Alles über Adria Compact
Langer Überhang und kurzer Radstand beim Adria Compact 32 Bilder Video Zoom

Adria Compact SL im Supercheck: Leichter Genuss im kurzen TI

Schmal, kurz und wendig: Der neue kleine Adria SL macht Reisen zum leichten Genuss. Ob das nach dem Modellwechsel auch für Zuladung und Qualität gilt, zeigt der Test des Einzelbett-Modells.

Endlich ist der Frühling da, und es wird allerhöchste Zeit für die erste Ausfahrt. Wer sie in einem Adria Compact SL unternimmt, dürfte überwiegend glücklich von seiner Tour zurückkehren. Wie unser Pärchen auf dem Bild, das vor dem Mobil noch die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages genießt.

Ganz schön knuffig wirkt der kleine Adria da. Und der Eindruck täuscht keineswegs. Schon mit sieben Meter Länge gelten Modelle mit Einzelbetten als Muster an Raumökonomie, und erst recht darf man das vom SL behaupten. Mit nur 6,62 Meter in Längs- und lediglich 2,12 Meter in Querrichtung ist der SL einer der kompaktesten Teilintegrierten überhaupt.

Während Adria diese Grundtugenden vom Vorgänger übernommen hat, erfuhren Auf- und Ausbau für die Saison 2016 eine sehr gründliche Modellpflege. Das neue Design, wesentlich geprägt von der schnittigen Haube über dem Fahrerhaus, ist unaufdringlich schick, der Ausbau mit überwiegend hellen Möbeln freundlich und sympathisch. Im Supercheck geht der Compact SL in der besseren Ausstattungsvariante Plus ab 53.087 Euro an den Start. Wir schauen uns im Detail an, wie praxis-tauglich Wohnbereich, Betten, Technik und Zuladung sind und wie ernst es Adria mit der Qualität nimmt.

Alle Infos zum Adria Compact SL im Test

  • Gurte/Schlafplätze: 4/2
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.300 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 6,62/2,12/2,78 m 
  • Grundpreis: ab 51.899 Euro

Wohnen

Dass der Adria Compact sich mit relativ wenig Grundfläche zufriedengeben muss, spürt man naturgemäß an der einen oder anderen Stelle. Dennoch wäre es übertrieben zu sagen, die Besatzung wohnte in beengten Verhältnissen.

Im Wohnzimmer reicht der Platz sogar für einen kleinen Hocker an der Seite. DieSitzfläche ist zwar wegen des Kleiderschranks dahinter kurz geraten, doch um einen spontanen Besucher willkommen zu heißen, reicht es. Ansonsten lehnt man sich im Beifahrersitz zurück, legt die Füße hoch und genießt die freie Zeit. Für zwei Personen, die Idealbesetzung für den Compact, ist der Tisch groß genug. Allerdings stößt man vor allem auf dem Rücksitz mit dem Knie öfter mal an den ausladenden Unterbau, der die an sich praktische Tischverlängerung verkleidet. Für günstige 299 Euro extra gibt es Faltrollos zur Verdunkelung. Auch ein paar kleinere Ablagen sind rund um die Sitzgruppe verteilt.

Am anderen Ende machen sich zwei Längsbetten lang. Wobei „lang“ eher die Ausrichtung beschreibt als die tatsächlichen Liegemaße. Besonders das rechte Bett passt nicht jedem, und mangels Abtrennung hängt die Bettdecke gern mal nach vorn über in die angrenzende Spüle. Das Raumgefühl profitiert vor allem von der ordentlichen Kopffreiheit und der Tatsache, dass längsseits nur offene Ablagen montiert sind. Im Kopfbereich spürt man indes die Nähe zu den Hängeschränken, vor allem wenn man die hinteren Lattenroste zum Lesen aufgestellt hat. Auf den dicken Matratzen schläft es sich bequem. Und Gleiches gilt für Ein- und Ausstieg: Drei große Stufen machen den Zugang vorbildlich einfach.

Pragmatisch und schick ist die Küche. Kocher und Spüle sind in L-Form angeordnet, sodass auf der Arbeitsplatte zusätzlich eine gut 60 Zentimeter breite und 23 Zentimeter tiefe Fläche zum Anrichten bleibt. Gut zu bedienen sind die Regler der drei verschieden großen Flammen samt elektrischer Zündung. Schön wäre, wenn Töpfe und Pfannen mehr Platz auf dem – ziemlich unebenen – Rost fänden. Und anschließend in der Spüle, die sehr flach ist. Dagegen lernt man die Abtropfschale, die aufgeräumt im nahen Kleiderschrank wartet, schnell zu schätzen. Stauraum beschränkt sich auf zwei Schubladen und zwei Hängeschränke sowie den immerhin 100 Liter fassenden Kühlschrank.

Eine gewisse Geräumigkeit vermittelt das Bad. Bei der WC-Benutzung und beim Händewaschen über dem zu flachen Waschbecken, das beim Hochklappen elegant in der Spiegelwand verschwindet, genießt man reichlich Bewegungsfreiheit. Erst beim Duschen merkt man, dass die Grundfläche des Sanitärraums und damit auch des abtrennbaren Bereichs tatsächlich klein ist. Neben Platz – auch in der Höhe, um sich die Brause über den Kopf zu halten – wäre auch mehr Wasserdruck bei der Ganzkörperpflege von Vorteil.

Die optische Interieur-Gestaltung gefällt. Mit cleveren, aber teils auch eher einfachen konstruktiven Mitteln kreiert Adria ein modernes Ambiente, rundet Ecken ab, setzt helle Materialien und verjüngte Möbelkorpusse ein, um das Raumgefühl zu verbessern. An einigen Stellen mangelt es jedoch klar am Feinschliff.

Beladen

Der kleine Adria hält eine Fülle an Staumöglichkeiten bereit, so etwa drei Kleiderschränke. Gern nimmt man den kleinen Schrank gleich neben dem Einstieg in Anspruch, in den gut und gern zwei, drei dicke Jacken passen. Weniger beliebt dürften die beiden Schränke unter den Betten sein, denn sie sind schwerer zugänglich (weil sich die Fußenden nicht aufstellen lassen) und zudem sehr zerklüftet. Sinnvoller wäre es, wenn wenigstens einer dieser Spinde als Wäschefach mit Zwischenböden oder Schubladen ausgestattet wäre. Und noch etwas stört. Die Verschlussmagnete sind so schwach, dass die Rollotüren während der Fahrt ständig auf- und zusausen.

Neben fünf Hängeschränken, teils mit Zwischenböden, findet Gepäck außerdem in separierten Abteilen in den Sitztruhen und in einem Stufenfach im Heck Unterschlupf. Beim Beladen einzelner Fächer kommen einem jedoch öfter mal ungeschützte Installationen in die Quere.
Abgesehen von der Höhe, die für manches Trekkingrad nicht ausreicht, ist die Heckgarage fast mustergültig. Mit niedriger Ladekante, Zurrösen, zwei Türen und zwei Lampen lässt sie sich prima nutzen.

Für ausreichend Zuladung ist es wichtig, den Compact mit 3,5 Tonnen Gesamtgewicht zu ordern, was im Verbund mit dem 130-PS-Motor geschieht. Dann bietet der leichte Adria auch gute Reserven.

Technik

Wie alles Wichtige hat der Compact auch zwei Wassertanks und einen Bordakku. Schließlich sprechen wir über ein Reisemobil. Wenn auch ein kompaktes, und entsprechend klein sind auch die beiden Wasserreservoirs. Der Grauwassertank hängt unter dem Heck, mit dem Griff des Ablassschiebers exakt im Spritzbereich. Optional oder aber ab der gut ausgestatteten Plus-Variante wird beides isoliert und beheizt.

Licht und Schatten offenbart die übrige Technik. Einerseits ist die Beleuchtung inklusive dem dimmbaren Ambientelicht überdurchschnittlich gut, abgesehen von einem nervösen Wackelkontakt zweier Lampen an der Sitzgruppe. Andererseits findet man im ganzen Wohnbereich lediglich zwei 230-V-Steckdosen. Gut wiederum der sauber nach innen abgedichtete und entlüftete Gaskasten mit der breiten Klappe. Auch das Kontrollpanel verdient Lob, denn hat man sich erst mal an die Touchscreen-Bedienung gewöhnt, sind die Anzeigen bis hin zum konkreten Ladezustand der beiden Batterien sehr informativ.

Während im Innenraum die Installation von Leitungen und Warmluftrohren ebenso wie Teile des Möbelbaus an einigen Stellen eine gewisse Sorgfalt vermissen lassen, glänzt der Aufbau mit einer tadellosen Verarbeitung. Rundum eingehüllt in Glasfaser-verstärkten Kunststoff, ist der Compact von allen Seiten vor Umwelteinflüssen wie Hagel oder Spritzwasser gut geschützt. Die Wände sind mit einfachem Styropor (EPS) gedämmt, doch wegen der breiten Kantenleisten samt solcher Dichtnaht erscheinen Feuchteschäden höchst unwahrscheinlich. Ausdruck des gehobenen Niveaus sind schließlich auch die soliden Rahmenfenster sowie die Aufbautür, die sich über die Fernbedienung per Funk zentralverriegeln lässt, was allerdings beim Test nicht immer zuverlässig funktionierte, weil die Tür trotz Zweipunktverriegelung nicht ganz plan an den Kontakten anliegt.

Fahren

Beim Fahren sammelt der kleine Compact mit seiner ausgesprochen guten Beherrschbarkeit Sympathien. Adria stattet ihn vorbildlicherweise bereits serienmäßig mit ESP und Airbags aus. Da der schmale Aufbau mit kurzen Spiegelarmen auskommt, reicht dem Compact anders als den meisten T-Modellen eine Durchfahrtsbreite von 2,48 Meter. Wenig Hilfestellung leistet aber das rechte untere Weitwinkelfeld, das vom Fahrerplatz aus miserabel einzusehen ist, weil das Verdunklungsrollo der Beifahrertür den größten Teil verdeckt. Für viele größere Menschen ist die Sitzposition etwas zu hoch und daher auch die Sicht auf die Instrumente nicht optimal. Die praktischen Abstandspiepser sind zwar kein vollwertiger Ersatz für eine Rückfahrkamera, aber immerhin eine gute Orientierungshilfe beim Parken.

Geradezu erstaunlich wendig macht das schlanke T-Modell der kurze Radstand, auch wenn im Gegenzug der Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten geringfügig leidet. Darüber hinaus gibt die Fahrstabilität des Fiat Ducato keinen Anlass zu Kritik. Abzüge muss sich der Adria allerdings für den Fahrkomfort gefallen lassen: Die Federung ist sehr hölzern, was Geräusche aus dem Ausbau geradezu provoziert. Dafür hält sich der Compact mit 9,4 Litern auf 100 Kilometern beim Dieselkonsum angenehm zurück.

Preise

Ein Grundpreis von 53.087 Euro – inklusive hoher Nebengebühren und Fracht – hört sich spontan nicht nach Schnäppchen an. Selbst bei der 1.900 Euro günstigeren Axess-Variante steht noch eine Fünf an erster Stelle. Als Plus zuzüglich Exklusiv- und Komfortpaket ist der Compact hingegen schon ziemlich ordentlich ausgestattet und bleibt trotzdem noch unter 60.000 Euro. Ein fairer Tarif für einen soliden Teilintegrierten, bei dem nicht alle Konkurrenten mithalten können. Eine schicke Optik gibt es für 899 Euro im Style-Paket dazu.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Ingolf Pompe

Datum

1. Juni 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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