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Test: Benimar Anthus 6000 STX

Eine Heckgarage wie ein Kinderzimmer – der Spanier Benimar Anthus will mit Pfiff und Ideen Familien begeistern.

"Kinder, das Essen ist fertig!“ ruft die Mutter aus der Küche hinüber ins Spielzimmer. Wohlgemerkt im Reisemobil – kein Scherz! Die Garage im Benimar Anthus 6000 STX ist so gemütlich, dass sie mit einer Matratze ausgestattet sogar als untere Etage eines riesigen Doppel- Stockbetts genutzt werden könnte. Oder eben als Spielwiese für die Kleinen. Ein strapazierfähiger Teppich, zwei Heizungsausströmer, drei Außenklappen, vier Lampen und natürlich die Tür zum Wohnraum adeln die Besenkammer zum praktischen Kinderhort. Da fällt es fast schwer, die gute Stube als schnöden Gepäckraum zu nutzen. Doch für edle Bikes und anderes teures Sportgerät ist das gerade recht. Die üppige Heckgarage muss allerdings darüber hinwegtrösten, dass die Sitztruhen mit Bordtechnik weitgehend verbaut und schlecht zugänglich sind. Zusammen mit dem Kleiderschrank und den sieben Hängeschränken sorgt sie aber dafür, dass in Sachen Stauraum nichts anbrennt. Der Aufbau des Benimar ist im Kern zwar konventionell – Styropor-Isolierung und Holzverstärkungen –, glatte GfK-Beplankung und breite Aluprofile an den Aufbaukanten heben ihn aber von ganz einfachen Konstruktionen ab. Ein wenig mehr Sorgfalt bei der Verbindung und Verfugung der Stöße könnte aber noch mehr Vertrauen in die Haltbarkeit schaffen.

Hochwertige Rahmenfenster kombinieren die Spanier mit einer Aufbautür der einfachsten Sorte. Kühl und grob wirkt die Innenseite der Kabine im Rauputz- Design, besonders im Alkoven. Dort können sich zwei Schläfer ansonsten recht wohl fühlen. Liegefläche und Kopffreiheit gehen in Ordnung. Schaumstoffmatratze und Lattenrost, Leiter und Sicherungsnetz sind vorhanden, könnten aber jeweils etwas stämmiger ausgeführt sein. Unter ähnlichen Voraussetzungen schläft die Besatzung auch auf dem Heckbett über der Garage. Die Matratze ist etwas dicker, der Lattenrost dafür umso härter, die Kopffreiheit unter den Hängeschränken knapp und der Aufstieg zum Bett umständlich. Die Dinette lässt sich darüber hinaus zu einer ordentlichen Notliege umbauen. Doch als regulärer Sechsschläfer kommt der Anthus 6000 schon aus Gewichtsgründen nicht in Frage. Als 3,5-Tonner reicht die Zuladung gerade für vier Personen. Eine Auflastung auf 3850 Kilo ist zwar ohne Aufpreis möglich, das dafür nötige ABS kostet aber happige 2490 Mark extra. Serienmäßig ist auch der JTD-Motor mit 127 PS, der sich – ganz spanische Reitschule – kultiviert und kräftig zeigt. Allerdings auch durstig. Rund 14 Liter auf 100 Testkilometer sind kein Sparrekord. Uneingeschränkte Vorzüge bescheren die serienmäßigen Zusatzluftfedern an der Hinterachse. Der Systemdruck kann in gewissen Grenzen variiert werden und damit, je nach Beladungszustand, als Niveauausgleich dienen. Ein großes Plus an Federungskomfort und Straßenlage bemerkt man allerdings weniger im Cockpit als auf den hinteren Bänken. Zudem schont die Luftfeder den Auf- und Ausbau -- zumindest in der Theorie. Der Testwagen konterkarierte diese Vorstellung durch manche Klapper- und Quietschgeräusche. Viel Platz zur Verköstigung der mobilen Familie bietet die Küche. Zwischen Dreiflammkocher und Edelstahlspüle bleibt reichlich Arbeits- und Abstellfläche. Praktisch, um Salat und Gemüse zu putzen, ist das Schneidebrett, das die halbe Spülwanne bedeckt.

Die restliche Kücheneinrichtung besteht vor allem aus großzügigem Stauraum in vier Hänge- und zwei Unterschränken. Staumöglichkeiten gibt es auch im Sanitärraum – in verschiedenster Form. Aus einem großflächigen, soliden Aluprofil besteht der Eckhängeschrank für Kleinkram. Weiteren Platz gibt es hinter labilen Plastiktüren und -klappen im Unterund Hängeschrank. Ein integriertes Drehregal zeigt bei Letzterem zwar Sinn für Details, die Ausführung wirkt aber reichlich primitiv. Das ändert nichts daran, dass der Sanitärraum insgesamt funktioniert. Das Waschbecken hat eine ordentliche Größe, und für gelegentliche Einsätze ist auch die integrierte Duschvorrichtung mit umlaufendem Vorhang zu gebrauchen. Durch isolierte Rohre gelangt das Grauwasser zum ungeschützten Abwassertank – Heizung und Isolation gibt es dafür auf Wunsch ohne Aufpreis. Die einfache Truma-S- 3002-Heizung zeigt sich bei näherem Hinsehen, in Kombination mit der Gebläseanlage und dem separaten Boiler, durchaus potent für kältere Tage. Der Alkoven verzichtet zwar auf einen Warmluftstrang, von der nahen Heizung steigt aber genug Wärme nach oben. Für unterwegs gibt es zudem einen regulierbaren Motorwärmetauscher an der Sitzgruppe. Vorbildlich: Ein FI-Schutzschalter sichert das 230-Volt- Netz. Mager: die 60-Ah-Bordbatterie und das funzelige Birnchen an der Küche. Pfiff beweist der Spanier wiederum durch ein Signal, das bei Motorstart vor den ausgefahrenen Heckstützen warnt, und die automatisch einklappende Trittstufe.

Technische Daten (Stand: August 2001)
Hersteller: Benimar
Modell: Anthus 6000 STX
Basisfahrzeug: Fiat Ducato 15
Typ: Alkoven
Preis: ab 49820 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 6
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 6752 mm
Breite: 2240 mm
Höhe: 2974 mm
Basismotor: Diesel
KW: 94
PS: 127
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Autor

Datum

7. August 2001
5 4 3 2 1 5 5 1
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