Alles über Bürstner Ixeo
Der Bürstner Ixeo it 680 G war der Vorreiter des Siegeszuges der Hubbetten. 32 Bilder Video Zoom

Bürstner Ixeo it 680 G im Supercheck: Hubbett-Teilintegrierter

Er war der Vorreiter des Siegeszugs der Hubbett-Teilintegrierten. Nun startet die komplett neu konstruierte Generation mit längs statt quer eingebautem Hubbett. Exklusivtest des neuen Ixeo it 680 G.

Die Aufbauarten schienen lange Zeit unverrückbar – Alkoven, Integrierte und Teilintegrierte. Mit dem Ixeo, der vor zehn Jahren als Megavan startete, entwickelte sich eine neue Zwischenform, die Elemente aller drei Aufbauarten verbindet.

Der Erfolg rief viele Nachahmer auf den Plan, sodass heute kaum eine größere Marke ohne Hubbett-Teilintegrierte im Programm auskommt. Höchste Zeit noch mal ganz neu über das Thema nachzudenken, mit dem Ziel, das Hubbett so umzugestalten, dass es nicht nur als Gelegenheits-, sondern als Hauptbett akzeptiert wird.

Die wichtigste Änderung beim neuen Ixeo: Die Liegefläche des Hubbetts ist nun längs statt quer angeordnet und wächst dadurch auf rekordverdächtige zwei Meter Länge. Auf eine ähnliche Lösung kamen parallel auch die Konstrukteure bei den Schwestermarken Challenger/Chausson. Deren Längshubbett im Modell 280/620 setzt auf besonders einfachen Zugang.

Gelingt damit die Aufwertung, haben vor allem auch Grundrisse eine deutlich bessere Marktchance, die außer dem Hubbett keine weiteren festen Betten aufweisen. Wie der komplett neue Ixeo it 680 G mit großem Bad und Garage im Heck.
Neuer Trendsetter oder Flop? Der Supercheck ergründet die Vor- und Nachteile der neuesten Ixeo-Generation.

Wohnen

Man mag es gutheißen oder nicht – für viele gehört es zu den ersten Tättigkeiten beim Einrichten auf einem Stellplatz: die Sat-Schüssel ausfahren. Da ist der Wunsch nur konsequent, den gemütlichen Fernsehabend auch nicht vor einem kleinen Mäusekino verbringen zu wollen.

Bei der Ixeo-Neugestaltung haben sich die Bürstner-Macher dazu besondere Gedanken gemacht. Statt der Seitenbank rechts gibt es optional ein sogenanntes "Lowboard" und darüber Platz für einen stattlichen 32-Zoll-Fernseher, vor einer steinartig grob strukturierten Wandverkleidung. Vom Fahrersitz und der Eckbank aus lässt sich der etwas schwenkbare LED-TV bequem einsehen, und auch vom abgesenkten Hubbett ist Fernsehen gemütlich möglich.

Das neue Längshubbett ist natürlich der spannendste Punkt der neuesten Ixeo-Generation. Um es komplett herablassen zu können, müssen die Fahrerhaussitze gedreht, die Armlehnen hochgeklappt und der Tisch abgesenkt werden. Dann schwebt das Bett per Tastendruck aus seiner elegant in die Deckenverkleidung integrierten Ruheposition herab.

Bei einem einprogrammierten Zwischenstopp richtet sich das abgeklappte Kopfteil automatisch in die Waagerechte aus. Ab dann kann die Liegefläche praktisch in beliebiger Höhe geparkt werden. Eine gleichzeitige Nutzung mit der Sitzgruppe – die optional ebenfalls zum Bett umgebaut werden kann – ist allerdings nur mühsam möglich, weil der Betteinstieg durch Verkleidungsteile an der Decke verengt wird.

In unterster Stellung gelingt der Zustieg vom Fußende aus dagegen relativ leicht. Das Bodenpodest dient als hilfreiche Stufe – zumindest beim Einstieg, beim Ausstieg ist der verfügbare Trittbereich nicht immer zielsicher zu treffen. Das Bett selbst verwöhnt mit einer für ein Hubbett üppigen Länge, einer kuscheligen Kaltschaummatratze auf Lattenrost und zwei sehr hellen Schwanenhals-Lesespots. Ein sich automatisch aufstellender Stehkragen verhindert das Herausfallen des Kissens. An einen Notbetrieb des Betts per Kurbel wurde ebenfalls gedacht.

Ein nett beleuchteter Tresen trennt – und verbindet gleichzeitig – Sitzgruppe und Küche. Echt praktisch ist das, um beim Decken oder Abtragen des Tischs Geschirr und Schüsseln zwischenparken zu können. In der U-förmigen Kombüse nimmt der Kocher die Wandseite ein. Richtung Heck findet sich die runde Spüle, dazwischen etwas Arbeits- und reichlich Abstellfläche. In Schubladen, Schränken und offenen Ablagen kommen reichlich Kochutensilien und Vorräte unter.

Ohne Engegefühl können zwei Reisende das Bad im Heck auch gleichzeitig nutzen. Die Duschkabine ist großzügig – kein Radkasten stört hier im Fußbereich. Zwei Abläufe, drei Ablagen und eine abnehmbare Kleiderstange gehören zur Ausstattung. Ablagen und Spiegelfläche gibt es am Waschtisch genug. Das Becken ist jedoch nicht allzu groß.

Beladen

Das Längshubbett ermöglicht, die Hängeschränke über der Sitzgruppe fest an der Wand zu fixieren. Dabei legen sie – verglichen mit herkömmlichen Exemplaren unten an Querhubbetten – zudem an Volumen zu. Wirklich nutzbar ist der Raum allerdings kaum, denn der Eingriff fällt konstruktionsbedingt eng aus. Besser wäre es, den oberen Teil der Hängeschränke als separate Fächer auszuführen, die dann allerdings nur bei abgesenktem Hubbett zugänglich wären. Im Idealfall könnte man darin tagsüber das Bettzeug geschickt verstauen.

So oder so werden zwei Reisende im Ixeo it 680 G aber kaum unter Stauraummangel leiden. An der Sitzgruppe gibt es eine kleine Truhe und ein praktisches Bodenfach sowie kleine Regale in den Ecken. Ein schmalerer Kleiderschrank direkt neben dem Einstieg – mit Unterfach für Schuhe – ist ideal für Jacken, die man griffbereit haben möchte. Einen zweiten größeren Kleiderschrank findet man rechts hinten im Bad hinter Schiebetüren. Die machen zudem einen weiteren geräumigen Schrank zugänglich mit Fächern und zwei hilfreichen Auszügen.

Sperrgut findet schließlich im Heckstauraum Platz, der links die komplette Kabinenhöhe einnimmt und mit einem Brett teilbar ist. Türen und Lampen stehen auf beiden Seiten bereit, Zurrschienen sind ebenfalls vorhanden. Zur echten Garage fehlt es aber etwas an Breite und Höhe – das Verladen von zwei sperrigen Trekking- oder E-Bikes ist knifflig – bei 6,99 Meter Länge enttäuscht das ein wenig. Ähnlich wie beim Gewicht, wo man mit so einem Paar-TI doch eigentlich in der "unkomplizierten" 3,5-Tonnen-Klasse unterwegs sein möchte. Das gelingt beim it 680 G aber nur mit starker Zurückhaltung bei Extras und Wasservorrat.

Technik

Aus der Not eine Tugend machen – als praktisches Beispiel für diese Redewendung könnte man die Beleuchtungssituation im Ixeo heranziehen. Das Längshubbett lässt kaum Licht von oben an die Sitzgruppe dringen, und durch die TV-Wand-Option fehlt zudem das rechte Seitenfenster. Umso mehr setzt man auf künstliches Licht, das dank LED-Technik sowohl hell als auch stimmungsvoll und sparsam ausgeführt ist. Das Lob gilt allerdings nicht für alle Bereiche des Ausbaus – mehr dazu unten im Lichtcheck.

Versorgt werden die Lampen von einer herkömmlichen Blei-Säure-Batterie mit 90 Ah, die in der Seitenbanktruhe unterkommt. Für einen Zweitakku ist der Platz schon bereitet, allerdings hat der Blechboden, auf dem sie stehen, keinen durchgängigen Rand und fungiert somit nicht als vorgeschriebene Säurewanne.

Sehr angenehm ist die zentrale Anordnung der meisten Ver- und Entsorgungskomponenten in einem Außenfach. Für das Stromkabel hat der Klappenrahmen einfach eine Aussparung – so kann man auf eine Bodendurchführung verzichten. Damit überlaufendes Wasser beim Einfüllen keine Schäden anrichtet, gibt es einen aufsetzbaren Schwallkragen – ebenfalls eine simple Lösung, die funktioniert. Zum Öffnen des Abwasserhahns muss unterflur ein Griff auf einen Vierkantstab aufgesteckt werden. Angenehmer wäre es, auch diese Funktion in das Fach zu integrieren. Mehr stört jedoch, dass der Ablassstutzen direkt unter diesem Fach mündet. Will man gleichzeitig Ablassen und Auffüllen, steht man voll im Spritzbereich.

Bei der Modellüberarbeitung wurde auch die Aufbaukonstruktion auf den aktuellen Stand gebracht. Holz hat in tragender Funktion ausgedient. Die Mittellage des Sandwichs besteht aus XPS mit Verstärkungen aus PU-Schaum. Dach und Boden hüllen sich in GfK. Bei der Bodenplatte ist auch die Oberseite aus diesem wasserunempfindlichen Material. Die T-Haube über dem Cockpit und der Hubbettbuckel sind ebenso aus GfK geformt.
Die Alu-Rahmenfenster fügen sich plan in die Seitenwand ein. Schnell nicht mehr missen möchte man zudem die hohe und breite Aufbautür, die vor allem beim Be- und Entladen hilfreich ist.

Fahren

Die Proportionen des Ixeo it 680 sind stimmig. Beim Fahren überrascht er weder mit Tücken noch mit ungewöhnlicher Handlich- oder Sportlichkeit. Das hat auch damit zu tun, dass der eigentlich potente 148-PS-Motor des Testwagens, vermutlich wegen der geringen Laufleistung, seinen Zenit spürbar noch nicht erreicht hat. Dazu kommt das eher üppige Grundgewicht. Erfahrungsgemäß sollte man auch schon mit dem 130-PS-Motor ganz gut zurechtkommen können. An das 115-PS-Serienaggregat verschwendet man hier besser gar keinen Gedanken.

Der elegant geformte Hubbett-Buckel auf dem Dach kaschiert geschickt, dass der Ixeo bis auf fast drei Meter hinaufragt. Bei tiefhängenden Ästen und Ähnlichem sollte man sich dessen stets bewusst sein.

Die Geräuschentwicklung unterwegs hält sich weitgehend in Grenzen. Lediglich wenn die Hinterräder über Kanaldeckel holpern, ist das markante dumpfe Poltern unüberhörbar. Die schicken, zweifarbigen 16-Zoll-Leichtmetallfelgen mit breiteren Reifen sorgen nicht nur für einen stämmigeren optischen Auftritt, sondern verbessern auch spürbar die Straßenlage.

Weitere Mehrkosten verursacht es allerdings auch, den Ixeo mit Beifahrer-Airbag und ESP auf zeitgemäßes Sicherheitsniveau zu hieven – im Paket mit elektrischer Spiegelverstellung, Klimaanlage und Tempomat.

Preise

Der Ixeo it 680 G startet unter 60 000 Euro Grundpreis. Jedoch muss man den 130-PS-Motor und das Chassis-Paket noch mindestens mit einrechnen, besser auch die Auflastung auf 3,85 Tonnen und landet dann bei einem realistischen Grundpreis von rund 63 000 Euro. Darüber hinaus gibt es eine umfangreiche Aufpreisliste, um den Ixeo zu verschönern und komfortabler zu machen. Auch Wintercamper müssen noch tiefer in die Tasche greifen, haben aber die Auswahl unter vielen interessanten Optionen.

Beladungstipps

Mit dem 3,5-t-Serienchassis tut sich der Ixeo schwer auszukommen. Zumindest wenn, wie beim Testwagen, Extras mit rund 170 Kilo an Bord sind und man den Wassertank nicht nur im Stand vollfüllen möchte. Angemessene Reserven verspricht die Auflastung auf 3,85 t mit Zusatzfeder. Für bedenkenloses Beladen auch an den Achsen empfiehlt sich besser gleich das Maxi-Chassis.

Lichtcheck angelehnt an din EN 12464-1; Farbabstimmung auf zirka 4000 Kelvin

1) Die Schwanenhalsspots, die zum Lesen an der Sitzgruppe und im Bett dienen, kommen auf gigantische 11 000 bis 13 000 Lux!
2) Auf dem Tisch sind es im Mittel sehr gute 405 Lux, an der hellsten Stelle gar 710.
3) Bis über 1000 Lux und 400 im Mittel sind es auch in der Küche, es hapert nur etwas an der Gleichmäßigkeit.
4) Nur um die 100 Lux erhellen dagegen Bad und Dusche. Mehr Licht und nicht nur von oben wäre gut.

Alle Infos zum Bürstner Ixeo

Gurte/Schlafplätze: 4/2
Zul. Gesamtgewicht: 3850 kg
Länge/Breite/Höhe : 6,99/2,30/2,98 m
Grundpreis ab: 58 890 Euro
Weitere Modelle: 2
Charakter: In der neu aufgelegten Ixeo-Generation gibt es bislang drei Modelle. Neben dem getesteten, eher ungewöhnlichen it 680 G, der ganz auf das Hubbett vertraut, gibt es zwei herkömmlichere Varianten mit Einzelbetten (it 728 G) oder Queensbett (it 734) im Heck. Weitgehend baugleich sind übrigens die 4-Travel-Modelle von Dethleffs.
Weitere vier Grundrisse stellt Bürstner in der günstigeren Ixeo-Time-Baureihe zur Wahl, die weiterhin auf das Quer-Hubbett setzt. Auch hier gibt es ein "Nur-Hubbett-Modell", den gerade mal 5,99 m langen it 586, Grundpreis 49 680 Euro.

Das fiel uns auf

(+) Dicke Bodenplatte mit XPS-Schaum-Dämmung (schwarz). Duschwanne mit solider Unterfütterung (rosa).
(+) Die sehr helle LED-Flächenlampe unten am Hubbett gleicht das Fehlen von Tageslicht gut aus.
(+) Die extrabreite Aufbautüre erleichtert den Einstieg – besonders auch beim Be- und Entladen.
(+)(-) Platz für zweiten Akku vorhanden. Der Nassbatterie fehlt aber eine auslaufsichere Säurewanne.
(-) Fummeliger, praxisuntauglicher Herausfallschutz für das Hubbett, der eher nur pro forma beiliegt.
(-) Serienmäßig nicht frostgeschützter Abwassertank. Auflastung mit Zusatzfeder (rot) nötig.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Ingolf Pompe, Jürgen Bartosch (3)

Datum

11. Februar 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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