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Abschleppen eines Reisemobils 7 Bilder Zoom

Mit dem Wohnmobil sicher im Winter fahren: Vom Abschleppseil bis zur Traktionshilfe

Fahren auf Eis und Schnee mit dem Wohnmobil: Was tun, wenn’s glatt wird und man nicht mehr vom Fleck kommt? promobil zeigt den richtigen Umgang mit Schneeketten, Abschleppseil und Traktionshilfen.

Zubehör

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Um sich gar nicht erst festzufahren, sollte man Schneeketten rechtzeitig aufziehen. Denn sitzt man erst einmal in einer Schneewehe fest, wird es schwierig, die Ketten im Nachhinein noch auf die Antriebsräder anzulegen. Neben Varianten aus Metall gibt auch Textil-Schneeketten: Sie sind leichter, haben aber ein begrenztes Einsatzgebiet und sind nicht so lange haltbar.

Auch mit Schneeketten ist man nicht hundertprozentig sicher vor Festfahren. Im Fall des Falles können unterlegbare Traktionshilfen helfen. Guten Halt bieten zum Beispiel die Rampen von Uniko (ca. 110 Euro/Stück). Untergelegte Fahrerhausmatten bringen meist nicht viel. Um ihre Wirkung zu entfalten, müssen die Traktionshilfen unter die Antriebsräder gelegt werden, ist das nicht möglich, hilft nur noch Abschleppen. Hier sollte man vor allem auf ein geeignetes Seil achten. Abschleppseile sind bis zu einem gewissen Maß dehnbar und können dadurch den Anfahrruck dämpfen. Stahlseile oder Stahlketten hingegen haben diesen Effekt nicht und sind daher mit Vorsicht zu genießen: Sowohl die Zugösen am Basisfahrzeug als auch die Rahmenteile können unter den starken Kräften Schaden nehmen. Reißende Stahlseile sind außerdem sehr gefährlich.

Untergrund

Ob vereister Parkplatz oder tiefer Neuschnee auf der Fahrbahn: Auch in unseren Breiten hält der Winter manchmal unliebsame Überraschungen bereit. Schneeketten helfen, ein Festfahren zu verhindern. Man sollte sie allerdings nur auf einer Schneefahrbahn verwenden. Sie sind natürlich kein Ersatz für Winterreifen: Das Gripniveau von Schneeketten auf Sommerreifen liegt im ungünstigsten Fall weit unter dem von Winterreifen ohne Ketten.

Kommt man nicht mehr vom Fleck, sollte man Ruhe bewahren und seine Optionen checken. Kontraproduktiv sind wilde Anfahrversuche mit heulendem Motor und durchdrehenden Reifen. Dadurch wird nur die Stelle plank poliert, was zu noch weniger Grip führt – oder man gräbt sich ein. Sitzt erst einmal die Achse oder die Bodenplatte auf, hat man alleine fast keine Chance mehr. In diesem Fall hilft nur noch ein professioneller Abschleppdienst.

Wer nicht ganz so tief im Schlamassel steckt, versucht, auf der eigenen Spur wieder herauszukommen, da diese schon etwas festgefahren ist und mehr Grip bietet als der lockere Schnee drum herum. Ist das nicht möglich, sollte man einen idealerweise bergab führenden Weg suchen. Wer den Weg zu Fuß abschreitet, kann unter dem Schnee verborgene Hindernisse wie Äste, Baumstämme oder große Steine aufspüren, bevor sie zur Gefahr werden.

Hilft ein anderes Fahrzeug beim Rausschleppen, muss dieses unbedingt auf festem Grund bleiben, sonst hat man schnell zwei festsitzende Fahrzeuge. Haben die Antriebsräder keinen Bodenkontakt mehr, kann man versuchen, das Loch mit Ästen, Kies oder ähnlichem Material so weit aufzufüllen, bis die Reifen wieder Kontakt haben. An Steigungsstrecken findet man übrigens immer wieder Streugutbehälter mit Split, aus denen man sich im Notfall bedienen darf.

Abschleppen

Der Fall der Fälle kann schneller eintreten, als einem lieb ist. Muss das Reisemobil herausgezogen werden, kann schon ein Mittelklasse-Pkw gute Dienste leisten. Während des Ziehens dürfen aus Sicherheitsgründen keine Menschen in der Nähe des Seils sein. Die Verletzungsgefahr durch ein reißendes und durch die Luft schnellendes Seil ist hoch. Idealerweise zieht man nicht schräg, sondern in gerader Linie. Das ziehende Fahrzeug muss außerdem so fahren, dass es bei einem möglichen Bruch des Seils nicht unkontrolliert beschleunigt, von der Fahrbahn abkommt oder gar auf ein Hindernis auffährt.

Vorsicht bei den – wenn auch gut gemeinten – Hilfsangeboten von Schneepflügen oder landwirtschaftlichen Schleppern: Die großen Zugkräfte dieser schweren Fahrzeuge könnten dem Reisemobil schaden, vor allem, wenn Stahlketten verwendet werden. Im Zweifelsfall also besser auf ein professionelles Abschleppunternehmen zurückgreifen. Wer bei den Kosten keine böse Überraschung erleben will, sollte besser vorher seine Kfz-Versicherung beziehungsweise seinen Schutzbrief auf die Kostenübernahme beim Abschleppen prüfen. Gut zu wissen: Beim genehmigungsfreien Abschleppen in Notsituationen (bis zur nächsten Werkstatt) benötigt der Fahrer des ziehenden Fahrzeugs nur einen Führerschein für sein Fahrzeug und keinen, der sich auf das gesamte Zuggewicht bezieht.

Report: Service-Hotlines

Autor

Foto

Uli Regenscheit

Datum

2. Februar 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 01/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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