Weltreise mit dem VW Bulli 22 Bilder Zoom

Mit dem VW Bulli in 3000 Tagen um die Welt: Abenteuer auf vier Rädern

Zum 60. Geburtstag des Bulli erzählt Weltenbummler Dieter Kreutzkamp von seinen Touren mit dem VW-Bus ... also: insgesamt vier VW-Bussen. Im ersten Teil erzählt Kreutzkamp von seinen Reisen in den fernen Osten, in die USA und nach Alaska. Übrigens: Das hier ist noch nicht alles - Fortsetzung folgt!

Mit 14 wollte ich Seemann werden, mit 17 Missionar. Hauptsache raus in die Welt! „Werd was solides, Junge ...!“, knurrte mein Vater. So wurde ich mit 22 Jahren Landesbeamter.

Weiß der Himmel, woher mein Reisefieber stammt; beide Großväter, mein Vater wie auch mein Bruder sind bodenständige Beamte. Doch mit 24 begegnete ich unserem ersten VW Bulli. Rotweiß, mit einem drolligen Gesicht, aus dem zwei runde Scheinwerfer mich wie große Kulleraugen freundlich anlächelten.

An diesem Frühlingstag 1970 hatte unser knuddeliger Bulli bereits neun Jahre auf dem Buckel. Deswegen tauften wir ihn „Methusalem“. Als sich sieben Jahre später unsere Wege auf dem Dach der Welt trennten, war Methusalem längst Teil der Familie.

VW Bulli - so ist er entstanden

Im April 1947 trifft der holländische VW-Importeur Ben Pon die Stimmung seiner Zeit, als er in seinem Notizblock mit ein paar flotten Strichen den VW-Bus skizziert.

Den Rest erledigen findige VW-Ingenieure unter Leitung ihres Chefs, General­direktor Nordhoff. 1950 kommt er auf die Welt, mit bescheidenen 25 PS, noch namenlos. Das wird sich ändern, denn als „Bulli“ schreibt er Geschichte.

Es ist die Zeit, in der die Deutschen ihre Freizeit auf Balkonien oder im Schrebergarten verbringen und sich in der Regenbogenpresse am Aufstieg der Deutsch-Iranerin Soraya zur Kaiserin von Persien berauschen. Kurz darauf erregt sich die Nation, dass die Knef im Film „Die Sünderin“ als Nackedei über die Kinoleinwände flimmert. Und genau in diesem Jahr 1951 ordert ein ehemaliger britischer Besatzungsoffizier eine Wohneinrichtung für seinen VW-Transporter.

In Deutschland hat man allenfalls zwei Wochen Jahresurlaub, doch die Nation träumt schon vom Lago Maggiore. In der Wochenschau pafft Wirtschaftsminister Ludwig Erhard derweil dicke Zigarren und bastelt am Grundstein fürs deutsche Wirtschaftswunder.

Und in diese Aufbruchstimmung hinein rollt der Samba, die VW-Großraumlimousine mit mehr als 20 Fensterscheiben, Dachverglasung und Schiebedach inklusive. Der Samba-Bus trifft den Nerv der Zeit.

Die 70er - auf nach Afrika

1971 – das 100.000. VW-Reisemobil ist gerade auf dem zunehmend reisefreudiger werdenden Markt erschienen – beginnt meine Geschichte.

Es ist das Jahr, in dem Genosse Erich Honecker DDR-Chef wird und Greenpeace seinen ersten spektakulären Umweltprotest startet.

Juliana und ich aber brausen mit Bulli Methusalem in Richtung Sahara.
Aufbruch liegt in der Luft. Seit dem kalifornischen „Summer of love“ singt man „All you need is love“, und Scott McKenzie schmachtet „If you’re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair“. Bunte VW-Busse mit ihren langhaarigen Fahrern rollen jetzt nach Indien; Goa ist das Ziel, Kabul in Afghanistan und Kathmandu in Nepal sind Zwischenstationen.

Als Juliana und ich Ende 1972 von einer 33000 Kilometer langen VW-Bus-Reise auf dem „Hippie-Trail“ zurückkehren, habe ich nur noch ein Ziel: aussteigen. Endlich frei sein! Ich quittiere meinen Dienst als Regierungsamtmann, und Juliana kündigt ihren Job als Kindergartenleiterin.

Wir verstauen unseren Hausrat auf den Hausböden der Eltern, beladen Methusalem randvoll und rollen nach Süden. „Erst mal Kapstadt“, sage ich, „dann weiter nach Australien, irgendwie werden wir über Südamerika unser Traumziel Alaska erreichen.“

Zugfahrt durch den Dschungel - mit Sack und Pack und Bulli

Am 26. April 1975 titelt die Hannoversche Neue Presse „Sturm- und Drangzeit jetzt verwirk­licht“ und weiter: „Heute Morgen, punkt acht Uhr, ist es so weit. Ein 34 PS starker VW-Combi, Baujahr 1961, startet zu einer dreijährigen Weltreise ...“

Niemand ahnt, dass wir letztlich 3000 Tage on the road sein werden: acht Jahre. Bald schon verabschieden wir uns von den am grünen Tisch gemachten Reiseplänen. Afrika hat andere Spielregeln. Mitleidig belächeln Geländewagenfahrer unseren 34-PS-Motor, doch unser Bulli beißt sich durch jedes Hindernis. Nur die Regenzeit setzt Grenzen: „Auf der Plattform eines Güterzugs könnt ihr das Sumpfloch zwischen Tambacounda und Bamako überbrücken!“, rät man uns.

Doch Züge fahren selten, und Tambacounda ist die Hölle; tagsüber 35, nachts „ Abkühlung“ auf 33 Grad Celsius. Fünf Tage und Nächte schmoren wir im eigenen Saft, dann geht’s endlich los. 65 Stunden benötigt der wie ein Ziegenbock über die Schienen hopsende Zug für 600 Kilometer.

In Ghana schließen wir uns mit Globetrottern aus Deutschland und der Schweiz zusammen, um die Durchquerung Zentralafrikas während der Regenzeit anzugehen. Lomé/Togo, Lagos/Nigeria und Douala/Kamerun heißen die nächsten Etappen. Die Straßen sind mörderisch, quälend langsam kommen wir voran. Und doch bleibt Zeit, uns an den Düften, Farben und Bildern Afrikas zu berauschen; Menschen, die am Straßenrand mit Speeren erlegte Affen feilbieten, Gorillas, die unter dem Baldachin des Urwalds von Liane zu Liane schwingen, dann die erste Begegnung mit Pygmäen.

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Autor

Foto

Foto: Dieter Kreutzkamp

Datum

7. März 2008
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