Sanitärtechnik im Reisemobil 17 Bilder Zoom

Sanitärtechnik im Wohnmobil: Das 1x1 der Wasserversorgung im Reisemobil

In jedem Reisemobil ist die Sanitärtechnik ein ausgeklügeltes System und weit mehr als nur ein paar Leitungen und Wasserhähne. promobil zeigt den genauen Aufbau und erklärt den Kartuschen-Tausch.

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Schon bei der Planung eines Reisemobils machen sich die Konstrukteure reichlich Gedanken um die gesamte Sanitäranlage mit fließend Kalt- und Warmwasser. Wichtig ist dabei auch, dass Material und Technik über Jahre zuverlässig funktionieren, denn der Zugriff auf Tanks, Leitungen und Entnahmestellen ist nicht immer ganz einfach, weil diese versteckt montiert sind. In dieser schematischen Darstellung zeigen wir die wichtigsten Komponenten des Systems vom Frischwasser-Einfüllstutzen bis hin zum Abwasser-Ablassventil.

Nicht nur die Tanks, auch beide Wasserkreisläufe – kalt und warm – müssen über geschützte Ventile vollständig entleert werden können, sonst drohen in der kalten Jahreszeit Frostschäden. Den Boiler entleert ein Sicherheitsventil automatisch bei Eisgefahr.

Während Druckpumpen über einen Hauptschalter am 12-Volt-Netz aktiviert werden und bei Druckabfall im System anspringen, verlangen Tauchpumpen nach zusätzlichen Kabeln zu jeder Entnahmestelle. Nicht weniger wichtig ist die Wahl der Leitungssysteme. Diese sollen aus Trinkwasser-geprüften Materialien sowie leicht verlegbar sein und jahrelang dicht bleiben. Manche Hersteller vermeiden bewusst Abzweigungen im Leitungssystem und versorgen jeden Hahn direkt. Auch das senkt die Gefahr von Leckstellen.

Technik im Detail – So funktioniert der Hebelmischer

Einhebelmischer haben sich in Bad und Küche auf breiter Front etabliert – nicht nur im Haushalt, auch in Freizeitfahrzeugen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wassermenge und Temperatur lassen sich kinderleicht dosieren, ohne dass das im Campingurlaub eher knapp bemessene Nass ungenutzt durch den Abfluss rinnt, bevor die persönlich gewünschte Kalt/Warm-Einstellung gefunden ist.

Während im Haushalt recht schwere Messingarmaturen zum Einsatz kommen, ist in Reisemobilen einmal mehr Leichtbau gefragt. Speziell hierfür bieten etwa Reich oder Comet eine breite Palette unterschiedlicher Typen und Designs aus hochwertigem Kunststoff an – Armaturen für jeden Geschmack.

Entscheidendes Element eines jeden Einhebelmischers ist die innenliegende Kartusche, ein zylindrischer Kunststoffeinsatz. Erst sie erlaubt den eigentlichen Misch- und Regelvorgang. Das Herzstück eben dieser Kartusche bilden hierbei zwei Keramikscheiben, die über raffiniert gestaltete Öffnungen verfügen, durch die das Wasser zu- und abfließt. Die untere der beiden Scheiben sitzt fest im Kartuschen-Gehäuse, während die obere mit ihrem Überströmkanal dreh- und verschiebbar gelagert ist und je nach Stellung des Bediengriffs den Kalt- oder Warmwasserzufluss mehr oder weniger freigibt oder abdeckt.

Während die einzelnen Bauelemente der Kartusche nach oben und unten hin sorgsam mit Ringdichtungen versehen sind, kommen die Plättchen aus Aluminiumoxid-Keramik untereinander ganz ohne zusätzliche Abdichtmaßnahme aus. Denn sie sind an ihren aufeinanderliegenden Kontaktflächen so glatt poliert, dass sie mittels Adhäsionskräften satt, aber eben noch verschiebbar ohne weitere Hilfsmittel dicht aneinander haften.

Die einzelnen Bauteile des Hebelmischers und ihre Funktion
  • Über die Ableitungsbohrung im Innenteil füllt sich das nach oben und unten komplett abgedichtete, schwenkbare Unterteil der Armatur.
  • An den Anschlusstüllen enden die Schlauchleitungen des Systems.
  • Durch das Innenteil mit den Anschlusstüllen durchströmen Kalt- und Warmwasser die feststehende untere Ventilsitzplatte.
  • Von der unteren Ventilsitzplatte der Kartusche geht die Flussrichtung weiter durch den Überströmkanal im Oberteil zurück zur Ablauföffnung.
  • Die Keramikplatte mit Überströmkanal des Oberteils der Kartusche wird Richtung Zulauföffnungen verschoben.
  • Durch die Bewegung des Bediengriffes wird innerhalb der Kartusche über ein Gelenk mit Umlenkhebel die obere, dreh- und verschiebbare Keramikscheibe bewegt.
  • Im Innern des Mischerkopfes kann ein Mikroschalter vorhanden sein, der über die nach unten durchgeführten Anschlusskabel die Tauchpumpe aktiviert.
  • Durch den Schwenkarm strömt das Nass weiter und tritt am Perlator aus.
  • Bediengriff des Hebelmischers kann nach oben gekippt und seitlich geschwenkt werden.

Aus den einzelnen Komponenten ergibt sich:

1) Wird die obere Keramikplatte zurück in Ausgangsstellung geschoben, sind beide Zuläufe wieder dicht, nur die Ablauföffnung bleibt frei.

2) Je nach Drehung wird nur ein Zulauf vom Überströmkanal freigegeben, hier der für Kaltwasser. Der andere ist blockiert.

3) Wird die obere Keramikplatte mittig verschoben, fließt Warm- und Kaltwasser in den Überströmkanal.

Selbstgemacht – Kartuschen-Tausch Schritt für Schritt

Selbst die beste Armatur kann auch mal undicht werden. Speziell Frostschäden führen zu Ausfällen. Dabei lässt sich die zerstörerische Eisbildung im Wasserhahn meist vermeiden. Dazu die Spannungsversorgung der Pumpe unterbrechen und Wasserarmatur beim Entleeren der Tanks in Mittelstellung (kalt/warm) öffnen. Nur so ist sichergestellt, dass beide Zuleitungen leer laufen. Bei Armaturen mit Brauseschlauch diesen herausziehen und nach unten hängen lassen, erst dann den Mischer in Mittelstellung bringen und öffnen. Für eine optimale Entleerung die geöffnete Armatur über den Wasserauslauf (falls vorhanden mit Druckluft) durchpusten.

Im Fall des Falles ist ein Tausch der Keramikkartusche kein Hexenwerk und kann im Idealfall sogar ohne Ausbau der Armatur durchgeführt werden. Am Beispiel der Reich-Armatur Vector zeigen wir, wie der Tausch auszuführen ist. Auch ein defekter Mikroschalter kann auf diese Weise leicht erneuert werden.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung des Kartuschentauschs finden Sie in der Bildergalerie.

Autor

Foto

promobil

Datum

15. Juli 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 07/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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