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Reise-Tipp Europa und Übersee: Geführte Reisen

Ab in die Wüste! Für die meisten Normalbürger mag das bedrohlich klingen – für Reisemobilisten ganz und gar nicht. Gemeinsam auf Tour: Das Angebot an geführten Reisen hat es in diesem Jahr in sich.

Denn gerade Marokko ist längst eine der Lieblingsdestinationen in der Mobilszene. Entsprechend breit fächert sich auch das Angebot an geführten Reisen an den Rand der Sahara. Doch nicht nur dorthin: Niemals hatten Interessenten eine größere Auswahl als im Jahr 2006.

Mehr als 40 Reiseanbieter buhlen aktuell um die Gunst der Mobilszene – kaum ein Land, das nicht unter sachkundiger Anleitung mit dem Mobil entdeckt werden könnte.

Für wen empfehlen sich die geführten Reisen?

„Für alle, die möglichst sicher unterwegs sein und sich nicht zu sehr um die Organisation kümmern wollen“, bringt es Susi Rettau von Perestroika Tours auf einen kurzen Nenner, „das können auch ausgeprägte Individualisten sein.“ Bis zu 145 Tage dauern die Touren bei dem Spezialveranstalter, der sich vor allem durch geführte Fahrten nach Osteuropa einen Namen gemacht hat. Und so lange wie manche Reise ist, so exotisch sind bei Perestroika Tours auch die Ziele: Kasachstan, Saudi Arabien, Singapur oder China. „Allein käme man dort kaum mit dem Reisemobil hin“, sagt Susi Rettau, „da bedarf es schon besonderer Kenntnisse und guter Kontakte zu den Behörden.“

So rekrutiert der Veranstalter aus Pfalzfeld gerne Reiseleiter aus den Gastländern. „Es ist wichtig, dass sie vor Ort Entscheidungen treffen können.“ Ähnlich argumentiert Eva Gafert von Kuga Tours in Kulmbach: „Am besten ist es, wenn der Reiseleiter selbst Vollblutcamper ist und weiß, was die Leute wollen.“ Je ungewöhnlicher das Zielland, umso mehr müssen sich die Reiseleiter darauf einstellen, einmal improvisieren zu müssen. Das sollten auch die Teilnehmer können: „Einzige Voraussetzung für solch eine Reise ist, dass man etwas anpassungsfähig sein sollte“, bestätigt Sven Dalbert, der seit acht Jahren Touren organisiert und mit seinem AS Freizeit Service Reisen nach Süd- und Osteuropa anbietet.

Als Veranstalter erfährt Dalbert immer wieder die Gründe, aus denen sich die Kunden für eine Gemeinschaftstour entschieden haben: „Der Sicherheitsaspekt ist dabei ganz wichtig.“ In der Gruppe fühlen sich viele geborgen – und das, obwohl die Reiseteilnehmer in der Regel nur morgens und abends zusammen sind. Zumindest bei den Touren in Mittel- und Südeuropa ist bei den allermeisten Anbietern das Konvoifahren verpönt. „Das machen wir auch nur in Ländern, wo es die Sicherheitslage gebietet oder durch die Behörden vorgeschrieben wird“, betont Susi Rettau. Ansonsten sind die Mobilisten zumindest tagsüber weitgehend auf sich gestellt – bestens versorgt mit den Informationen des Reiseveranstalters.

„Einen guten Anbieter erkennt man daran, wie gut das Roadbook ist, das er den Teilnehmern zur Verfügung stellt“, sagt Barbara Fohrer, die Chefin von I.N.-Touristik, einem der Pioniere bei den geführten Mobilreisen. In ihren Streckenbeschreibungen führt sie deshalb nicht nur die touristischen Sehenswürdigkeiten entlang der jeweiligen Tagesetappe auf, sondern liefert auch Hintergründe über Land und Leute – und ab und zu auch mal einen landestypischen Witz oder ein Kochrezept. Damit es von vornherein nicht zu Missverständnissen kommt, stattet Barbara Fohrer die Teilnehmer ihrer Touren auch mit einheitlichem Kartenmaterial aus: „Es kann nicht sein, dass jemand mit der Generalkarte unterwegs ist und ein anderer nur eine Straßenkarte im Riesenmaßstab hat.“

Neben den Spezialveranstaltern bieten auch einige Freizeitfahrzeug-Hersteller geführte Touren an. Organisiert werden die Markenreisen in der Regel wiederum von den Fachanbietern. Hymer arbeitet mit neun verschiedenen Spezialisten zusammen, während Dethleffs auf die Zusammenarbeit mit Safari-Reisen und Hobby auf die mit Komplett-Country-Reisen setzt.

„Die Leute fühlen sich wohl, wenn das Reisemobil oder der Caravan der anderen Tourteilnehmer von der gleichen Marke wie das eigene Modell ist“, hat Marika Nebenführ von Hymer-Card-Reisen festgestellt.

Und noch etwas: dass sich die bevorzugten Ziele bei den geführten Reisen in den vergangenen Jahren ziemlich gewandelt haben. War bis Ende der neunziger Jahre vornehmlich Südeuropa gefragt, orientieren sich nun viele nach Osten. „Das boomt, die Reisen ins ehemalige Ostpreußen und nach Russland sind unsere Renner“, berichtet Marika Nebenführ. Sie staunt auch, wie experimentierfreudig die Camper sind, wenn neue Ziele angeboten werden: „Unsere Tour nach Island mit Zwischenstopp auf den Färöer-Inseln war innerhalb einer Woche ausgebucht.“

Gruppen-Dynamik ist aber nicht nur in Europa und im Mittelmeerraum gefragt – fest etabliert haben sich daneben auch die Angebote in Übersee. Ob in Neuseeland, Australien, Südafrika oder in Nordamerika – weltweit werden Mobiltouren zu den schönsten Zielen angeboten.

Einziger Unterschied zu einer Reise in Europa: Statt im eigenen Fahrzeug ist man meist im Mietmobil unterwegs. Wohin die Reise auch gehen mag – auf gewisse Sicherheitsstandards sollten Teilnehmer achten. So sind professionelle Reiseveranstalter verpflichtet, den Kunden einen Sicherungsschein im Original auszuhändigen. Es ist eine Versicherung für den Fall, dass der Veranstalter Pleite geht. Sehr kritisch sollte man vor einer Buchung auch unter die Lupe nehmen, ob zusätzliche Versicherungen im Preis enthalten sind – etwa eine Auslandskrankenversicherung, eine Reisegepäckversicherung oder eine Reiserücktrittsversicherung. Es könnte ja sein, dass man selbst krank wird und deshalb die geplante Tour nicht antreten kann. Einen ganzen Katalog mit Empfehlungen für die Interessenten von Gemeinschaftsreisen hat Bernd Loewe auf seiner Internetseite www.mobiletouren.de zusammengestellt.

Sein wichtigster Tipp: „Hüten Sie sich vor spontanen Buchungen, nehmen Sie sich Zeit, lesen Sie auch das Kleingedruckte.“ Grundsätzlich scheinen die angebotenen Touren indessen anzukommen. Wer einmal an eine Gruppenreise teilgenommen hat, ist für die Zukunft infiziert. Bei Kuga Tours liegt der Anteil der „Wiederholungstäter“ schon bei 70 Prozent. Warum? Eva Gafert hat die Antwort: „Weil es unterwegs gemeinsam am schönsten ist.“

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Datum

17. Januar 2006
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