Mobil-Tour: Ostfriesland, Rathausturm 32 Bilder Zoom

Wohnmobil-Tour durch Ostfriesland: Ganz schön anders in Ostfriesland

Moin moin! Wohnmobilisten sind hier sehr willkommen: In Ostfriesland gibt es mehr grünes Land, mehr guten Tee, mehr Muße und mehr Meer als in den meisten anderen Teilen unseres Landes.

Norderney zur blauen Stunde, auf der überdachten Terrasse des Restaurants Reethuus duftet es verführerisch. Langsam senkt sich die Dämmerung über den anliegenden Campingplatz "Um Ost", der Blick geht weit über Wiesen und Wattenmeer. Auf dem Golfplatz nebenan kuscheln sich mehrere Dutzend Kaninchen zum Schlafen ins kurz geschnittene Gras, eine Entenfamilie wackelt in schnurgerader Linie zum Badeteich. Gleich werden die Finkenwerder Scholle und ein zünftiges Seemannslabskaus gebracht. Es lebt sich ganz hervorragend hier auf der Ostfriesischen Insel Norderney.

Das schöne Eiland im Wattenmeer ist Schlusspunkt unserer Tour mit dem Wohnmobil durch Ostfriesland, und sicherlich ist es einer der Höhepunkte. Diese eigenwillige, manchmal auch etwas belächelte Region am Rande der Republik bietet aber noch viel mehr als nur leckeres Essen und Inselglück. Eine grüne, weite Naturlandschaft zum Beispiel. Gastfreundliche Menschen, die gar nicht so ungesprächig sind wie gern kolportiert. Hübsche, gemütliche Orte und Städte, die uns mit vielen kleinen Überraschungen verwöhnen. Jede Menge Bioprodukte regionaler Provenienz in Res­taurants und für die Wohnmobilküche. Dazu genügend gute Stell- und Campingplätze, sodass einer entspannten Tour über Land bis hin zur ostfriesischen Nordseeküste nichts im Wege steht.

Die schönesten Stationen in Ostfriesland

Wer von Süden aus etwa über die Autobahn A 31 anreist, sollte den ersten längeren Stopp spätestens im beschaulichen Städtchen Leer einplanen. "Tor zu Ostfriesland" nennt sich der Ort, und das Wohnmobil parkt bequem auf dem nicht sonderlich heimeligen, aber ungemein praktisch gelegenen Stellplatz am Hafen – nur ein kurzer Weg über die Dr.-von-Bruch-Brücke, und schon ist man direkt am Rathaus inmitten der historischen Altstadt. Und dort kann man manche gemütliche Stunde verbringen.

Wer durch die schmalen Gassen des alten Zentrums schlendert, mag sich in längst vergangene Tage versetzt fühlen. Viele der schönen Bürgerhäuser sind fein restauriert und beherbergen heute kleine Cafés und Geschäfte. Ein markantes Wahrzeichen ist das alte Rathaus im Neo-Renaissancestil mit dem hohen Rathausturm samt stündlich wechselndem Glockenspiel, der weite Blicke über die Stadt ermöglicht. Direkt nebenan das Gebäude der Alten Waage – einst Zentrum des regen Handels, beherbergt der rote Backsteinbau heute ein Restaurant. Ein schönes Heimatmuseum, das berühmte Weinhandels-Haus Samson von 1643, das prächtige Schloss Evenburg mit seinen weitläufigen Parks, es gibt viel zu sehen. "Leer ist mächtig im Kommen", sagt der Kaffeeröster Andreas Baum, der vor Jahren samt Familie aus Hamburgs cooler Innenstadt herzog, um Ostfrieslands Teetrinker vom Vorzug feiner Kaffeekultur zu überzeugen.

Windmühlen und Kultur in Ostfriesland

Weiter geht unsere Fahrt, nur wenige Kilometer nordöstlich von Leer an der B 436 winkt schon die nächste Attraktion. Ostfriesland ist reich an großen, alten Windmühlen, und hier in Holtland steht ein besonders schönes Exemplar. Das dreistöckige, stolze 24 Meter hohe Prachtstück vom Typ Galerieholländer wurde zwischen 1862 und 1864 gebaut und leistete bis in die 1970er-Jahre hinein treu und brav seinen Dienst; heute ist die Mühle auf Anfrage (Info unter Telefon 04950/3797) zu besichtigen. Andere alte Windräder folgen, oft mit Gastronomie verbunden, wie die Mühlen bei Bagband und Großefehn.

Überall im grünen Ostfriesland locken weitere attraktive Orte. So wie Emden mit der berühmten Kunsthalle von Henri Nannen, schönem Hafen und Museum des Komikers Otto Waalkes. Die alte Residenz- und Einkaufsstadt Aurich, das idyllisch gelegene Wittmund oder Jever, dessen berühmte Brauerei allein schon eine Besichtigung lohnt. Dazwischen erstreckt sich weites Land in tausenden Grüntönen mit kleinen Gehöften und Weilern, geruhsam weidendem Vieh, stillen Plätzchen zum Pausemachen, langen Deichen zum Meer.

Ab ans Meer!

Und zum Meer hin zieht es uns letztlich, im Sommer wollen wir am weichen Strand in der Sonne liegen, und das geht hervorragend auf den Ostfriesischen Inseln. Die meisten der sieben großen Eilande der Kette taugen dabei eher für einen Tagesausflug, das Wohnmobil parkt derweil auf dem Festland. Mitnehmen darf man es nur nach Borkum und Norderney – und zu letzterer Insel ist das trotz happiger Fährkosten (Infos unter Telefon 04931/9870, www.reederei-frisia. de) durchaus lohnenswert!

Die Insel Norderney ist quasi zweigeteilt. Am Westzipfel der weitgehend autofreie Ort, einst mondänes Urlaubsziel für die Schönen und Reichen der Welt, wovon immer noch Kurzentrum, Spielcasino und weiß getünchte Häuser im Stil der Bäderarchitektur zeugen. Heute dominieren freilich Hotel- und Appartementblocks, 1001 Shops und Cafés und die lange Betonpromenade am Weststrand das Bild.

Der gesamte Rest der Insel ist dagegen ein stilles, wunderbares Dünengebiet samt weißem Strand, durchzogen von 80 Kilometer Rad- und Wanderwegen, mit ureigener Flora und Fauna. Und kaum Unterkünfte, mit Ausnahme einiger schön gelegener Campingplätze. Idyllischer kann man auf Norderney nicht wohnen. Und so sitzen wir nun im ruhigen Reet­huus, genießen das Essen, die frische Seeluft – Ostfriesland, wir kommen wieder.

Autor

Foto

Silke Tokarski, Thomas Zwicker

Datum

24. September 2014
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