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Test: Brennstoffzellen: Kraftwerk am Henkel

Die innovative Smart Fuel Cell A25 erzeugt auf chemische Art Strom aus Methanol.

Caravan-Salon 2003: Die Brennstoffzelle A50 aus dem Hause Smart Fuel Cell sorgt für eine kleine Sensation. In einem schmucken, gelb-silbrigen Kästchen steckt die erste ihrer Art, die in der Reisemobilbranche angenommen wird – schon deshalb, weil mit Hymer ein ganz Großer in das Projekt eingestiegen ist. Fest, aber noch als Prototyp eingebaut in ein Hymermobil der B-Klasse, soll die Zelle dort zur Pufferung der weiterhin vorhandenen Bordbatterie dienen. Zu jeder Zeit und unabhängig von Wind, Wetter oder 230-Volt-Anschluss können von dieser Stromquelle nach Werksangabe 50 Watt an elektrischer Leistung erwartet werden. Das Gerät arbeitet von einer Kennlinie gesteuert, das heißt, es liefert wie ein automatischer, intelligenter Lader so lange Strom, bis die Bordbatterie eine bestimmte Spannung erreicht hat; danach geht die SFC auf Erhaltungsladung (siehe promobil 9/2003). Smart Fuel Cell hat aber noch mehr in petto. Das für seine Innovationen prämierte Unternehmen hat außer der A50, die nächstes Jahr lieferbar sein soll, die A25 zur Serienreife gebracht; promobil bat sie fix zum Praxistest. Im Gegensatz zur A50 ist die halb so starke A25 eine absolut unabhängige Lösung. Sie wurde ursprünglich für die Langzeit-Energieversorgung in der Verkehrs-, Mess- und Überwachungstechnik entwickelt und eignet sich besonders für den flexiblen Einsatz. Die kompakte A25 lässt sich jederzeit aus dem Reisemobil entnehmen, um mit ihr zum Beispiel eine Batterie in einem Boot oder im Wochenendhaus zu unterstützen. Während die im Hymermobil auf dem Caravan-Salon eingebaute A50 nur in Verbindung mit dem Bordakku des Reisemobils funktioniert, steckt in der A25 eine eigene 4-Ah-BleiGel-Batterie, die diese Brennstoffzelle intern zum Laufen bringt. Weitere Unterschiede zur A50: Diese fungiert ausschließlich als Zwölf-Volt-Lader; die SFC A25 ist dagegen in der Lage, einen Verbraucher direkt anzutreiben, sofern dessen Leistungsaufnahme 25 Watt im Dauerbetrieb nicht überschreitet. Außerdem erlaubt es der Silent-Modus, den eingebauten Akku kurzzeitig als Stromversorgung für Zwölf-Volt-Verbraucher zu nutzen.

Der Aufbau der Smart Fuel Cell A25 ist schnell erklärt. Im gelben Teil sitzt das Bedienungselement, das aus einem Schalter, einer Zwölf-Volt-Standardbuchse und vier LED besteht. Mit dem knackig rastenden Schalter wählt der Benutzer die Betriebsart (Aus – Direktbetrieb – Silent-Betrieb – Ladebetrieb). Per Buchse und Kabel wird die Brennstoffzelle mit dem Bordstromkreis verbunden. Die LED zeigen durch Dauerlicht, Blinken oder Dunkelheit Betriebszustand oder Fehlerhinweis. Im gelben und silbernen Gehäuseteil haust die Brennstoffzelle mit ihren Aggregaten. Es handelt sich um eine Direkt-Methanol-Brennstoffzelle, die ihren Energiebedarf an Wasserstoff aus dem Kohlenwasserstoff bezieht. Der Methanoltank fasst 2,5 Liter und ist im hinteren, silbernen Teil unter einer Klappe untergebracht. So umweltfreundlich Methanol als Brennstoff verwendet werden kann, so gefährlich ist es selbst. Es taucht in zwei Gefahrgutklassen als giftig und als leicht entzündlich auf. Aus diesem Grund liefert Smart Fuel Cell einen stets dicht schließenden Tankbehälter gleich mit, der nur gefüllt gekauft werden kann. Der TÜV- und GS-geprüfte Kanister verfügt unter dem Schraubdeckel über ein Ventil, das erst öffnet, wenn der Tankdeckel der Brennstoffzelle eingeschraubt wird. Klingt komplizierter, als es ist. Einfach Deckel auf, leeren Kanister herausnehmen, vollen in das Gerät stellen. Erst jetzt den Schraubverschluss öffnen und den Sicherheitsverschluss auf den Kanister drehen, fertig. Dies kann sogar während des Betriebs geschehen. Der Tank kann nicht nachgefüllt, er muss getauscht werden. Übrigens: Wer eine Brennstoffzelle betreibt und deshalb Methanol mit sich führt, fällt nicht unter die Einschränkungen der Gefahrgutverordnung. Der Kanister kann also im Stauraum seinen Platz finden. Das ganze Aggregat hat die Größe einer dicken Aktentasche und wiegt inklusive der 2,2 Kilogramm schweren Tankpatrone knapp unter zehn Kilo. Die Installation ist denkbar einfach. Der richtige Platz kann im Doppelboden, in einem Staukasten, aber auch im Innenraum des Fahrzeugs liegen. Beim Dauertest-Hymercamp von promobil fand sich ein passender Ort hinter dem Beifahrersitz. Dort wurde die Zelle mit einer Schraube am Boden fixiert.

Das beiliegende Kabel fand schnell seinen Weg in die benachbarte Buchse am TV-Schrank. Man muss hierbei darauf achten, dass die Steckdose weder über das Kontrollbord noch über die Zündung geschaltet wird, da sonst der Ladestrom unterbrochen werden kann. Für den Dauerbetrieb lohnt eine direkte Verkabelung mit der Bordbatterie, um den Spannungsabfall durch Steckverbindungen und Kabellänge gering zu halten. Die A25 ist nicht wie die A50 für den Einsatz im Reisemobil optimiert und regelt den Ladestrom bei 13,8 Volt vor der vollständigen Aufladung ab. Die A50 lädt mit 14,4 Volt, was gewährleistet, dass die Batterie zu 100 Prozent gefüllt wird. Der Betrieb ist automatisiert. In Schalterstellung Charge wird unspektakulär, langsam geladen und per U-I-Kennlinie gesteuert. Im Bereich 10,5 Volt bis zum Abschaltwert 13,8 Volt der Batteriespannung fließen 1,5 bis 2,2 Ampere. Man kann sich ausrechnen, wie lange es dauert, bis die Batterie Strom gebunkert hat – bei einer 80-Ah-Batterie wären es maximal etwa zwei Tage. Die Zelle produziert keine Abgase, sondern nur ungefähr so viel Kohlendioxid, wie ein erwachsener Mensch ausatmet, und etwas Wasser. Man riecht nichts, man sieht nichts und man hört auch kaum etwas, wenn die A25 vor sich hin schnurrt. Sollte sich wider Erwarten Kondensat bilden, kann der beiliegende Abluftschlauch montiert werden. promobil ermittelte den Verbrauch unter Laborbedingungen. Dabei genehmigte sich die Zelle 0,3 Liter Methanol für 10 Stunden Volllast-Betrieb(21 Watt). Der Praxis-Verbrauch lässt sich vor diesem Hintergrund abschätzen: Für zwei Wochen Urlaub dürften drei Kanister ausreichen. Bei 14,90 Euro pro Kanister sind dies knapp 45 Euro. In der Apotheke kostet der Liter übrigens fast 20 Euro. Auf dem Caravan-Salon gab es die Smart Fuel Cell A25 zum Sonderpreis von 3999 Euro, heute kostet sie wieder 4999 Euro. Begründet ist dies durch hohe Entwicklungskosten und niedrige Stückzahlen. Hier sind momentan zwei Arten Pioniere gefragt. Die einen, die die Technologie entwickeln, und die anderen, die sich den Fortschritt leisten.

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Datum

19. Dezember 2003
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