Schrauben mit Profis 23 Bilder Zoom

Wohnmobil-Werkstatt zum Mitmachen: Schrauben mit Profis

Caravan Metropol bietet Kunden ein besonderes Programm: Die gläserne Werkstatt. Wer möchte, kann selbst mitmachen und so sein Mobil besser kennenlernen. Außerdem gibt es Tipps für den Aufbaucheck.

Eine Straße mit vielen Schlaglöchern, rechts und links leer stehende Gebäude. Das Industriegebiet im sächsischen Niedergurig bei Bautzen ist wahrlich kein Augenschmaus. Wenn sich Menschen wie das Ehepaar Wulf aus Unna bei Dortmund aufmachen, um genau in dieses Nest zu fahren, muss sich in einer der Hallen etwas Besonderes verbergen. Tatsächlich: Caravan Metropol ist keine Reisemobil-Werkstatt wie jede andere. Die Techniker haben sich auf die umfangreiche Sanierung von Feuchtigkeitsschäden spezialisiert – und bieten einen ganz besonderen Service an: "die gläserne Werkstatt".

"In vielen Betrieben fährt das Reisemobil in die Halle, und dann geht das Tor zu. Was im Inneren geschieht, erfahren die Kunden nicht. Bei uns läuft das anders", so Martin Michalczyk, der Geschäftsführer von Caravan Metropol. Die Bautzener haben es sich zum Ziel gesetzt, möglichst transparent zu arbeiten. Kunden werden daher täglich über die geleistete Arbeit der Mitarbeiter informiert und können jederzeit in der Werkstatt bei den Arbeiten zusehen. Mehr noch: Wer möchte, darf bei der Reparatur mithelfen.

Das wollen auch die Wulfs – und so ihr Fahrzeug besser kennenlernen. Ganz neu ist die Umgebung für das Paar nicht, bereits zum Vorgespräch waren die beiden in Niedergurig. "Wir haben das gleich mit einem Urlaub im Spreewald kombiniert und uns Bautzen angesehen", erklärt die 54-jährige Marion Wulf. Als die beiden eine aufgequollene Leiste im Alkoven bemerkten, informierten sie sich im Internet und stießen auf das Angebot von Caravan Metropol. Das Urteil nach der Dichtigkeitsprüfung vor Ort: eine undichte Stelle am Alkoven. Auch Teile des Unterbodens müssen getauscht werden. Veranschlagte Zeit: rund vier Tage. Nicht außergewöhnlich bei so aufwendigen Reparaturen.

In der Halle beginnt nun die Arbeit. Heinz und Marion Wulf ziehen sich noch schnell die mitgebrachte Arbeitskleidung an – dann versorgen die beiden Techniker Michael "Micha" August und Jörg Nitschke das Paar mit Aufträgen. Zunächst müssen Verkleidungen und Rahmen abgenommen werden: Der 68-jährige Heinz Wulf löst mit einen Akkuschrauber die Eckverbindungen rund um den Alkoven. Das ist aufgrund der verrosteten oder verklebten Schrauben oft gar nicht so leicht. Micha zeigt deshalb immer wieder Tricks, wie man diese festgefressenen Schrauben entfernen kann. "Sind sie zu stark verrostet, hilft nur noch abflexen", sagt der 37-jährige Bautzener. Das erledigt er allerdings selbst: Arbeiten mit höherem Verletzungspotenzial dürfen Kunden bei Caravan Metropol nicht verrichten.

Marion Wulf steht derweil an einem provisorischen Tisch und befreit die abgenommenen Seitenleisten von Kleberesten und Schmutz. "Für diese einfache Arbeit braucht es keinen teuren Handwerker, das können wir auch selbst erledigen", sagt sie. Jedes fertige Teil wird von den Technikern abgenommen, immerhin stehen sie am Ende für die Qualität gerade. "Wir erleben oft, dass Kunden am ersten Tag voller Elan sind, der dann aber schnell abflaut. Manche stoßen auch körperlich an ihre Grenzen", so Michalczyk. In diesem Fall legen die Kunden eine Pause ein, und eine Fachkraft übernimmt.

Anders das Ehepaar Wulf, sie halten durch. Die Teile, die Marion Wulfs Tisch verlassen, sehen aus wie neu: "Es geht ja auch um mein Fahrzeug." Nachdem die Verkleidung gelöst wurde und das Reisemobil "nackt" in der Halle steht, inspiziert Werkstattleiter und Teilhaber Ralf Wünsche den Aufbau. Am hinteren Stoßfänger wird er fündig: "Da sind Sie gerade noch an einer Katastrophe vorbeigekommen", erklärt er. Die Versiegelung zwischen Stoßfänger und Aufbau ist nicht mehr intakt. Die Folge: Wasser läuft hinter die Abdeckung, sammelt sich im Plastik und wird vom Holz nach oben gesogen. Den Schaden beheben die Experten mit dem eigens entwickelten CUBS-II-System. "Unser Mittel zieht das Wasser aus dem Zellhohlraum und nimmt dessen Platz ein", erklärt Wünsche. Das Mittel mischt er immer neu – abhängig von der Restfeuchtigkeit des Holzes.

An der Eckverbindung zum Fahrerhaus sieht es hingegen nicht mehr gut aus: Das Holz bröselt nur so zwischen den Seitenwänden heraus. Ein dramatisches Bild, das steht auch im Gesicht von Marion Wulf geschrieben. Sie betrachtet mit großen Augen das Geschehen – mit so einem Anblick hat sie dann doch nicht gerechnet. Doch Wünsche beruhigt: Zunächst werde das kaputte Holz entfernt, dann ein neues Teil zugeschnitten, versiegelt und eingesetzt. Kein Problem.

Wulfs wirken beruhigt. Bei anderen Kunden geht das nicht so leicht: "Hin und wieder müssen wir auch größere Teile am Aufbau tauschen", so Wünsche. Dann sieht das Fahrzeug erst einmal wie ein Totalschaden aus, und Fingerspitzengefühl ist gefragt. "Einmal musste auch ein Paar abreisen – sie konnten ihr Reisemobil in diesem Zustand nicht ansehen", ergänzt Gründer Michalczyk.

Mit lärmenden Multitools rücken Micha und Jörg nun auf beiden Seiten dem morschen Holz zu Leibe. "Alles machen sie kaputt", ruft Heinz Wulf mit trockenem Humor und einem leichten Lächeln. Micha entgegnet mit schelmischem Grinsen: "Ich dachte, deshalb wären Sie hier?"

Dann neigt sich der erste Tag dem Ende zu. Jörg nimmt die Brötchenbestellung des Paares auf, und Martin Michalczyk informiert über die Arbeitsstunden der Techniker. Das Ehepaar schläft in seinem Reisemobil, wird aber zuvor noch ein paar Minuten an den abmontierten Schienen weiter putzen – freiwillig natürlich.

Am nächsten Morgen ist die Stimmung wieder geschäftig, aber ausgelassen. Im Radio läuft Johnny Cashs Ring of Fire, und Jörg singt von der Leiter aus mit. "MDR 1 Radio Sachsen ist unser Lieblingssender", erklärt er zwischen zwei Strophen. Der neu hinzugezogene Steffen erwidert: "Und der einzige, den wir empfangen." Dann lacht die ganze Halle.

Später arbeiten sich Micha und Jörg seitengleich am Unterboden entlang. Erst entfernen sie den alten, spröden Unterbodenschutz und ersetzen kaputte Holzplatten. Am Ende tragen sie eine neue Versiegelung auf – das CUBS-II-System.

Am Donnerstag steht das Reisemobil abfahrbereit auf dem Parkplatz. Die aufgequollene Leiste im Alkoven bleibt zunächst demontiert, um das Holz trocknen zu lassen. Die neue Leiste baut Heinz Wulf in einigen Wochen selbst ein: "Wir haben uns in den letzten vier Tagen einiges abgeschaut."

Die Hilfsarbeit hat sich für die beiden auch finanziell gelohnt: "Ohne uns hätten sie auch für einfache Tätigkeiten einen Techniker benötigt", so Marion Wulf. Wie viel sich das Paar gespart hat, weiß Martin Michalczyk nicht: "Wir rechnen die Arbeitszeit unserer Mitarbeiter an und ziehen nicht die der Kunden vom Gesamtbetrag ab." Eine pauschale Schätzung ist schwierig: Zu unterschiedlich sei die Leistung der Kunden und die zu erledigende Hilfsarbeit. Da möchte er keine falschen Erwartungen wecken.

"Fachlich war die Reparatur absolut top, wir waren gut ausgelastet und wurden mit unseren Fragen nie alleine gelassen", fasst Heinz Wulf die Woche zusammen. Ein Vergleich sei natürlich schwierig, da man anderen Fachbetrieben nicht in dem Umfang auf die Finger sehen könne.

Hier zeigt sich Bedarf im Werkstätten-System: Kunden, die ihr liebstes Stück in die Obhut der Fachmänner geben, möchten oft besser informiert werden. Finanzielle Anreize beiseite gelassen, ist es vor allem die Art, wie Caravan Metropol mit Kunden umgeht: transparent und auskunftsfreudig. So findet man im Industriegebiet von Niedergurig nicht nur verwaiste Gebäude und eine holprige Straße, sondern auch einen Fachbetrieb mit zukunftsweisendem Angebot.

Franz Güntner

Foto

Franz Güntner

Datum

10. Dezember 2015
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