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Versicherungen für Wohnmobile: Rundum abgesichert

Zahlt die Versicherung? Kennt man die Tücken des Kleingedruckten, gibt´s im Schadensfall kein böses Erwachen. promobil hilft dabei.

Abenteuer Reisen: Als promobil-Leser Johann Regen* und seine Frau vom Stadtbummel in der lettischen Hauptstadt zurück zum Parkplatz kamen, starrten sie ins Leere – dorthin, wo vor kurzer Zeit noch ihr Campingbus gestanden hatte. Der Landessprache nicht mächtig, schlugen sich die Regens bis zur Polizeistation durch. Mit dem Protokoll in der Tasche reisten sie auf Kosten des ADAC in die Heimat zurück. „Gott sei Dank hatte ich wenigstens eine lange Hose an, sonst wäre es im Flugzeug echt kalt geworden“, erinnert sich Regen. Nach einigem Hin und Her ersetzte die Vollkaskoversicherung den Zeitwert des Fahrzeugs – nicht eben viel bei einem 13 Jahre alten VW T4. Den gesamten Hausrat für eine mehrwöchige Campingreise mussten die Regens jedoch aus eigener Tasche bezahlen.

Ein typisches Camping-Erlebnis? Einbrüche ins Reisemobil oder gar der Diebstahl des ganzen Fahrzeugs sind im Urlaub glücklicherweise die seltene Ausnahme. Falls es aber doch einmal passiert, schauen etliche Reisemobilisten in die Röhre, wie die zahlreichen Zuschriften an die Redaktion zeigen. Woran das liegt? Bei vielen Versicherungsnehmern scheint Unklarheit darüber zu herrschen, welche Versicherung überhaupt für welche Schäden aufkommt oder, anders herum, was in der Regel vom Versicherungsschutz ausgenommen ist. Rechtsanwalt Rüdiger Zipper, Justitiar des EMHC, empfiehlt deshalb allen an einer Versicherung Interessierten, „das Kleingedruckte zwei Mal zu lesen“.
Verkompliziert wird die Sache mitunter dadurch, dass manche Tatbestände sozusagen stillschweigend ein- oder eben ausgeschlossen sind. Beispiel „Domizilklausel“: Wer eine Reisegepäckversicherung abschließt, hat keinen Anspruch auf Schadensersatz, wenn das mit dem Urlaubsgepäck beladene Fahrzeug vor der Haustür aufgebrochen und ausgeräumt wird – es sein denn, der Vertrag enthält die besagte Domizilklausel, die den Versicherungsschutz auch am Wohnort gewährleistet.

Erste Bürgerpflicht in Sachen Versicherung ist es also, sich genau nach den Modalitäten zu erkundigen. Hilfreich ist ein „Brainstorming“, um einmal alle möglichen Schadensfälle durchzuspielen. Wenn man die Risiken eingegrenzt hat, gegen die man sich absichern will, geht es daran, die richtige Versicherung herauszufinden. Eine Police, die Hab und Gut gegen alle möglichen Gefahren absichert, gibt es nämlich nicht – Fahrzeug und Inhalt mögen für den Besitzer und den Dieb eine Einheit darstellen, für den Versicherer jedoch keineswegs.
Neben der obligatorischen Haftpflicht verfügen die meisten Fahrzeugbesitzer über eine Teil- oder Vollkaskoversicherung. Eine Vollkaskoversicherung enthält immer eine Teilkasko.

Vollkasko vs. Teilkasko

Wichtiger Unterschied zwischen beiden: Bei Schäden, für die die Teilkasko aufkommt, werden keine Beitragsanpassungen fällig. Der Diebstahl des Fahrzeugs sowie Schäden am Fahrzeug durch einen Einbruch sind ein Fall für die Teilkasko. Bei mutwilligen Beschädigungen (Vandalismus) greift dagegen die Vollkasko.

Experten empfehlen gerade den Besitzern wertvoller Reisemobile, eine Vollkaskoversicherung abzuschließen. Da die Haftpflicht-Deckungssummen in manchen Ländern nur einen Bruchteil der hierzulande üblichen Deckungssumme (pauschal 50 Millionen Euro) betragen, kann es dem Geschädigten ansonsten passieren, dass er auf seinem Schaden sitzen bleibt. Wer den im Reisemobil transportierten Hausrat versichern möchte, nebst Kamera, Schlauchboot und Fahrrad, muss sich anderswo umschauen. Die Teilkaskoversicherung deckt nämlich nur fest eingebaute Zubehörteile im Reisemobil ab, etwa das Autoradio nebst Lautsprechern. Attraktiv scheint die Außenversicherung der Hausratversicherung, wie sie Millionen von Deutschen abgeschlossen haben. Sie deckt Schäden am „Hausrat auf Reisen“ ab, wobei sich die Höhe der Entschädigung am Neuwert der gestohlenen Sachen orientiert. Das klingt verlockend, hat aber den Nachteil, das diese Außenversicherung an zahlreiche Bedingungen geknüpft ist, die von Anbieter zu Anbieter variieren. So sieht die „Nachtklausel“ in vielen Policen vor, dass sich die versicherten Sachen zwischen 22 und sechs Uhr in einem Gebäude befinden, etwa im Hotelzimmer. Wer seinen Pkw in der verschlossenen Hotelgarage parkt, genießt Versicherungsschutz; der Inhalt des im Freien stehenden Reisemobils jedoch ist nicht versichert. Und wie das Amtsgericht Coburg im Rechtsstreit einer Reisemobilistin mit ihrer Hausratversicherung feststellte (Az: 15 C 393/01), gilt die „fahrende Unterkunft“ nicht als versicherte Wohnung oder gar als Gebäude.

Der Autoschutzbrief

Wer über einen Autoschutzbrief verfügt, ist beim Diebstahl des Fahrzeugs nicht komplett aufgeschmissen. Die Leistungen umfassen unter anderem die Rückreise nach Unfall, Fahrzeugdiebstahl oder Erkrankung sowie Pannenhilfe und Übernahme der Hotelkosten bei Ausfall oder Diebstahl des Fahrzeugs. Auch hier empfiehlt es sich, das Kleingedruckte genau zu studieren – etwa um herauszufinden, ob für Reisemobile Gewichtsobergrenzen bestehen. Bei manchen Gesellschaften ist der Schutzbrief schon für sechs Euro zu haben, allerdings nur bei Abschluss einer Haftpflichtversicherung für dasselbe Fahrzeug. Eine Reisegepäckversicherung ergibt für Reisemobilisten nur wenig Sinn. In der Regel besteht der Versicherungsschutz nur tagsüber zwischen sechs und 22 Uhr; für das Reisemobil gilt, dass das Fahrzeug nachts auf einem Campingplatz stehen muss. Übernachtet man auf einem Stellplatz, muss die Versicherung im Schadensfall nicht haften. Für Gegenstände, die man im Urlaub mit sich führt, gelten strenge Regeln. Wenn ein Dieb die auf dem Cafétischchen abgelegte Kamera abgreift, während deren Besitzer mit dem Kellner radebrecht, wird die Versicherung dem Geschädigten Fahrlässigkeit vorwerfen. Schmuck, Geld und andere Wertsachen sind meist von der Reisegepäckversicherung ausgeschlossen. Abhanden gekommene Gegenstände werden mit ihrem Zeitwert ersetzt. Eine Gepäckversicherung ist in der Regel relativ teuer; vielfach wird kritisiert, die Bestimmungen seien so streng, dass der Abschluss nicht wirklich lohnt.

Reisemobil-Inhaltsversicherungen

Einen Rundumschutz gegen den Diebstahl des Fahrzeuginhalts bieten einzig spezielle Reisemobil-Inhaltsversicherungen, die ab rund 120 Euro pro Jahr zu haben sind. Diese gelten rund um die Uhr und außerhalb von Campingplätzen, sind also auf die Reisegewohnheiten der Mobilisten abgestimmt. Haftungsausschlüsse gibt es natürlich auch bei solch einer Spezialversicherung. Für den Verlust von Geld, Schmuck und Kreditkarten kommt die Inhaltspolice nicht auf. Für Unterhaltungselektronik und Foto- oder Videoausrüstungen gelten Schadensobergrenzen, die deutlich unter der Versicherungssumme (in der Regel 8000 Euro) liegen. Auch bei den Spezialversicherern variieren die Leistungen von Anbieter zu Anbieter. Mal sind Fahrräder vom Versicherungsschutz ausgenommen, mal sind sie mitversichert, solange sie sich im Mobil (und nicht etwa am Heckträger) befinden. Bestimmte Staaten können vom Geltungsbereich der Versicherung ausgeschlossen sein; gerade Osteuropa-Reisende sollten sich kundig machen, ob ihre Reisemobilversicherung auch im Baltikum oder auf dem Balkan mit an Bord ist. Manche Gesellschaften akzeptieren auf Nachfrage (und ohne Aufpreis) auch Urlaubsländer, die in den Bedingungen nicht genannt wurden. Eins ist jedoch klar: Auch eine umfassende Versicherung mit kulanter Schadensregelung wird bestimmte Tatbestände als „Fahrlässigkeit“ abhaken und die Regulierung ablehnen. Ein klassischer Fall ist der Diebstahl von im Reisemobil abgelegten Geldbörsen und Mobiltelefonen, den auch so mancher promobil-Leser zu beklagen hatte.

Um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, sollte man stets in der Lage sein, dem Versicherer einen Überblick über den Fahrzeugwert sowie die Beschaffenheit der mit oder aus dem Fahrzeug gestohlenen Sachen zu geben. Die Dokumentation von Wartungs- und Reparaturmaßnahmen sowie Ein- oder Umbauten hilft dem Gutachter, den Zeitwert des Fahrzeugs zu bestimmen. Mit Hilfe einer Liste aller an Bord befindlichen Gegenstände kann man bei einem Einbruch leicht feststellen, was fehlt. Der Schaden muss der örtlichen Polizei angezeigt werden; eine Bestätigung der Polizeibehörde über die Schadensmeldung wird dem Versicherer vorgelegt. Konflikten mit dem Versicherer kann man allein dadurch vorbeugen, dass man sich eingehend über die Leistungen im Schadensfall informiert. So kann man „Deckungslücken“ durch andere Versicherungen schließen oder kennt zumindest das Risiko, das man durch den eingeschränkten Versicherungsschutz eingeht. Denn was ist ärgerlicher, als zu erfahren, dass einem die erwartete Ersatzleistung gar nicht zusteht? Diese Erfahrung musste ein promobil-Leser machen, dessen Reisemobil auf einem spanischen Supermarkt-Parkplatz aufgebrochen wurde. Da war es ein geringer Trost, dass die Polizei dem geschädigten Mobilisten ein Überwachungsvideo vorführte, auf dem der Bruch in allen Einzelheiten zu sehen war.

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Datum

2. April 2005
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