Landzunge Zickerhörn. 27 Bilder Zoom

Wohnmobil-Tour an die deutsche Ostsee: Die stillen Seiten der Insel Rügen

Deutschlands größte Insel hat mehr zu bieten als ein tolles Strandleben und feine Bäderarchitektur – eine Tour im Reisemobil zu den verschwiegenen Orten und ruhigen Buchten von Rügen.

Bunte Fahnen knattern im Wind, am blauen Himmel segeln Schäfchenwolken entlang. Im weitläufigen Gelände stehen die Reisemobile in unmittelbarer Nähe zum Meeresufer auf Gras und weichem Dünensand, der Blick geht weit über Ostsee und Bodden. Surfbretter stapeln sich neben Wassersportschule und Kiosk, in einer Schubkarre wird Brennholz fürs Lagerfeuer vorbeigeschoben. Über Rügens einsam gelegenem Stell- und Campingplatz Surfoase Mönchgut (Dörpstraat 2, 18586 Klein Zicker, www.thiewaii.de) liegt ein Hauch von Fuerteventura oder Hawaii, nicht umsonst wird der Ort Thiessow nebenan auch liebevoll "Thiewaii" genannt – Surfer aus ganz Europa fühlen sich hier pudelwohl.

Doch auch bequemere Zeitgenossen, die den Gewalten des Meeres lieber von ihrem Klappstuhl vorm Reisemobil oder von einer nahen Caféhausterrasse aus trotzen, sind in dieser Region Rügens genau richtig. Deutschlands größte Insel, mit ihren schönen Badeorten ein Lieblings-Urlaubsziel der Republik, verwöhnt Individualisten mit ihren stillen Seiten. Ein paar Minuten von der Surfoase Mönchgut Richtung Nordwesten spaziert, schon ist man auf der winzigen Landzunge Zickerhörn beim possierlichen Weiler Klein Zicker – hier führt der einsame Wanderweg über dem hohen Ufer zwischen duftenden Wiesen und Bäumen einher, Insekten summen im Gras, Seevögel schreien, irgendwo in der Ferne ertönt eine Schiffssirene.

Wer Rügen hört, denkt wohl zunächst an die berühmten, über 100 Meter hohen Kreideklippen, Lieblingsmotiv großer Maler wie Caspar David Friedrich. Oder an bekannte Badeorte wie Sassnitz, Binz und Sellin mit ihren Seebrücken und den schneeweißen Bauten im Zuckerbäckerstil. An lange Uferpromenaden und Strände voller Trubel und Frohsinn und sicher nicht an ruhige Dörfer und an Wanderwege im sanften Hügelland oder zwischen Rapsfeldern. Doch auch stille Orte gibt es auf Rügen, teilweise sogar im Sommer.

Die Halbinsel Mönchgut, die sich im Südosten des großen Eilands mit vielen kleinen Buchten, hügeligen Landzungen und Stränden weit ins Meer hineinreckt, ist so eine Region – die ideale Gegend für eine geruhsame Rundtour mit dem Reisemobil. Urige Dörfer wie Middelhagen mit der uralten Kirche und kleinem Schulmuseum, Alt Reddevitz samt seinen schönen Reetdachhäusern, der kleine Hafenort Gager oder Lobbe mit seinem alten Windkraftschöpfwerk reihen sich hier aneinander, gern machen wir Pause in einem der vielen gemütlichen Dorfkrüge. Zwischen Moritzdorf und Baabe quert die wohl kleinste Personenfähre der Welt den schmalen Wasserweg zwischen Having und Selliner See: Wie schon 1891 rudert der Fährmann seine Passagiere ans andere Ufer, zuvor hat man sich durch Läuten einer Schiffsglocke am Anlegesteg bemerkbar gemacht.

Nach einem Spaziergang am meist ruhigen Sandstrand von Thiessow und ein paar frischen Waffeln im Café am Südende der langgezogenen Bucht fahren wir ein Stückchen nach Norden. Sozusagen als "Wächter" am Eingang zur Mönchgut-Halbinsel liegt der Badeort Sellin mit zwei guten Stellplätzen, bildschöner Architektur und einem absoluten Glanzlicht von Rügen – die Seebrücke von 1906 ragt weit ins Meer hin¬aus, ihr feines Restaurant ist einen Besuch als Abwechslung zur Reisemobilküche allemal wert. Dann reicht es aber auch schon wieder mit dem Trubel, und wir suchen erneut nach Rügens Ruhe und Beschaulichkeit.

Ein Gegenpart zum Mönchgut im Süden ist die stille Wittow-Halbinsel oben im Norden des Eilands. Sie wird gerne auch Windland genannt, ist weitgehend flach, hat viele Rapsfelder und ist durch eine kilometerlange Nehrung samt Sandstrand (genannt die Schaabe) mit der Hauptinsel verbunden. Wer etwa auf dem Stellplatz von Glowe am Ostende der Schaabe Quartier bezieht, hat den sichelförmigen Beach gleich nebenan – ein schöner Wanderweg Richtung Altenkirchen inklusive.

Bergig auf dem flachen Wittow ist nur das Kap Arkona an der äußersten Spitze mit seinen markanten Leuchttürmen. Unweit davon liegt, in einer Senke versteckt, das winzige Fischerdorf Vitt, das komplett unter Denkmalschutz steht. Wer dann am Abend auf dem Stellplatz Ostseeblick in Dranske landet, dem eröffnet sich vorm Reisemobil ein Sonnenuntergang erster Klasse. Und man mag staunen, wie still es auf Deutschlands größter Ferieninsel sein kann – selbst in der Hochsaison.

Autor

Foto

Joachim Negwer, Tourismuszentrale Rügen/Vonberg, Silke Tokarski

Datum

29. Juli 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 07/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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