Mobil-Tour: Halbinsel Eiderstedt 30 Bilder Zoom

Reise-Tipp Halbinsel Eiderstedt: Zwischen Watt und Weiden

Die Nordsee-Halbinsel Eiderstedt taugt hervorragend für einen Urlaub der geruhsamen Art - mit dem Reisemobil lässt sich die eigenwillige Region am Wasser besonders gut erkunden.

Ein Streit ist im Internet ausgebrochen, die Frage lautet: „Welche Farbe haben die Augen eines Schafes?“ Emilie etwa behauptet „blaugrünlich schimmernd oder goldbraun“, Schlaffi wirft ein, blaue Schafsaugen seien krankhaft, Rolleyes widerlegt das und tippt „Augen von dunkelbraun bis ganz hellbeige“ ein. Was ist nun Sache?

Wer den grünen Nordseedeich am Tümlauer Koog hochsteigt, kurz vor der Krone den Blick vom Pfad hebt und eine Verschnaufpause einlegt, hat die Studienobjekte direkt vor sich: Schafe, Schafe, Dutzende von Schafen auf der zum Meer und zum kleinen Hafen abgeflachten Seite des Deichs, die Köpfe meist im hohen Gras vergraben, nichts anderes im Auge als Gräser und Löwenzahn, die sie laut rupfend verzehren. Die Tiere verstellen fast den Blick auf den Leuchtturm, der sich drüben im Dunst auf der anderen Seite der Bucht erhebt, es ist der Leuchtturm Westerheversand, mit seinen beiden Wärterhäuschen rechts und links vielleicht der vom Foto her bekannteste Deutschlands, wenn nicht der ganzen Welt.

Weite, Wind und Wolken, dazu 18.000 Einwohner, 22.000 Schafe, fettgrüne Wiesen und Wattenmeer: Das ist die Halbinsel Eiderstedt an der schleswig-holsteinischen Westküste. Wie eine Knollennase ragt sie südwestlich von Husum in die Nordsee. Auf dem Nasenrücken Westerheversand mit dem rotweißen Markenzeichen, an der Nasenspitze St. Peter-Ording mit der größten Sandkiste unserer Republik, dem zwölf Kilometer langen und bis zu zwei Kilometer breiten Strand - und sozusagen unter der Nase verläuft die Eidermündung mit dem Eidersperrwerk.

Viel Platz gibt es hier für Entdeckungen auf einer Tour mit dem Reisemobil. Am besten nimmt man die Bundesstraße 202 als Leitfaden. Sie durchzieht die ganze Halbinsel vom Vorposten Friedrichstadt über Tönning bis St. Peter-Ording. Mitten durch das brettebene Marschgebiet hinter den Deichen geht es. Am Wege Schafe, die wie weiße Steine auf Wiesen liegen, Pferde hinter einem Holzgatter, schwarzweiße Kühe, Bäume mit Windstoßfrisur. Immer wieder Radfahrer, gemütliche Dörfer, „Kiek mol wedder in“ auf einem Schild am Ortsausgang.

Manchmal schiebt sich das gewaltige Reetdach eines Haubargs ins Bild. Oder eine Kirchturmspitze, stolze 18 Kirchen besitzt Eiderstedt. Auch die Welt ist hier zu Hause. Welt, so heißt nämlich ein Dörfchen auf der Südseite der Halbinsel. Es muss höllisch auf sein Ortsschild aufpassen, das schon mehrmals von Souvenirjägern gestohlen wurde.

Auf ihre Schafe aufpassen müssen Monika und Redlef Volquardsen. Die 120 Milchschafe sind ihr Hobby und sichern zugleich den Lebensunterhalt ihrer Familie. Jedes kennen sie mit seinem Namen, und ein Tier, die Helma, hört sogar darauf und kommt auf Zuruf angetippelt. Zweimal täglich wandern die Kuscheltiere zum Melken Richtung Stall, die übrige Zeit stehen sie auf der saftigen Weide. Ihre Besitzer, beides studierte Landwirte, haben aus dem elterlichen Rindermastbetrieb einen Milchschafhof gemacht und sich auf Käseherstellung spezialisiert. Bei Hofführungen zeigen sie ihren Besuchern, wie so ein Betrieb funktioniert, es gibt Käse- und Milchproben, die Schafe dürfen gestreichelt werden. So ein Wollknäuel mal zu knuddeln, das man bis dahin nur entfernt auf einem Deich gesehen hat, macht Spaß. Auch wenn man dabei vergisst, ihm in die Augen zu schauen. Himmelblau oder goldbraun, ist doch egal!

Auf drei Seiten umklammert das Wattenmeer diese bäuerlich-bodenständige Landschaft. Da gibt es Strände vom Feinsten wie die auf der Westerhever Sandbank, grüne Deichstrände für Familien wie den von Vollerwiek und dann die endlosen Sandweiten von St. Peter-Ording, wo das Reisemobil sogar ganz dicht an der Nordsee parken darf, wo Pfahlbauten stehen und wo der Weg zum Wasser - erst über die Seebrücke, dann über den Sand - so lang ist, dass man am liebs-ten das Vesperbrot auspacken würde. Da gibt es Ebbe, Flut und das Watt, wenn sich das Meer zweimal am Tag zurückzieht und weite Gebiete trocken fallen. Also auf zur Wattführung, oder wat? Den Meeresboden unter den Fußsohlen fühlen, durch Priele waten, sich die „Small Five“ zeigen lassen, als da wären Wattwurm, Herzmuschel, Strandkrabbe, Nordseegarnele und Wattschnecke. Unesco-Weltnaturerbe darf sich das Wattenmeer sogar nennen.

Trotz Wasser und Watt: Die Halbinsel Eiderstedt ist das Land der reichen Bauern, die dem fruchtbaren Ackerboden ihren Wohlstand verdankten. Das sieht man noch heute an den Haubargen, die sie errichten ließen. Wahre Bauernpaläste sind das, die unter einem riesigen Reetdach alles vereinen: Menschen, Tiere, Hab und Gut und mittendrin im „Vierkant“ der Schatz, das Heu aus kräftigen Wiesen, bis unter den Giebel gestapelt, Haubarg kommt von „Heu bergen“. 400 dieser „größten Bauernhäuser der Welt“ gab es auf Eiderstedt, 45 davon sind bis heute zum Glück erhalten.

Reisemobilurlauber lieben diese stille Halbinsel als ein Reiseziel ohne Schnickschnack. Und alle mögen die Schafe. Rund um den Parkplatz vor dem Leuchtturm gibt es sie in jeder Form, als Lamm-Hot-dog am Imbiss, als Spardose im Souvenirladen und auf den Salzwiesen dann in natura. Hunderte Touristen spazieren täglich an den freundlichen Wollknäueln vorbei - doch welche Farbe ihre Augen haben, das kann wohl kaum einer sagen.

Halbinsel Eiderstedt: Die Region im Überblick

Die Nordsee-Halbinsel Eiderstedt ist flach, grün, wohltuend ruhig in diesen hektischen Tagen und bietet zudem schöne Ortschaften von höchst unterschiedlichem Charakter. Sechs Ziele für eine gemütliche Rundtour mit dem Reisemobil stellen wir hier vor.

St. Peter-Ording: Feines Restaurant und In-Kneipe, Promenade und Seebrücke: In der Touristenhochburg mit den vier Ortsteilen Böhl, Dorf, Bad und Ording ist alles etwas weltläufiger als ringsum. Doch dann ist da noch dieser unglaubliche, riesige Sandstrand, an dem es immer ein ruhiges Eckchen gibt - traumhaft. www.st.peter-ording.de
 
Westerhever: „Da, wo der Leuchtturm zu Hause ist …“, wirbt das Dorf. Doch es hat mehr zu bieten: drei Strände, neun Haubarge, einen Kirchspielkrug und die Backsteinkirche St. Stephanus mit dem ältesten Turm auf Eiderstedt, Baujahr 1370. Bis zum Leuchtturmbau 1906 diente er als Seezeichen. www.westerhever-nordsee.de
 
Garding: Alles ist schön rund hier im Mittelpunkt der Halbinsel. Mittendrin der Marktplatz und in dessen Mitte die St.-Christi-anskirche auf einer Warft, der höchsten Erhebung auf Eiderstedt. Am Markt steht auch das Geburtshaus des Literaturnobelpreisträgers (1902) Theodor Mommsen. Eine ausgesprochen kunstsinnige Stadt. www.garding.de
 
Tetenbüll: Im magischen Dreieck zwischen Kirche, Kirchspielkrug und Museum Haus Peters (Bild) drängeln die Busgruppen, sonst geht es in der großflächigen Gemeinde eher beschaulich zu. Was auffällt: Es gibt viele Zweitwohnungen reicher Städter - außerdem eine hübsche weiße Holzbrücke vom Pastorat zur Kirchwarft. www.tetenbuell.de
 
Tönning: Mit dem historischen Hafen, dem alten Packhaus, den bunten Kapitänshäusern und der „holländischen“ Brücke ist dies eine der malerischsten Städte im Land. Reich geworden ist Tönning durch den Handel zur Zeit der Kontinentalsperre Napoleons.
Tipp
: Immer den Schollen folgen, die auf dem Fußweg aufgemalt sind. www.toenning.de
 
Friedrichstadt: Grachten, Treppengiebelhäuser, Rosen an der Hauswand, Waffeln im Straßencafé: Friedrichstadt ist Holland im Kleinformat an der Mündung der Treene in die Eider. 1621 vom Gottorfer Herzog Friedrich für niederländische Glaubensflüchtlinge gegründet, ist der Ort wahrlich einzigartig in Norddeutschland. www.friedrichstadt.de

Autor

Foto

Joachim Negwer

Datum

25. Oktober 2012
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