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Ratgeber: Versicherungen

Viele Prämien zogen in jüngster Zeit kräftig an. Nun sollen die Preise vorerst stabil bleiben. Zwischenbilanz.

Nicht nur Paul Kratz aus Kronberg im Taunus fiel aus allen Wolken, als er Ende 2003 die Versicherungsrechnung für seinen Flair 6700 erhielt: Statt wie bisher 484,29 Euro pro Jahr sollte er 724,68 Euro berappen – ein gewaltiger Aufschlag von 49,6 Prozent. Kein Einzelfall: Mehrere tausend Reisemobilisten wunderten sich, dass die Prämien in einem Maß anstiegen, wie es kaum jemand erwartet hatte. Vor allem viele Versicherungen, die über Fachmakler abgeschlossen wurden, zogen preislich kräftig an. Die Hitliste der preisgünstigsten Anbieter wurde in den vergangenen Monaten kräftig durcheinander gewirbelt – nie zuvor war der Markt der Reisemobilversicherungen so in Bewegung wie derzeit. Die Gründe? „Den Versicherern blieb gar keine andere Wahl“, bekennt Kundenberater Marco Schulz von der Stuttgarter Funk-Gruppe, die auch die Assekuranz-Töchter des Hymer-Konzerns und von Dethleffs, TEC sowie LMC betreut und die Kunden mit teilweise drastischen Beitragserhöhungen konfrontierte. Die Ursache liegt nach den Worten von Schulz in den ungünstigen Schadensverläufen der vergangenen Jahre – „da haben die Versicherungsunternehmen nichts mehr verdient.“ Besonders die Elementarschäden haben den Anbietern die Bilanzen buchstäblich verhagelt.

„Die Reisemobilversicherungen sind in die roten Zahlen gerutscht“, sagt Schulz offen, und er rechnet vor, dass allein bei der Funk-Gruppe jeder Unwetterschaden an Reisemobilen durchschnittlich mit fast 4000 Euro zu Buche schlug. Die Beobachtung wird auch von Eberhard Schwenger, Chef des Stuttgarter Maklerunternehmens ESV, geteilt: „So viele Hagel- und Hochwasserschäden an Freizeitfahrzeugen wie in den vergangenen drei Jahren hat es in der Vergangenheit nie gegeben.“ Flächendeckend traten diese kostentreibenden Schäden auf – „sogar an der Nordsee, wo es früher eigentlich nie gehagelt hat“, schüttelt Schwenger den Kopf. Bittere Konsequenz: Auch er musste die Prämien deutlich anheben. Ob die Anhebungen indessen so hoch ausfallen mussten wie geschehen, wird nicht nur bei den betroffenen Kunden heftig diskutiert. „Es wäre sicher besser gewesen, wenn wir schon im Vorjahr die Prämien um zehn Prozent erhöht hätten, anstatt sie jetzt auf einmal um 25 bis 45 Prozent anzuheben“, räumt Marco Schulz ein.

Auch bei den Partnern von Hymer und Dethleffs stieß die Funk-Gruppe damit auf Unverständnis: „Das kam für uns völlig überraschend; die Kommunikation war unzureichend“, zeigt sich Dethleffs-Sprecher Helge Vester wenig erbaut. Kein Wunder: Auch bei den Freizeitfahrzeugherstellern standen die Telefone wegen der Versicherungsverteuerungen nicht mehr still. Immerhin, so gibt Marco Schulz zu bedenken, habe sein Unternehmen die Preise zuvor aber sieben Jahre lang nicht erhöht. Sind weitere Anhebungen zu erwarten? „Ich hoffe nicht“, zeigt sich Dirk Heitmann von der Nürnberger Agentur Accura vorsichtig optimistisch und erhält Schützenhilfe von Schulz: „Ich denke, dass die Anbieter nun wieder ein auskömmliches Niveau erreicht haben.“ Ob die Prämien mittelfristig stabil bleiben, steht in den Sternen, denn längst wird bei den Versicherungsgesellschaften darüber diskutiert, ob für Reisemobile nicht auch Typklassen eingeführt werden sollen, wie es bei den Pkw längst der Fall ist. Folge: Halter von Mobilen, die in den Statistiken nicht negativ auffallen, könnten mit einem Bonus rechnen, während Besitzer von Fahrzeugen mit schlechtem Schadensverlauf sich auf Verteuerungen gefasst machen müssten. Wer bei den Versicherungsprämien nur auf den Preis schaut, kann die untenstehende Tabelle zu Hilfe nehmen. Doch aufgepasst: Das Ranking der Anbieter kann in der eigenen Schadensfreiheitsklasse ganz anders aussehen, weil der maximal erreichbare Rabattsatz zwischen 35 und 55 Prozent variiert. Auch die Leistungen der einzelnen Anbieter sind nur noch bedingt vergleichbar, weil die Ausschluss- und Selbstbeteiligungssätze unterschiedlich hoch sind. Da hilft es letztendlich nur, das Kleingedruckte in den Angeboten zu lesen und genau zu rechnen. Vielen Reisemobilfahrern scheint das aber egal zu sein: Nur etwa zehn Prozent haben ihre Versicherung bei den zehn preiswertesten Anbietern abgeschlossen.

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1. Mai 2004
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