Ein REISEMOBIL MIT DOPPELBODEN lockt mit zusätzlichem Platz und weiteren Vorzügen. 17 Bilder Zoom

Doppelbodentechnik im Reisemobil: Doppelboden ist nicht gleich Doppelboden

Stauraum hat man eigentlich nie genug. Ein Reisemobil mit Doppelboden lockt mit zusätzlichem Platz und weiteren Vorzügen. Aber Keller ist nicht gleich Keller – was gilt es zu beachten?

Früher war die Sache klar. Der klassische Doppelboden, aufgebaut aus zwei durchgängigen Bodenplatten, mit rund 40 Zentimeter lichter Höhe und Platz für Wassertanks und Gepäck, war eines der Merkmale von Oberklassemobilen. Der Flair von Niesmann + Bischoff hatte vor über 20 Jahren diesen Klassenstandard zunächst für Alkovenmobile, dann für Integrierte als Vorreiter gesetzt.

Und heute? Viele Marken werben mit dem Vorzug eines Doppelbodens, und das über alle Aufbauformen und fast alle Preisklassen hinweg. Dabei werden viele Begriffe wie Technik-, Funktions- oder Zentraldoppelboden verwendet, und nicht minder ideenreich sind die unterschiedlichen Konstruktionsweisen und damit die Vor- und Nachteile.

Aber was ist ein Doppelboden eigentlich überhaupt?

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man damit eine Konstruktion mit zwei Böden, die durch Abstandhalter verbunden sind und so dazwischen einen Hohlraum bilden. Bei Reisemobilen findet sich diese Bauweise oft an mehreren Stellen. So haben Hängeschränke häufig doppelte Böden, um darin Kabel zu verlegen oder Lampen zu installieren. Im Bereich der Sitzgruppe finden sich besonders bei Teilintegrierten und ausgebauten Kastenwagen aufgesetzte Bodenpodeste. Sie dienen in erster Linie dazu, unterschiedliche Bodenniveaus zwischen Fahrerhaus und Aufbau anzugleichen, werden dann aber meist auch dazu genutzt, Installationen und teils auch kleine Staufächer unterzubringen.

Doppelbodenfächer eignen sich ideal, um die Ablasshähne der Wasseranlage gut zugänglich und frostgeschützt zu installieren.

Typische Funktionen eines Doppelbodens, dennoch macht so ein Bodenpodest das Fahrzeug noch nicht zu einem Doppelbodenmobil. Ähnliches gilt für extra dicke Sandwichplatten als Kabinenboden, bei denen in der Isolationsschicht Leitungen verlegt werden. Aber was macht dann einen Doppelboden im Reisemobil aus?

Klassischer Doppelboden: Hier ist der Fall klar. Es gibt ein richtiges Kellergeschoss, in dem Tanks und Bordtechnikinstallationen, oft auch die Heizung unterbracht werden können. Besonders stabil wird die Konstruktion, wenn jeweils dicke Sandwichplatten zum Einsatz kommen und quer laufende Schottwände das Ganze versteifen. Dadurch wird der komplette Aufbau deutlich stabiler und verwindet sich nicht so leicht, was sich oft auch beim Fahren durch geringere Nebengeräusche bemerkbar macht. 

In dem rundum vor Kälte geschützten Keller fällt es der Heizung leicht, die Wasseranlage, auch bei deutlichen Minusgraden, zuverlässig frostfrei zu halten. Die Ablasshähne können zudem gut zugänglich und übersichtlich in einem Doppelbodenfach installiert werden, das über Außenklappen erreichbar ist. Gleiches gilt für die Stauräume im Keller – die Außenzugänge sind ein wesentliches Erkennungsmerkmal für den klassischen Doppelbodentyp. 

Manche Hersteller setzen dabei auf eine offene Gestaltung des Doppelbodens, in dem Leitungen und Streben kreuz und quer verlaufen. Vorteil: Man kommt besser an Installationen heran und im Winter wird alles gleichmäßig erwärmt, was den Fußbodenheizungseffekt des Doppelbodens unterstützt. Nachteil: Als Stauraum kann man solche Keller nur mit Bedacht nutzen, weil verrutschendes Gepäck leicht Schäden an der Bordtechnik anrichtet. Darum separieren andere Anbieter Bordtechnik und Gepäck in eigene Fächer. Häufig gibt es dabei vorn unter der Sitzgruppe ein beidseitig zugängliches Durchladefach, das sich für Campingmöbel oder Wintersportgeräte eignet. 

Beim hohen klassischen Doppelboden gelingt es meist, die störenden Radkästen unter dem Fußboden verschwinden zu lassen. Andererseits muss man zum Cockpit dann oft eine Stufe hinabsteigen, was vor allem bei integrierten Fahrerhäusern stört. Deshalb wird bei Oberklassemodellen dieser Bereich aufwendig angehoben. 

Gestufter Doppelboden: Die Alternative ist der Doppelboden mit zwei Höhenniveaus. Der Sitzgruppenbereich vorn ist dabei mit einem flachen Doppelboden eben ans Fahrerhaus angedockt. Vor der Küche oder dem Bad steigt dann eine Stufe zum höheren Niveau an, wo entsprechend große Tanks untergebracht werden können. Dieses Kellerprinzip findet sich meist bei hochwertigen Integrierten auf Basis Fiat Ducato.

Funktions-Doppelboden: Unter diesem Schlagwort fand der Doppelboden auch in günstigeren Klassen mehr und mehr Verbreitung. Dabei lässt der Begriff viel Interpretationsspielraum. Gemeint ist ein flacher Doppelboden, der vor allem einen frostsicheren Installationsraum für die Bordtechnik bietet, aber keinen oder nur wenig zusätzlichen Stauraum. Von manchen wird diese Ausführung auch als Technik-Doppelboden bezeichnet.

Meist liegt dabei die Sandwichplatte des Kabinenbodens auf den Chassisträgern auf und die Sperrholz-Fußbodenplatte wird im Abstand von zehn bis fünfzehn Zentimetern darüber montiert. Es gibt aber auch Varianten, bei denen die Fußbodenplatte aus isolierendem Sandwichmaterial besteht und der Funktionsboden darunter aus mehr oder weniger gut gedämmten GfK-Formteilen erstellt wird. Vorteil: Es können abgesenkte Fächer mit eingeformt werden und die Montage geht relativ schnell.

Nachteil: Diese Konstruktion trägt weniger zur Stabilität bei und bringt auch nicht so viel für die Wintertauglichkeit. Insgesamt wächst die Verbreitung von Funktions-Doppelböden stetig an, zumal sie durch zusätzliche abgesenkte Fächer immer häufiger auch noch Platz für Gepäck und größere Tanks schaffen.

Aufgrund der vielen Varianten fällt die Unterscheidung zum klassischen Doppelboden dabei zunehmend schwer, Erkennungsmerkmal ist die Zugänglichkeit lediglich von innen über Bodenluken.

Teil-Doppelboden: Damit sind Konstruktionen gemeint, bei denen nicht die komplette Bodenfläche des Aufbaus unterkellert ist, sondern nur Teilbereiche. Das kann die vordere Hälfte des Wohnraums sein, etwa unter der Sitzgruppe, und der Bereich über der Hinterachse bleibt ausgespart.

Häufiger ist die Variante, die den Platz zwischen den Chassislängsträgern nutzt und die seitlichen Bereiche ohne Aufdoppelung lässt. Dabei werden ganz unterschiedliche Materialien verwendet. Vom Doppelbodenkasten aus Sandwichmaterial bis hin zu dünnen Kunststoffplatten, die lediglich einen Raum abtrennen, aber weder zusätzliche Stabilität noch echte Isolationswirkung bringen, reicht die Palette.

Der typische Einsatzzweck sollte entscheiden, welcher Doppelbodentyp am besten zu einem passt. Für passionierte Wintercamper, Autarkiefreaks und Mobilisten mit viel Stauraumbedarf sind Mobile mit hohem Doppelboden in klassischer oder gestufter Ausführung sehr reizvoll. Diese finden sich allerdings überwiegend im oberen Gewichts- und Preissegment. Für kleine, leichte und günstigere Modelle bieten sich Teil- und Funktions-Doppelböden als gute Ergänzung an.
Ein feiner Kompromiss sind schließlich die immer häufigeren, um 20 Zentimeter hohen klassischen Doppelböden, die – wie die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau – das Reisemobil rundum flexibel einsetzbar machen.

Verschiedene Doppelboden-Typen im Wohnmobil

Klassischer Doppelboden

  • Fußboden: aus Sperrholz oder aus einer isolierten Sandwichplatte.
  • Stützen oder Wände: aus Metall, Kunststoff, Holz oder Sandwich.
  • Keller: beheizter Raum für Bordtechnik und Gepäck mit Außenzugängen.
  • Unterboden: besteht meist aus einer Sandwichplatte, manchmal aus GfK-Teilen.
  • Fahrgestell: Auf den Chassis-Längsträgern ruht in der Regel der Boden des Aufbaus.
  • Fahrerhausboden: Je nach Fahrgestell- und Doppelbodentyp ergibt sich zum Wohnraum eine Stufe.

Funktions-Doppelboden

Sind oft nur so flach gebaut, dass die Installationen darin verschwinden. Teilweise werden abgesenkte Fächer für Gepäck mit Innenzugang angesetzt.

Gestufter Doppelboden

Einen ebenen Anschluss ans Cockpit und trotzdem Platz für die Tanks bietet dieser Doppelbodentyp. Nachteil: die Stufe meist zwischen Küche und Bad.

Teil-Doppelboden

Der Doppelboden erstreckt sich nicht über die komplette Bodenfläche. Oft wird dabei nur der Bereich zwischen den Chassislängsholmen unterkellert.

Podest-Boden

Häufig findet man an der Sitzgruppe oder unter dem Bad ein Bodenpodest. Das alleine genügt jedoch nicht, um von einem Doppelboden zu sprechen.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Christian Hass, Ingolf Pompe, Karl-Heinz Agustin

Datum

10. Juni 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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