Spray Valley Provincial Park. 22 Bilder Zoom

Wohnmobil-Tour durch Westkanada/Alaska: Auf ins Abenteuer

Superlative und Gegensätze vereint der amerikanische Nordwesten wie kaum eine andere Region. Die Reise durch den wilden Westen Kanadas und Alaska ist ein echtes Abenteuer und eine Traumreise.

Cowboyhüte, Pickup-Trucks, Motorhomes und dann erst der blaue Himmel – in Calgary ist alles eine Nummer größer. Im Sommer fegt der heiße, trockene Wind über die Prärien, im Winter sind klirrende 30 Grad minus keine Seltenheit. Das Motto "Think big" gilt auch für uns, als wir auf die Straße zu den spektakulärsten Landschaften der Welt einbiegen, in ein Land voller Geschichten vom Goldrausch, über Abenteurer und Bären. Mit sonorem Gebrumm rollt unser Pickup-Camper auf die Traumstraße Kanadas und Alaskas: "Way up North!" Die Reise im Panoramabildformat beginnt.

Anderthalb Stunden Fahrzeit sind es auf dem Trans-Canada Highway durch flaches, leicht hügeliges Land, immer das schroffe Ziel vor Augen, den Banff National Park. An klaren Tagen wirken die Rocky Mountains wie eine uneinnehmbare Burg. Unser Empfangskomitee im Banff National Park ist ungewöhnlich, aber landestypisch: Ein Dutzend Bergschafe glotzt aufs vorbeirollende Auto, dann kreuzt ein mächtiger Wapiti-Hirsch die Straße. Abends geben sich die Besucher aus aller Welt ein Stelldichein auf dem Tunnel Mountain Campground. Rauch von Grillfeuern durchzieht die Luft. Doch Achtung, zwischen Reisemobilen und Feuerstellen fühlen sich auch Bären zu Hause.

Freiheit und Abenteuer auf dem Alaska Highway

Das Abenteuer in den Farben eines Cinemascope-Films setzt sich bei "Mile Zero", Meile null des Alaska Highway, in Dawson Creek fort. Alaska Highway – ein Name, der die alten Träume von Freiheit und Abenteuer beschwört. Eine schier endlose Straße, die in die Wildnis führt. Hin zu glasklaren Flüssen, in denen Forellen spielen. Zu Berggipfeln, die das ganze Jahr über Schneekappen tragen – manche noch namenlos, viele hat nie der Fuß eines Menschen berührt. Der Traum lebt auf dem Highway fort, auch wenn der kaum noch eine Bedrohung fürs Reisemobil darstellt. Die beim Bau im Jahr 1942 "Alcan" genannte Schotterstraße wurde begradigt und mit Asphalt bedeckt, abschnittsweise ist sie sogar vierspurig.

Der Breitwandfilm läuft weiter: Glänzender Morgentau liegt auf Tannen, weiches Licht tastet sich durch die von Creeks, Sümpfen und Seen feuchtigkeitsgesättigte Luft. Ein kapitaler Elch blickt in "Herr-der-Wildnis-Pose" um sich. In Fort Nelson treffen wir auf Marl Brown, einen hageren Alten mit schlohweißen Haaren und langem Bart. 1957 kam er als Mechaniker zum Highway. "Drei Jahre später eröffnete ich eine Tankstelle", sagt er, "doch ich hatte Pech. Als der Alaska Highway 1974 begradigt wurde, verlegte man die Trasse, und plötzlich saß ich mutterseelenallein 13 Kilometer von der neuen Straße entfernt im Busch, und niemand kaufte mehr meinen Sprit." Kurzerhand eröffnete Marl ein Museum, das von den Menschen und ihrem Leben hier erzählt.

Lagerfeuer am See - auf den Spuren der Glücksritter

Abends am Lagerfeuer auf einem der wildromantischen Campgrounds am Muncho oder Summit Lake spürt man die Vitalität des Nordlands. Man glaubt, der einzige Mensch zu sein. Doch es gibt hier ein paar kleine Orte, und die Spritversorgung ist bestens. Auch aufs abendliche Canadian- oder Moosehead-Bier braucht niemand zu verzichten. Und irgendwann stößt man auf das Motel, das den hungrigen Reisemobilisten mit "The Bratwurst with Sauerkraut" ködert.

1400 Kilometer nach dem Start in Dawson Creek erfolgt die erste Berührung mit dem noch jungen Yukon River. Kurz darauf ist Whitehorse erreicht, Hauptstadt des Yukon Territory, Dreh- und Angelpunkt des kanadischen Nordwestens. Das Land wird jetzt noch menschenleerer. Wie müssen sich die Goldsucher von 1898 gefühlt haben, als sie nach entbehrungsreicher Reise voller Hoffnungen in der "größten Stadt nördlich von San Francisco" ankamen. Das nämlich war Dawson City anno 1898! 30 Dollar kostete hier am Klondike die Gallone Milch. Eine Wassermelone war für 25 Dollar zu haben. Der Traum vom großen Reichtum zerplatzte für die meisten Glücksritter wie eine Seifenblase.

Hoch hinaus auf dem Highway

Hier zweigen wir auf den "Top of the World Highway" ab. Weit reicht der Blick über endlose Wälder, durch die im Winter die Huskys des Yukon-Quest-Schlittenhunderennens jagen. Im Sommer schürfen hier ein paar Unentwegte noch immer nach Gold. Unvermittelt ein Schlagbaum: die Grenze Alaskas. Danach verändert sich das Land. Blau-weiß glitzern die Gletscher der schroffen Kluane Mountains. Grizzlys trotten neben der Fahrbahn, und bei der Ankunft in Haines am Nordende der Inside Passage hat man das Gefühl, gerade eben am Ende der Welt gewesen zu sein. Möwen kreischen. Wie ein Torpedo schießt ein schwarzer Körper aus dem Meer. Undeutlich hebt sich die Rückenflosse gegen das glitzernde Wasser ab. Dann schlägt der Schwanz des Buckelwals auf und 30 Tonnen tauchen ab.

"Willkommen in der Inside Passage", lese ich, jenem Labyrinth aus Wasserarmen voller Lachse und Wale. Wir verladen unseren Camper auf eins der "Blauen Kanus", so nennt man die großen blauen Fähren, die zwischen hier und dem Hafen Bellingham bei Seattle verkehren. Bei vergleichsweise moderaten Preisen kann man – samt Wohnmobil – das Schiff verlassen, auf Entdeckungstour gehen und mit der nächsten Fähre weiterfahren. Langsam gleitet unser Schiff vorbei an Wasserfällen, die sich wie flüssiges Silber an die Felsen schmiegen, entlang dunkler Wälder, in denen 17.000 Bären leben, ein Viertel so viel wie Menschen in Südostalaska.

Der Hafen von Prince Rupert liegt bereits in Kanada. Hier verlassen wir das Fährschiff, um die letzte Etappe nach Vancouver anzutreten. Allerdings nicht, ohne einen Abstecher nach Hyder zur Bärenbeobachtung gemacht zu haben. Danach sind wir auf der Zielgeraden: Erstmals seit Langem sehen wir bestellte Felder, das satte Grün der Weiden tut den Augen gut. In Vancouver endet die Reise auf der Traumstraße Amerikas – sie war wie ein Rausch, ein optischer Paukenschlag, der noch lange nachklingt. Wie kaum anderswo auf Erden gilt hier: Der Weg ist das Ziel.

Autor

Foto

Dieter Kreutzkamp

Datum

31. Januar 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 01/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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