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Kauf-Tipp Reisemobile unter 30.000 Euro: Kampfpreisklasse

Wie beim billigen Jakob: In der Kampfpreisklasse unterhalb 30 000 Euro wächst die Auswahl für Reisemobilkäufer rasant wie nie.

Ein nagelneues Alkovenmobil zum Preis eines gut ausgestatteten VW Golf – vor kurzer Zeit noch undenkbar, inzwischen Realität. Ein wenig mag die Annäherung an den gestiegenen Golf-Preisen liegen; doch gleichzeitig befinden sich die Kosten für Reisemobile im Sinkflug. Schon für gut 25 000 Euro beginnt der Einstieg ins Freizeitvergnügen.

Allerdings sucht man die großen Marken der Reisemobilwelt bei den Alkovenmobilen unterhalb 30 000 Euro vergeblich. Stattdessen lernt der Käufer fröhliche neue Namen wie Sunlight oder Joint. Keinesfalls darf man daraus auf Hinterhofhersteller schließen – im Gegenteil. Gerade die Zugehörigkeit zu großen Konzernen erlaubt beste Einkaufskonditionen und damit Kampfpreise für die Kunden. Sunlight beispielsweise entpuppt sich als Zweitmarke von Dethleffs und damit als Teil der Hymer-Gruppe. Wie schnell sich solche Marken vermehren lassen, zeigt Dethleffs auf der Leipziger Messe Mitte November: Speziell für ostdeutsche Händler kommen die Sunlight mit Glattblech statt Hammerschlaghaut als Suncoaster. Der spanische Hersteller Joint gehört ebenso wie die Marken Elnagh oder Miller zum italienischen SEA-Konzern, einem der Großen im europäischen Reisemobilgeschäft. Dort lässt auch die Handelsmarke Winner ihre Alkoven und Teilintegrierten fertigen. Hauseigene Stärke: das hochklassige Händlernetz von Intercaravaning. Bei SEA und Rimor, dem italienischen Altmeister unter den Anbietern preisgünstiger Reisemobile, bedient sich die deutsche Marke Ahorn Camp, ebenfalls ein bekannter Name unter Schnäppchenjägern. Bunt zusammengewürfelt zeigt sich der Kreis der Anbieter von billigen Campingbussen. Große Konzerne und traditionsreiche Kastenwagenausbauer mischen hier genauso mit wie Handwerksbetriebe mit Direktvertrieb.

Bleibt so oder so die Frage: Hat man es mit Lockvogelangeboten zu tun, oder eröffnen sich Alternativen für jene, die weder jeden Komfort noch den letzten Schrei benötigen? Mehr noch als in höheren Preisklassen bewahrt die kritische Prüfung des Angebots vor Überraschungen. Genaues Hinsehen erfordert oft schon der Verkaufsprospekt. Wenn die Broschüre gleich in fünf Sprachen gedruckt ist, kommt die deutsche Information etwas kurz. Nur dem Eingeweihten erschließen sich in der Ausstattungsliste von Joint Begriffe wie „kanalisierte Heizung“ oder „Laüter auf dem gang“. Bei McLouis oder Rimor muss der Interessent erraten, dass der klangvolle italienische Begriff „pianalato“ schlicht für Flachboden-Fahrgestell steht. Erst recht lohnt es sich, die Preislisten zu studieren.

Im Kleingedruckten stößt man etwa bei Elnagh auf die Formulierung „zuzüglich Transport, KFZ Brief“. Dahinter verstecken sich Nebenkosten, die gerade Sparfüchse kaum als peanuts verbuchen. Gut 1000 Euro Nebenkosten (siehe auch Tabellen Seite 8 und 12) muss man bei fast allen Schnäppchen hinzurechnen, damit das Wunschmobil zulassungsfertig beim Händler steht. Noch etwas weiter entrückt der Listenpreis, wenn es um Extras geht. Das ABS – bei Pkw vernünftigerweise längst Standard – muss bei vielen Reisemobilen extra bezahlt werden. Und auch einen stärkeren Motor oder ein tragfähigeres Fahrgestell begleicht man nicht aus der Portokasse. Wie unterschiedlich die Anbieter kalkulieren, zeigt der direkte Vergleich: Kostet der 2,3-Liter-Motor mit 110 PS im Fiat-Ducato-15-Chassis für den billigsten Sunlight 2760 Euro, muss man beim günstigsten Joint 6010 Euro dafür hinblättern. In einen Preisvergleich sollte man außerdem Extrapakete miteinbeziehen. Bei den Joint-Modellen mit 2,0-Liter-Motor bestellen Händler werkseitig gleich ein Komfortpaket mit größerem Kühlschrank, Ventilatordachhaube und Alkovenfenster mit. An sich sinnvoll, doch mit 850 Euro ein weiterer Kostenfaktor. Billiganbieter Gante verfolgt dagegen eine auch in höheren Klassen unübliche All-inclusive-Strategie. Bei seinen Miller-Modellen sind von der Markise über den Fahrradhalter bis hin zu Radio und Duomatic viele praktische Extras aufpreisfrei an Bord. Während sich solche Optionen später nachrüsten lassen, muss man sich schon vor der Bestellung für eventuelle Fahrgestellextras entscheiden. Konsequentes Sparen könnte dabei auf längere Sicht teuer werden. Beispiel ABS: Der Aufpreis mag schmerzhaft sein, doch eine missglückte Vollbremsung fordert unter Umständen höhere Opfer. Selbst wenn es nicht gleich zum Crash kommt, müssen meist die vorderen Reifen nach einem Notstopp mit blockierenden Rädern ersetzt werden – macht über 400 Euro. Ein untermotorisiertes Fahrgestell schadet später dem Wiederverkaufswert erheblich; durch eine zu geringe Zuladung wird ein Reisemobil vielleicht sogar unverkäuflich. Konkret: Die 85 PS des 2.0-JTD-Motors mögen in einem leichten, aerodynamisch günstigen Teilintegrierten akzeptabel sein, für ein Alkovenmobil reichen sie nicht. Wahl der Vernunft ist in dieser Klasse der 2,3-Liter-Motor mit 110 PS. Dabei erscheint die Koppelung an das Ducato-15-Chassis nur sinnvoll: Nur mit diesem Fahrgestell ergeben sich realistische Zuladungswerte. So kommt das Vier-Personen-Mobil Sunlight A 54 als Ducato 11 gerade einmal auf eine magere Nutzlast von 340 Kilogramm. Mancher Wettbewerber steht nach Werksangaben deutlich besser da.

Das wiederum liegt in erster Linie daran, dass Sunlight von der so genannten Masse im fahrbereiten Zustand ausgeht, die bereits gefüllte Tanks, Gasflaschen und Kabeltrommel enthält. Von allen nach tatsächlichem Leergewicht errechneten Zuladungswerten müssen diese Gewichte noch abgezogen werden. Einen kleinen Vorteil verbucht der bei Rimor und Ahorn Camp erhältliche Ford Transit. Serienmäßige 100 PS und dreieinhalb Tonnen Gesamtgewicht können als faire Einstiegsofferte gelten. Beide Transit-Modelle gehören zur wachsenden Gruppe der extra günstigen Teilintegrierten. Hinsichtlich der Raumaufteilung herrscht bei den Herstellern breite Einigkeit: Zum typischen Längsbett kommt eine klassische Dinette oder Halbdinette. Nur Joint bietet in dieser Klasse auch Längssitze an. Große Auswahl darf man ebensowenig von billigen Alkovenmodellen verlangen. Gängig sind Dinetten mit oder ohne zusätzliche Seitenbank. Scharf kalkulierenden Familien fallen dabei zwei Grundrisse ins Auge: der Joint E 47 mit zweiter Dinette im Heck und der Sunlight A 58, das einzige Etagenbettmodell dieser Kategorie. Dichtigkeitsgarantie für den Aufbau: Das Thema taucht in einigen Prospekten nur am Rande auf. Dabei kann jeder Zeitraum, der über die gesetzliche Gewährleistungszeit von 24 Monaten hinausgeht, ein geldwerter Vorteil sein. Übliche Voraussetzung: eine regelmäßige Dichtigkeitskontrolle beim Vertragshändler. Bei Campingbussen ist das kein Thema. Die Modelle unter 30 000 Euro bedienen sich unveränderter Kastenwagenkarosserien. Selbst die flachen Ausbauten des Renault Trafic und Citroën Jumpy treten zum Grundpreis ohne das hier sinnvolle Aufstelldach an. Einzige Ausnahme: der kompakte Mercedes Vaneo von Zooom. Das Gros dieser Klasse sieht freilich anders aus: Die weitgehend baugleichen Modelle Fiat Ducato, Citroën Jumper und Peugeot Boxer enthalten einen für Paare konzipierten Ausbau. Beliebt ist gerade bei kürzeren Varianten eine Hecksitzgruppe, die zum Querbett umgebaut werden kann. In längeren Ausführungen trifft man auch auf feste Heckbetten. Die Sitzplätze beschränken sich dann auf eine schmale Querbank und gedrehte Vordersitze, die zur Not ein weiteres Bett ergeben. Vorzug dieser Variante: das riesige Staufach unterm Bett. Nicht gar so spartanisch wie bei den Billigalkoven kommen die Basisfahrzeuge für Campingbusse daher. Das ABS verursacht nicht immer Extrakosten, und auch mit der Basismotorisierung lässt es sich leben. So reicht der verbreitete 2.2-HDI-Motor mit 100 PS im Citroën aus, um flott vorwärts zu kommen (siehe auch Test La Strada in promobil 9/2004). Das gilt ebenso für den Renault Master 2.5 dCi, der bei Eberhardt zum Reisemobil wird. Weitere Überraschung: Anders als die meisten günstigen Aufbauten entstehen die Ausbauten oft hier zu Lande. Lediglich Adria und SEA Sloop stammen aus Slowenien, Trigano Eurocamp aus Italien und die Trend-Mobile aus der Slowakei. Mit Wühltischware haben die günstigsten Reisemobile so oder so nichts gemeinsam. Qualitativ stehen die Einstiegsofferten der nächsthöheren Preiskategorie meist nicht nach. Dafür erkennt man beim Nachrechnen schnell, dass auch bei den Billigmodellen mit Nebenkosten und sinnvoller Fahrgestellausstattung die 30 000er-Marke bald überschritten wird. Schwacher Trost: Auch ein VW Golf mit attraktiven Extras kann über 30 000 Euro kosten.

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Datum

28. Oktober 2004
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