Mobil-Tour: Alpen  Adria 29 Bilder Zoom

Reise-Tipp Alpentour an die Adria: Nach Süden, ans Meer

Möglichst schnell an die Adria? Bloß nicht! Schon an den Kärntner Seen spürt man den Süden - und auf dem Weg durch Slowenien und das Friaul gibt es viel zu entdecken. Plädoyer für eine gemächliche Wohnmobil-Tour von den Bergen ans Meer.

Geht es Ihnen auch so? Ich liebe diese Kärntner Seen. Den Ossiacher See zum Beispiel, den Sportlichen. Vom Südufer aus kann man die Gleitschirmflieger beobachten, die von der Gerlitzen ihren Flug starten. Oder den Weißensee, den Schönen: Er schillert an manchen Stellen fast karibischblau, weil das Wasser glasklar ist und auf dem Seeboden eine bestimmte Algenart wächst, die dem Wasser seine traumhafte Farbe verleiht. Das Ufer des Weißensees ist zu großen Teilen unbebaut, und in der Umgebung gibt es bei Wanderungen viel unberührte Natur zu entdecken. Oder der Millstätter See, ebenfalls ein ganz besonderer See - am Rand des Nationalparks Nockberge gelegen. Hier kann man aussichtsreiche Wanderungen unternehmen und landet schließlich bei schönen Plätzen wie dem Sternenbalkon oder dem Granattor.

Es gibt rund 200 Seen in Kärnten, viele davon sind trinkwasserrein, wie die Kärntner sagen. So ist das überall hier: Man riecht förmlich den Süden und spürt das leichte Lebensgefühl. Egal ob man nun im netten Restaurant Loretto in Klagenfurt unter Palmen direkt am Ufer des Wörthersees sitzt und den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein und einem feinen Essen genießt oder in Ossiach im Gastgarten direkt am See beim Fischerwirt. Auch die Küche ist in den letzten Jahren anders geworden. Die Köche nennen das Alpen-Adria-Kulinarik. Es gibt leichten Fisch, Seesaibling oder Kärntner Laxn, es werden edle Olivenöle verwendet, Kapern, viel Salat und Gemüse.

Die Alpen-Adria-Idee hat nicht nur Kärnten erfasst und begeistert, sondern auch das Nachbarland Slowenien, und selbst die direkt angrenzenden italienischen Regionen rund um Triest sind dabei. Es gibt den Alpe-Adria-Wanderweg, der vom Großglockner, dem höchsten Berg Österreichs, durch Slowenien und Italien in 38 Tagesetappen ans Meer führt. Und es gibt einen Fahrradweg.

Aber auch mit dem Reisemobil ist die langsame Annäherung ans Meer eine vielfältige und erlebnisreiche Sache. Slowenien ist ja Schengen-Europa mit Euro als Zahlungsmittel. Der Wechsel vom einen ins andere Land geschieht also völlig geräuschlos und unspektakulär. Den weiteren Verlauf der Reise bestimmt das Wasser. Erste Station ist Bled und der idyllische See, nur eine gute halbe Stunde von der österreichischen Grenze entfernt. Auch dieser See hat glasklares Wasser, in der Mitte gibt es eine kleine Insel mit der Marienkirche. Ruderboote pendeln zwischen Ort, Insel und dem Campingplatz im Westen des Sees. Das ist die beschauliche Seite des Slowenien-Erlebnisses.

Ganz in der Nähe warten die wilden Abenteuer, zum Beispiel im Triglav-Nationalpark, einem riesigen Schutzgebiet hoch im Nordwesten. Dort entspringt die Soˇca, der Bergfluss, der sich mit glasklarem Wasser und in coolem Gletschereisblau durch die Schluchten der Julischen Alpen fräst. Kanus, Rafts und alles andere, was sich schnell im eiskalten Wasser bewegen lässt, ist hier unterwegs.

Es ist nur eine kurze Strecke von Bled über den Vrsic-Pass, aber auch die kann - zumindest mit dem Reisemobil - zum Abenteuer werden: Insgesamt fast 50 enge Kehren und gefühlte 200 Serpentinen führen über den Pass. Es kann also eng werden mit dem Reisemobil, vor allem wenn Reisebusse entgegenkommen, und das tun sie öfter. Die Passstraße ist sicher eine der schönsten in Europa - mit wunderbaren Weitblicken und ein paar netten Raststationen am Wegesrand. Ein Umstand übrigens, den auch viele Motorrad- und Radfahrer zu schätzen wissen.
Der Triglav-Nationalpark, benannt nach Sloweniens höchstem Berg, ist auch für Wanderer und Mountainbiker ein ziemlich gutes Revier. Wer zum Beispiel vom Bohinjsko Jezero, dem Wocheinersee, aus mit der Seilbahn auf den 1922 Meter hohen Berg Vogel fährt, findet dort oben Wanderwege mit herrlichen Ausblicken auf die kalkig-weißen Berge der Julischen Alpen. Die Soca heißt in Italien Isonzo, der Fluss war im Ersten Weltkrieg eine umkämpfte Frontlinie, an der viele Soldaten auf beiden Seiten ihr Leben ließen. Ein kleines Museum in Kötschach-Mauthen auf der Kärntner Seite und eines in Kobarid dokumentieren eindrücklich die Sinnlosigkeit des Krieges.

Auf dem Weg ans Meer gibt es in Slowenien noch ein paar schöne Stopps. Zum Beispiel die Höhlen von Postojna. Sie zählen zu den schönsten Karsthöhlen Europas und liegen nur ein paar Minuten Fahrt von der Autobahn in Richtung Süden entfernt.

Slowenien hat allerdings nur einen winzigen Küstenabschnitt: Knapp 50 Kilometer lang ist die Adria-Küste des kleinen Landes. Auf dieser Strecke muss sich dann auch alles versammeln, was das Land braucht: Im Norden liegt Koper, die Industrie- und Hafenstadt mit rauchenden Schloten, Schwerindustrie und Hafenanlagen. Etwas weiter südlich Piran, das romantische Städtchen auf einer spitz zulaufenden Halbinsel, dem man seine venezianische Vergangenheit nicht nur am Kampanile ansieht; und in der Nachbarbucht dann Portoroz, das mondäne Strandbad mit Sandstrand.

Schön, hier am Abend zu bummeln; vor den Bars spielt Open-Air-Musik, und in den umliegenden Restaurants riecht es verführerisch nach gegrilltem Fisch ...

Die Region im Überblick - Sechs Stationen auf dem Weg ans Meer

Von Wasserfällen und Burgfelsen, von Kärntner Vielfalt und von einer Stadt, die Venedigs kleine Schwester sein könnte - hier unsere Reisestopps auf dem Weg nach Süden.

Klagenfurt: Die Kärntner Landeshauptstadt am Wörthersee lockt mit mehr als 800 Jahre Stadtgeschichte, einem reichen Kulturangebot und zahlreichen Vergnügen für Aktive und Ruhesuchende rund um den See. Wassersport, Radeln, Bootfahren, Baden, Golfen oder auch Shopping, Musik-Events und ein reges Nachtleben - alles geht.

Kranjska Gora: Eingebettet zwischen den Karawanken und den Julischen Alpen, ist die 5000-Einwohner-Stadt besonders als Erholungs- und Wintersportort bekannt. In der Umgebung finden sich viele Routen und Aussichtspunkte für Wanderer und Radler. Sehenswertes in der Nähe: die Martuljek-Wasserfälle beim Dorf Gozd Martuljek.

Bled: Ein mächtiger Burgfelsen thront über dem Bleder See, und mittendrin liegt die Marieninsel mit einer kleinen Barockkirche darauf. Wer fotogene Motive sucht, wird in dem romantischen Ferienort, wenige Kilometer südlich der österreichischen Grenze, ganz sicher fündig. Zur Insel setzen sehr stilvoll kleine überdachte Boote über.

Ljubljana: Die rund 300.000 Einwohner zählende Stadt ist in mehrfacher Hinsicht das Zentrum Sloweniens. Der geografische Mittelpunkt des Landes liegt gerade 20 Kilometer entfernt, dazu befinden sich hier Parlament, Nationalmuseum, Theater, Philharmonie und jede Menge architektonische Sehenswürdigkeiten, unter anderem von Jože Plečnik.

Triest: Die Hafenstadt liegt in dem schmalen Streifen Italien an der Oberen Adria-. Triests Häuser und Paläste könnten auch in Wien, Venedig oder Florenz stehen - die Habsburger haben prächtige Spuren hinterlassen. Anschauen: die Piazza dell’Unità d’Italia, die Kathedrale von San Giusto, Stadtteil Borgo Teresiano mit dem Canal Grande.

Piran: Ein wunderbar venezianisch geprägtes Stadtbild, denkmalgeschützte Gassen und viel Hafenatmosphäre - ein Besuch in der malerischen Stadt an der slowenischen Küste belohnt mit schönen Ansichten wie dem Franziskanerkloster, der Georgskirche auf einer Anhöhe über der Altstadt oder dem Tartini-Platz, auf dem stets etwas los ist.

Auf der nächsten Seite finden Sie drei promobil-Tipps entlang der Route. Außerdem haben wir alle Informationen, Stellplätze und Campingplätze im Überblick.

Autor

Foto

Joachim Negwer, Jakob Radlgruber/fotolia, www.klagenfurt.at

Datum

8. Mai 2013
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