Alles über Bürstner Solano
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Bürstner Solano T 710: (T)Raumschiff

Mit weitläufigen Platzverhältnissen verwöhnt der Bürstner Solano als T 710. Was kann der Neuling noch?

Wenn eines der meistverkauften teilintegrierten Reisemobile von Grund auf neu entwickelt wird, dann ist das schon einen Supercheck wert. Der Bürstner Solano ist so ein Fall, und wie wichtig ihn der Hersteller nimmt, zeigt sich schon an der Anzahl der angebotenen Grundrisse. Fünf Varianten gibt es vom Solano.

Technische Daten (Stand: Januar 2007)
Hersteller: Bürstner
Modell: Bürstner Solano T 710
Basisfahrzeug: Fiat Ducato 160 Multijet
Typ: Teilintegrierter
Preis: ab 51765 EUR
Sitze mit Gurt: 2
Schlafplätze: 2-3
Zul. Gesamtgewicht: 4000 kg
Länge: 7290 mm
Breite: 2300 mm
Höhe: 2850 mm
Basismotor: Turbodiesel
KW: 115
PS: 157

Aufgrund der hauseigenen Konkurrenz durch den Delfin auf Re­nault Master war die Zahl der Teilintegrierten auf Fiat in den letzten Jahren stetig zurückgegangen. Doch jetzt gibt es ja einen neuen Fiat Ducato, und der markiert für das T-Modell von Bürstner zugleich Neuanfang und Rückkehr zu alter Größe.

Apropos Größe

Zum Supercheck tritt der Solano als T 710 an, lang wie eine Zigarre und damit im Innenraum viel Platz für eine reizvolle Aufteilung in vier klar definierte Funktionsbereiche. Bad, Schlafzimmer, Küche und Salon. Eine richtige Ferienwohnung eben, mit dem besonderen Vorteil, Räder und Motor zu besitzen.

Basisfahrzeug

Die Grundlage des T 710 bildet der Fiat Ducato Maxi mit vier Tonnen Gesamtgewicht. Üppige Reserven sowohl im Hinblick auf die Gesamtzuladung als auch auf die Achslasten sind die Folge. Mancher Wettbewerber ist da nicht so zimperlich und bietet gleich lange Modelle als 3,5-Tonner an. Doch der Vorzug der un­beschränkten Höchstgeschwindigkeit dürfte mit sehr geringer Zuladung teuer erkauft sein. Bürstner geht auf Nummer sicher – und das ist gut so.

Auch wenn es schwer fällt, sich an die erlaubten 100 km/h zu halten. Zumal der Testkandidat den 157 PS starken Topmotor unter der Haube hat. Stürmisch packen die 400 Newtonmeter Drehmoment zu. Auf den ersten Metern katapultiert es den immerhin knapp 7,30 Meter langen Solano so explosionsartig nach vorn, dass das optionale ASR Mühe hat, hinterherzuregeln. Anfahren im zweiten Gang verhindert Kavalierstarts; der erste lässt sich
ohnehin nur sehr widerwillig einlegen. Die Schaltung des Sechsganggetriebes zählt nicht zu den exaktesten. Gut dosierbar und spontan sprechen dagegen die Maxi-Bremsen und
-Lenkung an.

Stabil und sicher eilt der Solano über Autobahnen und kurvige Landstraßen. Besonders komfortabel fühlt er sich nicht an, aber auch nicht gnadenlos hart. Man kann’s gut aushalten im geräumigen Fiat-Fahrerhaus auf den höhenverstellbaren Pilotensitzen, auch wenn nicht jede Ablage gleich praktisch angelegt ist und die Faltrollos die Sicht in die Außen­spiegel einschränken.

Aufbau

Die wahre Größe des T 710 merkt man eigentlich nur am langen Hecküberhang, den man beim Abbiegen im Auge behalten sollte. Vorsicht gilt ebenso an Fähren. Denn die Heckabsenkung unter das Niveau des Flachrahmens (siehe Technik-Info) schränkt den Auf­fahrwinkel zusätzlich ein.

Die Kabine selbst besteht aus Sandwichplatten mit Holzverstärkungen und Styroporisolierung, die mit Hilfe von schmalen Kantenleisten zusammengefügt sind. Anders als mancher Konkurrent setzt der Solano auf vorgehängte Fenster. Stabile Alu-Schürzen schließen den Aufbau nach unten ab. Alle Türen und Klappen haben eigene Aufsteller. Zu der etwas schlichten Aufbautür gibt es gegen Aufpreis eine Alternative in massiverer Bauart, mit Fenster und zwei Schlossfallen.

Die Verarbeitung, besonders im Bereich der Dichtfugen an den Übergängen zwischen Fahrerhaus und Aufbau, wirkt sauber. Auf dem Dach weist die freigebige Verwendung von Dichtkleber am Übergang der Dachkante in die doppelschalige, isolierte GfK-Haube allerdings auf relativ große Toleranzen hin. An den Anbauteilen fallen nur wenige sichtbare Verschraubungen ins Auge.

Ausbau

Der Einstieg fällt ohne Fußschemel sehr hoch aus. Immerhin hilft ein massiver Haltegriff im Eingangsbereich. Dort würde man auch den Schalter für das Deckenlicht vermuten, doch der ist ziemlich ungünstig über der Tür platziert.

Die Bewegungsfreiheit im Wohnraum begeistert spontan. Orange-graue Polster aus Mikrofaser prägen das modern-freundliche Ambiente. Der Bodenbelag im Stäbchenparkett-Dekor erstreckt sich ohne Stufen von vorn nach hinten; also Stehhöhe auf ganzer Länge.Sofern nicht die Klappen der vorderen Hängeschränke auf Augenhöhe offen stehen.

Ansonsten geizt das Mobiliar in schnörkellos solider Machart aber nicht mit Funktionalität. Die Oberschränke besitzen Zwischenböden und praktische Bügelgriffe, der Kleiderschrank ist nicht beleuchtet, hat aber eine ausziehbare Kleiderstange. Für Wäsche und Socken gibt’s im Schlafzimmer sogar einige Schubladen. Wer die Muße hat, kann den halben Urlaub damit verbringen, sämtliche Stauräume im T 710 zu füllen.

Zwei Reisende müssen einzig auf Begleitung verzichten: für Enkel beispielsweise gibt
es keine Gurte. Von gelegentlichen Stellplatzgästen einmal abgesehen, gehört die Sitzgruppe dem Paar also ganz allein. Die aufpreispflichtigen, bequemen Pilotensessel – Teil des obligatorischen Solano-Pakets – sind mühelos drehbar. Zu einer aufrechten Sitzhaltung zwingen die unprofilierten Längsbänke. Dazwischen steht bombensicher der Esstisch, dessen große Platte sich verschieben und absenken lässt. Durch Umdrapieren der rutschfesten Polster entsteht ein Notbett.

Komfortabler ist freilich das Längsbett, das sich – wie bei dieser Anordnung üblich – zum Fußende verjüngt. Dort befindet sich auch eine schwenkbare Halterung für einen Flachbildschirm. Leseratten finden zwei Halogenspots vor. Als Ablage dient das Regalbrett darüber oder das Sideboard gegenüber.

Sanitärraum

Neben dem Kopfende öffnet die Tür zum Bad, das mit einem geradezu feudalen Raumgefühl aufwartet. Allenfalls die Duschkabine könnte größer sein, hätte man dem hohen Außenstaufach etwas weniger Platz zugeschlagen.

Die Ausstattung, vom Stauraumangebot über das große Waschbecken mit solider Armatur bis hin zum Klorollenhalter mit Papierdepot, gefällt rundum. Feuchtigkeit kann über Dachhaube, Pilzlüfter und ein blickdichtes Heckfenster zuverlässig abziehen.

Küche

Fast ebenso gut sorgt der T 710 fürs leibliche Wohl seiner Besitzer. Arbeitshöhe und Ergonomie der Winkelküche passen auf Anhieb. Stauraum gibt es reichlich. Den linken, sehr tiefen Unterschrank würden aber zum Beispiel Drahtkorbaus­züge besser zugänglich machen. Das gewährleistet bei dem gegen­überliegenden, großen Kühlschrank der höhere Einbau.

Backofen und Dunstabzug gibt’s optional. Schwerer fällt der Verzicht auf einen Mülleimer. Seltenheitswert in Reisemobilen hat das praktische Abtropfblech. Als Arbeitsfläche taugt die hochwertige Spülenabdeckung. Das ausziehbare Brett können Normalgroße dagegen nur in gebückter Haltung nutzen. Licht spenden drei Halogenlampen, die wie Steckdosen und Schalter aber im Dampfbereich liegen.

Bordtechnik

Fummelig klein und teilweise schwergängig sind auch die Schalter der verschiebbaren Spots über Sitzgruppe, Bett und Sideboard. Besser lässt sich das informative Kontrollbord bedienen, das unter anderem auch Uhrzeit und Temperatur anzeigt. Gas-, Wasser- und Stromvorräte liegen auf klassenüblichem praxisgerechten Niveau. Eine große Gaskastenklappe schafft guten Zugang zu den nebeneinander stehenden 11-Kilo-Flaschen. Das Ladegerät und der Platz im Schürzenfach sind bereits auf die Nachrüstung einer zweiten Batterie ausgelegt.

Die Gasheizung verteilt die Wärme minimal hecklastig; beim Wintercamping macht sich trotz Faltrollos das unisolierte Fahrerhaus bemerkbar. Aufpreis kostet die Abwassertank-Isolation, die Reinigungsöffnung und Schieber ausspart.

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Datum

28. Dezember 2006
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