Mobil-Tour, Trentino 27 Bilder Zoom

Mobil-Tour Trentino und Gardasee: Berge und mehr

Schroffe Felsen, tiefblaues Wasser - das Trentino und der nördliche Gardasee bilden eine Region voller Kontraste. Was überall spürbar ist: die große Liebe zum Genuss und eine mediterrane Leichtigkeit des Seins.

Am Seeufer von Riva sitzt zur blauen Stunde ein junges deutsches Paar im Kies, zwei Plastikbecher mit Rotwein vor sich, an den die beiden aber schon lange nicht mehr denken: Fest umschlungen haben sie ihre Köpfe aneinandergelegt und blicken still auf den Gardasee hinaus, dessen Blau mit dem Sonnenuntergang einen schimmernden Rosa-Ton angenommen hat. Eine schöne Lovestory!

Doch um die beiden herum spielt sich still und unbemerkt eine viel größere Liebesgeschichte ab - eine, in der zwei total entgegengesetzte Typen schon sehr, sehr lange miteinander glücklich sind. Er, das ist der gestählte Gebirgstyp, rau und ein bisschen wortkarg, dabei aber zuverlässig und solide bis auf die Knochen. Sie ist die mediterrane Schönheit mit dem glutvollen Blick, laut, lebhaft und leidenschaftlich. Zusammen ergeben sie eine Lebensgemeinschaft, die - ganz ohne Eheschein - bereits seit ein paar Millionen Jahren treu zueinander steht und sich so bald wohl auch nicht trennen wird. Die Rede ist von der norditalienischen Provinz Trentino, die sich zwischen Südtirol und Venetien zu beiden Seiten des Etschtals hinzieht und zu der auch der obere Teil des Gardasees gehört. Sie ist der schönste Beweis dafür, dass Nord und Süd, zwei vermeintliche Gegensätze, in vollendeter Harmonie zueinanderpassen können.

Für eine erste Annäherung muss man nur selbst auf den See hinausgucken und den Blick zwischen ein paar original italienischen Zypressen hindurch auf seine grünblaue Wasserfläche richten. Schroffe, hoch aufragende Felswände rahmen seine sportlich-schmale Form so dramatisch ein wie einen österreichischen Bergsee, doch ganz hinten weicht der Fels urplötzlich zurück; das Gewässer weitet sich ozeanhaft, sein Südufer rutscht hinter den Horizont und entzieht sich dem Auge. Genau das ist der Reiz des Gardasees: Er nimmt das Mittelmeer vorweg, hält uns in seiner hochalpinen Umarmung gefangen und lässt uns doch schon die ganze Süße des Südens schmecken.

Teutonisch pünktlich sind seine Winde, die das Nordufer zu einem beliebten Hotspot für Windsurfer gemacht haben: der Pelér, der morgens aus dem Norden über das Wasser bläst, und die berühmte Ora, die von der Mittagsstunde an das Wasser aufwühlt. Doch mit mediterraner Gelassenheit reifen Oliven und Zitronen an den Uferhängen ihrer geschmacklichen Vollendung entgegen, und Städtchen wie Limone oder Malcesine mit ihren gepflasterten Gassen und ockergestrichenen, von Platanen gesäumten Häusern stillen selbst die größte Italien-Sehnsucht. 

Sportarten in der Region: Vom Surfen bis zum Klettern

Auch in sportlicher Hinsicht vereint der See die Extreme. Während unten im Surf-Center Porfina Beach Lehrer Osvaldo seinen Novizen beibringt, wie sie bei Windstärke fünf die Segel über das Wasser knattern lassen, hängen ein paar Seillängen weiter himmelwärts die Kletterer in den senkrechten Felswänden über Arco oder hangeln sich am Klettersteig „Via dell’ Amicizia“, hoch über Riva, an einer 70 Meter langen Metallleiter entlang. Auf dem Monte Baldo, einem mehr als 2000 Meter hohen Gebirgsrücken am Ostufer, bringen sich derweil Paraglider in Startposition.

Auch in Trient, der Hauptstadt des Trentino, umarmen sich Nord und Süd aufs Herzlichste. Wer über die Alpen Richtung Mittelmeer reist, spürt hier zum ersten Mal den warmen Hauch italienischer Leichtigkeit. Um Trient zu entdecken, hält man es am besten mit den Einheimischen: Man nimmt das Rad vom Heck des Reisemobils und strampelt einfach los. Erst zum Schloss Buonconsiglio, wo einst die Fürstbischöfe residierten, und dann über das historische rote Porphyrpflaster weiter bis in die Altstadt. Große Meister wie Romanino haben die Hausfassaden dort anlässlich des Konzils von Trient (1545 bis 1563) mit bunten Allegorien und Bibelszenen bemalt, und immer wieder blitzen zwischen gotischen Patrizierhäusern und mittelalterlichen Türmen heitere Renaissance-Säulen und Bogenfenster hervor. Architektonisch ist Trient echtes, authentisches Italien, daran ändern auch k.u.k.-Erbstücke wie der Habsburger Adler über der Sparkassenfiliale nichts.

Die mediterrane Gelassenheit

Typisch mediterrane Mentalität ist der Widerwille, nach Büroschluss sogleich nach Hause zu eilen. Ganz Trient, so scheint es mitunter, geht nach der Arbeit erst einmal auf einen Aperitif. Ins coole „Caffè Marchiodi“ zum Beispiel, wo zum Teroldego, dem fruchtigen Trentiner Rotwein, knusprige Pizzaecken serviert werden, oder in die „Bar Fiorentina“ gleich hinter dem ehrwürdigen Dom, vor der bei trockener Witterung nach Geschäftsschluss Hunderte meist jüngere Menschen mit einem Bier in der Hand plaudern. Trient hat eine Universität mit über 15000 Studenten, die viel frischen Wind in die Gassen der Stadt bringen.

Es gibt aber auch windstillere Ecken im Trentino, Orte, in denen Erholung und Entspannung angesagt sind. Es sind die Kurorte, gleich acht davon hat die Provinz; am bekanntesten ist Levico Terme, das mit seiner Jugendstil-Architektur viel Charme besitzt. Die Heilwasser von Rabbi und von Peio sprudeln in stillen Seitentälern des Val di Sole, duftende Heubäder werden in Garniga am Fuße des Monte Bodone verabreicht. Und oberhalb der Thermen von Comano, dessen Wasser bei neurodermitiskranken Kindern schon wahre Wunder gewirkt hat, prangen die zackigen Felszähne der Brenta-Dolomiten. Wie gesagt: Es sind die Gegensätze, die eine Liebesgeschichte so reizvoll machen ... 


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Autor

Foto

Udo Bernhart

Datum

24. Januar 2012
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