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Hymer Tramp 598 im Test

Liebenswerter Landstreicher

Hymer Tramp 598, Supercheck Foto: Dominic Vierneisel 23 Bilder

Hymer meldet sich bei den höherwertigen Teilintegrierten zurück. Der neue Hymer Tramp soll verlorenen Boden wieder gutmachen. Ob das gelingt, und wie praxisgerecht das Modell ist, klärt der Test auf promobil.de.

26.11.2011

Der Herbst ist da. Und mit ihm ein neuer Hymer Tramp, der die Teilintegrierten-Flotte von Hymer krönt. In dem Geburtstagsjahr 2011 - Hymer feiert 50 Jahre Reisemobilbau - fährt das neue T-Modell unter der Bezeichnung Premium 50 vor, mit dunkelgrauem Fahrerhaus und hellem Möbeldekor. Danach übernimmt er als Tramp mit dunklerem B-Klasse-Mobiliar das Zepter der Baureihe, aber ohne den Zusatz. Vom günstigeren Tramp CL unterscheidet ihn vor allem die aufwendigere Ausstattung - und andere Grundrisse.

In der Tramp-Riege fällt besonders das Modell 598 auf. Trotz Queensbett ist das T-Modell nur knapp sieben Meter lang - ungewöhnlich für diese immer beliebtere Einrichtungsvariante. Der Charme der Raumaufteilung des 598 ist die klare Trennung in zwei ausgewogen große Wohnbereiche. Hinten ein Schlafraum samt  Dusche und Waschraum. Vorne ein Gesellschaftszimmer zum Sitzen, Klönen und Kochen.

Wohnen

Das üblicherweise mittige Queensbett rückt hier weit auf die rechte Seite. Der Abstand zur Wand ist gering, doch es reicht knapp, um auch von dieser Seite einzusteigen. Besser klappt es von der anderen Seite, wo ein breiter Gang zur Dusche neben dem Kopfende führt. 1,90 Meter Länge sind nicht viel, 1,40 Meter gehen als Doppelbettbreite durch; jedoch kommen sich die Füße am abgerundeten Ende nahe. Serie ist eine Federkernmatratze mit etwas steifem Bezug. Die optionale Kaltschaummatratze ist eine Alternative. Leseratten freuen sich über das aufstellbare Kopfende sowie über zwei separate Lesespots. Mehrere Ablagen tun ihr Übriges.

Das Schlafzimmer steht auf einem 14 Zentimeter hohen Podest. Eingebunden sind der Toilettenraum und die große Dusche. Die Dachhaube im Brauseabteil ermöglicht auch langen Zeitgenossen aufrechten Stand. Die Duschstange aber reicht gerade bis zum Kinn - da ist Handarbeit gefragt. Die Wände sind mit Kunststoff verkleidet, zwei Plexiglas-Segmente schützen die Tür. Sammelkanäle leiten das Wasser auch bei Schrägstand in zwei Abläufe. Eine Abstellfläche fürs Shampoo fehlt. Praktisch: Haken und Kleiderstange machen die Dusche zur Trockenkammer für nasse Kleidung. Man muss schließlich nicht nur im Herbst mit Regen rechnen.

Der Toilettenraum sitzt wie angegossen. Das Waschbecken ist von unten verschraubt - ohne unschöne Schraubenlöcher im Rand. Dichtleisten verhindern, dass Wasser zwischen Möbelteile sickert. Stauraum, Ablagen und Spiegelfläche sind ausreichend vorhanden. Handtücher finden an zahlreichen Haken in der Umgebung Platz.

Die Platzwahl an der Sitzgruppe fällt nicht ganz leicht. Die Vordersitze kollidieren beim Drehen mit den beiden Längsbänken. Und der Durchgang ist so schmal, dass Tischkante und Schenkel schnell miteinander Bekanntschaft machen. Die unorthodoxe Anordnung hat ihren Grund in den Klappsitzen, die sich in den Längsbänken verbergen.

Damit dort platzierte Passagiere nicht genau gegen die Stehwand hinter dem Fahrerhaus starren, hat man sie etwas weiter in die Mitte gerückt. Gut gemeint, aber kompromissbehaftet. Eine Variante mit weiter außen liegenden Längssitzen gibt es nicht, wäre aber sinnvoll. Zumal nicht jedes Paar mit Anhang reist, und die Aufpreisliste auch kein Zusatzbett hergibt.

Erfreulich viel Platz findet sich in der Küche. Trotz kompakter Bauweise bieten zwei Hängeschränke, drei Auszüge und eine große Schublade viel Stauraum. Für beste Lichtverhältnisse ist gesorgt. Ebenso für eine große Spüle und einen noch größeren Kocher mit Piezozündung und geteilter Abdeckung. Als Arbeitsfläche steht der Tisch nahebei. Der gläserne Spritzschutz zur Sitzbank hin sollte etwas höher sein. Der Kühlschrank gegenüber hat serienmäßig 160 Liter plus 30 Liter Tiefkühlfach - das ist üppig. 

Beladen

Viel Stauraum, aber zu wenig Zuladung mit 3,5-t-Zulassung. Auch sonst verwöhnt der Hymer Tramp Paare mit Stauraum - dank vieler Hängeschränke und zweier praktischer Schubladen unter dem Bett. Der Kleiderschrank ist -schmal, kann aber in zwei Etagen unterteilt werden. Der Drehknauf der Tür aber ist rutschig und nicht sehr gut zu bedienen.
Campingmöbel, die Kabeltrommel und mehr schluckt ein Außenstaufach im Heck. Für Fahrräder muss ein Heckträger her. Kleinteile sollte man separat sichern. Sie könnten sonst in den niedrigen Doppelboden rutschen, wo man sie mit Mühe wieder herausbekommt.
Ausreichend Zuladung bekommt nur, wer das Maxi-Chassis ordert. Angesichts von 3290 Kilogramm Leergewicht des Testwagen blieben bei 3,5 Tonnen Gesamtgewicht nur 210 Kilogramm Reserve. Das dürfte selbst Paaren kaum reichen.

Technik

Es mag am soliden Aufbau liegen, der bei Design und Qualität kaum Kompromisse macht: Offene Verschraubungen sind außen und innen nur nach längerer Suche zu entdecken. Auf- und Anbauteile finden passgenau zueinander. Gegen Aufpreis bekommt man einen GfK-Boden mit Styrofoam-Isolation. Er steht  der PU-Dämmung von Wänden und Dach nicht nach. Zur schicken Optik mit gerundeten Aufbaukanten passen vorgehängte Fenster allerdings nicht recht. Neben der Aufbautür ist zudem ein Ausstellfenster eingebaut. Da sind Kollisionen programmiert. Praxisgerecht wäre ein Schiebefenster.

Die Bordtechnik setzt auf Nutzen und einfache Bedienbarkeit statt technischer Raffinesse. Der Frischwassertank befindet sich im kleinen Zwischenboden unter dem Schlafzimmer. Etwas versteckt, aber frostsicher ist der Schieber des isolierten und vom Kombiofen mitbeheizten Abwassertanks installiert. Zahlreiche Ausströmer im Bug gleichen das Manko des unisolierten Fahrerhauses wieder etwas aus. Vorbildlich gestaltet Hymer den Gaskasten mit niedriger Ladekante und gutem Zugang zu beiden Flaschen. Den Bordstrom steuert eine AGM-Batterie bei, die unter anderem die zahlreichen LED-Lampen versorgt.

Fahren

Unauffällige Geräuschkulisse und ein etwas müder Motor.  Auf Achse benimmt sich der Tramp zumeist unauffällig. Möbelklappern ist ihm so fremd wie Knarzgeräusche vom Aufbau. Die Rollotür am Bad rauscht jedoch bei starkem Bremsen gelegentlich auf, weil die Haltekraft der Magnetverschlüsse nicht ausreicht.

Ansonsten reist man hinter dem Ducato-Steuer ziemlich entspannt. Die relativ ausgewogene Gewichtsverteilung, langer Radstand und kurzer Überhang sorgen für stoischen Geradeauslauf und gutmütiges Fahrverhalten. Ein überschäumendes Temperament kann man dem 130-PS-Diesel aber nicht attestieren. Es reicht so eben.

Preise

So teuer wie es der Grundpreis suggeriert, ist der Tramp trotz Premium-Attitüde nicht. Viele sinnvolle Extras, für die Hersteller oft safti-ge Aufpreise verlangen, sind hier bereits an Bord. Die Serienausstattung reicht vom Beifahrer-Airbag über die Klimaanlage bis zu zwei großen Dachfens-tern. Ob bei dem reinen Zwei-Personen-Mobil 598 auch die beiden Klappsitze zwingend dazugehören, ist indes fraglich. Auch ohne wäre der Tramp ein attraktives Angebot und nicht zuletzt ein beinharter interner Wettbewerber des günsti-ge-ren Tramp CL. Und nicht zuletzt auch ein bisschen leichter.

Die Baureihe: Tramp

Preise: 60.990 - 62.990 Euro
Basis: Fiat Ducato
Längen: 6,99-7,40 m
Gesamtgewicht: 3500 - 4000 kg
Modelle: Mit vier Tramp-Varianten rundet Hymer sein Angebot an Teilintegrierten nach oben ab. Neben dem 598 listet die Baureihe auch zwei Modelle mit Einzelbetten und ein Mobil mit Querbett und Garage.

Fazit

Hymers Hoffnung, bei den Teilintegrierten um 60.000 Euro wieder mitspielen zu können, ist durchaus berechtigt. Der solide gebaute Tramp 598 bietet Paaren viel Komfort zu einem Preis, den die umfangreiche Serienausstattung attraktiv macht. Eine echte Schwachstelle ist die Sitzgruppe, eine andere das Gewicht.

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