Vergleichstest, Challenger Prium/Ci X-Til/TEC Rotec lift 23 Bilder Zoom

Vergleichstest: 3 Hubbett-TIs: Nachwuchs-Erfinder

Teilintegrierte mit Hubbett sind die Neuentwicklung der letzten Jahre. Auf den Spuren des Hubbett-TI-Pioniers Bürstner wandeln die drei Marken Challenger, Ci und TEC und profilieren sich mit pfiffigen eigenen Ideen.

"Es gibt nichts mehr zu erfinden“ – mit dieser Begründung trat 1875 der Direktor des amerikanischen Patentamts zurück. Er irrte. Nicht erst die Teilintegrierten mit Hubbett beweisen, dass noch Neues entstehen und sich durchsetzen kann, hier als Kreuzung aus Alkoven, Integrierten und Teilintegrierten. Hybrid-Mobile könnte man sie auch nennen – nichts anderes als Kreuzung oder Zwitterwesen bedeutet das gerade hoch moderne griechische Wort.

Auf den Spuren von Daniel Düsentrieb wandeln auch die Marken Challenger, Ci und TEC. Sie zählen nicht zu den Erfindern des Hubbett-TI, wollen aber mit guten Detailideen und Weiterentwicklungen glänzen. Besonders unkonventionell präsentiert sich der Challenger Prium XG. Küche und Sitzbank stehen als zentrale Einheit mittig im Fahrzeug – wer will, kann Polonaise drum herum tanzen.

Zwei kleine Seitensitze und die gedrehten Cockpitsessel ergänzen sich mit der Sitzbank zur Sechserrunde. Sie wirkt wegen des Durchgangs rechts und links viel luftiger als die gängige L-Bank-Anordnung. Dazu trägt auch der Verzicht auf Hängeschränke unter dem Hubbett bei. Mit größeren Seitenfenstern könnte man den konzeptbedingten Lichtmangel an der Sitzgruppe noch besser kompensieren. Dennoch ist es im Prium am hellsten, dank seines großen Dachfensters vorne.
Die Hubbetten von Ci X-Til und TEC Rotec Lift 652 G tragen zwar Hängeschränke, trotzdem wären in beiden Fällen größere Seitenfenster möglich. Auch hier lassen Dachfenster in den Fahrerhauskapuzen Licht herein – beim TEC allerdings nur gegen Aufpreis. Sie sind bei allen dreien sogar zu öffnen.
Die größte Runde kann sich im X-Til treffen. Rückt man etwas zusammen, haben dank der langen Seitenbänke bis zu acht Personen Platz. Die optionalen Polsterbezügen des Reisemobils aus elfenbeinfarbenem Leder ergeben reizvolle Kontraste zu den schokofarbenen Hängeschränken. Wem's nicht gefällt, der findet in der baugleichen Parallelreihe Roller Team T-Line auch ein alternatives Farbdesign. 

Unsichtbar haben die Ci-Konstrukteure in der Seitenbank eine Überraschung eingebaut. Ein Brett klappen, eines herausnehmen und die Polster umsetzen – fertig ist der fünfte, rückwärtige Fahrplatz mit einem Beckengurt. Allerdings lässt sich das Lehnenpolster nicht richtig fixieren und reicht nicht bis in Kopfhöhe hinauf. Deshalb kann man kaum guten Gewissens mitfahren.

Das gleiche Problem wurde mit Hilfe von Sitzhersteller Aguti im Lift besser, aber auch teurer und etwas umständlicher gelöst. Für 549 Euro gibt es einen Zusatzsitz mit Beckengurt, der in eine passende Aufnahme der Sitztruhe gesteckt wird. Darauf sitzt man sicher und relativ bequem. Bei Nichtgebrauch verschwindet der Sitz in der Heckgarage.
Die Prium-Entwickler machen sich über solche Dinge wenig Gedanken und statten selbst die beiden Heckpassagiere in Fahrtrichtung zwar mit höhenverstellbaren Kopfstützen und Armlehnen, aber nur mit Beckengurten aus.

Viel Grips steckt dagegen im Prium-Hubbett. Es hängt an vier Sicherheitsgurten, wird an zwei Aluminiumschienen geführt und senkt sich elektromotorisch herab – wenn man die etwas komplizierte Bedienung durchschaut hat. Kurz über den Lehnenpolstern hält es automatisch an und ist nach Einhängen der Leiter bezugsfertig.
Nimmt man die Lehnenpolster ab und senkt – ebenfalls elektromotorisch – den Tisch ab, kann das Bett sogar noch weiter bis auf Sitzpolsterniveau heruntergefahren werden. Es bietet sich dann als leicht zugängliches Doppelbett mit großer Breite und etwas knapper Länge an. Damit am Morgen danach das Bett wieder sicher an die Decke entschwebt, scheint eine Aufstockung der etwas dürftigen 92-Ah-Nassbatterie durchaus angeraten.
Mit mehreren Hubbettpositionen punktet ebenfalls der Ci. Er ist ein Halbbruder des Challenger Prium, da beide Marken zur Trigano-Familie gehören. Das Hubbett wird hier an einer Scherenmechanik manuell bewegt. Die mittelhohe Position ermöglicht die gleichzeitige Nutzung von Liegefläche und Sitzgruppe. Von der üppigsten Stehhöhe des Trios mit 1,87 Meter unter dem Bett bleiben dann immerhin noch 1,39 Meter übrig – genug zum Sitzen. Senkt man das Bett ganz herab, wächst die Kopffreiheit über der Liegefläche von rund 60 auf über 80 Zentimeter. Zum Aufstieg in beide Höhen lässt sich die Leiter anpassen. Das Hubbett kann im vollen Rechteckmaß von 1,92 mal 1,40 Meter genutzt werden und hat die größte Liegefläche dieses Trios.

Großgewachsene kommen mit 1,97 Meter Liegelänge im TEC-Hubbett allerdings besser zurecht. Es lässt sich mit einer klassischen Schwenkmechanik absenken. Die Breite ist aufgrund der abgeschrägten Kopf- und Fußenden für zwei Erwachsene aber eher knapp. An allen drei Hubbetten haben die Entwickler an Beleuchtung und Ablagen gedacht.
Im Prium ist auch das Heckbett an Gurten aufgehängt und per Handkurbel um 33 Zentimeter höhenverstellbar. Das lässt jederzeit die Wahl, den Bettzugang ganz leicht oder den Stauraum darunter ganz groß zu machen. Optional gibt es die Höhenverstellung auch im -X-Til. Hier wie dort bleibt nur ein Problem: Gegen Gerüche von Sportzeug oder Motorroller ist der Wohnraum nicht abgeschottet.
Ruht das Heckbett in oberster Stellung, hat die Prium-Garage den größten Platz. Das X-Til-Gepäckabteil ist dafür weniger verwinkelt und mit zwei großen Seiten- und einer Innentür perfekt zugänglich. Verzurrmöglichkeiten und Fächer für Kleinteile sucht man hier im Gegensatz zu den anderen beiden jedoch vergeblich. Reisende im Lift müssen sich mit spürbar weniger Breite im Heckstauraum als bei den Wettbewerbern begnügen.
Lift und X-Til bieten innen sieben beziehungsweise acht Hängeschränke, darüber hinaus einige kleinere Fächer. Der X-Til glänzt mit einem breiten Kleiderschrank. Im Lift dagegen ist er für vier Personen arg schlank geraten. Einen gewissen Ausgleich bietet unter dem Heckbett ein Regalschrank mit drei großzügigen Fächern.
Besondere Wege geht der Prium nicht nur mit seinem Grundriss, sondern auch beim Stauraum. Der Kleiderschrank ist zwar ähnlich schmal wie im Lift, aber es sind gleich zwei Exemplare übereinander. Und die geringe Zahl von Hängeschränken – es gibt nur drei über dem Heckbett – kontert er ganz locker durch zwei raumhohe Schränke mit Fächern. Sie schlucken nicht nur viel Gepäck, sondern sind auch leicht zugänglich. In schmalen halbhohen Fächern entlang der Seitenwände stecken griffbereit Utensilien wie Reiseführer und Getränkeflaschen.

Freizeitköche werden von der Prium-Küche am meisten inspiriert. Die relativ kleine, frei stehende Kochinsel mit solider Edelstahlspüle bietet zwar nur einen Zweiflammkocher, er wartet jedoch mit einer Riesenflamme für große Töpfe und Pfannen auf. Außerdem gibt es etwas reine Arbeitsfläche und ein Klappbrett als Küchenerweiterung, das auch als Anrichte dienen kann. Der Kühlschrank ist von Haus aus groß bemessen. Die hoch angebrachten Hängeschränke liegen außerhalb der Reichweite kleiner Küchengeister.
Die X-Til-Küche streckt sich in die Länge, geizt aber dennoch mit Arbeitsfläche. Auch führt sie die gute Idee der Zentralverriegelung ad absurdum, weil der dazugehörige Drehknopf gerade mal zwei Schubladen verschließt, während die Türen darunter nur mit unzureichenden Magnetschnäppern gesichert sind. Die kompakte Lift-Kombüse liefert eine solide Leistung ab. Ungewöhnlich ist das vorn herausstehende Spülbecken, das dahinter Arbeits- und Abstellfläche lässt.
Auch das Waschbecken im Sanitärraum kennt einen besonderen Kniff: Es lässt sich zwischen Bad und Dusche hin- und herschieben. Die platzsparende Idee kann in der Ausführung aber nicht ganz überzeugen, wie auch das übrige Bad nicht an die ansonsten beste Verarbeitung des Lift in diesem Vergleich heranreicht.
Eine Faltschiebetür trennt im Prium-Bad die Dusche ab. Dass dabei der Waschtisch immer mitduscht, mag noch angehen, bei den beiden großen Spiegeln wird es aber schnell putzintensiv. Eine echte separate Dusche steckt allein im X-Til; auch beim Stauraum im Bad liegt er vorn. 
Bei der Aufbautechnik tut er sich mit Styrofoam-Isolierung in den Wänden und Verstärkungen aus unverrottbarem Kunststoff ebenso hervor. PU-Rahmenfenster hat auch der Prium. Ein aufwendiges Kontrollbord, geschickte Lichtschalter und ein Rauchmelder sprechen für die Lift-Bordtechnik. Der Prium füllt den Wassertank bequem per Außenanschluss mit Gardena-Kupplung, und im X-Til sparen viele LED-Leuchten wertvollen Strom – die guten Ideen gehen offenbar noch lange nicht aus.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Michael Hahn

Datum

13. Mai 2011
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