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Toilettentypen für Wohnmobile: Welche Toilettenarten gibt es fürs Wohnmobil?

Die wollen nur spülen... Für den mobilen Einsatz gibt es sieben verschiedene Toilettenarten. promobil erklärt beispielhaft deren Technik, Unterschied, Funktion und Einsatzmöglichkeiten.

Die Kassettentoilette

Die Mehrzahl aller Fahrzeuge verfügt über eine Kassettentoilette. Neben der klassischen Banktoilette werden vielfach drehbare Versionen eingebaut – was bei begrenztem Platzangebot sinnvoll ist. Es gibt solche mit eigenem Spültank sowie Toiletten, die sich zur Spülung aus dem Frischwasservorrat bedienen. Integrierte oder ausgelagerte Bedienteile steuern dazu die Pumpe und informieren zudem über den Füllstand von Tank und Kassette. Der Inhalt des Beckens wird über einen manuellen Schieber in die darunterliegende Kassette entleert. Das ist oft ein rollbarer Tank, der an Entsorgungsstellen über den Ausgießstutzen entleert wird. Im Trend: leicht zu reinigende und kratzfeste Keramikbecken oder Keramikinlays.

Die portable Toilette

Ein echter Klassiker ist die Porta Potti, der Inbegriff der Campingtoilette. Seit Jahrzehnten auf dem Markt ist sie die oft einzig praktikable Möglichkeit, bei begrenztem Platzangebot eine Toilette an Bord zu haben. Mit integriertem Spültank erfordert das autarke System praktisch keinen Installationsaufwand. Teils jedoch sind Befestigungskits lieferbar, die eine sichere Montage am Fahrzeugboden erlauben. Für Traditionalisten ist sie in nos­talgischem Beigebraun erhältlich. Es gibt aber auch Varianten in modernem Weißgrau und mit flottem Design. Nach Benutzung wird per Handpumpe gespült und der Schieber zum Fäkaltank geöffnet. Zur bequemen Entsorgung sind Oberteil mit WC- Becken und Fäkaltank-Unterteil trennbar.

Die Bodentoilette

Große Fahrzeuge mit fest Installiertem Unterflur-Fäkaltank verfügen bisweilen über eine robuste Bodentoilette. Die sind häufig komplett in Kera­mik­ ausgeführt – mit entsprechendem Gewicht. Hier findet die Entleerung direkt durch den Boden statt, und zwar wie bei der Kassettentoilette über ein Schieberventil. Das wird in aller Regel zusammen mit der Spülung über ein Fußpedal betätigt. Die Schwerkraft und das Spülwasser aus dem Haupttank übernehmen die Entleerung. Mit diesem System sind auch große Tankvolumen machbar, wobei die Entsorgung direkt über einem dafür vorgesehenen Gully oder mittels Abwasserschlauchanschluss erfolgen muss. Günstig, wenn danach alles mit vorhandenem Brauchwasser durchgespült wird.

Die Trockentoilette

Ganz ohne Wasser und Installationsaufwand haben Trockentoiletten als Helfer in der Not durchaus ihre Berechtigung. In der einfachsten Bauweise sind sie auch als Eimertoilette am Markt. Hier jedoch ist die Entsorgung der Hinterlassenschaften nicht jedermanns Sache. Mit der Cactus-Toilette geht dies dann schon etwas komfortabler. Sie funktioniert mit speziell entwickelten Einweg-Deckelsäcken, sogenannten Lid Bags, die in die Toilettenschüssel gehängt werden. Beim Schließen der Toilette wird der eingehängte Beutel fest mit einem separaten Deckel verschlossen. Eingestreutes Granulat bindet Flüssigkeit. Das absolut dichte Lid Bag kann im Restmüll entsorgt werden. Zehn Beutel mit Nässepuffern kosten rund 25 Euro.

Die Zerhackertoilette

Ein kräftiger Elektromotor mit angeflanschter Häckseleinrichtung tritt nach der Toilettenbenutzung einer Zerhackertoilette in Aktion. Mit reichlich Spülwasser werden Fäkalien wie Toilettenpapier zerkleinert und in den Schwarzwassertank befördert. Oder bei vollversorgten Parzellen gleich direkt über einen Schlauch ins Abwassersystem abgeleitet. Weil all dies unter Druck geschieht, kann der Fäkalientank im Fahrzeug auch in einiger Entfernung von der Toi­lette und selbst höhergelegen installiert werden. Der zwangsläufig nicht ganz geräuschlose Zerhacker- und Spülvorgang wird per Knopfdruck gestartet. Mit dem aus dem ma­ri­timen Bereich bekannten System lassen sich sogar Kassettentoiletten umrüsten.

Die Vakuumtoilette

Dieses recht aufwendige Toilettensystem findet sich hin und wieder in der Luxusklasse großer Reisemobile, häufiger jedoch ebenfalls auf Yachten und Booten. Das Prinzip ist von den Bordtoiletten des ICE und von Flugzeugen her bekannt. Vorteil ist die von der eigentlichen Toilette in Abstand und Höhe unabhängige Einbauposition des Schwarzwassertanks. In ihm oder in einem separaten Speicher wird per Pumpe ein Unterdruck erzeugt, der die Hinterlassenschaften – sobald die Spülung betätigt wird – mit minimalem Einsatz von Wasser Richtung Fäkaltank katapultiert. Tankvolumina können so eher klein bemessen werden. Auch dieses Toilettensystem verursacht Geräusche, wenn die elektrische Pumpe wieder Unterdruck aufbaut.

Die Verbrennungstoilette

Tausendfach bewährt in skandinavischen Ferienhäuschen könnte dieses Konzept künftig auch bei Freizeitfahrzeugen Verwendung finden. Cinderella Motion heißt das wohl ungewöhnlichste und sehr teure Toilettensystem. Sämtliche Ausscheidungen werden zunächst von einem wasserdicht beschichteten Papierbeutel aufgefangen, der sodann samt Inhalt in der darunterliegenden Brennkammer zu steriler feiner Asche verglüht. Die kann überall problemlos entsorgt werden. Alles klappt fast vollautomatisch auf Knopfdruck. Ein 12-Volt-Anschluss für Ventilation und Klappmechanik sowie eine Gasleitung zum Brenner sind erforderlich; dazu noch ein Abzugskamin, über den Verbrennungsgase nach außen geleitet werden.

Sie wollen mehr über Camping-WCs im Reisemobil erfahren? Dann downloaden Sie das kostenpflichtige PDF "Sani Spezial" (siehe oben).

Autor

Foto

Ingolf Pompe, Hersteller

Datum

28. September 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 09/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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