Mobil-Tour: Mecklemburg-Vorpommern 30 Bilder Zoom

Per Wohnmobil in Mecklenburg-Vorpommern: Kunst-Genuss

Der Darß mit seinen Nachbar-Halbinseln Fischland und Zingst hat sich viel Ursprünglichkeit bewahren können. Das hat schon vor hundert Jahren Künstler und Lebenskünstler angezogen, neuerdings kommen auch immer mehr Strandläufer, Wellnessurlauber und Feinschmecker. Das ideale Revier für eine Tour mit dem Wohnmobil. Infos, Bilder, Stellplatz-Tipps gibt's hier

Ein Sommermorgen auf dem Darß, frisch und farbenprächtig. Tautropfen hängen im Schilf und glitzern in der frühen Sonne. An der Westküste, zwischen der Steilküste am Hohen Ufer und dem Leuchtturm am Darßer Ort, ziehen die Jogger und Walker ihre Bahnen. In der Feld- und Wiesenlandschaft und in den Vorgärten der Reetdachhäuser von Wieck, Born und Prerow leuchten Bauernblumen. Ein Seeadler lässt sich von einer milden Brise über den Himmel schleppen, und quer durch den Märchenwald im Zentrum der Halb­insel streben die ersten Ausflügler dem Strand entgegen.

Ein, zwei Stunden später, und in den Kaffeegärten und auf den Terrassen der Fischrestaurants werden die Tische gedeckt, und auch die Maler rücken mit ihren Staffeleien aus den Ateliers in die Sonne. Wir sind mit dem Fahrrad unterwegs. Der Wind weht aus Osten und treibt uns dem Prerow-Strom entgegen, der die Halbinseln Darß und Zingst ein Stück weit trennt. Zu dem Trio an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns gehört auch das Fischland im Westen mit Wustrow, einem alten Hafen und einem Ortskern, der von Kapitänshäusern und Strohdachkaten geprägt wird.

Auf dem Friedhof der Prerower Kirche lässt sich die maritime Vergangenheit dieser dem Meer zugewandten Landschaften studieren: Windjammer schmücken Grabsteine, und auf manchen Kreuzen wird der Männer gedacht, die für immer draußen geblieben sind. Auch im Gotteshaus erinnern Schiffsmodelle an die große Zeit der Seefahrer, die aus Vorpommern einst ins Baltikum und bis nach Übersee gesegelt sind. Die Ursprünge der schönen Backsteinkirche stammen aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg, als diese Region für 167 Jahre zum gro­ßen Schwedenreich gehörte. Die Halbinseln Fischland, Darß und Zingst haben sich viel Ursprüngliches bewahrt, vor allem in Prerow, in Wustrow und erst recht im Künstlerdorf Ahrenshoop, dem bekanntesten Ort der Region. Die Kate auf dem Hohen Ufer und die vom Wind gebeugten Bäume davor sind zum Wahrzeichen für den Darß geworden. Das alte Reetdachhaus war schon früh eines der beliebtesten Motiv für jene Maler, die hier vor genau hundert Jahren eine Künstlerkolonie begründeten.

Der Keramiker Friedemann Löber gehört zu den alteingesessenen Kreativen im Dorf. Er töpfert im 450 Jahre alten „Dornenhaus“, nicht weit vom Althagener Hafen entfernt, und er freut sich, dass immer neue Künstler die Geschichte der Kolonie fortschreiben. Zu den Zugezogenen gehört Lutz Gerlach aus Berlin: Pianist, Komponist und Initiator der Konzertreihe „Naturklänge“. Und auch Rainer Dörner ist „eingewandert“, schon vor Jahrzehnten. Seine Bilder, seine Plastiken, zu bewundern im idyllischen „Atelier Zur Katze“, zeugen von Weisheit und Lebensfreude.

Drei Halbinseln, drei Kontinente. Jeder führt ein Eigenleben, ganz anders als der Nachbar. Zum Beispiel Zingst, die östlichste der ungleichen Schwestern. Sechs Seiten Wellness, sechzehn Seiten Einkaufstipps, dazu Hinweise auf Abenteuer in der Nacht und in der Natur: Das alles verspricht ein lokaler „Reise-Verführer“, der damit die vielen Facetten dieses Seebades umreißt. Dabei war es um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Prerow-Strom noch bis zur Ostsee reichte, der abgeschiedenste Teil dieser Region, eine Insel am Ende der Welt. Gegenüber, auf dem Festland, liegt Barth. Auch so ein Ort voller Geschichten und Geheimnisse. Sie handeln zum Beispiel von einer vor Jahrhunderten versunkenen Stadt, deren Kirchenglocken angeblich zuweilen noch gut zu hören sind. Seit zehn Jahren nennt sich Barth Vineta-Stadt, nach dem sagenhaften Atlantis des Nordens, das hier gelegen haben soll. Hochmütig und gottlos soll diese Stadt gewesen sein, so reich, dass die Mädchen ihr Garn auf goldenen Spindeln spannen. So kam, was kommen musste: Gott strafte die zügellose Stadt und ließ sie bei der nächsten Sturmflut untergehen.

Heute ist Barth ein liebenswerter Flecken, und nur noch die großen Holzfische auf der Kaimauer reißen ihr Maul auf. Der Bildhauer Tobias Bork hat sie geschnitzt und mit ihnen den großen Platz am Hafen aufgewertet. Von Barth aus starten viele Urlauber über schmale Straßen ins reizvolle, wenig bekannte Vorland.

Nach Schlemmin zum Beispiel. Dort steht ein Schlosshotel, wie es Honeymooner lieben, in einem Park, in dem sich alle Märchen der Gebrüder Grimm verfilmen ließen. Verlaufen mag man sich zwischen den alten Bäumen, verlieren wie überall in diesem Ländchen südlich der Bundesstraße 105, wo schon die Dorfnamen die Fantasie auf Reisen schicken: Katzenow, Obermützkow, Zarnewanz ...Zurück nach Norden, durchs Tal der Recknitz wieder der Ostsee entgegen. Links, im Westen, liegt Mecklenburg, das Ostufer gehört seit alters her zu Pommern, war also auch mal Teil des Schwedischen Reiches. In Ribnitz-Damgarten endet unsere Entdeckungsreise. Es ist eine kleine Stadt, die seit 1950 der Bindestrich zusammenhält. Die eine, Ribnitz an der Recknitz, war und ist gut mecklenburgisch, die andere, Damgarten, immer noch stolz auf ihre Pommern-Vergangenheit. Vor einem Jahr haben sie aber trotz­dem gemeinsam Geburtstag gefeiert, den 775. die eine, den 750. die andere.

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1. September 2009
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