Reifenbegutachtung 8 Bilder Zoom

Reifenpflege am Wohnmobil: Vorbeugende Maßnahme

Reifen sind ein wesentliches Sicherheits-Element. Vor Saisonstart empfiehlt sich ein kritischer Blick auf die runden Schwarzen. promobil verrät Tipps und Tricks für den Reifencheck.

Die Reifen eines Reisemobils müssen nicht nur dessen gesamtes Gewicht wegstecken, sondern auch alle im Fahrbetrieb auftretenden Kräfte übertragen. Dennoch führen sie oft ein regelrechtes Schattendasein in den Radhäusern: unbeachtet und – ungepflegt.

Reifenbewusstsein trägt erheblich zur Fahrsicherheit bei, denn ein totales Reifenversagen lässt sich in den meisten Fällen vermeiden. Voraussetzung dafür: Etwas Reifenwissen und systematisches Vorgehen – möglichst frühzeitig vor Saisonbeginn.

Reifen sind Verschleißartikel. Grundsätzlich bestimmen Fahrstil, Beladung sowie die Pflege (Fülldruck!) deren Haltbarkeit. Daher gilt unser erster Blick dem Profil der Lauffläche. Auch wenn laut Gesetzgeber das Fahren mit lediglich 1,6 Millimeter noch zulässig ist, ein verantwortungsbewusster Fahrer lässt es so weit nicht kommen. Und Verstöße werden inzwischen mit 60 Euro und einem Punkt geahndet.

Im Zweifelsfall gibt ein Profiltiefenmesser Auskunft über die tatsächlichen Werte, oder der Inspekteur orientiert sich anhand der Abnutzungs-Indikatoren, das sind kleine Stege in den Rillen des Hauptprofils, deren Lage an der Reifenflanke mit den Buchstaben TWI (= Tread Wear Indicator) gekennzeichnet ist. Bilden Stege und Restprofil eine Ebene, ist der Reifen abgefahren.

Bedenklich ist, wenn das Profil der Laufflächen ungleichmäßig abgenutzt ist. Einseitiger Verschleiß deutet auf Veränderungen der Fahrwerksgeometrie hin. Die können im Alltag schon durch zu hartes Anrempeln einer Bordsteinkante auftreten. Ein Werkstattbesuch mit Achsvermessung ist dann angesagt.

Die weitere Sichtkontrolle sollte besonders auf eingefahrene Fremdkörper wie Nägel sowie auf Beschädigungen der Reifenflanke achten. Auch in den Profilrillen eingeklemmte Steinchen gilt es vorsorglich zu entfernen, denn die können sich im Ernstfall bis zum Reifenunterbau durcharbeiten.

Einfahrverletzungen sind in der Praxis gar nicht so selten, und solange der Fremdkörper im Reifen stecken bleibt, hält er oft erstaunlich lange die Luft. Gefährlich wird es, wenn sich der Fremdkörper dann spontan löst und einen raschen Druckabfall hervorruft. Als problematisch kann sich außerdem eindringende Feuchtigkeit erweisen. Die lässt die Stahlfäden des Gürtels korrodieren.

Bisweilen sind durch äußere Einflüsse geschädigte Reifen nur schwer zu erkennen. Ziemlich bedenklich wird es, wenn die Reifenflanke eine Ausbeulung zeigt. Das deutet auf eine Beschädigung im Reifenunterbau hin, die schon durch hartes Überfahren eines Bordsteins entstehen kann. Unbedenklich sind hingegen leichte Einschnürungen an der Reifenflanke. Die können bei der Produktion entstehen und beeinträchtigen weder Sicherheit noch Fahreigenschaften. Dagegen kann der unbedachte Umgang mit einem Hochdruckreiniger den Reifen malträtieren, und zwar dann, wenn man aus kurzer Distanz draufhält.

Ein Mindestabstand von 20 Zentimeter sollte eingehalten werden. Ebenso sind Mineralölprodukte oder Dieselkraftstoff Gift für Gummi, insbesondere wenn ein Pneu diesen Stoffen über längere Zeit ausgesetzt ist. Wichtig bei erkannten Verletzungen oder dubiosen Veränderungen ist es, einen Fachmann zu konsultieren – Reparaturen am Reifen sind nur in wenigen Fällen möglich.

Alle Reifen altern aufgrund physikalischer und chemischer Prozesse. Das gilt besonders für nicht oder wenig gefahrene Pneus. Kennzeichen dafür ist Rissbildung in Flanken oder Profilblöcken. Fachleute raten, alle Reifen, die älter sind als zehn Jahre, zu ersetzen, selbst wenn diese äußerlich noch gebrauchsfähig erscheinen. Doch wie alt ist ein Reifen? Das steht verschlüsselt auf der Reifenflanke hinter der Buchstabenfolge "DOT". Die letzten vier Ziffern geben hier Aufschluss über Produktions-Woche und -Jahr. "1214" kennzeichnet so also die 12. Woche 2014.

Nach einer Sichtprüfung wird abschließend der Reifenfülldruck gecheckt. Dass dieser bei einem länger abgestellten Fahrzeug etwas abnimmt, ist normal. Obacht, wenn an nur einem Reifen ein deutlich größerer Druckverlust auffällt. Das deutet nämlich auf Schäden hin. Kontrollieren Sie in diesem Fall nochmals besonders akribisch. Aber auch ein Fehler am Ventil könnte Ursache sein. Fehlende Ventilkäppchen unbedingt ersetzen. So vorbereitet, kann das Frühjahr kommen und das Reisemobil mit seinen runden Schwarzen sicher und bedenkenlos in eine neue Saison starten.

Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

3. Februar 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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