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Bürstner Megavan 675 TI: Megacool!

Aufsehen erregendes Design, Ausbau für vier. Vorstellung des ungewöhnlichsten Teilintegrierten der neuen Saison.

Wenn ein so grundseriöser Hersteller wie Bürstner sich so vollmundiger Vokabeln befleißigt, um ein neues Modell zu titulieren, sollte es schon was Besonderes sein. Solano, Aviano, Levanto, das klingt phantasievoll, unverbindlich und verträglich. Aber Megavan! Sapperlot, das ist schon ein starkes Wort. Offensiv, gewollt, superlativisch, irgendwie gnadenlos.

Man muss es erklären. Der Begriff Van, sofern man sich im allgemein anerkannten Sinn des Wortes etwas Kompakteres als ein ausgewachsenes Reisemobil darunter vorstellt, führt nämlich zunächst in die Irre. Der Megavan ist weder megakurz noch megaschmal. In der Länge bringt er’s auf stattliche 6,80 Meter, die man ihm allerdings aus keiner Perspektive ansieht, an der breitesten Stelle auf 2,30 Meter. Also heißt Megavan schlicht sehr großer Van. So wird ein Schuh draus.

Es gibt noch eine andere Lesart: Der Megavan heißt Megavan, weil er einfach megacool aussieht. Aus der Masse der ja meist recht ambitioniert auftretenden Teilintegrierten ragt er so deutlich heraus, dass man schon schwärmen darf, ohne gleich der Parteinahme verdächtig zu sein. Wenn die Designgurus vom Hymer IDC um Professor Johann Tomforde die Gestaltung übernehmen, wird das zwar meistens nicht besonders preiswert, aber die Optik ist aus einem Guss.

Statt Strichchen hier und Sickchen da sorgen großzügige Farbflächen für einen homogenen Auftritt. Dunkle Abklebungen lassen das Renault-Master-Fahrerhaus und den Aufbau ineinander fließen. Auffallend schmal gehalten sind die Übergänge, was möglich ist, weil die Kabine sich ab der Aufbautür nach vorne hin verjüngt. Die konventionelle Bauart lässt das ohne viel Aufwand zu. Man fräst eine kleine Kerbe in das Styropor und knickt die Wand an dieser Stelle ab.

Die über dem Cockpit sehr flach ansteigende Haube zieht sich weit in den Aufbau hinein, betont durch ein längliches Dachfenster. Das lässt auch von oben Licht rein. Obwohl daran keinerlei Mangel herrscht: Panoramafenster links und rechts gewähren einen wahrhaft prachtvollen Ausblick.

Formale Strenge dominiert die Heckansicht, die sich aus zwei horizontal gegliederten GfK-Teilen zusammensetzt. Wie aus dem Vollen gefräst prangt am Dachabriss ein Heckspoiler, der die sportliche Note des Megavan-Designs unterstreicht. Hinter dem durch Sicken konturierten unteren Formteil mit der automotiven Nummernschildeinfassung versteckt sich ein Auszug, der eine bequeme Beladung der Heckgarage ermöglicht, ohne durch Klappenumrisse die Seitenansicht zu stören. Deren schnelles Layout mündet schließlich in zwei modernen Klarglas-LED-Rückleuchten. Das ist Dynamik. Ein positiver Hingucker aus jeder Blickrichtung. Denn auch die Proportionen stimmen, dank Alko-Tiefrahmen mit breiter hinterer Spur. So weit der Exotenbonus.

Auch bei der Innenarchitektur hat Bürstner den IDC-Designern lange Leine gelassen. Also her mit den frischen Konzepten, meine Damen und Herren. Die Standards waren natürlich gesetzt: Sitzgruppe, Küche, Bad und Bett – in diesem Fall sogar zwei Betten. Aus der integrierten Bauart hat man die Idee entliehen, an der Decke ein Hubbett zu platzieren. Eines, das ganz weit herunter schwenkt, damit man bequem einsteigen kann. Dann sitzen unten zwar nur noch Pygmäen komfortabel, aber ein schlechtes Ruheplätzchen ist die Koje oben ja auch nicht, so direkt unter den Sternen. Das Bett erklimmt man über eine Treppe aus versetzt übereinander gestapelten Schub- und Staufächern hinter der Sitzbank.

Wie in Teilintegrierten üblich, lassen sich die Vordersitze drehen, um das Fahrerhaus als Wohnfläche mitzunutzen. In zweiter Reihe steht eine Sitzbank, die als Travel-Lounge ab 2006 das Bürstner-Angebot an Extras auch für andere Baureihen ergänzt. Die Neigung der Lehne lässt sich durch Verschieben der Sitzfläche einstellen. Angelehnt an das Rostorange der Seitenschürzen, tragen auch die Polster eine farblich entsprechende Garderobe.

Unverbaut genießt man den Blick aus dem linken Fenster. Lediglich der kleine Küchenblock hinter dem Beifahrersitz vor der rechten Scheibe schneidet einen Teil des Ausblicks ab. Doch man hat versucht, aus der Not eine Tugend zu machen: Die oberen Schubladen öffnen bei aufgestelltem Fenster auch nach außen. Auf Wunsch gibt’s zudem einen Backofen, der über dem ausgelagerten Kühlschrank unterkommt.

Ein recht unkonventioneller Kompromiss beantwortet im Megavan die Frage nach dem Sanitärkomfort. Der hintere Gang sollte wegen des besseren Raumgefühls nicht von einem ausladenden Bad verbaut werden. Aus diesem Grund wird der Duschbereich in den Wohnraum einbezogen. Wenn gerade keiner das Bad benutzt, schreitet man über die mit einem Teak-Holzrost abgedeckte runde Duschtasse einfach hinweg. Zum Gebrauch auch der dahinter liegenden Toilette werden zwei halbrunde Plastiktüren vorgeschoben. Wer sich an der Duschkabine vorbeischlängelt oder eben bei unbenutzt verschlossenem Bad mit breitem Schritt nach hinten geht, steht vor einem großen, erfrischend konventionellen Bett quer im Heck. Links ein schmaler Kleiderschrank, rechts mehrere voluminöse Wäschefächer.

Weiteren Stauraum gibt es hinter einem Rollo unterhalb der Bettkante und in Hängeschränken und offenen Ablagen um das Bett, das sich mit anderthalb auf zwei Meter komfortabel breit macht. Übrigens wird auch über eine kürzere Sechsmeter-Variante des Megavan nachgedacht, die dann im Heck ein schmaleres Bett haben soll. Die Arbeiten schreiten voran. Der gezeigte Prototyp wird fix und fertig in Düsseldorf stehen. Lieferbar ist das Designerstück ab Frühjahr 2006. Wer mag, kann dann für angepeilte 55 000 Euro zuschlagen.

Technische Daten (Stand: September 2005)
Hersteller: Bürstner
Modell: Megavan 675 TI
Basisfahrzeug: Renault Master 120 dCi
Typ: Teilintegrierter
Preis: ab 55000 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 4
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 6800 mm
Breite: 2300 mm
Höhe: 2850 mm
Basismotor: Turbodiesel
KW: 84
PS: 114
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Autor

Datum

28. August 2005
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