Mobil-Tour: Mecklenburgische Seen 25 Bilder Zoom

Wohnmobil-Tour Mecklenburgische Seen: Urlaub, ganz klar

Der Stille Osten der Mecklenburgischen Seenplatte ist ein Dorado für Naturliebhaber. In der Vorsaison kann man die Region am schönsten mit dem Reisemobil erleben. Und überall gibt es Plätze unmittelbar am Wasser.

Wenn es am frühen Abend unruhig am Himmel wird, dann fliegt ein schnatternder Trupp Kraniche übers Gelände und entschwindet erst hinten am Wald wieder den Blicken. Meine Tochter macht sich Sorgen, als sie einen Nachzügler entdeckt. „Die Vögel sind hier zu Hause, sie brüten am Nachbarsee“, erzählt uns Uwe Fischer, Chef des Campingplatzes „Hexenwäldchen“. Wir residieren hier mitten im Müritz-Nationalpark am kleinen Jamelsee. Der hat einen Steg, einen Sandstrand und viel hohes Schilf rundherum.

Kinder spielen im Sand. Jetzt am frühen Abend landen viele Paddler an. Seit 20 Jahren achtet Uwe Fischer darauf, dass der Campingplatz so bleibt, wie es ihm gefällt: einfach, naturbelassen, mit netten Gästen. Unser Reisemobil steht inmitten herrlicher Natur, nah am Wasser, wie eigentlich seit Tagen schon, vor immer wechselnder Kulisse. Wenn die Kinder fragen, ob der nächste Campingplatz wieder an einem See liegen wird, kann ich mit Bestimmtheit sagen: ja. Denn an Seen herrscht auf der Mecklenburgischen Seenplatte wirklich kein Mangel. Weil die beiden gern draußen spielen und baden, fahren wir meist Campingplätze an.

Aber es gibt auch schöne Stellplätze hier, die wir uns schon mal fürs nächste Pärchenwochenende aussuchen: an der Schlossinsel Mirow fernab der Straße oder im Seglerhafen von Röbel zum Beispiel. Da kann man abends aufs Wasser schauen und Fisch essen. Das Regattahaus serviert Fisch aus der Region. Am nächsten Morgen bummelt man durch Röbel – das touristische Zentrum am südwestlichen Müritzufer. Es gibt zwei alte Backsteinkirchen, Galerien und Läden. Noch ist hier nicht viel los.

Wunderbare Natur an der Seenplatte

Der Osten der Seenplatte und der südliche Teil der Müritz sind nur in Maßen und an einigen Orten auf Touristen ausgerichtet. Das Leben ist vielerorts wie eh und je – aufs Wasser bezogen und etwas in sich gekehrt. Wir lieben das und finden: Die Region mit ihrer wunderbaren Natur ist ein perfektes Ziel für eine Rundtour mit dem Reisemobil, gerade weil die Infrastruktur nicht so perfekt ist. In unserem Mobil haben wir immer alles dabei, was wir brauchen, um uns wohlzufühlen.

In Lychen, das schon im Naturpark Uckermärkische Seen in Brandenburg liegt, gehen wir im einzigen Restaurant essen, das bereits geöffnet hat – es gibt bodenständige, deutsche Küche. Die Klosterruine von Himmelpfort, wo es namensbedingt ein Weihnachtspostamt gibt, durchstreifen wir in aller Stille. Auf der Schlossinsel in Mirow hingegen sitzen schon viele Gäste draußen auf der Restaurantterrasse. Und Carwitz, der schönste Ortsteil der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft, ist ebenfalls trubelig und quicklebendig.

Hier stehen wir wieder mal direkt am Wasser mit unserem Wohnmobil und genießen die Sicht auf den glasklaren Carwitzer See. Der Campingplatz liegt im Ort und doch im Grünen – das ist perfekt, denn man kann was essen gehen, ohne auf die Räder zu steigen. Diese Ecke der Mecklenburgischen Seenplatte schließen wir besonders ins Herz: Der Ort ist von heute selten gewordenen Klarwasserseen umgeben. Die Dorfgassen enden alle früher oder später irgendwo am Wasser.

Paddeln und Plantschen

Und weil mein Sohn gleich bei der Ankunft gejubelt hat, dass der See voller Mineralwasser sei, beschließen wir, am nächsten Morgen auf dem Campingplatz Paddelboote auszuleihen und die Gegend vom Wasser aus zu erleben. Sie hauen uns total um, diese Feldberger Seen, die nur zwei Stunden nördlich von Berlin liegen. Vom Boot aus starren wir fasziniert ins Wasser: Vom hellen Sand am Grund wachsen zarte Wasserpflanzen herauf, das Wasser ist fast schon karibisch blau. An ergrauten Bootsholzhäusern ziehen wir vorbei zum Schmalen Luzin. Es ist ein während der letzten Eiszeit entstandenes Paradies für Naturliebhaber: Frösche hocken im Schilf, Libellen surren über Seerosen hinweg, Rotfedern machen aus dem Wasser heraus Luftsprünge. Im Alten Zollhaus am Breiten Luzin kehren wir ein und paddeln von dort zurück.

Ruhe und Idylle

Die Stille und Unaufgeregtheit dieses Landstrichs überträgt sich peu à peu auf uns, die Zahl der täglich gefahrenen Kilometer nimmt ab. Wir müssen halten, um Störche zu beobachten oder weil wir einen Hofladen entdeckt haben. Im Abendlicht kreuzen Rehe die Straße, heraus aus dem Raps, hinein in den Raps. Besser, man kommt früher an.

Am Jamelsee im Nationalpark weckt uns früh der Hahn. Der See liegt spiegelglatt im Morgenlicht. Der Platz schläft noch. Aber Uwe Fischer und die Brötchen sind schon da. Also bauen wir den kleinen Tisch auf, kochen Kaffee und öffnen zur Feier des Tages das Glas Quittengelee, das wir gestern an einem Straßenstand gekauft haben – mit Geldeinwurf in eine Kasse des Vertrauens.

So schön kann kein Frühstück im Hotel sein. Es ist unser letzter Morgen an der Seenplatte. Und wir haben alle Zeit der Welt, denn die Rückreise ist nicht lang.Das Wasser ist fast karibisch blau. Kleine Frösche hocken im Schilf. Libellen surren über Seerosenteppiche hinweg.

Autor

Foto

Würtenberger, Topel/Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern (1), Philipp Gutmann (1), Rico K./Fotolia.com

Datum

8. August 2014
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