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Test: Knaus S-Liner, Laika Rexosline, Rapido 9 M im Vergleich: Charakterköpfe

Verwechslungsgefahr besteht nicht, wenn die drei schicken Integrierten von Knaus, Laika und Rapido um die Ecke biegen. Drei schicke Integrierte im Vergleich.

Die machen was her! Der Laika Rexosline aus Italien mit seinem kecken Schnäuz­chen und der Zweifarblackierung, der französische Rapido 9? M mit Chrombesatz und dem guten Stern, stolz an die Brust geheftet, und nicht zuletzt der bayerische Knaus S-Liner, der zusammen mit seinen Brüdern C- und V-Liner völlig neue Ansichten – im wörtlichen Sinne – in den Bau integrierter Reisemobile eingeführt hat.

Wer gut 80.000 Euro für ein Mobil der Königsklasse ausgibt, möchte nicht nur komfortabel reisen, sondern auch ein Stück weit seinen Stil ausdrücken.

Den stärksten optischen Effekt kann eindeutig Knaus verbuchen. Mit seinen klaren, räumlich skulpturierten Linien, den ausdrucksstarken Scheinwerfern, der verdeckten Montagetechnik und der (aufpreispflichtigen) Zweifarb-Metalliclackierung samt 17-Zoll-Felgen mit Breitreifen und edlen Glasfenstern setzt er für die Reisemobilgestaltung und -technik in dieser Klasse Maßstäbe.

Freilich gilt dies vor allem für die äußerlich sichtbaren Teile. Unter der schicken Schale schließt Knaus mit dem S-Liner gerade mal zum Klassenstandard auf. Die Wände setzen nun auch auf Styrofoam-Isolierung und PU-Schaumverstärkungen, in Dach und Boden bleibt es aber beim konventionellen Styropor mit versteifenden Holzlatten.

Zwischen isolierter Fußbodenplatte und Alko-Tiefrahmen zieht Knaus noch einen Doppelboden aus Siebdruckplatten und GfK-Wannen ein, der allerdings erst etwa auf Höhe der Quersitzbank beginnt.

Mit Styrofoam-Isolierung rundum kommen Rapido und Laika. Die Dächer kleiden sich in GfK, die französischen Wände ebenso, die italienischen in Alu. Den Kabinenboden schließt – hier wie dort – eine Sperrholzplatte mit Schutzanstrich nach außen ab. Einen Doppelboden bieten beide Marken allerdings nur bei den Parallelmodellen auf Fiat Ducato an.

Sieger der Türen-Wertung ist eindeutig der Laika. Nicht nur die Anzahl, sondern besonders die Machart der serienmäßigen Fahrerhauspforten ist einzigartig. Die satt schließenden GfK-Türen sind räumlich geformt und folgen der zum Bug hin abnehmenden Aufbaubreite.

Anders als bei Rapido und Knaus zieht sich die GfK-Maske beim Laika komplett ums Fahrerhaus herum. Das bietet mehr Freiheit bei der Formgebung, die Laika zu einem leicht abgesetzten Motorraum-Schnäuzchen nutzt. Doch Laika vergibt die Chance auf einen leichten Motorzugang. Die Haube öffnet nicht weit genug, weil die Haltebügel dem Scheibenwischergestänge ins Gehege kommen.

Über die hübsch integrierten Scheinwerfer des Fiat Multipla beklagen sich Rexosline-Besitzer wegen zu tiefer und unzureichend korrigierbarer Einstellung – so auch beim Testwagen. Hier ließ sich die Einstellung jedoch – allerdings nur mühsam – korrigieren.

Bei den Fahreigenschaften hat der Rapido knapp die Nase vorn. Er zeichnet sich durch seinen ausgewogenen, komfort­betonten Charakter aus. Hier punktet das Sprinter-Fahrgestell mit seiner vorzüglichen Federung und Lenkung sowie der gediegenen Armaturenbrettgestaltung und der echten Wandlerautomatik, die es gegen moderaten Aufpreis gibt.

Für die gemütliche Gangart reicht der serienmäßige 150-PS-Motor. Reizvoll ist der optionale Sechszylinder mit 184 PS, der jedoch die ohnehin grenzwertige Gewichtsbilanz an der Vorderachse zusätzlich belastet. Für die Zuladung insgesamt empfiehlt sich die relativ teure 3,88-Tonnen-Variante, die sich durch eine tragfähigere Hinterachse auszeichnet.

Beinahe sportlich fährt sich der Knaus mit Fiat-Alko-Fahrwerk dank satter Straßenlage, aufpreispflichtigen Breitreifen sowie straffer Federung. Der optionale 157-PS-Motor schiebt das schwere Fahrzeug passabel an. Die Auflastung von 4,0 auf 4,25 Tonnen ist, zumindest bei fleißiger Order aus der Aufpreis­liste – der Testwagen schlepp­te stolze 445 Kilogramm Extras mit sich –, fast unumgänglich.

Die störendste Geräuschkulisse aus Auf- und Ausbau muss der Knaus-Fahrer ertragen, ebenso die kleinsten Spiegel am ansonsten übersichtlichen Fahrerhaus. Aber Abhilfe ist in Sicht: Ab 2008 werden die Original-Ducato-Spiegel angebaut.

Den stärksten Schub im Testfeld liefert der aufpreispflichtige 176-PS-Motor im Laika. Zusammen mit dem Heckantrieb, der Zwillingsbereifung und der höchsten Anhängelast ist er prädestiniert für den Gespannbetrieb.

Das optionale automatisierte Schaltgetriebe wäre ein weiteres Plus, wenn es auch beim Rangieren und am Berg berechenbar funktionierte. Mit dem serienmäßigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen kommt auch der Laika nicht aus. Wenigstens ist die Auflastung um 500 Kilo reine Formsache.

Höchst unterschiedliche Sti­le verfolgen die Kontrahen­ten auch im Ausbau. Während der Rapido der klassischen Linie mit reichlich Holzdekor folgt, wozu die optionale, aufwendig gearbeitete Lederpolsterung gut passt, setzt der Laika auf einen leicht technisch angehauchten Yachtstil, mit optisch abgesetzten Küchenmöbeln. Der Knaus-Käufer kann gar unter zwei Möbellinien wählen – dem helleren Loft- und dem dunkleren, etwas teureren Passion-Style wie im Testwagen.

Die größte Sitzgruppe findet sich im Rapido mit seiner zusätzlichen Seitenbank. Laika platziert hier ein kleines Sideboard, Knaus die Aufbautür. Eine Besonderheit hält die L-Bank im S-Liner parat. Nach Entriegelung lässt sich die Querbank ein Stück in den Gang rücken. Dabei gewinnt man nicht nur Sitzbreite, sondern es kommen auch automatisch die Gur­te zum Vorschein, nebst Ösen für einen Isofix-Kindersitz.

Weitgehend auf Augenhöhe kämpfen die drei Beaus beim Vergleich ihrer Schlafgelegenheiten. Spürbar unter 1,90 Meter bleibt die Liegelänge im Knaus-Hubbett und im linken Rapido-Einzelbett. Vergleichsweise schmal fallen die Längsbetten im Laika aus, dafür sind sie eindeutig am bequemsten zugänglich – oft eines der wichtigsten Argumente für diese Bettenanordnung.

Den Kleiderschrank dabei zwischen den Kopfenden zu platzieren, ist allerdings auch nicht für jeden akzeptabel. Allein der Knaus behilft sich anderweitig und legt zwischen die relativ breiten Matratzen gleich noch ein Polster, so dass auch Querschlafen möglich ist.

Rapido und Laika bieten die­se Möglichkeit erst nach Umbaumaßnahmen mit Zusatzpolstern. Pfiffige Optionen locken für die Hubbetten von Knaus und Laika. Während ersterer mit einem elektrischen Antrieb den Bedienkomfort verbessert, bietet letzterer eine Vergrößerung auf 1,90 x 1,90 Meter. Nett, dass alle drei an Ablagen denken, Laika und Rapido in Form kleiner Regale, Knaus mit einer Stofftasche – simpel, aber praktisch.

Die edelste Küche nennt der Knaus sein Eigen: Mineralwerk­stoff-Arbeitsplatte mit angeformter Spüle, Gas-Ceran-Kocher, eine riesige Dunstabzugshaube und fein gefertigte Schub­laden mit cleveren Einsätzen. Neben dem Hinweis, dass all dies Aufpreis kostet, entzündet sich Kritik an dem kantigen, unpraktischen Spülbecken und dem nicht allzu üppigen Kühlschrank ohne AES.

Eine Spur weniger edel, dafür mit satter Serienausstattung tut sich die Laika-Küche her­vor. 150-Liter-Kühlschrank, Vier­flammkocher und Backofen kosten keinen Cent extra. Keineswegs verstecken braucht sich daneben aber auch die Rapido-Kombüse. Die Winkelküche zeigt sich praxisgerecht mit zweiteiliger Kocherabdeckung, großer Spüle mit solidem Hahn und variablem Zweitbecken mit Abtropfeinsatz.

Das weitläufigste Bad findet sich im Rapido, das zudem mit gediegener Yachtoptik gefallen kann. Die Dusche steht völlig separat gegenüber, mit Hilfe eines Faltvorhangs wird der ganze Heckbereich zur Privat­sphäre. Bad und Dusche sind dabei auf Podesten aufgebaut – für Großgewachsene ist die Kopffreiheit so ein Problem.

Das Laika-Bad gibt eine solide Vorstellung. Die vielen Accessoires bis hin zum Wäscheständer gefallen, das Waschbecken in Rosa-Marmor-Optik in­­des nicht jedem. Wer partout eine separate Dusche wünscht, wird mit dem Knaus-Bad nicht glücklich, auch wenn die Duschecke pfiffig abtrennbar ist. Ansehnlich sind die Schränkchen in Holzdekor, die schlichten wei­ßen Kunststoff-Formteile pas­sen dagegen nicht so recht zum übrigen S-Liner-Stil.

Die Frage ist nur: Zu welchem S-Liner? Dem Serienprodukt für 72.000 Euro oder dem aufgebrezelten Testwagen für über 106.000 Euro – so wird aus dem günstigsten Basispreis leicht das teuerste Mobil dieser Konkurrenz.

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Foto: Regenscheit, Bartosch

Datum

29. Januar 2008
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