Mobil-Tour: Westlicher Bodensee 30 Bilder Zoom

Wohnmobil-Tour Westlicher Bodensee: Still ruht der See

Was haben der Garten von Hermann Hesse und der Partykeller von Otto Dix gemeinsam? Sie liegen beide auf der beschaulichen Halbinsel Höri - folgen Sie uns zu einer feinen Wohnmobil-Tour am westlichen Ufer des Bodensees.

Es geht ein Stück bergauf, weg vom See, dann auf einem schmalen Weg vorbei an netten Wohnhäusern. Die Eingangstür ist unscheinbar, nur ein Kästchen mit Broschüren verrät, dass sich hinter der Gartenmauer etwas Besonderes verbirgt. „Wollen Sie zu Hermann Hesse?“ fragt der freundliche Mann am Gartentor, „ja, da sind Sie hier richtig.“ Mitten in dem Städtchen Gaienhofen, weit oberhalb vom Seeufer, liegt dieses Haus mit dem Charme des beginnenden 20. Jahrhunderts, umgeben von einem schönen, gepflegten Garten.

Das Haus hat Hermann Hesse 1907 von einem Basler Architekten bauen lassen, hier hat er einige Jahre seines Lebens verbracht, hier hat er seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt, hier wurden seine Kinder geboren. Heute sind Haus und Garten ein Privat-Museum, aber ein ganz besonderes. Eva Eberwein, eigentlich Biologin, hat vor elf Jahren im Gemeindeblatt von Gaienhofen eine, wie sie sagt, „verstörende“ Nachricht gelesen: Hesses Domizil sollte abgerissen werden und ein paar Reihenhäusern weichen.

Das hat sie verhindert, zusammen mit ihrem Mann - Familie Eberwein hat Haus und Garten im Original-Zustand erhalten und lebt jetzt hier. Es gibt regelmäßige Führungen, aber auch an normalen Tagen, wenn die beiden Eigentümer in den Beeten arbeiten, öffnen sie schon mal ihre Gartenpforte. „Es kommen viele Besucher aus der ganzen Welt hierher, sehr viele etwa aus Korea und Japan, die dann oft ganz ergriffen sind.“ Es ist ein wunderschöner Garten, von Familie Eberwein und mit Hilfe einer Stiftung in Schuss gehalten und liebevoll mit Hessezitaten auf Tafeln dokumentiert. Es ist auch der Beweis dafür, dass durch das Engagement Einzelner kulturelle Werte erhalten werden können.

Künstler-Zufluchtsort Halbinsel Höri

Wir sind auf der Halbinsel Höri, ganz am westlichen Ende des Bodensees. Hier ist die Welt auch im Hochsommer leise und ein ganzes Stück gelassener als am übrigen See. Hier macht der Fernverkehr einen großen Bogen um die Region - und man sieht von fast überall das gegenüberliegende Ufer.

Mit heute rund 3200 Einwohnern ist und war Gaienhofen seit jeher ein Ort, der Künstlern zur Heimat wurde. Im Dritten Reich flüchteten etliche Maler, deren Kunst als „entartet“ galt, auf die Höri. Erich Heckel war darunter, Helmuth Macke, Max Ackermann und Otto Dix. Im Höri-Museum mitten im Ort gibt es oft wechselnde Ausstellungen, und es werden literarische Wanderungen angeboten.

Otto Dix hat sich in seinem Spätwerk auch mit dem Bodensee und der Landschaft beschäftigt. Er wurde in den 1920er Jahren zu dem führenden Repräsentanten der Neuen Sachlichkeit. Während des Dritten Reichs verlor er als einer der ersten in Deutschland 1933 seine Professur an der Dresdner Akademie und bekam Ausstellungsverbot. Dix flüchtete mit seiner Familie ganz in den Süden und bezog 1936 ein Wohnhaus im Gaienhofener Ortsteil Hemmenhofen. Bis zu seinem Tod 1969 wohnte und arbeitete er hier. Das Dix-Haus wurde gerade jetzt, im Juni 2013, nach umfangreicher Renovierung wieder eröffnet und ist unbedingt einen Besuch wert. Bei der Renovierung wurde eine ganz besondere Attraktion entdeckt: der Partyraum im Hause Dix - der Künstler hat auch hier beherzt zu Farbe und Pinsel gegriffen und die Wände bemalt.

Viele Stationen für Wohnmobilisten

Hervorragende Stationen für einen Bodensee-Wohnmobilurlaub der ganz eigenen Art sind die Halbinsel Höri und der Bodanrück, der den Überlinger See von Untersee, Gnadensee und Zellersee trennt. Es warten nicht die laut schreienden Attraktionen, sondern eher die leisen. Bei einer aussichtsreichen Wanderung am Schiener Berg zum Beispiel, der höchsten Erhebung der Höri, oder bei einer Radtour, auf der sich immer wieder einzigartige Ausblicke über Weiden, Streuobstwiesen und Weinberge auf den See bieten.

Das Beste ist: Diese Ecke des Bodensees zählt zu Baden. Und dort gilt eine einfache Regel, was die Kulinarik angeht. Hier verstehen die Menschen zu leben und zu genießen, die südbadische Küche zählt zu den besten in Deutschland, die Weine stammen vom Gut um die Ecke. Und egal, ob Sie im einfachen Dorfgasthof einkehren oder im edlen Restaurant – es ist fast immer gut. Probieren Sie’s aus!

Und wenn man dann alles gesehen hat an Attraktionen in der Region ringsum, die Insel Reichenau etwa, die Studentenstadt Konstanz, das Schweizer Städtchen Stein am Rhein, die Insel Mainau, Überlingen, Meersburg – dann kehrt man abends gerne wieder zurück an die ruhige Seite des Bodensees.

Woher der Name Höri kommt? Der hat eine nette Geschichte. Als der liebe Gott die Welt erschuf, formte er zuerst die Kontinente, die Berge, die Flüsse und die Seen. Am Ende seiner Schöpfung schuf er die Kleinode, darunter natürlich auch den Bodensee, und hier zuletzt das Wiesenland zwischen Zellersee und Rheinsee. So gut schien sein letztes Werk gelungen, dass er in schönstem seealemannischen Dialekt voller Stolz ausrief: „Etz hör i uff“ (Jetzt hör’ ich auf). Und irgendwie wird an einem sonnigen Sommertag mit jedem Kilometer auf dem Rad klarer, warum die Menschen hier so lässig und zufrieden zu lächeln scheinen.

Auf der nächsten Seite finden Sie alle Stationen der Wohnmobil-Tour im Überblick. Dazu noch: alle Sehenwürdigkeiten, Infos und Stellplätze.

Autor

Foto

Ingolf Pompe, Joachim Negwer, hokrue/fotolia (1), VRD/fotolia (1), bonline/Fotolia (1)

Datum

30. September 2013
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