Schalkenmehrener Maar bei Daun 28 Bilder Zoom

Mit dem Wohnmobil in die Eifel: Wo die Erde Augen macht

Das stille Mittelgebirge im Westen der Republik ist eine höchst eigenwillige Gegend. Unsere Wohnmobil-Tour führt durch unverbrauchte Natur, zu urigen Orten und zu den "Augen der Eifel".

Die Eifel, dieses störrische Land am Rand der Republik, zählt zu den echten Charakterdarstellern unter den deutschen Mittelgebirgen. Sie ist bekannt bei Wanderern und Radfahrern, die die Berge zuweilen unterschätzen, bei Vulkanliebhabern sowieso. Wer Ruhe sucht, findet sie in der einsamen Schnee-Eifel. In Hillesheim, der deutschen Krimihauptstadt, treffen sich die Krimileser, am Nürburgring die Rennfans. Reisemobilfahrer indes schätzen die Eifel allein schon wegen der vielen schönen Stell- und Campingplätze. Darum fahren wir jetzt los.

Im Westen der Eifel, im Bitburger Land mit seiner gewellten Topografie, strömen unten in den Tälern kleine Flüsschen wie die gemütliche Prüm oder die idyllische Kyll und thronen oben viele Burgen. Das barocke Schloss Malberg etwa, das so nett liegt, dass wir uns wie in der Toskana fühlen, bietet viel Kultur; Termine unter www.schloss-malberg.de. Oder die Burg des Städtchens Kyllburg, das nur rund 800 Einwohner hat, oder die Manderscheider Burgen, Ober- und Niederburg, alle sind sie Zeugen einer turbulenten Geschichte in einer strategisch wichtigen Region – angefangen schon bei den alten Römern, die hier zahlreiche Siedlungen anlegten.

Ach, die Römer. Wir sitzen vor unserem Wohnmobil, trinken einen Dhroner Riesling aus einem kristallglitzernden Römerglas. Und schauen vom Parkplatz bei Neumagen-Dhron, dem ältesten Weinort Deutschlands, auf das römische Weinschiff Stella Noviomagi auf der Mosel, die die Eifel nach Süden begrenzt. Das Schiff, eine Nachbildung, transportierte einst Germaniens edle Tropfen gen Rom, heute vermittelt es Urlaubern ein Gefühl von Altertum.

Das wahre Eifelgetränk jedoch ist das Bier, auch in Bitburg. Das Städtchen wurde im Krieg zu 85 Prozent zerstört und ist deswegen ästhetisch kein Hingucker, wenngleich die Stadtoberen in letzter Zeit darangehen, aus ihm architektonisch etwas zu machen. Das Glanzlicht aber ist hier gelb und hat Schaum auf dem Kopf: Bier wird seit 1817 gebraut, dazu gibt es in Bitburg eine ganze Themen-Erlebniswelt. Hier lässt sich alles erfahren, was man schon immer über den Gerstensaft wissen wollte.

In früheren Zeiten war eigentlich Mendig die Bierhauptstadt der Region, ein Ort auf der anderen Seite der Eifel. Hier wurden einst gewaltige Katakomben in den Untergrund gegraben, um aus dem hochwertigen Vulkan-Basalt Qualitätsmühlsteine zu meißeln, die weltweit gefragt waren. Aber wie das so ist mit einem Boom: Irgendwann ist er vorbei, weil etwas Besseres oder Billigeres gefunden wird. In diesem Fall ersetzten Stahlwalzen die Mahlsteine, weshalb vom ganzen Steinbusiness nur noch die Hohlräume im Bauch der Erde übrig blieben. Da unten war es allerdings schön kühl, und zwar ganzjährig. 28 Brauereien lösten das Mühlsteingewerbe ab, sie nutzten die kalten Tunnel zum Frischhalten ihrer Erzeugnisse, und Mendig blühte wieder auf. Bis Carl von Linde das industrielle Kühlen erfand. Da war auch dieser Boom vorbei.

Am eindrucksvollsten zeigt sich der Vulkanismus jedoch mit den "Augen der Eifel", den Maaren. Gleich um die Ecke bei Mendig etwa glänzt der berühmte Laacher See – der genau genommen gar kein Maar ist, sondern eine Caldera, ein zusammengestürzter Krater. An seinem Ufer prangt das noch berühmtere Benediktinerkloster Maria-Laach. Echte Maare haben wir den Wasserdampfexplosionen zu verdanken, wenn heiße Lava mit dem Grundwasser kollidierte. In der Eifel gibt es 75 Stück, davon sind die meisten trockene Schüsseln. Schöner sind natürlich die mit Wasser gefüllten, vor allem die bei Daun, im Zentrum der Eifel. Sie liegen aufgereiht wie eine Perlenkette und gucken wie Augen hinauf ins Firmament. Logenplätze gibt es an der Landesstraße 64 von Strohn nach Daun, da lockt rechter Hand das Schalkenmehrener, links das Weinfelder Maar – eine Landschaft wie gemalt.

Apropos Strohn, dort liegt eine dicke Bombe. Neben dieser Lavakugel wirkt das Reisemobil ganz klein: Sie wiegt mit 120 Tonnen rund 40-mal so viel wie unser Rolling Home. Die Strohner Bombe ist ein mächtiger Brocken, der sich wie beim Schneemann-Rollen in der heißen Lava angedickt hat. Jetzt ist sie eine Attraktion des Dorfes und auch Anlass für ein Vulkanmuseum.

Nun ist es gar nicht mehr weit bis in die wilde Schnee-Eifel, eine windige, einsame Region an der Grenze zu Luxemburg. Tipp: Im Nachbarland tankt man besonders günstig – und ist damit für die Heimreise bestens gerüstet.

Autor

Foto

Wolf Istah, Eifel Tourismus GmbH Dominik Ketz, Kaarl Maas, Nationalpark Eifel, Michael Mertens, TI Hocheifel-Nuerburgring, Kappest/Vulkanpark, Touristinformation Bitburger Land, Flickr/Chris

Datum

23. September 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 09/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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