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TV im Wohnmobil: Kaufberatung für Fernseh-Bildschirme

Die meisten Campingfernseher sind viel teurer als Geräte aus dem Elektronikhandel. promobil erklärt, welche Unterschiede den Preisaufschlag ausmachen und wann ein Heimfernseher ausreicht.

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Die beste Antenne auf dem Dach ist völlig zwecklos, wenn im Mobil kein passender Fernseher hängt. Ein TV-Gerät ist der Grundstock der Unterhaltungselektronik im Mobil. Es gibt sogar Hersteller, die sich auf diesen Markt spezialisiert haben. Ihre Geräte sind oft deutlich teurer als Fernseher mit 230-Volt- und 12-Volt-Anschluss aus dem Heimelektronikfachhandel. Warum?

In Diskussionen in Camper-Foren wird als einer der wichtigsten Vorzüge der TV-Geräte von Herstellern wie Alphatronics, Caratec, Alden oder Teleco oft die Temperaturunempfindlichkeit genannt. Die ist bei speziellen Campingfernsehern schon sehr hoch. Alphatronics gibt zum Beispiel eine Betriebstemperatur von -10 Grad Celsius bis 45 Grad Celsius an. Bei Hersteller Alden macht man zu Temperaturbeständigkeit mittlerweile nur noch auf Nachfrage präzise Angaben. "Die Bildschirme unserer Geräte sind ähnlich wie Navis oder Displays von Radios bei fast jeder Temperatur betriebsbereit", sagt Manfred Sandow von Alden.

Die Hersteller herkömmlicher Fernseher geben den Nutzern hier aber auch einen relativ weiten Spielraum, weil Displays von Heimfernsehern mittlerweile durch in Mitteleuropa erreichte Minusgrade selten Schaden nehmen. "Da müsste es schon so kalt sein, dass ich mir einen Aufenthalt im Mobil nicht vorstellen könnte", sagt Harald Schäfer vom Elektronikspezialisten Caratec.

Bei der Witterungsbeständigkeit geht es eher um den Schutz vor Kondenswasser, das sich auf den Platinen absetzt und diese beschädigen kann, wenn Reisemobile im Winter schnell aufgeheizt werden. Darauf sind Campingfernseher in der Regel vorbereitet. Damit die Elektronik nicht beschädigt wird, überzieht Alden die Bauteile im Gehäuse zum Beispiel mit einem wasserabweisenden Lack. Kleine Wassertropfen perlen von den empfindlichen Teilen einfach ab.

Ein Fernseher im Wohnmobil muss im 12-Volt-Betrieb auch gegen Spannungsschwankungen gewappnet sein. Denn tatsächlich gibt die Bordbatterie bei Vollladung etwa 14,5 Volt und kurz vor der Zwangsabschaltung circa 10 Volt Spannung ab. Der Fernseher ruft dabei immer die gleiche Leistung ab. Deshalb steigt die Stromstärke, wenn die Spannung fällt, was für die Elektronik nicht optimal ist. Noch kritischer ist es, wenn die Spannung zu weit über 12 Volt liegt. "Überspannung trifft empfindliche Bauteile wie Platinen zuerst", sagt Markus Schröder. Sein Unternehmen Alphatronics sichert seine Campingfernseher deshalb sogar bis 26 Volt ab. Sie sind damit gegen die Spannungsspitzen geschützt, die beim gleichzeitigen Start von vielen Geräten im Mobil kurzzeitig entstehen. Die Konkurrenz bietet großenteils immerhin Betriebsspannungen von 10 bis 18 Volt auf.

Anders sieht das üblicherweise bei solchen Fernsehern mit 12-Volt-Anschluss aus, die man von Media Markt, Saturn oder Conrad kennt. Hier sind lange nicht alle Geräte gegen Spannungsschwankungen abgesichert. Manche Hersteller machen zum Über- und Unterspannungsschutz erst gar keine Angaben. Andere geben einen Bereich zwischen 11 und 13 Volt an. Deshalb übernimmt Sharp zum Beispiel keine Gewährleistung dafür, dass seine Fernsehgeräte mit einem 12-Volt-Netzteil im Reisemobil dauerhaft einwandfrei funktionieren.

Kurzum, wer sich im Elektronikfachhandel einen Fernseher mit 12-Volt-Anschluss kauft, kann damit unter Umständen gut zurechtkommen. Garantiert ist es aber nicht. Eine Nachfrage beim Verkaufspersonal zum Überspannungsschutz lohnt sich in solchen Läden deshalb immer.

Die Stabilität ist ein weiterer Aspekt, der bei einem Fernseher fürs Reisemobil keinesfalls zu kurz kommen sollte. An diesem Punkt sind es aber Details, auf die die Branchenspezialisten achten. Alden verstärkt die genormte VESA-Aufnahme für Wandhalterungen zum Beispiel durch eine Metallplatte. Alphatronicslegt eine zusätzliche Metallwanne ein, auf der die Mitarbeiter die Elektronik festschrauben. Caratec verschraubt die Platinen und hängt sie nicht nur in den Führungen ein. Bei Fernsehern für Wohn- oder Schlafzimmer ist all das nicht selbstverständlich.

Dagegen sind bei Campingfernseherndie Gehäuse und Platinen selbst nicht stabiler als die von Haushaltsgeräten. Solche Bauteile kommen fast komplett aus China, wo wegen der relativ geringen Stückzahlen von Alphatronics, Caratec, Alden und Co. keine Sonderanfertigungen in Frage kommen würden.

Außerdem gilt: Wenn der Fernseher während der Fahrt hängen bleibt, leiden laut den Experten ohnehin die Gelenke der TV-Halterung stärker unter den Erschütterungen als Display und die Platinen.

Auf die Ausstattung fällt auch ein Blick, mit dem sich der Preisaufschlag der Campingfernseher erklären lässt. Hier fallen die günstigsten TV-Geräte für zuhause zurück. Für 150 Euro bekommt man bei Saturn und Co. zwar einen Fernse-her mit 22-Zoll-Displayund 12-Volt-Netzteil. Aber keinen mit DVD-Player. Soll der integriert sein, steigt der Preis selbst bei kleineren Geräten mit 19-Zoll-Bildschirm in Richtung der 200-Euro-Marke oder darüber. Wenn auf einem Produktdatenblatt eingebaute Tuner für DVB-T und DVB-C angepriesen werden, istder Fernseher auch nur bedingt brauchbar. DVB-C ist aber Kabelfernsehen, das unterwegs niemand braucht. Für Reisemobilisten ist wichtig, dass der DVB-S-Tuner für das Satellitenfernsehen integriert ist. Andernfalls wird ein zusätzlicher Receiver nötig.

Zudem bauen Caratec, Alphatronics, Alden und Co. einen Schalter ein, mit dem sich dem Fernseher der Saft komplett abdrehen lässt. Samsung, Philips und Co. lassen ihn oft weg, weshalb ihre Geräte im Stand-by-Modus durchgehend 0,5 Watt Ruhestrom aus der Bordbatterie ziehen. 

Die Hersteller für den Heimbereich legen die Anschlüsse auch nicht immer an die Seite oder die Unterkante des Gehäuses. Wegen der schlanken TV-Halterungen im Wohnmobil stören Stecker an der Rückseite aber oft. 

Den Blickwinkel sollte man beim Kauf des Fernsehers für das Wohnmobil auch einbeziehen. "Camper sitzen selten optimal zu den TV-Geräten, sondern immer etwas weit unten oder schräg davon", sagt Markus Schröder. Das Bild muss also von allen Seiten gut erkennbar sein. Genau das kann man an den Angaben zum Bildwinkel nachlesen. Der beträgt im besten Fall auf jeder Seite 89 Grad, was 178 Grad horizontal und 178 Grad vertikal ergibt. Selbst bei den Spezialisten für Campingfernseherstehen solche Werte nur in den Produktdaten der teuersten Geräte. Nur Alphatronics stattet alle seine Modelle mit dem sogenannten Weitwinkel-Format aus. Für den Heimbereich findet man noch mehr TV-Geräte mit dem Normalmaß 170 und 160 Grad. 

Es sind viele eher unauffällige Details, die Campingfernseher von ihren Konkurrenten unterscheiden, die für den Heimgebrauch gedacht sind. Ob das den Preisunterschied rechtfertigt, ist Ansichtssache. Immerhin bekommt man dafür mehr Zuverlässigkeit.

Wann lohnt sich ein Camping-TV im Wohnmobil?

Pauschal beantworten lässt sich die Frage nur schwer, wann der Kauf eines bisweilen doppelt so teuren Campingfernsehers empfehlenswert ist und wann das günstige Modell aus dem Elektronikfachhandel genügt. Es gibt aber einige Anhaltspunkte. Wer häufig abseits von Stellplätzen unterwegs ist, ist mit dem Spezialgerät für Campingfahrzeuge sicher besser bedient. Es verbraucht etwas weniger Energie und ist gut abgesichert gegen die bekannten Spannungsschwankungen. Ebenfalls besser eignet sich der Campingfernseher für Mobile mit vielen elektrischen Geräten an Bord, die beim gleichzeitigen Hochfahren starke Spannungsspitzen erzeugen. Wer dagegen Abend für Abend einen Stellplatz ansteuert und praktisch immer am Landstrom hängt, kommt auch mit einem Gerät von Media Markt oder Conrad gut aus. Im dann seltenen 12-Volt-Betrieb ist allerdings ein wenig Vorsicht geboten, wenn die Batterie randvoll ist oder die Ladung so weit sinkt, dass Unterspannung auftritt.

Wie es ohne Camping-TV klappt

  1. Heimgeräte sind weniger gut gegen Erschütterungen geschützt. Nehmen Sie sie während der Fahrt ab und legen Sie sie weich verpackt in den Schrank oder ein Regal. Wer genug Platz hat, kann den Originalkarton mit Schaumstoffauslage nutzen.
  2. Wenn Geräte wie Klimaanlage oder Kühlschrank im Mobil hochfahren, entstehen kurzzeitig Spannungsspitzen. Einen Fernseher, der nicht dagegen abgesichert ist, sollte man deshalb erst etwas später anschließen, egal ob 12 Volt oder 230 Volt anliegen. 
  3. Wenn das eiskalte Reisemobil schnell aufgewärmt wird, setzt sich auf den Platinen möglicherweise Kondenswasser ab. Deshalb sollten empfindliche Fernseher erst mit deutlichem Zeitverzug angeschaltet werden. Direkt in Richtung der TV-Geräte ausgerichtete Ausströmer von Luftheizungen sind wenig optimal. 

In unserer Gallerie finden Sie verschiedene Campingfernseher im Preisvergleich. Einen detailierten Gerätevergleich bekommen Sie in der Pdf Version des Artikels.

Portraits Redaktion

Foto

Andreas Becker, Hersteller

Datum

23. April 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 04/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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