Neu bezogene Sitze 24 Bilder Zoom

Sitzplätze im Wohnmobil aufmöbeln: So erneuern Sie Sitzpolster und Bezüge

Schönheitskur für das Wohnmobil: Neue Polster und Bezüge geben dem Test-Campingbus einen ansprechenderen Look. promobil schaute den Spezialisten bei der Arbeit über die Schulter. So geht’s.

Kleider machen Leute – und Wohnmobile. Denn in die Jahre gekommene Sitzbezüge und -stoffe sind wie eine ausgeleierte Jogginghose: bequem, aber unansehnlich und zerschlissen. Um den Testwagen aufzumöbeln, statten wir einer Maßschneiderei für Polsterbezüge, der Firma G+S im rheinland-pfälzischen Pfaffen-Schwabenheim, einen Besuch ab. Hier sollen neue Polster und Bezüge angefertigt werden.

Am Anfang jeder Rundumerneuerung steht ein Beratungsgespräch. Zunächst geht es darum, was alles gemacht werden soll. Carmen Schank betreut bei G+S die Privatkunden und macht sich im Wohnmobil erst einmal ein Bild von der Situation. Die Fahrersitze in unserem Test-Campingbus sind mit Hussen, also mit abnehmbaren Bezügen, versehen. Die sind zwar noch nicht abgenutzt, entsprechen aber mit ihrem wenig dezenten Goldton und den etwas aufgeregten Streifen nicht unbedingt unseren Vorstellungen. Es sollen also neue Bezüge für Fahrersitze und Sitzgruppe her. Die Schaumpolster der Sitzbank werden ebenfalls erneuert.

Im Schauraum begutachten wir die Stoffproben. Der Preis für die Bezüge hängt davon ab, ob man Leder, Teilleder oder Stoff wählt. Für die Halbdinette in unserem Campingbus würde man für neue Bezüge inklusive Schaum 550 Euro für Stoff, 750 Euro für Teilleder und 950 Euro für Leder bezahlen. Neben dem Preis sind aber vor allem Optik und Haptik bei der Wahl ausschlaggebend.

Der richtige Stoff ist wichtig

So sind Ledersitze zwar besonders edel, robust und langlebig, können bei hohen oder niedrigen Temperaturen aber unangenehm zum Sitzen sein. Wir entscheiden uns letztendlich für einen Stoff mit schöner Textur in den Farben Dunkelblau und Eisgrün. Da er nicht vorrätig ist, muss er per Express bestellt werden, die Lieferung erfolgt am nächsten Morgen. Neben dem hohen Arbeitsaufwand ist die Lieferzeit der Hauptgrund, weshalb man für einen Polstertermin zwei Tage Zeit einplanen sollte. Nach der Stoffwahl wird noch die Garnfarbe besprochen, denn die ist für die Ziernähte relevant.

Auf dem Weg durch die Halle kommen wir an Unmengen von Pappschablonen vorbei, die in langen Korridoren die Durchgänge säumen. Diese Schablonen braucht G+S für die Produktion von Bezügen für Firmen wie Hymer, Carthago und Wochner, für die sie die Erstausstattung liefern.

Die passenden Schaumpolster

Da das Innenleben der Sitzbank auch erneuert werden soll, muss noch der passende Schaum ausgewählt werden. Beim Sitzpolster der Bank hat man leider keine Wahlmöglichkeiten, bei der Rückenlehne fällt die Entscheidung zwischen einer stark gewölbten und einer eher flachen. Wir nehmen die stärker ausgeprägte, obwohl durch ihre nach vorn gebauschte Form etwas an Sitztiefe verloren geht. Die alten Polster werden ausgebaut und dienen nun als Maß für die neuen. Das neue Polster wird an einer großen Säge auf die richtige Länge gebracht. An der Unterseite der Sitzlehne wird noch ein Schaumquader angesetzt, damit die richtige Höhe zustande kommt.

Nachdem die Schäume für die Sitzgruppe die richtige Höhe bekommen haben, werden die Bezugsstoffe zugeschnitten. Immer wieder messen die Mitarbeiter nach, damit hinterher auch alles sitzt. Dann schlägt die Stunde der Näherin, die alle Einzelteile zusammensetzt. Innerhalb weniger Stunden näht sie nicht nur die Bezüge für die Fahrerhaussitze, sondern auch für die Sitzgruppe inklusive des Gurtbocks.

Letzterer ist zwar nur zu sehen, wenn man direkt daneben steht, aber gerade diese Details machen hinterher das stimmige Gesamtbild aus. Im Gegensatz zum Originalbezug des Sitzbocks erhält die neue Version einen langen Reißverschluss, damit man ihn auch abnehmen und waschen kann. Der Originalbezug hatte den nicht und musste aufgeschnitten werden, um ihn zu entfernen.

Im Originalzustand hatte das Sitzpolster der Sitzgruppe die unangenehme Eigenschaft, immer nach vorne zu rutschen, sodass hinten ein Spalt entstand und das Polster vorne über die Sitztruhe ragte. Zum Sitzen äußerst unbequem. Um das zu unterbinden, werden auf dem Deckel der Sitztruhe nun lange Klettbänder angebracht, die das Rutschen ab sofort verhindern.

Der Bezug – wie eine zweite Haut

Spannend wird es, als es ans Beziehen der Fahrerhaussitze geht. Der Fiat-Originalsitz weist Aussparungen auf, in denen Plastikstege versenkt werden, die an den Bezug genäht sind. Dadurch sitzt der Bezug wie eine zweite Haut und wirft keine unschönen Falten. Mit Hilfe von Klammern sowie Haken- und Flauschband wird eine stabile Verbindung zwischen Stoff und Sitz hergestellt. Rein optisch ist es ein himmelweiter Unterschied zu den locker sitzenden, etwas knautschigen Hussen, und auch der Sitzkomfort hat sich durch den strafferen Bezug verbessert.

Doch auch wenn die Hussen gegenüber einem maßangefertigten Bezug abfallen, sind sie doch der Verkaufsschlager auf jeder Messe. Das mag zum einen am Preis liegen, der bei 120 Euro startet. Zum anderen haben Hussen aber auch den Vorzug, dass man sie problemlos abnehmen und waschen kann. Für viele Kunden sei das, so Carmen Schank, das ausschlaggebende Argument. Da der Polsterstoff aber sehr pflegeleicht ist, muss man auch hier nicht mit einem vorzeitigen Verschmutzen rechnen.

Nachdem alle Sitze wieder installiert sind und alle Polster ihren Platz gefunden haben, erstrahlt das Wohnmobil in neuem Glanz. Mit diesem feschen Kerl möchte man am liebsten sofort losfahren. Kleider machen eben doch Leute – und Mobile.

Stoffpflege leicht gemacht

Es ist schnell passiert: Einmal schusselig sein, und schon landet Cola, Kaffee oder Rotwein auf dem schönen neuen Polster. Kein Problem – zumindest bei hochwertigen Polsterstoffen. Als Testobjekt dient uns ein Alcantarastoff mit velourartiger Oberfläche und eine Stoffprobe der neuen Polsterbezüge. Der verschüttete Kaffee perlt von beiden Stoffen ab und dringt nicht ins Gewebe ein. Man kann ihn ganz einfach mit einem feuchten Tuch abwischen. Dieser Effekt kommt durch eine sogenannte Simplecare-Beschichtung zustande, die weder fühl- noch sichtbar ist. Sie wirkt wasserabweisend. Dringt doch einmal Schmutz in den Stoff ein, kann er ausgebürstet werden. Der Effekt lässt mit den Jahren allerdings nach.

Anbieter für Sitzpolster und Bezüge

Report: Service-Hotlines

Autor

Foto

Uli Regenscheit, Ingolf Pompe (1)

Datum

24. Februar 2017
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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