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Wohnmobile unter 6 Metern Länge: Welcher Kompakte ist der richtige?

Vollwertige Wohnmobile, die auch noch alltagstauglich sind? Das gibt es in der Sechs-Meter-Klasse. Innerhalb dieser Kategorie sind die Unterschiede allerdings recht groß. promobil klärt auf.

Innen möglichst viel Platz, außen kompakt – Wohnmobilkäufer verlangen oft die Quadratur des Kreises. Bei so widerstrebenden Forderungen läuft die Kaufentscheidung auf das Sechs-Meter-Format hinaus. Durch dieses Maß der Dinge lässt sich zeitgemäßer Wohnkomfort mit einem Platzbedarf für das Fahrzeug vereinen, der nicht zu stark über das Pkw-Format hinaus geht – ein Kompromiss im guten Sinne.

Weil immer mehr Käufer so denken, ist auch das Angebot in diesem Segment entsprechend umfangreich. Da heißt es erst einmal sortieren.

Welche Aufbauformen kommen in Frage?

Den größten Anteil stellen ausgebaute Kastenwagen, die Campingbusse. Fast genau sechs Meter misst die längere, aber nicht längste Ausführung des Fiat Ducato und steht für Ausbauten unterschiedlichster Hersteller bereit.

Die Alternative heißt Teilintegrierter. Hier kommt als Basis meist ebenso ein Fiat Ducato zum Einsatz, jedoch als Fahrgestell, auf das dann der Aufbau montiert wird. Diese Bauweise erlaubt mehr Flexibilität bei der Länge. Doch weil sich die Sechs-Meter-Marke etabliert hat, gibt es in vielen Teilintegrierten-Baureihen auch einen Grundriss in diesem Format.

Wie sieht's mit der Breite aus?

Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass es unter den Sechs-Meter-Teilintegrierten durchaus Unterschiede in der Aufbaubreite gibt. Hier ist eine weitere Entscheidung gefragt. Die besonders kompakten Teilintegrierten, die von einigen Herstellern auch Vans genannt werden, begnügen sich mit weniger als 2,20 Meter Aufbaubreite und nähern sich damit den Kastenwagen an.

Einigen Modellen, wie dem Bürstner Brevio oder dem Adria Compact, gelingt es sogar, den Aufbau so schlank zu halten, dass die Außenspiegel nicht breiter sein müssen als beim Campingbus. Das ist für die Freunde von Kompaktmobilen mehr als ein Detail, denn die Außenspiegel bestimmen am Ende die Durchfahrtsbreite eines Fahrzeugs. Wer an dieser Stelle über die Überholmöglichkeiten in Autobahnbaustellen nachdenkt, bemerkt schnell, dass hier allen Sechs-Meter-Typen Grenzen gesetzt sind. Schon der Kastenwagen hat mit Spiegeln eine Breite von 2,69 Metern und ist damit ein Fall für die rechte Spur.

Welchen Ansprüchen muss der Wohnraum gerecht werden?

Für Teilintegrierte stehen außer dem Kastenwagenmaß zwei längere Spiegelausleger zur Verfügung. Die Entscheidung für eine bestimmte Aufbaubreite hängt jedoch vor allem von den Ansprüchen an den Wohnraum ab. Die Grundrissskizzen von 2,15 Meter und 2,30 Meter breiten Teil­integrierten mögen sich ähnlich sehen; subjektiv erlebt man den Raumvorteil eines breiten Modells als sehr angenehm. Objektiv fällt er ins Gewicht, wenn häufig vier Personen mitfahren. Jeder Zentimeter kommt direkt der Bankbreite zugute. Das Gleiche gilt für ein quer eingebautes Bett im Heck, das vom Zuwachs der Aufbaubreite in der Länge profitiert. Praktisch alle Teilintegrierten der Sechs-Meter-Klasse setzen auf das Querbett. Ein längs eingebautes französisches Bett, wie man es etwa im Bürstner Nexxo Time findet, ist selten geworden. Teilintegrierte mit Einzelbetten-Grundriss gönnen sich wiederum mehr Länge. Ausnahme ist hier der neue Adria Compact mit Slide-Out am Heck. Beispielsweise bei Adria findet man auch noch einen weiteren Grundriss, den in diesem Format nur Teilintegrierte bieten können: Einstieg, Küche und Bad befinden sich im Heck, während in der Mitte Platz für eine große Sitzgruppe bleibt. Als Schlafgelegenheit dient dann ein Hubbett darüber.

Fast ebenso dominant wie in den Teilintegrierten sind die Querbetten auch im Campingbus. Auf diese Weise gelingt eine ausgewogene Verteilung des nicht allzu üppigen Raums. Es wäre jedoch ein Fehlschluss zu denken, dass alle Querbettgrundrisse im Kastenwagen gleich wären. Es gibt Hersteller, die mit ausziehbaren Bänken für mehr Platz im Wohnabteil sorgen. Andere legen einen Schwerpunkt auf die Bettbreite oder einen großen Kleiderschrank. Auch bei Größe und Unterbringung des Kühlschranks verfolgen die Einrichter unterschiedliche Philosophien. Erst recht beim Bad. Es kann kompakt sein und mit einem Klappwaschbecken oder einer wegschwenkbaren Toilette Platz sparen. Es kann aber ebenso vergrößerbar angelegt sein, um sich auch im Campingbus ohne Verrenkungen duschen zu können. 

Als Alternative zum Querbett tauchen in Sechs-Meter-Bussen immer öfter "Einzelbetten" auf. Wobei der gängige Begriff hier eigentlich gar nicht passt. Es handelt sich vielmehr um ein großes Längsbett mit zwei Matratzen, die an der Mitte des Fußendes einen Ausschnitt zum besseren Einstieg haben. Das Komfortplus liegt auf der Hand, allerdings auch die Tatsache, dass die zusätzlich benötigte Fläche in den anderen Bereichen eingespart werden muss. Nur wenige Hersteller bauen jedoch Sechs-Meter-Campingbusse, die auch für vierköpfige Familien geeignet sind.

Kompaktmobile für vierköpfige Familien

Zu diesen Ausnahmen gehört beispielsweise der Chausson Twist mit zwei Doppelliegen als Etagenbett im Heck. Mehr Aufwand betreibt Knaus beim Box-Life, der ein Dachbett im Bug hat. Eine klassische Campingbuslösung setzt der Hymer-Car Grand Canyon um: Er kann mit einem Aufstelldach ausgestattet werden.

Von der Einigkeit der Hersteller, den Fiat Ducato als Basis zu wählen, war schon die Rede. Der Italiener spielt bei den Sechs-Meter-Ausbauten mit Querbett einen gro­ßen Vorteil aus: seine breite Karosserie. Da kann der Ford Transit, der etwa von Karmann eingerichtet wird, nicht ganz mithalten. Erst recht nicht der schmale Mercedes Sprinter, der für das Querschlafen Karosserieverbreiterungen benötigt. Citroën Jumper und Peugeot Boxer entsprechen dagegen bei allen Blechteilen dem Fiat Ducato.

Andere Grenzen, die nicht nur im Kopf existieren, sind für viele Käufer vermutlich die Kosten. Wer hier engere Limits hat, wird beim Campingbus landen. Sechs-Meter-Modelle mit der nötigsten Sonderausstattung sind schon unter 35.000 Euro zu haben. Etwa auf diesem Niveau liegen die günstigsten Teilintegrierten, wobei hier auch noch wichtige Extras hinzuzurechnen sind. Wenn es jedoch um das Preis-Raum-Verhältnis geht, tragen Teilintegrierte am Ende den Sieg davon.

Warum eigentlich sechs Meter?

Die hier genannte Grenze für die Außenlänge gilt als fest in der Wohnmobilwelt verankert. Sie exis­tiert allerdings nur im Kopf der Hersteller und Käufer. Es gibt keine gesetzliche Bestimmung, die sich auf eine Länge von sechs Metern bezieht.

Über die Hintergründe dieses Limits kann man nur spekulieren. Eine Ursache der Beschränkung ist wohl die Praxiserfahrung, dass man mit sechs Meter langen Fahrzeugen noch so gerade auf vielen Pkw-Parkflächen Platz findet. Als weiterer Grund spielt die Benutzung von Fähren eine Rolle. Meist wird nach Länge abgerechnet. Mit einem Fahrzeug unter sechs Metern kann man hier etwas sparen.

Die Länge eines Wohnmobils steht außerdem in direkter Relation zum Gewicht. Bei einem Sechs-Meter-Mobil kann man davon ausgehen, dass bei der Zulassung als 3,5-Tonner eine praxisgerechte Zuladung zur Verfügung steht. Objektiv betrachtet, findet sich aber kaum ein Grund für eine allzu starre Längengrenze im Kopf der Käufer.

Teilintegrierte: Die Stärken der Wohnmobile mit Aufbau
  • Optimale Platzausnutzung: Die beste Raumökonomie auf einer rechteckigen Grundfläche bietet bekanntlich der Quader. Von diesem Ideal entfernt sich der Aufbau eines Teilintegrierten nur ein klein wenig durch Heckleuchtenträger und Radläufe. Die Fläche wird so bis zur obersten Dachkante für Einrichtung und Insassen ausgenutzt.
  • Durchgehende Isolierung: Wenn es um die Dämmung geht, hat man es mit Sandwichplatten leicht. Tragende Kunststoff- oder Holzleisten im Aufbau bilden keine Wärmebrücken und sorgen dadurch für eine gleichmäßige und gute Isolationswirkung. Selbst aufwendige Innenverkleidungen an Blechkarosserien können hier konstruktionsbedingt nicht mithalten.
  • Echte Wohnlichkeit: Über Gemütlichkeit scheiden sich die Geister. Von persönlichen Vorlieben abgesehen, dürften die meisten Reisenden einen Teilintegrierten als gemütlicher empfinden. Hier blickt man nicht auf meist unverkleidetes Blech an der Schiebetür. Die Innenwände fühlen sich durch Tapeten statt Kunststoffverkleidungen heimeliger an und am Fenster darf ein Vorhang nicht fehlen.
  • Geräumiges Bad: An keiner Stelle machen sich die Vorzüge einer geraden Wand so deutlich bemerkbar wie im Sanitärbereich. Sechs-Meter-Teilintegrierte stehen in Sachen Badkomfort den größeren Wohnmobilen praktisch nicht nach. Das kann man von Campingbussen nicht gerade behaupten. Um hier überhaupt duschen zu können, benötigt man Bäder, die sich in den Gang vergrößern lassen und dann entsprechend viel Platz einnehmen.
  • Guter Durchgang zum Wohnraum: Ankommen, den Fahrersitz drehen, aufstehen und den Wohnraum betreten – das funktioniert im Teilintegrierten ohne jede Verrenkung. Der Grund: Das Fahrerhausdach ist über den vorderen Sitzen ausgeschnitten und erlaubt schon im Bug eine respektable Stehhöhe.
  • Kleiner Wendekreis: Handlichkeit hängt nicht allein von der Außenlänge eines Wohnmobils ab. Das gleiche Basisfahrzeug vorausgesetzt, entscheidet die Länge des Radstands über die Größe des Wendekreises. Sechs-Meter-Fiat-Busse haben immer einen 4,035 Meter langen Radstand und damit einen Wendekreis von 14,3 Meter. Für die Chassis von Teilintegrierten stehen auch Radstände von 3,80 und 3,45 Meter zur Verfügung.
  • Leise schließende Tür: Wenn man die große Schiebetür eines Campingbusses in der Nacht schwung- und damit geräuschvoll schließt, macht man sich nicht bei allen Stellplatznachbarn beliebt. Dezenter bleibt der Klang einer klassischen Aufbautür. Das Schließen benötigt außerdem viel weniger Kraft und gelingt daher auch kleinen Kindern problemlos.
  • Breite Sitzbank: Würde man zu Hause auf einem nicht einmal einen Meter breiten Sofa zu zwei Platz nehmen? Wohl kaum. Teilintegrierte bieten auf der Sitzbank die entscheidenden Zentimeter mehr. Nur wenige Campingbusse gleichen diesen Nachteil durch eine ausschieb­bare Sitzbank aus. Ein Handicap bleibt hier dennoch oft die geringe Kopffreiheit unter den Hängeschränken.

Campingbusse: Die Stärken der ausgebauten Kastenwagen
  • Reparaturfreundliches Blech: Die Karosserie eines Campingbusses bleibt – abgesehen von Fenstern und Dachhauben – gegenüber dem Basisfahrzeug unverändert. Das sichert fast überall auf der Welt eine einfache Ersatzteilversorgung. Kleine Dellen und Kratzer kann auch jeder Karosseriefachbetrieb schnell und relativ günstig wieder in Ordnung bringen.
  • Geringe Karosseriebreite: Nach Werksangaben ist der Fiat Ducato außen 2,05 Meter breit. Gefühlt ist der Kastenwagen noch ein wenig schmaler, denn die Karosserie verjüngt sich nach oben ein wenig. Außerdem stehen die Spiegel weniger weit ab als bei Teilintegrierten – daraus ergibt sich das wichtige Maß für die Durchfahrtsbreite.
  • Große Schiebetür: Einfach praktisch so eine große Luke an der Seite. Hier kann man schnell eine breite Klappbox an Bord bringen. Am Urlaubsort lässt man die riesige Tür offen stehen und genießt auch an der Sitzgruppe das Outdoor-Leben. Da stört es kaum, dass bei fast allen Grundrissen der Küchenblock in den Einstieg ragt.
  • Sicht nach hinten: Klassische Wohnmobile haben sich längst von hinteren Fenstern verabschiedet. Im Campingbus gibt es sie noch – zumindest in den meisten Ausbauten. Der Rückblick ist auch hier vom Mobiliar und dem relativ kleinen Fensterformat eingeschränkt, doch manchem gibt die Aussicht nach hinten beim Rangieren ein besseres Gefühl.
  • Unauffälliger Auftritt: Nicht jeder will überall auf der Welt als Wohnmobiltourist auffallen. Campingbusse pflegen eine dezente Präsenz. Uneingeweihte können manches Modell für einen schlichten Transporter halten. Diese Form von Understatement ist auch bei spon­tanen Übernachtungsstopps kein Nachteil.
  • Farbe nach Wunsch: Camper sind Individualisten. Nur wenn es um die Wahl der Außenfarbe eines Freizeitfahrzeugs geht, haben sie meist keine Wahl. Wohnmobile und Wohnwagen sind fast immer weiß. Anders die Campingbusse, die wie jeder Pkw in unterschiedlichen Lackierungen nach Wunsch zu haben sind. Weiß ist natürlich auch dabei.
  • Robuste Stoßstange: ­Eigentlich für den harten Alltag von Nutzfahrzeugen gebaut, ist die Karosse bestens geschützt. Das zeigen nicht nur die breiten Seitenplanken, sondern auch die stabile Stoßstange am Heck. Im Gegensatz zu den hinteren Anbauteilen an Teilintegrierten verdient sie ihren Namen.
  • Flexibler Laderaum: Campingbusse stammen direkt vom Transporter ab. Deren Talente beim Einladen bleiben den Ausbauten größtenteils erhalten. Fast immer lässt sich das Bett im Heck einfach zur Seite räumen. Dann passen sogar Fahrräder in den Innenraum. Das Einpacken ist dank großer hinterer Türen sowieso kein Problem.
  • Größere Auswahl: Mehr und mehr Hersteller und Marken bauen Fiat Du­cato und Co. zu Campingbussen aus. Eine ­Folge des starken Wettbewerbs ist ein vielfältiges Angebot, das inzwischen auch ­Modelle mit Längseinzelbetten umfasst. Weitere Konsequenz sind echte Kampfpreise. Campingbusse der Sechs-Meter-Klasse sind schon ab 30 000 Euro zu haben.

Integrierte und Alkoven: Raumwunder der etwas anderen Art

Die breite Mehrheit in der Sechs-Meter-Klasse bilden Teilintegrierte und Campingbusse. Doch es geht auch anders: LMC bietet in diesem Format etwa einen Integrierten an. Das kürzeste Modell der Explorer-Reihe nutzt den Vorteil seiner Bauweise aus und platziert die Liegefläche in Form eines Querhubbetts im breiten Fahrerhaus. Umso mehr Raum bleibt für die Sitzgruppe. Ähnlich ist auch ein Integrierter von Pilote eingerichtet. An die Sechs-Meter-Grenze halten sich ebenfalls einige Alkovenmobile, wie der kompakteste Weinsberg CaraHome, dessen Querbett-Grundriss an die Teilintegrierten erinnert.

Der Wohnmobilmarkt ist allerdings auch immer wieder für Überraschungen gut: Es gibt sogar Integrierte und Alkoven unter sechs Meter Länge. Der integrierte Dethleffs Evan ist je nach Modell zwischen 5,20 und 5,65 Meter kurz. Neben einem Hubbett im Bug kann man für den Evan eine Liegefläche im Aufstelldach haben.

Kürze mit Würze kommt gleichfalls aus der Alkovenfraktion. Ein Beispiel ist hier der Hobby Siesta mit 5,64 Meter Länge und Etagenbett im Heck – ein echtes Vier-Personen-Mobil. 5,61 Meter misst der kleinste Knaus Sky Traveller in der Länge. Dieses knuffige Alkovenmobil hat sogar eine vollwertige Viererdinette an Bord.

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Ingolf Pompe

Datum

13. Februar 2017
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