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Wohnmobil gebraucht kaufen: Tipps zum Gebraucht-Kauf

Soll es ein gebrauchtes Mobil sein? Warum nicht – aber prüfen Sie es vorher auf Herz und Nieren.

Die Rechnung ist an sich ganz einfach: Wer ein bestimmtes Budget zum Wohnmobilkauf zur Verfügung hat, sagen wir einmal 30 000 Euro, kann sich für diesen Betrag beispielsweise einen fabrikneuen Hymercamp 494 zulegen. Er kann aber fürs gleiche Geld auch ein gut ausgestattetes Mobil der Oberklasse bekommen – vorausgesetzt, er begnügt sich mit einem gebrauchten Freizeitfahrzeug, etwa mit einem Hymer S 520 Jahrgang 1999.

Doch zunächst gilt es das Wunsch-Wohnmobil ausfindig zu machen. Mitunter ist das eine zeitaufwendige Prozedur. So klagen vielerorts die Händler, dass in der Preisklasse zwischen 10.000 und 20.000 Euro der Markt derzeit wenig hergebe. „Die Nachfrage nach Reisemobilen zwischen 10.000 und 20.000 Euro ist ungebrochen groß wie in den letzten Jahren, aber der Markt ist leer. Anders sieht es ab 40.000 Euro aus, da übersteigt das Angebot die Nachfrage“, erklärt der Berliner Wohnmobilhändler Klaus-Friedrich Flügel. Andreas Henzler, der Geschäftsführer des Sindelfinger Hymer-Händlers Rall, pflichtet dieser Einschätzung bei: „Nur bei jungen Gebrauchten wie Halbjahres- oder Jahreswagen aus der Vermietung lassen sich derzeit Schnäppchen machen.“

Auch wenn die Marktsituation in der Einsteigerklasse angespannt ist, sollten Interessenten nicht unüberlegt zuschlagen. Wer etwa mit den Kindern verreisen möchte, sollte unbedingt auf Dreipunktgurte im Wohnbereich achten. Ein Wohnmobil nur mit Rundsitzgruppe im Heck scheidet da zwangsläufig aus, da hier in der Regel nur ein Beckengurt eingebaut ist. Er bietet Passagieren nur einen ungenügenden Schutz im Falle eines Unfalls.

Kilometerzahl: Kein Hindernis

Keine falsche Scheu sollten Käufer vor vermeintlich zu hohen Laufleistungen entwickeln, schließlich sind die Basisfahrzeuge für die gewerbliche Nutzung konzipiert und stecken auch Laufleistungen weit jenseits der 100.000-Kilometer-Marke klaglos weg.

Passen Ausstattung und Grundriss mit den Vorstellungen überein, gilt es das Wohnmobil kritisch unter die Lupe zu nehmen. Gerade Neulinge tun sich damit meist schwer. „Die Zeiten für Privatverkäufer werden schwierig. Schließlich müssen Händler heute ein Jahr Gewährleistung übernehmen“, erklärt Reisemobil-händler Christian Ebel aus Maschen bei Hamburg. Die Schuldrechtsreform im vergangenen Jahr brachte dies mit sich. Die Gebrauchtwagengarantie Caragarant, die Mitgliedsbetriebe des Händlerverbandes DCHV vergeben, entspricht in ihrem Umfang den Vorgaben der gesetzlichen Gewährleistungsansprüche. Geht der Händler jedoch Pleite, kann der Käufer sich in Garantiefragen an irgendeinen anderen DCHV-Mitgliedsbetrieb wenden.

Schäden am Gebrauchtmobil: Gewährleistungsrecht und Beweispflicht

Ein weiterer Vorteil des Gewährleistungsrechts für den Käufer: In den ersten sechs Monaten gilt die Umkehr der Beweispflicht. Der Händler muss im Zweifel nachweisen, dass ein Schaden beim Verkauf nicht vorhanden war. Mit einer Einschränkung: Ein Gebrauchtfahrzeug muss nicht funktionieren wie ein neues, vielmehr muss es in einem Zustand sein, der „der Art der Sache“ entspricht. Was das bedeutet, müssen erst die Gerichte klären. Klar ist: Mängel, auf die der Verkäufer schriftlich hinweist, können später nicht beanstandet werden.

Das Mehr an Verbraucherrechten lässt allerdings auch die Preise steigen, denn die Händler müssen nun Folgekosten durch Gewährleistungsansprüche mit einkalkulieren. Da beim Kauf von privat Gewährleistungsansprüche nach wie vor mit dem Passus „Gekauft wie besichtigt“ ausgeschlossen werden können, gilt hier besondere Vorsicht.

Dichtigkeitsprüfung bei gebrauchten Wohnmobilen

Wichtig bei aufgebauten Mobilen ist die Dichtigkeitsprüfung, denn „Nässe ist der Krebs des Reisemobils“, erklärt Händler Ebel. Steckt Feuchtigkeit in den Wänden, ist eine kostspielige Reparatur absehbar. Je nach Alter des Mobils lohnt ein Blick in die Garantieunterlagen: Viele Hersteller gewähren bis zu zehn Jahre Dichtigkeitsgarantie, vorausgesetzt, die vorgeschriebenen Inspektionen wurden regelmäßig durchgeführt. In diesem Zusammenhang sollten sich Käufer auch erkundigen, wer eventuell am Aufbau montiertes Zubehör angebracht hat. Nur wenn ein Fachmann am Werk war, bleibt die Garantie erhalten.
Doch selbst falls der Stempel im Scheckheft prangt, ist er keine Garantie für ein trockenes Fahrzeug. Christian Ebel erinnert sich an einen Kunden, dessen Fahrzeug „auf dem Papier toll aussah. Doch als wir eine Satelliten-Schüssel montieren sollten, mussten wir feststellen, dass der ganze Aufbau klitschnass war. Das für 22 000 Euro gekaufte Mobil war sein Geld nicht wert“. Vor Gericht musste der Käufer dann hören, er habe keinen Beweis dafür, dass das Mobil beim zwei Jahre zurückliegenden Kauf schon undicht gewesen sei. caravanEXPERT rät daher: Bestehen Sie auf einer Feuchtigkeitsmessung in Ihrem Beisein, nur so können Sie sicher sein, dass der Aufbau trocken ist.

Gebraucht-Kaufvertrag: Alles schriftlich festhalten

Wichtig beim Vertragsabschluss: Halten Sie jede zugesicherte Eigenschaft schriftlich fest. Standardvordrucke, wie sie im Pkw-Handel üblich sind, gibt es speziell für Reisemobile nicht. Gängige Formulare, etwa vom ADAC, können allerdings als Grundlage dienen, die man dann um reisemobilspezifische Eigenheiten selbst ergänzt.

Nur was Sie schwarz auf weiß haben, können Sie in Streitfällen auch verwenden, mündliche Zusagen sind vor Gericht nichts wert. Auch beim Reisemobilkauf gilt jedenfalls der bewährte Grundsatz: Drum prüfe, wer sich ewig bindet.

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Datum

12. August 2003
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