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E-Bike-Träger im Vergleich: Pedelec-Trägersysteme für Wohnmobile

E-Bikes werden unter Reisemobilisten immer beliebter. Für den Transport der motorisierten Zweiräder gibt es ein breites Angebot spezieller Trägersysteme. Wir zeigen, worauf Sie achten müssen.

+++Den vollständigen Vergleichstest mit allen Infos zu den Winblockern gibt es auch im pdf-Format zum Download.+++

Pedelecs, im Sprachgebrauch auch häufig E-Bikes genannt, begleiten Reisemobilisten immer öfter auf Tour. Denn gegenüber gewöhnlichen Fahrrädern haben die motorisierten Zweiräder spürbare Vorteile: Steigungen lassen sich mit Leichtigkeit erklimmen, und auch ohne langwieriges Konditionstraining sind Strecken von bis zu 100 Kilometern kein Problem. 

Geht das E-Bike mit auf die Reisemobil-Tour, gilt es beim Transport einige Besonderheiten zu beachten. Durch den elektrischen Antrieb und eine stabilere Bauweise sind Pedelecs schwerer als Fahrräder. Nicht selten bringen sie 25 Kilo auf die Waage. Da in vielen Fällen zwei E-Bikes mitgeführt werden, reicht die Nutzlast vieler herkömmlicher Fahrradträger nicht mehr aus. 

E-Bike-Trägersysteme für Wohnmobile im Vergleich

Wir haben mehrere unterschiedliche Trägersysteme für Reisemobile ausprobiert, die speziell für E-Bikes entwickelt wurden. Diese Träger zeichnen sich nicht nur durch eine höhere Zuladung aus, sie erleichtern auch das Auf- und Abladen der Räder, zum Beispiel durch ausfahrbare Schienen oder absenkbare Haltearme. 

Für den Transport von E-Bikes bieten sich prinzipiell drei Möglichkeiten an: ein Trägersystem an der Heckwand des Fahrzeugs, ein am Chassis befestigter Plattformträger oder ein in der Garage befindliches Schienensystem. Die bei Pkw häufig verwendeten Anhängekupplungsträger sind für viele Reisemobile nicht zugelassen. Warum, erklärt § 53 der StVZO. Dort heißt es: "Der äußerste Punkt der leuchtenden Fläche der Rückstrahler darf nicht mehr als 400 mm vom äußersten Punkt des Fahrzeugumrisses (…) entfernt sein." Bei einem 2,30 Meter breiten Reisemobil müsste der Anhängekupplungsträger also mindestens 150 Zentimeter breit sein. In der Regel überragt jedoch kaum ein Trägersystem dieser Bauart eine Breite von 130 Zentimetern. 

Für den Träger-Vergleich wählten wir bewusst ein Pedelec mit unkonventionellem Design, um die Anpassungsfähigkeit der Systeme zu prüfen. Alle punkten in dieser Hinsicht. Sowohl das steil abfallende Oberrohr als auch die zwei Zoll dicken Breitreifen finden Platz am Haltearm und in den Schienen. 

Von Vorteil beim Aufladen sind E-Bikes mit Mittelmotor, wie den Antrieben von Bosch und Shimano. Durch die gleichmäßige Gewichtsverteilung droht das Rad beim Anheben nicht nach hinten wegzukippen, wie es bei Heckmotoren der Fall ist. Wird der Akku vor dem Verladen abgenommen, reduziert sich das Gewicht des E-Bikes außerdem um zweieinhalb bis drei Kilogramm. 

Beim Festzurren der Reifenriemen ist Vorsicht geboten. Zwischen Luftventil und Riemen sollte sich mindestens eine Speiche befinden. Ansonsten kann es passieren, dass der Riemen am Ventil scheuert und dieses undicht wird.

Heckwandmontage

Heckträger zeichnen sich durch ein niedriges Eigengewicht und einen verhältnismäßig günstigen Preis aus. Die Heckwandträger von Fiamma und Thule erleichtern das Auf- und Abladen der Pedelecs durch absenkbare Schienen. Mittels einer Kurbel lässt sich das Rad auf eine bequeme Höhe bringen. Thule bietet gegen Aufpreis auch eine motorisierte Absenkung an. Gegen Aufpreis kann der Lift V16 auch mit felgenschonenden Gummieinsätzen für die Reifenriemen bestellt werden.

Die maximale Nutzlast der Heckwandträger beträgt 50 bis 60 Kilogramm. Das reicht für den Transport von zwei durchschnittlich schweren E-Bikes vollkommen aus. 

Schäden am Aufbau müssen bei dieser Art der Montage nicht befürchtet werden. Denn die maximale Zuladung der Heckträger ist immer niedriger ausgewiesen als die vom Fahrzeughersteller zugelassene Belastung der Heckwand.

Fiamma: Carry Bike Lift 77 E-Bike
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 60 kg
Eigengewicht: 16 kg
Eigenschaften: Montagepunkte mit Abstand von 68 bis 108 cm
Preis: 807 Euro
Info: fiamma.it

Eurocarry: Nuevo
Max. Anzahl E-Bikes: 2, erweiterbar auf 4
Max. Tragkraft: 60 kg
Eigengewicht: 7 kg
Eigenschaften: Montage in unterschiedlichen Höhen möglich
Preis: 229 Euro
Info: eurocarry.de

Thule: Lift V16
Max. Anzahl E-Bikes: 2, erweiterbar auf 3
Max. Tragkraft: 50 kg
Eigengewicht: 17 kg/18,1 kg motorisiert
Eigenschaften: Optional mit Motor
Preis: 679 Euro
Info: thule.com

Chassismontage

Ein am Chassis befestigter Träger zeichnet sich durch eine besonders niedrige Ladehöhe aus. Optional gibt es für viele Ausführungen auch Auffahrschienen. In Verbindung mit einer Schiebehilfe lässt sich das E-Bike hürdenlos verladen. 

Die Befestigung am Chassis erlaubt zudem große Nutzlasten um 150 Kilogramm. Diese hohe Zuladungsreserve kann bei dem Universal-Träger von Weih-Tec auch genutzt werden, um einen Motorroller oder ein Motorrad zu transportieren. 

Für größtmöglichen Wetterschutz bieten einige Hersteller, darunter Sawiko und Liberco Systems, zum Träger passende Schutzhauben an. Deren Design ist so an die Schienen angepasst, dass die Hülle auch nach unten hin abdichtet und so vor Spritzwasser schützt. Unbenutzt lassen sich die Schienen an die Aufbauwand anklappen. Auch das vollständige Abnehmen ist bei vielen Radträgern möglich.

Liberco: Systems 4-Bike
Max. Anzahl E-Bikes: 2, erweiterbar auf 3
Max. Tragkraft: 80 kg
Eigengewicht: 20 kg
Eigenschaften: Für Alko-Chassis oder Rahmenverlängerung, abnehmbar ohne Werkzeug
Preis: 839 Euro
Info: liberco.de

Sawiko: Velo III
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 80 kg
Eigengewicht: 16 kg
Eigenschaften: Hochklappbar, passende Schutzhülle erhältlich
Preis: 920 Euro
Info: sawiko.de

Linnepe: Cavus R
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 70 kg
Eigengewicht: 20 kg
Eigenschaften: Hochklappbar
Preis: 1089 Euro
Info: linnepe.eu

Weih-Tec: Typ Universal F/A
Max. Anzahl E-Bikes: 2, erweiterbar auf 3
Max. Tragkraft: 90 kg
Eigengewicht: 20 kg
Eigenschaften: Plattformträger für Alko-Chassis oder Rahmenverlängerung
Preis: 879 Euro
Info: weih-tec.de

Garagensysteme

In der Garage stehen Pedelecs sicher vor Schmutz und Nässe. Auch Diebe haben keinen Zugriff auf die teuren Bikes. 

Wesentlich unterscheiden sich die Garagensysteme durch die Möglichkeiten des Auf- und Abladens. Während die Schienen bei einigen Modellen fest angebracht sind, können sie bei manchen Systemen, wie den Garagenträgern von Hymer und Weih-Tec, herausgefahren werden. Das erleichtert das Ein- und Ausladen spürbar. 

Fiamma kombiniert die Fahrradschienen zusätzlich mit einem Ordnungssystem für Campingmöbel und anderes Zubehör wie Keile & Co.

Fiamma: Garage Plus
Max. Anzahl E-Bikes: 2, erweiterbar auf 4
Max. Tragkraft: 60 kg
Eigengewicht: 5,6 kg
Eigenschaften: Standardschienen nicht herausnehmbar
Preis: 204 Euro
Info: fiamma.it

Hymer: Fahrradaufsatz
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 55 kg
Eigengewicht: 8 kg
Eigenschaften: Schienen können aus der Garage entnommen werden
Preis: 599 Euro
Info: hymer.com

Radfazz: Fahrradträger Schiene
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: k.A.
Eigengewicht: unter 3 kg
Eigenschaften: Schiene zur Fixierung der (Feder-)Gabel am Boden
Preis: 130 Euro
Info: radfazz.de

Weih-Tec: Slide Move HG-200
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 70 kg
Eigengewicht: 20 kg
Eigenschaften: Garagenträger herausziehbar
Preis: 999 Euro
Info: weih-tec.de

Campingbusmontage

Hecktüren von Campingbussen dürfen nicht stark belastet werden. Darum eignen sich an den Türen befestigte Träger nicht zum E-Bike-Transport. Besser ist die Montage am Chassis (Linnepe, SMV und Weih) oder direkt an den Scharnieren (Sawiko). 

Damit sich die Türen trotz huckepack verladenem E-Bike öffnen lassen, können die Träger zur Seite geklappt oder ausgezogen werden. Bei hoch angebrachten Trägern wie dem Sawiko Futuro ist Vorsicht geboten: Beim Öffnen der Hecktüren schwenken die Schienen auf Kopfhöhe mit. 

Der Cavus von Linnepe wird zum Öffnen der Türen nach hinten herausgezogen. Beim Weih-Tec Slide Move zieht man die Schienen nicht heraus, sondern zur Seite. 

Für Campingbusse in der Größe des VW-Busses eignet sich der Atera Strada. Er sitzt auf der Anhängekupplung und lässt sich zum Öffnen der Heckklappe abklappen.

Atera: Strada DL 2
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 47 kg
Eigengewicht: 12,5 kg
Eigenschaften: Montage auf Anhängekupplung
Preis: 360 Euro
Info: atera.de

Linnepe: Cavus K
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 70 kg
Eigengewicht: 20 kg
Eigenschaften: Herausziehbar, Montage am Chassis
Preis: 1250 Euro
Info: linnepe.eu

Sawiko: Futuro
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 80 kg
Eigengewicht: 55 kg
Eigenschaften: Für Dachhöhe H2 und H3, 90 Grad Öffnungswinkel, absenkbar mit Kurbel
Preis: 1595 Euro
Info: sawiko.de

SMV: Swing Carry
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 80 kg
Eigengewicht: 50 kg (ohne Rüstsatz und Aufnahmeelemente)
Eigenschaften: Schwenk- und klappbar
Preis: 1142 Euro
Info: smv.ag

Weih-Tec: Slide Move DS 250
Max. Anzahl E-Bikes: 2
Max. Tragkraft: 70 kg
Eigengewicht: 29 kg
Eigenschaften: Verschieb- und abnehmbar
Preis: 1400 Euro
Info: weih-tec.de

E-Bike im Alltags-Check

Das Electra Townie Go ist anders, als man sich ein E-Bike vorstellt: gemütlich, stylish und in diesem Fall quietschgrün. Die Gemütlichkeit bezieht sich dabei auf Sitz- und Fahrkomfort, dank stufenweise zuschaltbarem Elektromotor beschleunigt das Rad zackig auf 25 km/h. 

Einige Wochen lang tauschte ich meinen schnöden Drahtesel gegen den hippen Blickfang im Alltag. Stuttgart ist bekanntermaßen hügelig, doch dank Unterstützung scheute ich weder die längsten noch steilsten Wege. Sobald man die Pedale in Bewegung setzt, surrt der Bosch-Motor leise und das Bike zieht los. Ein Traum! 

Ganze 82 Kilometer hielt die Batterie trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt, erst dann musste der Akku an die Steckdose. Die recht schwere Batterie habe ich bei Minusgraden beim Abstellen abmontiert, den handlichen Bordcomputer aus Sicherheitsgründen bei jedem Stopp. Beides geht geschmeidig mit nur einer Handbewegung. Einziger Wermutstropfen: Das Townie kostet stolze 2700 Euro.

Autor

Foto

Fotos: Karl-Heinz Augustin, Andreas Becker, Hersteller

Datum

20. Mai 2017
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 05/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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