Ostuni in Apulien 15 Bilder Zoom

Wohnmobil-Tour durch Süditalien: Apulien in seiner ganzen Schönheit erleben

Sie möchten Apulien mal ganz ohne Trubel entdecken? Dann folgen Sie uns auf eine unvergessliche Wohnmobil-Tour zu besonderen Orten, die vom Tourismusstrom bislang nahezu verschont wurden.

Nach Mittag, wenn sich das Leben hinter die gleißenden Mauern der Häuser zurückgezogen hat, wenn die knatternden Vespas ebenso verstummt sind wie die sonst wortgewaltigen Dramen, zu denen man hier ja gerne jede ganz normale Unterhaltung aufbläst – in diesen Stunden kann man in den Gassen der Altstadt das Meer hören.

Wo sind die untentdeckten Flecken Apuliens?

Es schurrt mit den Steinen am Strand, es platscht gegen die vertäuten Boote, es nagt an den Mauern, als wolle es hinein in die Stadt. Wenn man diesen Geräuschen folgt, in die kleine Gasse dort hinten, um die spitze Ecke da vorne oder einmal um die Kapelle auf der Piazza herum, steht man irgendwann plötzlich über ihm. Polignano ist keine Stadt, die am Wasser liegt – Polignano thront etliche Meter über ihm. Sehen kann man es trotzdem nur von den kleinen Aussichtsterrassen, die wie Greifvogelnester an der Stadtmauer kleben. In Spanien oder Griechenland würden sich auf diesen Terrassen die Touristen drängen. In Polignano sind sie leer. In Polignano scheinen überhaupt keine Besucher unterwegs zu sein. Ach, Apulien! Lieblingsland der Staufer, der Sommer-im-Winter-Suchenden, der Toskana-Überdrüssigen! Natürlich ist fast zu jeder Jahreszeit viel los in den Vorzeigeorten der Region, und natürlich stehen auf den Plätzen bei Bari, Lecce und Tarent Reisemobile und Caravans dicht nebeneinander.

Es gibt aber auch ein anderes Apulien. Eines, das mit all dem Rummel nicht viel zu tun hat, obwohl es manchmal nur wenige Kilometer entfernt liegt. Das andere Apulien scheint von den touristischen Strömen ignoriert zu werden; gut möglich, dass einem hier den ganzen Tag kein anderes Reisemobil begegnet. Das andere Apulien sieht aus wie ein gewaltiger, flächendeckender Garten, den irgendein hoffnungslos untalentierter Landschaftsarchitekt angelegt hat.

Artischockenfelder gehen in Weinberge über, Olivenhaine grenzen an Mandelbaumplantagen, die wiederum an Rapsfelder grenzen, alles fließt ineinander, und wo es nicht ineinander fließen soll, haben die Menschen ihre Steinmauern gezogen. Weil sich die Technik des Bauens seit Ewigkeiten nicht geändert hat und man Steinen ihr Alter meistens nicht ansieht, könnten diese Mauern dort 1632 errichtet worden sein oder doch erst letzten Monat. Auch bei den Trulli, den architektonischen Wahrzeichen Apuliens, weiß man oft nicht, ob man es mit einer antiken Ruine zu tun hat oder mit einem Neubau.

Wie findet man dieses andere entlegene Apulien?

Indem man Orte ansteuert, die in den Reiseführern eben nicht auf fünfzehn Seiten abgehandelt werden. Die kleinen Orte. Die übersehenen. Locorotondo zum Beispiel. Beim ersten Blick aus dem Reisemobil sieht das aus wie jeder andere Ort – spaziert man aber in die Altstadt hinein, entdeckt man ein Labyrinth verwinkelter Gassen mit ausschließlich weißen Häusern. Weil Locorotondo auf der Kuppe eines Hügels liegt, verlaufen so gut wie alle diese Gassen in unmöglichen Steigungswinkeln. Es geht hinauf und hinunter, schräg am Hang entlang und scharf um Ecken herum, aber niemals auch nur zwanzig Meter steigungs- oder gefällefrei. Manchmal schafft es der Wind vom Meer hinein in die engen Sträßchen und verteilt den Duft der Geranien und Rosen und Oleander, die ihre Bewohner in Kübeln und Töpfen aufs Pflaster stellen, als wollten sie gegenseitig wetteifern. Mehr Blumen sieht man nur noch in Martina Franca mit seinen Bürgerhäusern und Palästen: Das ist noch so eins der übersehenen Schmuckstücke Apuliens, so wie Ostuni mit einer hervorragend erhaltenen Altstadt.

In keiner dieser Städte wird man vielen Mit-Touristen begegnen, weil keine dieser Städte zum typischen Programm gehört. Auch Monopoli nicht, obwohl einen hier Schilder auf einer "touristischen Route" durch die Altstadt lotsen, in der nichts touristisch ist, sondern alles auf eine sympathische, vernachlässigte Art vor sich hin bröselt. Am Hafen bewachen mehrere Bänke philosophierender Alter die kleinen Boote. Im Festungsturm gibt es gerade einen Vortrag der örtlichen Gewerkschaft über Rosa Luxemburg, scusi, vielleicht wollen Sie zuhören, und wenn nicht: einfach durch den Saal und die hintere Tür hinauf auf den Turm. Dort steht man dann und blickt auf der einen Seite hinunter in die Marina und auf der anderen hinein in die Altstadt, und die Möwen zetern, und die Außenborder tuckern, und aus den Ristoranti quellen die hüpfenden Takte der Tarantella, Apuliens Beitrag zu Italiens Musikgeschichte.

Es ist immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich sich Städte anhören können. Und welche Rolle die Tageszeit dabei spielt. Eine Stadt wie Polignano über dem Meer – durch und durch untouristisch – erwacht erst abends zum Leben. Zur Ruhe kommt es meist tief in der Nacht. Mittags aber ist es so still in den Gassen, dass die Flügelschläge der Tauben oben auf den Simsen der Kirchen die einzigen Geräusche sind, die man hört. Und das Meer, irgendwo hinter den Mauern, am Ende der schmalen Gassen, tief unter einer der Aussichtsplattformen.

Autor

Foto

Stefan Nink, Fototeca Enit: V. Arcomano (1), S. Bedessi (1)

Datum

15. Dezember 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 11/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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