Alles über Adria Matrix
Dauertest: Adria Matrix Plus M 680 SP, Adria 28 Bilder Zoom

Adria Matrix Plus M 680 SP im Dauertest: Abschlussbericht nach über 30.000 Kilometern

An der Adria war er natürlich auch – der Adria Matrix Plus. Der Hubbett-Teilintegrierte tourte als promobil-Dauertestwagen quer durch Europa und überzeugte mit vielseitiger Einsetzbarkeit.

Alles auf einmal kann man nicht haben. Ein Wohnmobil, das bis zu fünf Personen sicher transportieren und bequem beherbergen kann und dabei mit 3.500 kg Gesamtgewicht auskommt?

Da stoßen auch die erfahrenen Konstrukteure des vor fast 50 Jahren gegründeten slowenischen Herstellers Adria an Grenzen. Bereits nach der ersten Wiegung kurz nach Übernahme des neuen Dauertestwagens wurde deutlich: Mit 3.190 kg reisefertigem Leergewicht kann man keine allzu großen Sprünge machen.

Wer den Matrix Plus M 680 SP tatsächlich als echtes Vier- oder gar Fünf-Personen-Mobil einsetzen möchte, sollte gleich auf das Maxi-Chassis mit 4,25 Tonnen Gesamtgewicht setzen. Denn wie die Erfahrungen mehrerer Leser als auch der Redaktion zeigen, hat der Matrix ansonsten gute Voraussetzungen, als höchst flexibles Mobil, eventuell auch im generationenübergreifenden Familienverbund eingesetzt zu werden.

Zumal der für ein Querbettmodell relativ lange 680 SP den Platz in eine besonders große Sitzgruppe investiert, die etwa bei schlechtem Wetter auch mal einen ausgiebigen Spielenachmittag ermöglicht.

Der Umbau der Seitenbank zum fünften Gurtplatz ist zwar etwas mühsam und die Mitfahrt auf dem rückwärts gewandten Sitz nicht jedermanns Sache. Doch finden sich kaum bessere Lösungen auf dem Markt, die gleichzeitig den Stauraum in der Sitztruhe so wenig einschränken. Und auch das Bett, das aus Tisch, Bänken und Polstern gepuzzelt werden kann, hat durchaus Erwachsenenmaße und ist als Ausweichquartier tauglich.

Luxus-Hubbett unterm Sternenhimmel

Viel weniger Mühe macht vor dem Schlafengehen aber natürlich das elektrisch absenkbare Hubbett darüber. Der gute Liegekomfort ohne verschmälerten Fußbereich und die lückenlose Ausstattung bis hin zum Panorama-Dachfenster machen daraus weit mehr als einen Notbehelf. Leser Jens Liedtke attestiert dem elektrischen Hubbett zudem Vorteile in Sachen Geräuschentwicklung während der Fahrt – im Vergleich zu einem Matrix mit manuellem Exemplar, das er zuvor nutzte. Auch im Dauertestwagen war das Hubbett nicht die Ursache störender Geräusche, sondern andere Ausbaukomponenten – und mit zunehmender Testdauer immer mehr. Das Konzert reichte vom Klappern des Drehstangenschlosses der Badtüre über das Knarzen der Schrankmöbel bis zum blechernen Tusch aus dem Backofen.

Ansonsten sind bei der Fahrt aber kaum Klagen zu hören. Der Ducato mit dem 130-PS-Motor macht seine Sache – einmal mehr – erstaunlich gut. Nur bei Passfahrten mit dem voll beladenen Fahrzeug wünschte man sich noch etwas mehr Zugkraft. Die Fiat-Werkstatt sah der Matrix in den elf Monaten nur von außen.

Ein Defekt des Außenthermometers, der teils völlig abstruse Werte anzeigte, gab sich nach einiger Zeit von selbst. Ein Fahrer notierte ins Fahrtenbuch: Bordcomputer warnt vor Glatteisbildung bei angeblich –12 Grad – aber draußen hat es +32 Grad im Schatten! Gleiches galt für die rubbelnden Bremsscheiben, die im Winterbetrieb offenbar vom Salzwasser malträtiert waren, etwas später aber wieder klaglos arbeiteten.

Das war’s auch schon, was über die zuverlässige Fiat-Basis zu berichten ist. Auf den rund 30.000 Kilometern, die der Matrix über die Testdauer abspulte, genehmigte sich der 130 Multijet im Schnitt 11,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Nicht wenige Einträge dokumentieren aber auch eine 10 vor dem Komma, vereinzelt sogar ’ne 9.

Problemkinder Tür und Bordelektrik

Die Eingangstür scheint dagegen einer der neuralgischen Punkte am Aufbau des Matrix zu sein. Beim Dauertestwagen ließ sie sich vor allem von innen nur mit Mühe öffnen. Grund war wohl – wie auch bei Leserexemplaren – ein Türblatt mit zu viel Vorspannung, sodass das Schloss klemmte. Im Laufe der Zeit wurde es ein wenig besser. Ein weiteres Problem, das gleich in der Anfangszeit auftrat, war, dass ab und an die Bordelektrik streikte. Das stylische Touchscreen-Kontrollbord verwies dabei lapidar auf den Fehlercode "E5", was den Nutzer aber auch nicht weiterbrachte. Das Problem war bei Adria bereits bekannt und durch ein zugesandtes Update-Modul, das einfach am Elektroblock zwischengesteckt werden musste, zu beheben. Leser Christian Schock berichtet allerdings, dass die Nachbesserung bei seinem Matrix nur teilweise Erfolg hatte.

Nachgebessert hat Adria auch in Sachen Klinke an der Sanitärraumtür. Der schlichte Plastikgriff brach nach wenigen Nutzungsmonaten und wurde durch eine neue, solidere Version ersetzt, die zwischenzeitlich auch schon in der Produktion eingesetzt wurde.
Nicht nur mancher redaktionelle Nutzer wünschte sich das Bad selbst ein wenig größer.

Sicher kommt man schon damit zurecht, aber allzu korpulent sollte man dabei nicht sein. Unfreiwillig geduscht hat zudem mancher beim Öffnen des Wasserhahns am Waschbecken. Der erste Wasserschwall schießt mit derartigem Druck aus der Leitung, dass es in alle Ecken spritzt. Ein Druckausgleichsbehälter könnte hier für Abhilfe sorgen und gleichzeitig die Lärmbelästigung durch die häufig anspringende Pumpe minimieren.
Die Winkelküche mit großem Kühlschrank bietet Hobbyköchen ein praktisches Betätigungsfeld, auch wenn die echte Arbeitsfläche etwas knapp ist. Der Backofen unter dem Kocher verstärkte bei einigen Redaktionsmitglieder zusätzlich die Vorfreude auf die erste Ausfahrt. Die Erfahrungen damit waren allerdings eher ernüchternd als schmackhaft: von einseitig schwarzen Brötchen wegen schwieriger Regulierbarkeit bis hin zu Verpuffungen beim Zünden.

Freudige Nachricht für Viel-Shopper

Wenig Kopfzerbrechen bereitete indessen das Unterbringen des Urlaubsgepäcks. Angefangen von den beiden Kleiderschränken, die zwar schmal sind, aber zusammen ordentlich Platz für Hemden und Jacken bieten, über praktische Schubladen, Stufen-, Truhen- und Podestfächer bis hin zur geräumigen Heckgarage, die über zwei Außen- und eine Innentür sehr gut zugänglich ist. Einzig in der Höhe täten noch ein paar Zentimeter für hochbauende Tourenräder gut.

Das Stauraumangebot ergänzen sieben Hängeschränke über dem Heckbett und der Sitzgruppe, plus vier Fächer im Haubenausbau über dem Fahrerhaus. Wo andere meist nur offene Ablagen vorsehen – was optisch oftmals schöner ist –, finden sich hier Stauräume in Hängeschrankgröße, die gerade bei Vollbesetzung mit vier oder fünf Personen hochwillkommen sind. Ärgerlich allerdings, dass an den beiden Klappen an der Frontseite Aufsteller fehlen. Das erschwert nicht nur das Be- und Entladen, sondern verhindert auch, dass man die Klappe zum Lüften offen stehen lassen kann. Was vor allem beim Wintercamping hilfreich wäre, denn die GfK-Haube ist offenbar nur wenig isoliert, so dass sich Kondenswasser bilden kann. Beim mehrtägigen Einsatz im Schnee waren auf der filzartigen Innenverkleidung feuchte Stellen zu erkennen. Die unter dem Heckbett eingebaute Heizung müht sich redlich, den ganzen Raum bis nach vorn warm zu bekommen.

Mit vier Ausströmern in Fahrerhaus und Sitzgruppe klappt das ganz ordentlich – zumindest in der Übergangszeit. Für echtes Wintercamping sind aber zusätzliche Maßnahmen hilfreich, etwa zur Dämmung des Cockpits – notfalls provisorisch mit Decken – oder mit einer weiteren Wärmequelle in Form einer Kraftstoff-Standheizung – wie im Matrix von Bärbel und Heinz Fiedler.

Zum Modelljahr 2015 hat Adria die Matrix-Plus-Baureihe komplett überarbeitet. Das Nach­folgemodelle nennt sich M 670 SP. Der Aufbau hüllt sich nun rundum in GfK. Die Kuppel mit dem Hubbett darin verläuft flacher und schnittiger und ist innen schicker, aber nur mit offenen Fächern ausgebaut.

Die Sitzgruppe hat eine kürzere Seitenbank, dafür gibt es jetzt eine separate Dusche. Und die Küche bietet etwas mehr Arbeitsfläche. Vieles wird also anders, einiges besser.

So bewährte sich das nachgerüstete Zubehör

Nachträglich eingebautes Zubehör macht ein Reisemobil noch komfortabler oder geeignet für besondere Anwendungen. Mit der Linnepe-Anhängekupplung konnte auch mal ein Caravan oder Transporthänger mit Kart gezogen werden. Der knappe Überhangswinkel geriet damit aber noch kritischer. Die aufwendige CCS-Lackschutzbeschichtung, die Fahrerhaus und Aufbau anfangs eindrucksvoll zum Glänzen brachte, ließ am Testende aber kaum noch einen Unterschied zwischen beschichteten und unbehandelten Vergleichsflächen erkennen. Die neuen Echtleder-Polsterbezüge von Rühl-Leder überzeugten dagegen in mehrerlei Hinsicht.

Die speziell für die Reisemobilnutzung optimierte Oberfläche fühlte sich auch im Winter angenehm an und ließ sich dabei gut reinigen. Lediglich auf der hellen Sitzfläche des meist genutzten Fahrersitzes waren am Ende leichte Abriebspuren erkennbar. Die an Fenstern und Türen so bestechend einfach zu installierenden Funk-Kontakte der nachgerüsteten Thitronik-Alarmanlage zeigten sich mit der Zeit jedoch als störanfällig. Die aufgeklebten Kontakte fielen ab und lösten Fehlalarme aus. Die aufwendig eingebaute Tegos-Zentralverriegelung kämpfte teils mit einem der Garagentürschlösser, welches nicht immer aufging.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Pompe, Bartosch, Kohstall, Vierneisel, Wagner, Weidenfeld

Datum

19. November 2014
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