon bislang kein Mangel. Doch zwischen den preiswerten Welcome (ab rund 60 000 Mark) und den gehobenen Allegro (ab etwa 88 000 Mark) klaffte eine deutliche Lücke. Ab durch die Mitte fährt in Zukunft der Odyssee, der in der getesteten Ausführung 71 mehr als 73 000 Mark kostet.
Verbindendes Element der flachen Franzosen ist das Basisfahrzeug: der Fiat Ducato. Im Detail gibt es dennoch Unterschiede. Während die Allegro auf einem selbsttragenden Alko-Tiefrahmen ruhen, steckt unter der sauber verarbeiteten GfK-Haut des Odyssee – wie beim Welcome – ein Fiat-Plattformrahmen. Keine Bedenken gibt es beim Thema Gewicht: Die Odyssee-Zuladung des Ducato 14 ist über jeden Zweifel erhaben, die angebotene Erhöhung der Achslast ist jedoch überlegenswert.
Wahlmöglichkeiten gibt es beim Motor. Gemütliche Zeitgenossen kommen mit dem serienmäßigen 1,9-Liter-Turbodiesel mit seinen mageren 90 PS aus. Für diese Wahl spricht vor allem der Preis, denn der happige Aufpreis von 7000 Mark für den im Testwagen eingebauten JTD-Motor mit 127 PS schlägt tief ins Kontor. Wer auch an Autobahnsteigungen Reserven haben will oder gar Anhänger ziehen möchte, kommt dennoch nicht daran vorbei. So ausgestattet, erwies sich der Ducato im Test einmal mehr als flotte, problemlos zu fahrende Basis.
Der Aufbau des neuen Odyssee erinnert in wesentlichen Details an seine Markenbrüder.

Die Silhouette ähnelt dem Welcome, das mit PU-Schaum isolierte GfK-Dach lehnt sich an die formschöne Allegro-Haube an, verzichtet aber auf dessen aufwendige Form. An der falschen Stelle kopiert: Wie schon beim Allegro- Testwagen vor gut eineinhalb Jahren (promobil 1/2000) löst sich auch beim Odyssee unschön der Lack vom Kunststoff der Frontstoßstange. In der neuen Serie soll das Problem – nach Auskunft des deutschen Importeurs Koch in Itzehoe – dank komplett lackiertem Teil aber behoben sein. Klassenüblich ist der Aufpreis für Dachreling und Heckleiter. Viele Teilintegrierte werden gerade wegen der geringen Außenhöhe gekauft und daher nicht zwangsläufig mit Dachgepäck belastet. Eine gute Wahl bedeuten die analog zum Allegro montierten PU-Rahmenfenster. Weniger großzügig fällt die Klappe zum Außenstauraum unter dem festen Heckbett aus. Wie die meisten Teilintegrierten wählt Chausson für den nur sechs Meter langen Odyssee 71 eine klassische Aufteilung mit dem erwähnten Längsbett im Heck sowie einem lang gezogenen Bad daneben. Nach vorne hin schließen sich Küche und Viererdinette an. Die längere Alternative Odyssee 81 (siehe Kasten Download) vertraut ebenso auf diesen Grundriss. Einen kritischen Blick verdienen die Bettmaße. Grundrissbedingt geht es hier und auf der umgebauten Sitzgruppe sehr knapp zu. Die Liege im Heck kann leicht hochgeklappt werden und erlaubt dann den Zugriff auf das Bettstaufach. Unter dem Bett findet auch die Kombiheizung mit integriertem Boiler ein gut abgeteiltes Plätzchen. Einzig die vor Beschädigung durch Ladegut nur unzureichend geschützten Luftrohre verdienen Kritik. Typisch französisch: die von der Motorabwärme gespeiste Zusatzheizung an der Sitzgruppe. Am Liegekomfort selbst ist wenig auszusetzen. Zur komfortablen Matratze kommt beim Heckbett ein solider Lattenrost. Auch um den Sitzkomfort haben sich die Franzosen bemüht. Die Dinette weist konturierte Polster auf, und die Sitzflächen verfügen über eine angedeutete Rampe.

Ein dickes Minus kassiert der Odyssee für seine stahlharte, ungepolsterte Mittelsäule des Gurtgestells. Routiniert baut Chausson die Möbel in den Odyssee. Das Mobiliar hat ohne Massivhölzer zwar nicht die Ausstrahlung des Allegro-Inventars, hinterlässt aber mit soliden Beschlägen, sauberen Unterteilungen und Einlegeböden mit Rüttelkanten einen insgesamt guten Eindruck. Einziger Fauxpas: An zwei Stellen reichen die gebogenen Klappen geöffnet zu nahe an die heißen Halogen-Deckenleuchten heran, und die Badtür schleift an der Deckenschiene des Heckbettvorhangs. Der Grundriss zwingt dem Bad seine lang gezogene Form auf. Den hinteren Teil nimmt die mit knapper Stehhöhe versehene Dusche in Beschlag. Gefallen kann die fehlerfreie Verfugung der Kunststoffteile. Die Entlüftung gelingt mittels Dachhaube und Fenster problemlos. Die Duschwanne hätte einen zweiten Abfluss verdient, die Bodenwanne im Waschbereich lässt einen solchen sogar ganz vermissen. Nette Details sind Handtuchhalter und Kleiderhaken. Die Wasserkapazitäten fallen akzeptabel aus. Was in der Praxis stört, ist die fehlende Füllstandsanzeige für das Abwasser. Nur eine LED warnt vor dem Überlaufen. Auf Frost ist die Installation ebenso wenig ausgelegt. Die Hauptleitungen des Abwassersytems liegen ebenso ungeschützt unterflur wie der zugehörige Tank. Verbesserungswürdig lautet das Urteil zur Elektrik. Offen verlegte Kabel sind hier die Regel. Der Gaskasten gerät so schmal, dass die hintere Flasche zum Wechseln nicht an der vorderen vorbeipasst. Zudem wünscht sich der Fachmann verdrehsichere Befestigungen. Die wackelnde Gasleitung muss die Strecke von der Gasflasche zum Verteilerblock in der Küche praktisch ohne Halter überbrücken. Die kompakten Abmessungen des Odyssee 71 zwingen der Küche Zurückhaltung auf. Eine Arbeitsfläche fehlt beispielsweise. Die versenkten Einbauten für Kocher und Spüle verschwinden unauffällig. Der Stauraum der Kombüse bewegt sich auf üblichem Niveau, die labile Schublade liegt darunter. Chausson schlägt mit dem Odyssee eine sinnvolle Brücke zwischen dem gehobenen Allegro und dem günstigen Welcome. Gespart wird meist, wo es nicht auffällt und auch nicht unbedingt wehtut. Die Mängel an der Bordtechnik haben jedenfalls überwiegend nichts mit dem Rotstift, sondern eher mit Nachlässigkeiten zu tun. Mit ein wenig mehr Aufmerksamkeit erscheint der Schwenk zur neuen Mitte daher Erfolg versprechend.

Technische Daten (Stand: Juni 2001)
Hersteller: Chausson
Modell: Odyssee 71
Basisfahrzeug: Fiat Ducato 14
Typ: Teilintegrierter
Preis: ab 37510 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 2
Zul. Gesamtgewicht: 2700 kg
Länge: 5990 mm
Breite: 2250 mm
Höhe: 2720 mm
Basismotor: Diesel
KW: 97
PS: 127
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Datum

9. Juni 2001
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