Alles über Malibu Malibu
 Heute ist der rote MALIBU HIT auf VW T3 ein echter Klassiker. 20 Bilder Zoom

Vergleich Malibu Hit gegen Van 640 LE: Malibu Campingbusse im Generationen-Vergleich

Malibu – ein großer, vielversprechender Name. Mit ihm begann die Erfolgsstory von Carthago. Heute ist der rote Malibu Hit auf VW T3 ein echter Klassiker. Wir laden ein zum Treffen mit seinem Urenkel.

Einen originalen T3-Malibu von 1988 neben einen neuen Malibu stellen – darf man das überhaupt? Ja, man darf. Denn ungeachtet der rein technischen Unterschiede huldigen beide Camper der Idee des unkomplizierten Reisens, sind beide Fahrzeuge Kinder eines Geistes. Trotz eines Abstands von drei Jahrzehnten. 

Den spürt man schon auf den ersten Metern im T3, der mit dünnem Lenkrad, kantigen Armaturen, steiler Frontscheibe und einem elend langen Schaltknüppel aufwartet. Man spürt ihn sofort, diesen speziellen Charme der 80er. Mit diesem Auto begibt man sich auf eine Zeitreise, die stets mit der klassischen "Rudolf-Diesel-Gedenkminute" beginnt: Ein Diesel-T3 will gemächlich vorglühen, man hat also Muße zum Nachdenken. 

Die dritte Generation des legendären VW kam 1979 auf die Straße: Im selben Jahr, genauer am 1. Juli, gründete ein mutiger Wirtschaftsingenieur namens Karl-Heinz Schuler die Marke Carthago im oberschwäbischen Ravensburg. Durchdachte Reisemobile und individuelle Ausbauten nach Kundenwunsch waren sein Ziel, wobei er sich schon 1985 auf den VW-Bus festlegte. 

Eine sehr kluge Entscheidung, wie sich bald zeigt: 1990 wird der neue T4 als Malibu vorgestellt, Carthago ist Europas zweitgrößter Hersteller von Campingbussen auf Volkswagen-Basis und zudem größter Werks-unabhängiger Campingbus-Hersteller. Da sieht man mal, was man so alles aus einem VW-Bus machen kann. 

Dass man mit einem Transporter eine ganze Menge machen kann, das beweisen die unzähligen VW-Busse jener Zeit, die selbst mit 30 Jahren im Gebälk noch durch die Weltgeschichte rollen. Auch unser rotes Spaßmobil aus Wolfegg wirkt noch so unternehmungslustig wie am ersten Tag – auch wenn sich der Rost ein wenig unter der nachträglich aufgebrachten Lackierung zeigt und die Inneneinrichtung die ein oder andere Modifikation durchlief. Das kann man aber getrost unter der Rubrik "Patina" abheften. 

Der bekannte Grundriss ist gleichwohl intakt: auf der Fahrerseite der Küchenblock mit Gasheizung, weiter hinten diverse Schränke, die Sitzbank dient auch als Bett, während im Dachgeschoss zwei weitere Schlafplätze warten. Ausgeliefert wurde unser Fotomodell einst als Malibu Hit III mit festem Hochdach, dem zwei großzügig geschnittene Seitenfenster spendiert wurden, die in heißen Nächten ein angenehmes Lüftchen passieren lassen. Als Basispreis nennt der im April 1988 aktualisierte Malibu-Prospekt einen Betrag von 39.312 Mark – damit war diese Variante das Flaggschiff, kamen die Kollegen mit Falt- oder Pilzdachaufbau doch erheblich günstiger. Gleich sieben Versionen ab 34 716 Mark waren im Angebot, die Motoren leisteten zwischen 57 und 112 PS. 

Im gesunden Mittelfeld bewegt sich Victoria Ott mit ihrer sparsamen Diesel-Variante. Im Heck werkelt der größere der beiden Selbstzünder, der dank Turbo immerhin 70 PS aus 1,6 Litern schöpft, sich dabei aber mit bescheidenen 7 bis 8 Litern begnügt. "Vielleicht würde er ein klein wenig mehr brauchen, würde ich immer mit Tempo 120 rasen. Aber warum sollte ich mich so hetzen? Ich will die Fahrt genießen." 

Vor dem Genuss stand indes die Arbeit: Der erstmals im Oktober 1988 zugelassene Wagen hatte zuletzt jungen Leuten gehört, die zwar den Motor überholen ließen, für weitere Reparaturen aber keine Mittel hatten. Auch an das Befahren einer Feinstaubzone war nicht zu denken, so dass der VW nach einem harten Jahr im Freien schließlich zu Victoria Ott kam. 

"Ich habe gezielt nach einem Malibu gesucht, möglichst mit dem festen Hochdach", verrät die Mutter zweier Kinder, die sowohl mit Werkzeug als auch mit dem Schweißgerät umzugehen vermag. "Exakt 96 Stunden, ich hab das sogar notiert, brauchte ich, dann gab es den TÜV-Segen." 

Den fälligen Kundendienst sowie die nötigen Blecharbeiten erledigte sie selbst, die Polsterarbeiten übernahm ein Freund, ein Profi vom Fach. "Er trieb sogar noch passenden Stoff von 1987 auf, der steht meinem Schorsch verdammt gut, finde ich." Dass der Wagen seit dem ersten Tag bei Victoria einen Namen trägt, verrät viel über die besonderen Sympathien, die sich zwischen Bus und Besitzer entwickeln können. 

Einen Eigennamen hat unser zweites Fotomodell nicht, noch muss die Bezeichnung "Malibu Van 640 LE" genügen: Seit 2013 ist Malibu wieder auf dem Markt, jetzt als Tochtermarke von Carthago. 

Den Anfang machte der Campingbus Van, inzwischen hat sich der Hersteller mit teil- und vollintegrierten Reisemobilen fast zum Vollsortimenter entwickelt. Nicht mal fünf Meter Länge beim VW T3 anno 88, knapp 6,4 Meter beim Fiat Ducato 2016. Klar kann man das nicht 1:1 vergleichen. Während der Raumeindruck des einen eher einem Zelt auf Rädern gleicht, mutet der andere wie ein ziemlich flott fahrbares Wohnzimmer an. Und doch ist die Sitzgruppe des T3 in der Länge luftiger. In der Breite spielt der Ducato mit drehbaren Vordersitzen seine Stärken aus. Die hätte es für den T3 zwar auch gegeben, bestellte damals aber keiner mit – doch vielleicht gönnt sich Victoria Ott noch irgendwann welche, damit man sich auch im T3 gegenübersitzen kann. Wegen der festen Einzelbetten hinten schlafen zwei im modernen Ducato natürlich kommoder. Für vier bietet der alte mit etwas Umstand aber tatsächlich mehr Schlafplätze mit mehr Liegefläche. 

Die Unterschiede werden besonders deutlich, wenn man die Küche oder das sogenannte "3-in-1 Flexbad" im neuen Malibu betrachtet. Das Original von 1988 konnte man sich gegen einen Aufpreis von 185 Mark mit "Porta Potti" ausliefern lassen, das war dann aber auch schon alles. Heute hingegen findet der geneigte Käufer einen eigenen Waschraum mit Schiebetür – so bleibt der Durchgang zum Schlafbereich auch bei geöffneter Tür frei –, schwenkbarer Toilette und sogar einer Dusche. 

Im Heck des Fiat Ducato mit 130 PS aus 2,3 Litern finden sich schließlich die Längseinzelbetten mit einer Liegelänge von knapp zwei Metern. Darunter – wo im T3 der Motor sitzt – befindet sich ein beachtlicher Stauraum, der sich zudem erweitern lässt, kann man doch die Betthälften nach oben schwenken. Selbst Victoria Ott zeigte sich vom neuen Malibu angetan. "Hier ist natürlich schon deutlich mehr Platz", gibt sie zu. "Er ist hell und vor allem durchdacht. Und selbst Leute mit Handicap können ihn bequem nutzen", meint die Mutter einer behinderten Tochter, die die Qualitäten von Campingbussen mit sehr kritischen Augen sieht. 

Ihren Schorsch würde sie deshalb aber auf keinen Fall hergeben, dafür ist ihr der Oldie zu sehr ans Herz gewachsen. Sie würde ihn einfach behalten, hegen und pflegen – und im Rahmen gediegener Wochenendtrips in Würde altern lassen. Die Realität freilich schaut vorerst anders aus: "Im September wollen wir für zwei oder drei Wochen nach England, das wird dann die bisher längste Fahrt." 

Für alte wie junge Camper gilt eben: Die nächste Reise ist immer die schönste. Und das hat weder mit Komfort noch mit Leistung oder Alter etwas zu tun. Wahre Reiselust ist eine universelle Größe: Und es wäre doch eigentlich schade, wenn so ein verheißungsvoller Name wie Malibu nicht wieder auf Tour ginge …

Kein Weg ist zu weit

Als Bastelobjekt ohne TÜV erwarb Victoria Ott ihren "Schorsch" – und stellte ihn aus eigener Kraft wieder auf die Räder. "Natürlich gibt es bessere oder schönere Autos. Aber nach 30 Jahren ist Patina erlaubt, meine ich. Außerdem will ich jetzt mit meinen beiden Töchtern reisen – schrauben kann ich wieder, wenn Winter ist." Im September soll es nach England gehen, alles Weitere findet sich dann. "Vielleicht auch Ausstellfenster für die Türen. Aber das eilt nicht."

Historie des Carthago Malibu

Am 1. Juli 1979 gründet der Wirtschaftsingenieur Karl-Heinz Schuler die Marke Carthago: Anfangs werden auch noch VW Bulli der zweiten Generation zu Campern umgebaut, 1985 spezialisiert man sich auf den T3: Carthago wird zu einer GmbH – und der Malibu Hit, nun ja, ein Hit eben, der noch heute zu fünfstelligen Preisen gehandelt wird. 1990 ist Carthago Europas zweitgrößter Hersteller von Campingbussen auf Basis des VW Transporter. Zur Jahrtausendwende endet diese Ära zugunsten hochwertiger Fahrzeuge auf Iveco- oder Mercedes-Basis. 

Erst 2013 geht Malibu wieder auf Sendung: Die Tochtermarke startet mit dem großen Campingbus Malibu Van, einer modernen Interpretation des Themas. Mittlerweile ist das Angebot auf sieben Modelle angewachsen. Neu zur Saison 2017 hinzu kommen der 5,40 m kurze 540 LB mit Heckquerbett und ein 5,99 m langes Modell mit Einzelbetten. Daneben bietet Malibu auch teil- und vollintegrierte Reisemobile an.

Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

17. August 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 08/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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