Inneneinrichtung vor der Folierung 17 Bilder Video Zoom

Möbel-Folierung im Wohnmobil: Ruckzuck einen neuen Look im Innenraum

Mit einer Folierung sind der Individualisierung im Innenraum des Reisemobils kaum Grenzen gesetzt. Wie gut das Verkleben von Folie funktioniert, hat promobil im Selbstversuch ausprobiert.

Es hätte so schön sein können: Laufleistung, Grundriss, Zustand und Ausstattung passen, sogar der Preis des lang gesuchten Wunschmobils aus zweiter Hand stimmt. Die Sache hat nur einen Haken: Das Möbeldekor entspricht überhaupt nicht dem persönlichen Geschmack. Was tun? Umlackieren ist sehr aufwendig und vor allem teuer. Wer nicht weiter auf die Suche gehen will, hat jetzt noch eine andere Alternative: Folieren statt Lackieren.

Auch für Besitzer, die Lust auf einen Tapetenwechsel haben, ist das sogenannte Möbel-Cocooning eine interessante Möglichkeit, um dem Innenraum eine persönliche Note zu verleihen. Das klappt natürlich auch bei Neufahrzeugen, wenn das Möbeldekor ab Werk tatsächlich nicht gefallen sollte. Folie bietet fast unbegrenzte Möglichkeiten: von Uni-Farben über Holzmaserung oder Steinstruktur, Metall- und Glitter-Look bis hin zu Stoff-, Leder- und Lack-Optik. Da ist für jeden noch so ausgefallenen Geschmack etwas dabei.

Darüber hinaus schützt die Folie die Möbeloberflächen vor Beschädigungen und soll sich auch nach Jahren rückstandslos entfernen lassen, was sich positiv auf den Wiederverkaufswert auswirken kann.

Folie ist nicht gleich Folie

Die vielen Dekore basieren auf unterschiedlichen Folientypen: Papierfolie eignet sich vorwiegend für plane Flächen. Sie wird auch im konventionellen Möbelbau verwendet und bietet eine ähnliche optische und haptische Anmutung. Wie wir beim Verkleben im promobil-Dauertestwagen festgestellt haben, ist die Verarbeitung allerdings schwieriger, als bei PVC-Folien, da sie weniger elastisch ist und an den Kanten leichter einreißt. Folien auf PVC-Basis sind – mit dem Heißluftföhn erhitzt – verformbar, wodurch sie sich auch an Rundungen und Kanten anpassen lassen. Allerdings eigenen sich PVC-Folien mit strukturierter Oberfläche, wie die von uns verklebten im Leder- und Golfball-Look, nur bedingt für gewölbte Flächen.

Vorsicht geboten ist bei günstigen PVC-Folien aus dem Internet. Dabei handelt es sich oft um sogenannte kalandrierte Folie. Sie ist nur bedingt für den langfristigen Einsatz geeignet, da sie dazu neigt, sich mit der Zeit zusammenzuziehen. Billige Folie lässt sich oft auch schlechter verarbeiten, weil sie nicht über eine Luftkanal-Klebeschicht verfügt, die die Bildung von Blasen verhindert. Günstige Kleber können zudem beim Entfernen Rückstände hinterlassen, die sich nur schwer entfernen lassen.

Bei PVC-Folien renommierter Hersteller handelt es sich in der Regel um gegossene Folien. Diese sind zwar deutlich teurer, dafür aber auch formstabil und langlebiger. Für den Innenbereich gewährt Möbel-Cocooning bis zu 15 Jahre Garantie auf Ablösung und Ausbleichen des Materials. Voraussetzung dafür ist aber die fachgerechte Verklebung der Folie, entweder durch die Profis vor Ort oder in Eigenregie.

Ersteres geht natürlich schneller, ist aber auch deutlich teurer als Selbermachen. Pro foliertem Möbelteil wird dem Kunden eine Pauschale von 37 Euro berechnet.

So wird's gemacht: Möbelfolie aufkleben im Selbstversuch

Wer sparen will und handwerklich geschickt ist, dem empfehlen wir die Do-it-yourself-Variante. Auf der Homepage von Möbel-Cocooning finden sich neben dem Onlineshop auch viele Video-Anleitungen. Wenn Probleme oder Fragen auftauchen, helfen die Mitarbeiter aber auch am Telefon weiter. Darüber hinaus vermitteln die Profis in speziellen Workshops die Grundlagen des Folierens, und geben praktische Tipps und Tricks.

Dass das Ganze kein Hexenwerk ist, beweist der Selbstversuch im Dauertestmobil, für den wir zu Anschauungszwecken ganz unterschiedliche Folien ausgesucht haben.

So wird’s gemacht. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, braucht man neben hochwertiger Folie vor allem auch das richtige Werkzeug. Der Arbeitsplatz sollte möglichst staubfrei und warm sein, denn der Kleber entwickelt seine optimale Haftkraft bei einer Umgebungstemperatur zwischen 15 und 25 Grad. Damit der Klebstoff sich nicht später wieder ablöst, muss die Möbeloberfläche zunächst gründlich mit einem Reinigungsmittel entfettet werden. An den gerundeten, und meist stark beanspruchten Klappenrändern, haftet die Folie oft nicht auf Anhieb. Darum muss hier mit einem Haftvermittler, dem sogenannten Primer, nachgeholfen werden.

Den sauberen Zuschnitt der Folie erleichtern scharfe Cutter-Messer. Abhängig von der Folienbeschaffenheit können die Abbruchklingen schon nach einem Möbelteil stumpf sein und sind damit nicht mehr zu gebrauchen. Tipp: Schneiden Sie möglichst langsam und in einem Zug, das sorgt für ein gleichmäßiges Ergebnis. Sparen Sie auch nicht an der Folie, denn das rächt sich sonst beim Verkleben. Mindestens zwei Zentimeter Überstand an jeder Seite sollten es sein, um den Fingerspitzen genug Abstand zu Heißluftföhn und Klebefläche zu geben. Damit wird auch die Gefahr der Überdehnung des Materials gemindert, in deren Folge sich die Folie später wieder zusammenzieht oder sich Risse bilden. Zwischen 10 und 30 Prozent Verschnitt sind völlig normal.

Um den Druck beim Aufkleben gleichmäßig zu verteilen, bietet sich die Arbeit mit speziellen Rakeln an. Abhängig von Untergrund und Folienbeschaffenheit gibt es die Rakel in verschiedenen Härtegraden.

Was kostet der Tapetenwechsel?

Für die Verwandlung des Dauertestwagens haben wir vier unterschiedliche Folien verarbeitet. An den Stehwänden sind circa sechs Quadratmeter Papierfolie im weißen Vintageholz-Design verklebt. Die Klappen der Dachoberschränke zieren 2,6 Quadratmeter rotes Kroko-Lederimitat, und die Küchenfronten sind mit einer golfballähnlichen Oberfläche (2,3 m²) bezogen. Zu guter Letzt erhielten auch Tisch- und Arbeitsplatten rund 1,5 Quadratmeter Folie in gefälligem Schieferlook.

Summa summarum haben wir Folie im Wert von rund 340 Euro verarbeitet. Hätten wir die Folierung komplett von den Profis durchführen lassen, wären noch einmal 925 Euro für die 25 bearbeiteten Möbelteile fällig gewesen.

Clemens Hirschfeld

Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

2. März 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 03/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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