Zoom

Alle Wohnmobil-Konzerne in Europa im Überblick: Wem gehört was in der Reisemobilbranche?

Die Macher: Wer hat das Sagen bei den einzelnen Marken? Wie groß sind die Anteile der großen Firmen-Imperien? promobil beleuchtet die Wirtschaftsdaten der Riesen der Freizeitbranche.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Größte im Land und auf dem Kontinent? Kaum vorstellbar, dass sich die Größen der Wohnmobil-Branche dieser Prozedur unterziehen. Doch je nach Disziplin könnte der Spiegel mehrfach „du“ antworten. Während der eine beim Umsatz die Nase vorn hat, reklamiert ein anderer für sich, die meisten Mobile zu bauen. Ein Dritter darf sich gar mit dem Weltmeistertitel in Sachen Caravans schmücken. promobil beleuchtet, wer die „big player“ in der Welt der Freizeitfahrzeuge sind.

Erwin Hymer - Maß der Dinge

Ob Erwin Hymer jemals zu träumen gewagt hätte, als er 1956 den ersten Troll-Wohnwagen entwickelte, dass er fast 50 Jahre später das mit Abstand größte Firmen-Imperium der Caravaning-Branche sein Eigen nennen würde? Auch wenn nicht überall Hymer draufsteht, ist doch in etlichen Marken Hymer(-Besitz) drin: Unter dem Dach der Hymer-AG sind „nur“ die Marken Hymer, Bürstner, Niesmann + Bischoff, Laika sowie die Zubehör-Tochter Movera vereinigt. Und genau genommen gehören davon Erwin Hymer wiederum „nur“ etwas über 77,36 Prozent.

Doch nicht nur die Hymer AG hat der 74-jährige Oberschwabe aus Bad Waldsee stets im Blick – auch drei namhafte deutsche Reisemobil- und Caravanhersteller hat er im Lauf der Jahrzehnte erworben. In Isny macht ihm Dethleffs derzeit viel Freude. Geschäftsführer Thomas Fritz hat durchaus den Ehrgeiz, die „Stiefschwester“ Hymer eines Tages bei der Reisemobilproduktion zu übertreffen. Mit 4000 gefertigten Fahrzeugen erscheint dies durchaus im Bereich des Möglichen. 197 Millionen Euro Umsatz machte Dethleffs im vergangenen Jahr. Tendenz: kräftig steigend. Mit 740 Mitarbeitern ist das Unternehmen die größte der „freien“ Hymer-Firmen.

Rund 500 Beschäftigte sind in Sassenberg/Westfalen am Werk, um Freizeitfahrzeuge der Marken LMC und TEC zu fertigen. Mit 120 Millionen (LMC) und 44 Millionen (TEC) Euro Umsatz kräftigen auch diese Firmen die Stellung von Erwin Hymer als Marktführer. Addiert man die Umsätze der börsennotierten und der ganz im Privatbesitz von Erwin Hymer befindlichen Firmen, wurde im vergangenen Geschäftsjahr die Milliarden-Euro-Grenze um 78 Millionen überschritten. Größte Umsatzbringer innerhalb der Gruppe waren die Marken Hymer (310 Millionen Euro) und Bürstner (260 Millionen Euro).

Trigano - französische Konkurrenz unter François Feuillet

Beim Umsatz rangierte die französische Trigano-Gruppe, zu der bekannte Marken wie Challenger, Chausson, Benimar, Ci und Arca zählen, mit 702 Millionen Euro hinter den Hymer-Firmen. Doch der Abstand wird 2005 deutlich kleiner, gehören doch seit Februar auch die deutschen Marken Eura Mobil und Karmann Mobil ins Trigano-Reich und sind damit unter der Regie von François Feuillet (56).

16 750 Reisemobile fertigten die frisch vermählten Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr und blieben damit dem Hymer-Verbund (19 947 Mobile) durchaus auf den Fersen. In einer Hinsicht hat die französische Unternehmensgruppe aber die Nase vor dem deutschen Mitbewerber: beim Börsenwert. Er lag im Dezember 2004 bei über 600 Millionen Euro. Stolzer Besitzer von 50,9 Prozent der über 11 Millionen Trigano-Aktien war François Feuillet, den man so mit Fug und Recht als „Big Boss“ bezeichnen kann.

Ermes Fornasier - der italienische Gegenspieler

Als „Nummer drei in Europa“ bezeichnet sein italienischer Gegenspieler Ermes Fornasier, der Geschäftsführende Gesellschafter der SEA-Gruppe, sein Imperium. Dazu gehören unter anderem Elnagh, Miller, Mobilvetta und McLouis – und 2005 soll Dream Motorcaravans als ganz neue SEA-Marke etabliert werden. Mit insgesamt 10 438 verkauften Reisemobilen im vergangenen Jahr war die Position drei in Europa beim Absatz richtig – beim Umsatz sieht es aber ganz anders aus, denn hier kam die Societa Europea Autocaravan (SEA) auf 295 Millionen Euro. Mit 349 Millionen Euro waren Hobby und Fendt zusammen indessen wesentlich umsatzstärker. Diese Marken sind gänzlich im Besitz von Harald Striewski. Zielstrebig und mit sicherem Instinkt ist der gelernte Schiffsbauingenieur vom Ein-Mann-Betrieb zum weltgrößten Caravanproduzenten aufgestiegen. Mit dem Ende 2003 eröffneten Reisemobilwerk in Fockbek bei Rendsburg will er nun auch dieses Marktsegment aufmischen.

Noch ein Großer: Die Knaus Tabbert Group

In die Reihe der Großen gehört auch die Knaus Tabbert Group. Sie meldete für das Geschäftsjahr 2003/2004 ein Volumen von 270 Millionen Umsatz, das in der aktuellen Saison auf 300 Millionen gesteigert werden soll. Der Ehrgeiz der Vorstände Thomas Dickenberger und Johannes Steinparzer ist zweifelsohne gestiegen, seit sie seit September 2004 mit 30 Prozent am Unternehmen beteiligt sind. 70 Prozent werden nach wie vor von Familie Knaus gehalten.

Weitere erfolgreiche Gruppen in Europa

Ausgesprochen erfolgreich agiert auch der slowenische Hersteller Adria. In einem Management-buy-out haben Mitarbeiter das ehemalig staatlich gelenkte Unternehmen übernommen und zielsicher auf die Überholspur geführt, was über 13 000 produzierte Freizeitfahrzeuge und 220 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr unterstreichen.

Zu den ganz Diskreten in der Branche gehört die Tirus-Gruppe, die mit ihren Marken Home Car, Cristall, Kip, Delta und weiteren vor allem in Großbritannien, Skandinavien und den Beneluxländern aktiv ist. 170 Millionen Euro Umsatz zeugen von einer erfolgreichen Geschäftspolitik. Wie viele Reisemobile und Caravans vom Band liefen, will das Unternehmen partout nicht verraten. Die Tirus-Gruppe ist im Besitz von niederländischen Investoren.

In den Top Ten der großen Anbieter platzieren sich auch die französische Pilote-Gruppe mit 144 Millionen Euro Umsatz sowie das italienische Familienunternehmen Rimor, das im vergangenen Jahr immerhin 4000 Mobile absetzte. Auch im Weltmaßstab können sich die europäischen Branchengrößen durchaus sehen lassen.

Mit all seinen Unternehmen setzte Erwin Hymer im vergangenen Geschäftsjahr über 200 Millionen Euro mehr um als der größte amerikanische Reisemobilhersteller Winnebago. Der kam 2004 „nur“ auf 1,1 Milliarden US-Dollar – etwa 850 Millionen Euro.

promobil Logo

Autor

Datum

20. März 2005
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
02:15 Offroad-Fahrschule mit promobil vor 4 Tagen
99 Aufrufe
06:27 Bürstner Lyseo 2016 Supercheck vor einem Monat
579 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z