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Carthago Chic C-Line im Test

Die Herde wächst

Supercheck, Carthago Chic C-Line T-Plus 4.7 H Foto: Konstantin Tschovikov 20 Bilder

Zulauf bei den Teilintegrierten mit Hubbett. Die junge Klasse stößt mit dem Carthago Chic T-plus in eine neue Dimension vor, das zeigt der Blick in die Preislisten. Was kann der 4.7 H mit Querbett im Heck wiklich?

01.06.2011 Dominic Vierneisel

Ein Trend setzt sich durch: Der Erfolg von Teilintegrierten mit Hubbett ruft inzwischen auch Hersteller auf den Plan, deren Kunden nicht nach jedem Cent schielen. Zum Jahrgang 2011 hat Carthago sein T-Modell mit Zusatzbett vom Stapel gelassen. Zum gehobe-nen Preis und mit eigenen Ansätzen, die schon der stattlich hohe Aufbau erahnen lässt. Im internen Vergleich ist der Chic C-Line T-plus dennoch kein teurer Carthago, was die entscheidende Frage aufwirft: Wie steht es um die Qualität des neuen Mitglieds in der großen Herde der Teilhuber?


Wohnen

Zum gemütlichen Ambiente kommt nun ein großes Hubbett.  

Gelungen passt Carthago das Hubbett in den Dachhimmel unter der Kapuze ein. 1,86 Meter Stehhöhe darunter ist für diese Fahrzeugart ungewöhnlich; ebenso der bis ins Fahrerhaus ebene Boden. Die optionale elektrische Mechanik lässt dem Bett während der Fahrt jedoch einen hörbaren Bewegungsspielraum. In der Schlaf-po-si-tion liegt es auf fixen Lagerpunkten auf. Eine Leiter hilft beim Aufstieg. Kleinere Menschen können oben sogar aufrecht sitzen.
Auf der dünnen Matratze liegt man straff, aber akzeptabel. Die Maße taugen für zwei Erwachsene: Die Liegefläche ist im Schulterbereich fast 1,50 Meter breit. Eine Absturzsicherung gibt es derzeit nur vorn, zum Wohnraum fehlt sie.
Dort wie im Heck lassen sich die beiden Leselampen nicht blendfrei aus-richten. Das Querbett lässt ansonsten kaum Wünsche offen – obgleich die Einzel- oder Queensbettmodelle im T-plus-Programm den bequemeren Einstieg bieten. Dass die weiche Kaltschaummatratze am Fußende schmaler zuläuft, fällt kaum ins Gewicht. Offene Fächer dienen als Ablagen für Wecker und Lektüre.

Fürstlich geht es in der großen Sitzgruppe zu. Wer indes beide Gurte an der L-förmigen Rückbank nutzen will, muss umbauen. Das gilt auch für den behelfsmäßigen fünften Gurtplatz der Längsbank. Der große Tisch lässt sich nicht abbauen, doch weit verschieben. Auf den serienmäßigen Aguti-Sesseln ohne Höhenverstellung sitzt man beim Fah-ren tendenziell etwas zu hoch.  
Winkelförmig und kompakt steht die Küche hinter der Rückbank. Neben Spüle und Kocher bleibt noch ein brauchbares Stück Abstellfläche auf der Arbeitsplatte. An der rechten Stehwand wäre eine effektivere Abdichtung sinnvoll. Etliche Schubladen schlucken den Löwenanteil der Küchen-utensilien. Gekühltes lagert in griffgünstiger Höhe.  

Das geschickt und wohnlich eingerichtete Bad betritt man durch eine zweiteilige Schiebetür. Große Spiegel, Becher- und Handtuchhalter komplettieren das Arrangement. Teilweise ist die Stehhöhe knapp. Gute Bewegungsfreiheit bietet die Dusche, die mit zwei Plexiglastüren passgenau und dicht abgetrennt wird. Das Manko der flachen Wanne machen zwei Abläufe einigermaßen wett. Obwohl Waschraum und Dusche nicht parallel nutzbar sind, könnte die Lösung selbst eingefleischte Freunde separater Duschkabinen überzeugen.


Beladen

Viel Stauraum und mit Maxi-Chassis ausreichend Zuladung.

Freude macht der T-plus auch beim Beladen. Zwei große Außenklappen mit tiefen Ladekanten machen die große, quaderförmige Heckgarage gut zugänglich. Der stabile Boden aus Aluminium-Riffelblech kostet wie die praktischen Gepäcknetze Aufpreis. Fahrräder lassen sich sicher verzurren.
Vom Wohnraum aus kommt man durch die verschiebbare textile Rückwand des Zweitkleiderschanks unter dem Bett an den Gepäckraum. Erste Wahl ist der unterteilte und deutlich höhere Spind neben der Küche. Die Hängeschränke sind alle recht flach, was jedoch nicht von Nachteil ist: Die Kleiderstapel geraten so niedriger und übersichtlicher. Obwohl der Doppelboden nur 15 Zentimeter hoch ist, bringt Carthago darin einige praktische, über Bodenklappen erreichbare Fächer unter. Der Möbelbau fällt solide aus. Folierte Umleimer an den Klappen sind jedoch wenig klassengerecht. Wer den vorhandenen Stauraum ausnutzen möchte, sollte sicherheitshalber zu der 4,25-Tonnen-Variante auf dem Maxi-Chassis greifen.


Technik

Bekannte Carthago-Stärken und gewichtsbedingt neue Ansätze.  

Es ist kein Geheimnis, dass Carthago solide Aufbauten baut – ob nun aus deutscher Fertigung oder wie der T-plus aus Slowenien. Das Zeugnis gilt auch für den Testwagen. Gerade wegen der spürbaren Verwindungssteifigkeit fallen beim Fah-ren manche Nebengeräusche jedoch umso mehr auf.
Die Verarbeitung des Aufbaus gibt wenig Anlass zur Kritik. Passgenau fügen sich die Anbauteile an. Das gilt für die soliden Alu-Schürzen ebenso wie für die GfK-Haube, die sich vom Fahrerhaus weit über den Aufbau spannt. Nur dass sich in dem offenen Spalt zwischen Dachhaube und Windschutzscheibe Schmutz sammelt, passt nicht so ganz ins Bild.
Ungewohnt für Carthago-Verhältnisse ist die Beheizung des T-plus. Aus Gewichts- und Kostengründen bringt nämlich keine Warmwasser-, sondern eine Gebläseheizung das Mobil auf relativ gleichmäßige Wohntemperatur. Für Winterurlauber ist der T-plus dennoch eine gute Wahl: Beide Tanks liegen mit dem oberen Drittel frostsicher im Doppelboden, der untere Teil sitzt abgesenkt in einer isolierten, beheizten Wanne unter dem Boden. Während das Frischwasser durch stabile Rohrleitungen gepumpt wird, läuft das Brauchwasser über weniger solide Schläuche ab.
Für ein Reisemobil jenseits von 65 000 Euro sind 80 Ah Bordbatterie-Kapazität etwas knapp. Empfehlenswert ist die Aufrüstung mit einem zweiten Gel-Akku. Die Beleuchtung basiert großenteils auf LED-Technik. In gedimmtem Zustand geben die LEDs aber ein störendes Brummgeräusch von sich. Per Wechselschalter lassen sich die Lampen an der Sitzgruppe an mehreren Stellen an- und ausknipsen.  

» Fahren

Erneut entpuppt sich der Ducato als verlässliche Größe.

Keine Blöße gibt sich der Fiat Ducato, dessen optionaler Drei-Liter-Dieselmotor den wuchtigen Aufbau geradezu spielerisch vorantreibt. Freilich benimmt sich der Chic T-plus auf kurvigen Landstraßen etwas behäbiger als manch anderer Flachmann. Stoisch auf Kurs bleibt der Carthago jedoch auf der Autobahn. Erfahrungsgemäß wird die etwas hakelige Schaltung mit der Zeit geschmeidiger. Die Übersicht vor allem beim Blick nach oben ist durch die Faltverdunkelungen der Frontscheibe etwas eingeschränkt. Und die Rückfahrkamera liefert vor allem nachts ein nur schemenhaftes Bild.

» Kosten

Qualität und Serienausstattung rechtfertigen den hohen Preis.

Die gebotene Qualität hat ihren Preis. Der T-plus will nicht im Massensegment der Vorreiters Bürstner Ixeo räubern, sondern eine Alternative sein für Käufer, die sonst mit einem teu-reren Integrierten oder ei-nem höheren und dadurch weniger fahraktiven Alkovenmobil liebäugeln.
Allerdings lässt sich der Grundpreis mit einer Fülle an Extras spielend leicht in die Höhe treiben. Ohne zu übertreiben, stehen so – wie beim Testwagen – schnell 80 000 Euro auf der Rechnung.

+ + + DIE BAUREIHE + + +

Chic C-Line T-plus

Preise: 66.455 – 69.825 Euro
Basis: Fiat Ducato
Längen: 6,85 – 7,66 m
Gesamtgewicht: 3500 – 4250 kg

Modelle: Vier Grundrissvarianten des Teilintegrierten mit Hubbett führt Carthago im Programm, darunter zwei Modelle mit Einzelbetten. Das Topmodell mit Queensbett im Heck erstreckt sich über stattliche 7,66 Meter.

KONKURRENTEN

Hymer Tramp 2x2 614

Ein Warmluft-beheizter, optionaler Thermoboden ersetzt beim Tramp 2 x 2 den Doppelboden.

  • Grundpreis: 57 590 Euro
  • Basisfahrzeug: Fiat Ducato, Turbodiesel 96 kW/130 PS, Radstand 4035 mm, Leiterrahmen.
  • Auf- und Ausbau: Alu-Sandwich-Bauweise, Holzverstärkungen. Wandstärke Wand/Dach/Boden 35/35/46 mm. Isolierung PU-Schaum. 4 Gurtplätze. Betten: 2050 x 1400 mm; 1980 x 1200–1420 mm.
  • Bordtechnik: Gas-Gebläseheizung/Boiler 6000 Watt. Frisch-/ Abwassertank 110/100 L. Bordbatterie 80 Ah.
  • Masse und Gewichte: Länge/Breite/Höhe 7200/2350/2990 mm, Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 3120/3500 kg.
  • Info: Telefon 0 75 24/99 90, www.hymer.com.


Laika Kreos 5010

Doppelboden und Wasserheizung machen die Kreos-5000er-Serie besonders wintertauglich.

  • Grundpreis: 69 990 Euro
  • Basisfahrzeug: Fiat Ducato, Turbodiesel 96 kW/130 PS, Radstand 4035 mm, Alko-Tiefrahmen.
  • Auf- und Ausbau: Alu-Sandwich-Bauweise, Holzverstärkungen. Wandstärke Wand/Dach/Boden 35/40/32 mm. Isolierung Styrofoam. 4 Gurtplätze. Betten: 2050 x 1500 mm; 1900 x 1400 mm.
  • Bordtechnik: Warmwasserheizung/Boiler 5200 Watt. Frisch-/ Abwassertank 124/124 L. Bordbatterie k. A.
  • Masse und Gewichte: Länge/Breite/Höhe 7390/2300/2998 mm, Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 3161/3500 kg.
  • Info: Telefon 00 39/0 55/80 58 36 10, www.laika.it.


Rapido 773 FF

Schon früh setzte Rapido auf den Hubbett-Trend. Vier FF-Modelle gibt es im Programm.

  • Grundpreis: 60 925 Euro
  • Basisfahrzeug: Fiat Ducato, Turbodiesel 96 kW/130 PS, Radstand 4035 mm, Flachrahmen.
  • Auf- und Ausbau: GfK-Sandwich-Bauweise, Holzverstärkungen. Wandstärke Wand/Dach/Boden 30/30/40 mm. Isolierung Styrofoam. 4 Gurtplätze. Betten: 2000 x 1330 mm; 1910 x 1350 mm.
  • Bordtechnik: Gas-Gebläseheizung/Boiler 4000 Watt. Frisch-/ Abwassertank 100/90 L. Bordbatterie 100 Ah.
  • Masse und Gewichte: Länge/Breite/Höhe 6990/2350/2900 mm, Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 3150/3500 kg.
  • Info: Telefon 0 73 92/91 11 77, www.rapido-reisemobile.de.

* Masse in fahrbereitem Zustand; alle Werte Werksangaben. Grundpreis jeweils mit Vorfracht, TÜV und Zulassungsbescheinigung.

Fazit

Auf der Habenseite stehen Komfort, Behaglichkeit und Solidität, die kleinere Schwächen und den hohen Preis verschmerzbar machen. So fahraktiv wie viele andere Teilintegrierte ist der wuchtige Carthago Chic T-plus jedoch nicht. Für ausreichend Zuladung ist die 4,25-Tonnen-Variante die beste Wahl.

Technische Daten
Carthago chic c-line
Grundpreis69.870 €
AufbauTeilintegriert
Maße (L/B/H)712/227/292 cm
Motor2,3l D
Leistung95 kW / 130 PS
Zul. Gesamtgewicht4250 kg
Sitze mit Gurt5
Schlafplätze4
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