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Ratgeber: Reisemobil-Trends: Was kommt?

Mehr Teilintegrierte, mehr Zubehör, mehr Stellplätze, mehr Wettbewerb. Es wird spannend in der kommenden Saison.

Wohin die Mobil-Reise 2005 geht? Ganz einfach: zu immer mehr Gleichgesinnten. Denn die Reisemobile erfreuen sich in ganz Europa ungebrochener Nachfrage. Trotz der insgesamt immer noch nicht rosigen Konjunktur im Inland freut sich die Mehrheit der deutschen Reisemobilhersteller über Absätze auf hohem Niveau. Die Zuwächse von Hymer, Hobby, Dethleffs, Knaus und Co. lösen in anderen Branchen ungläubiges und neidisches Staunen aus. Knaus meldete jüngst beim Umsatz ein Plus von fünf Prozent, LMC 9,4 Prozent, und die Hymer AG verbucht im laufenden Geschäftsjahr 16,8 Prozent mehr. Als Spitzenreiter setzt sich Hobby in Szene – mit dem schier unglaublichen Plus von 24,3 Prozent. Es geht bergauf. Besonders erhellen sich die Mienen der Manager, wenn man sie auf die Auslandsgeschäfte anspricht. Der Export der Reisemobile mit dem Etikett „Made in Germany“ boomt geradezu. Einige Märkte scheinen regelrecht zu explodieren: Großbritannien meldet zum wiederholten Mal eine zweistellige Zunahme von 16,9 Prozent bei den Neuzulassungen im ersten Quartal, in Dänemark verdoppelte sich der – freilich kleine – Markt. Exorbitant sind auch die Zuwachsraten in Schweden (plus 31,8 Prozent) und in Belgien (plus 22,7 Prozent). Deutschland startete zwar ausgesprochen stark (plus 18,9 Prozent in den ersten drei Monaten), ließ dann aber auch kräftig nach. Unterm Strich blieb im ersten Halbjahr aber eine Zunahme von rund vier Prozent. Eine spannende Frage wird erst in wenigen Monaten beantwortet: Ob es Frankreich schafft, Deutschland zum ersten Mal bei der absoluten Zahl der Neuzulassungen zu überholen. Die Chancen dafür sind nicht schlecht. „Wenn man die deutschen Zahlen ausklammern würde, sähe die europäische Bilanz 2004 noch viel rosiger aus“, bringt es Hymer-Geschäftsführer Hans-Jürgen Burkert auf einen kurzen Nenner. Damit steht fest: Das mobile Reisen hat sich als feste Urlaubsgröße auf dem gesamten Kontinent etabliert. Selbst in den ehemaligen Ostblock-Staaten beginnt das Pflänzchen Reisemobil-Tourismus zu blühen. Langsam – aber unaufhaltsam – hat sich das Freizeitvergnügen Caravaning ein neues, sehr positives Image erarbeitet. Es ist nicht mehr mit dem Makel des Billigurlaubs behaftet. Längst ist es schick und „in“, die schönsten Wochen des Jahres in einem Reisemobil zu verbringen. Dies wird durch die Statistik nachhaltig bestätigt: Wer ein Mobil fährt, zeigt, dass er es geschafft hat. Kein Wunder, denn 50 000 Euro wenden die Käufer für jedes neu zugelassene Reisemobil heute im Durchschnitt auf. Tendenz: nach wie vor steigend. Der Mega-Trend bei diesen neuen Fahrzeugen: Immer mehr Komfort ist gefragt. Auch den lassen sich die Mobil-Fans jede Menge kosten. Kaum noch ein Reisemobil, das nicht von Anfang an mit zusätzlicher Markise durch die Gegend rollt. Auch Dinge, die vor noch gar nicht langer Zeit schier unbezahlbar waren und absoluten Luxus darstellten, sind in den Freizeitfahrzeugen längst gang und gäbe: Sat-Anlagen mit Digitalempfängern und Flachbildschirmen.

Auch die Navigationssysteme setzen sich immer mehr durch. Und nach dem Jahrhundertsommer im Jahr 2003 freuen sich heuer auch die Produzenten von Klimaanlagen über ausgesprochen gut gehende Geschäfte. Dass die Reisemobil-Branche aber nicht nur konjunktur-, sondern auch wetterabhängig ist, zeigt der verregnete und zu kalte Frühsommer 2004: Zum ersten Mal seit Jahren – wenn nicht gar überhaupt – mussten die Zubehörlieferanten einen Rückgang beim Umsatz hinnehmen. Es zeigt sich: Mobilisten sind überwiegend Schönwetter-Anhänger. Regnet es, lassen sie ihre Fahrzeuge konsequent stehen. Ganz anders stellt sich die Lage derzeit bei den Fahrzeugherstellern dar. Dort steht kaum noch etwas. „Ausverkauft“ heißt es hier schon seit geraumer Zeit – indessen nicht bei jedem Händler. Wer ein bestimmtes Fahrzeug haben will, muss mitunter lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Dies resultiert auch daher, dass die Industrie nicht – wie in früheren Zeiten durchaus üblich – bereit ist, die Produktion um jeden Preis, vor allem um den einer nicht mehr befriedigenden Qualität, hochzufahren. „Das bringt nichts. Wir brauchen mehr Konstanz in der Fertigungsqualität“, lautet etwa die Maxime von Bürstner-Chef Klaus-Peter Bolz. Damit ist er nicht alleine. Käufer, die durchschnittlich 50 000 Euro und mehr für ein Freizeitmobil ausgeben, wollen (und sollen) mit anständiger Handwerksqualität befriedigt werden. Auch die Qualität des Designs wächst. Taten sich Außenstehende (und mitunter sogar Insider der Branche) in der Vergangenheit oft schwer damit, Modelle ohne Kennzeichnung einem bestimmten Hersteller zuzuordnen, weil die Fahrzeuge alle irgendwie gleich aussahen, so werden Reisemobile heute immer individueller. Charakter ist gefragt – und die Ergebnisse können sich auf dem Caravan-Salon durchaus sehen lassen. Der neue Knaus Sun Ti und der Bürstner Delfin zeigen eine ebenso unverwechselbare Designer-Handschrift wie der Karmann Colorado oder die nagelneue Hobby T-Serie auf Ford-Basis. Interessant, dass sich längst auch renommierte Designer mit der mobilen Welt beschäftigen und Freizeitfahrzeuge wie die Caravanstudie YAT von Knaus sogar internationale Designpreise einheimsen. Vor Jahren wäre dies kaum denkbar gewesen. Der Design-Trend setzt sich auch im Innenbereich der Reisemobile fort, wo schon längst nicht mehr – wie vor Jahren üblich – der rechte Winkel regiert. Geschwungene Linien und Formen kennzeichnen den Modelljahrgang 2005. Die Funktion wird dabei nicht vernachlässigt, wie immer raffinierter geschnittene Küchenzeilen mit Auszügen und Winkelschränken beweisen. Den begrenzten Raum in einem Mobil möglichst intelligent zu nutzen: darum bemühen sich durchweg alle Hersteller. Heckgaragen, doppelte Böden, Stauräume, die gleichermaßen von innen und von außen zugänglich sind, sowie schieb- und klappbare Möbel zeugen von einem neuen Denken der Planer. Diesen Trend bestätigt der Vormarsch der Halbdinetten – also das Einbeziehen des Fahrerhausgestühls in den Wohnraum. Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Länge, geringere Kosten, mehr Handlichkeit bei gleichem Nutzen wie bei einem Fahrzeug mit klassischer Sitzgruppe lautet die logische Formel, die sich auch bei den Käufern immer mehr durchsetzt. Nachteile etwa bei der Winternutzung scheinen da keine große Rolle zu spielen. Eine andere gültige Formel ist, dass den Nasenbären, also den Alkovenmobilen, immer mehr der Rang abgelaufen wird und sie auch 2005 etwas an Bedeutung einbüßen werden. Die Reisemobil-Mode 2004 und 2005 wird ganz eindeutig von den Teilintegrierten geprägt. Hatte die Fahrzeuggattung in Frankreich seit eh und je die Nase vorn, so ist ihr Vormarsch nun auch in Deutschland nicht mehr aufzuhalten.

Zählten 1998 nur sieben Prozent der in Deutschland produzierten Reisemobile zu den Teilintegrierten, so ist es derzeit fast jedes dritte Fahrzeug. Damit halten sich Alkoven und Teilintegrierte fast die Waage. Alle großen Anbieter setzen auf dieses Segment. Die rollenden Villen mit Flachdach sind die Trendsetter der Saison. Es ist die verständliche Folge einer anderen trendigen Entwicklung: dass Reisemobile zunehmend von Paaren genutzt werden; dass junge Familien – wohl nicht zuletzt wegen der hohen Anschaffungskosten – derzeit von einem Mobil höchstens träumen können. Grundrisse mit Stockbetten und einer zweiten Sitzgruppe im Heck werden deshalb etwas rarer. Dafür gehen die Wünsche von mobilen Paaren in den besten Jahren zunehmend in Erfüllung: Bequeme Einzelbetten sind nun in fast allen Hersteller-Katalogen zu finden. Sogar in einigen Campingbussen gibt es Einzelbetten. Diese Mobil-Gruppe feiert seit 2003 geradezu eine Renaissance. Was früher die Selbstausbauten waren, sind heute die industriell gefertigten Kastenwagen: der Einstieg in die mobile Welt. Bei günstigen Einstandspreisen unter 30 000 Euro sind sie komplett ausgestattet. Obendrein kann man sie problemlos im Alltag bewegen. Auch Einsteiger-Alkoven und -Teilintegrierte gibt es 2005 schon für weniger als 30 000 Euro. Und das ist der nächste Trend: Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist auch in der Reisemobilwelt angekommen. Doch diese reagiert prompt. Dethleffs etabliert quasi als weiße Marke das Label „Sunlight“, und die Händlerorganisation Intercaravaning macht ebenfalls mit einer Preisoffensive von sich reden. Mit der neuen Hausmarke „Winner“ – hergestellt bei Elnagh – will Intercaravaning Mobil-Neulinge, aber auch Interessenten von Gebrauchtmobilen erreichen, die sich von den Neufahrzeugpreisen bislang abschrecken ließen. Die italienischen Billigheimer brauchen den Vergleich mit etablierten Marken nicht zu scheuen. Deshalb haben die 22 Händler, die sie vertreiben, mit ihrer Initiative in den Reihen der deutschen Reisemobilproduzenten Reaktionen hervorgerufen: Sie werden mit fast genauso günstigen Modellen kontern – siehe Dethleffs. Kontern – dies ist ein weiterer Trend des Modelljahres 2005. Es hat den Anschein, dass Renault und Ford erst jetzt den Markt richtig für sich entdecken und Marktführer Fiat in die Parade fahren wollen. Das wird freilich ein schwieriges Unterfangen, denn im April 2004 glänzten die italienischen Ducato mit einem Marktanteil von über 77 Prozent. Die Kunden freut es jedenfalls, dass sich Hersteller und Händler künftig noch mehr um ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bemühen. Apropos bemühen: Es fällt auch auf, dass viele Städte und Gemeinden zunehmend Reisemobilisten als gern gesehene (weil solvente) Gäste entdecken und weiter Stellplätze ausgewiesen werden. Bestes Indiz für die Entwicklung sind die beiden neuen promobil-Stellplatz-Atlanten – eine Enzyklopädie von 1320 Seiten. Rund 2000 gute Adressen gibt es mittlerweile für Reisemobilisten im Land. Auch hier gilt: Tendenz steigend. Prima, dass auch immer mehr Campingplätze mit spezifischen Angeboten um die Gunst der Motorcaravaner buhlen. So gesehen erscheint die Zukunft rosig. Die mobile Welt wird auf jeden Fall 2005 noch vielfältiger und noch bunter.

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Datum

17. September 2004
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