Wasserhygiene, PRO 05/11, Reines Wasser 10 Bilder Zoom

Praxis-Tipp Wasserhygiene: Sauberkeit ist Trumpf

Die Hände waschen, Kaffeekochen, Gemüse putzen - ein gut gefüllter Frischwassertank sichert unterwegs die Unabhängigkeit von öffentlichen Zapfstellen und erleichtert das mobile Leben ungemein.

Wasser ist jedoch auch ein verderbliches Gut, denn auf Verunreinigungen reagiert das Nass empfindlich. Unbehandelt gelagert, beginnt bereits nach wenigen Stunden eine starke Keimvermehrung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass etwa 80 Prozent aller Reisekrankheiten auf verunreinigtes Wasser zurückgehen. Mit der richtigen Pflege des Frischwassersystems und den passenden Zusätzen schützt man sich zuverlässig vor unliebsamen Urlaubsbekanntschaften.

Normalerweise kann man davon ausgehen, dass die Versorgungsstationen von Stell- und Campingplätzen Trinkwasserqualität anbieten. Dennoch sollte man auf Hinweise achten, ob das Wasser tatsächlich Trinkqualität besitzt oder nicht. Bestehen Zweifel, ob es zum Verzehr geeignet ist, sollte man auf ein Befüllen der Tanks lieber verzichten.

Viele Zapfstellen sind bereits mit einem Schlauch versehen, um das Wasserfassen zu erleichtern. Vorbildliche Versorgungsanlagen verfügen über ein System, bei dem der Schlauch automatisch wieder einrollt und den Boden gar nicht erst berührt. Liegt der Schlauch dagegen einfach auf der Erde herum, sollte man von einer Verwendung eher absehen. Da bewährt sich ein eigener, sauberer Schlauch.

Auch wenn es vielleicht nach Verschwendung aussieht, sollte man vor dem Wasserfassen zunächst vorhandene Restvorräte ganz ablassen. Das reduziert die vorhandene Keimbelastung im System. Dann spült man den Schlauch kräftig durch, bevor man das Wasser in den eigenen Tank füllt.

Viele Reisemobilisten füllen den Frischwassertank vor der Abfahrt sicherheitshalber ganz voll. Klar - nicht immer weiß man morgens schon, wo man abends das Nachtlager aufschlagen wird. Wer volltankt, sollte aber auch an die Zuladungsreserven des Mobils denken und, nicht zuletzt, dass Mehrgewicht sich auch im Dieselverbrauch niederschlägt.

Nach dem Wasserbunkern sollte man zudem darauf achten, den Schlauch möglichst trocken einzupacken. Sonst gibt es nicht nur Pfützen im Ladeabteil, sondern das im Schlauch stehende Wasser verkeimt mit der Zeit. Tipp: Wenn der Platz reicht, ist eine Unterbringung im Gaskasten geschickt. Er ist im Gegensatz zu anderen Stauräumen zwangsweise besonders gut belüftet.

Reinigung ist die beste Vorsorge

Einmal pro Jahr steht die gründliche Reinigung der bordeigenen Wasseranlage an. Eventuell im Frischwassertank vorhandene Partikel wischt man zunächst mit einem sauberen Tuch heraus. Dann schrubbt man den Tank bis in alle erreichbaren Winkel mit einer sauberen Stielbürste.

Als Reiniger verwendet man dabei einen der im Handel angebotenen Tankreiniger, den man mit möglichst heißem, sauberem Wasser nach Herstellerangaben anrührt. Wie umfangreiche Tests gezeigt haben, genügt es aber nicht, den Reiniger lediglich einzufüllen und sich selbst zu überlassen. Ohne mechanische Wirkung ist hartnäckigen Biofilmen, vor allem wenn sie schon älter sind, nicht beizukommen.

Rohre und Schläuche lassen sich nur mühsam säubern. Dabei wäre hier eine mechanische Reinigung besonders wichtig, da gerade PVC-Schläuche sehr schnell verkeimen. Der bräunliche Biofilm ernährt sich nämlich unter anderem von den Weichmachern im PVC. Die Rohre und Schläuche kann man bis zu einer Länge von etwa einem Meter mit Rohrbürsten aus dem Aquarienhandel säubern. Weiter dringen diese Bürsten nicht vor.

Der Rest der Wasserleitungen lässt sich nicht mechanisch säubern. Man kann sie nur mit einer möglichst heißen, hoch konzentrierten Reinigerflüssigkeit durchspülen. Nach dem Reinigen spült man intensiv mit klarem Wasser nach, um alle Reinigerreste zu entfernen. Den Abschluss der Kur sollte dann eine Desinfektion der Wasseranlage bilden. Dazu verwendet man Produkte mit Chlor oder Wasserstoffperoxid - auch Aktivsauerstoff genannt - als Wirkstoff, die eigens für Trinkwassersysteme in Freizeitfahrzeugen entwickelt wurden. 

Chlor tötet innerhalb kurzer Zeit Mikroorganismen ab. Bei der Dosierung orientiert man sich auch hier an den Herstellerangaben der jeweiligen Produkte. Auch nach der Desinfektion mit Chlor sollte man den Tank und das Leitungssystem mit reichlich Frischwasser spülen, damit sich der typische Chlorgeschmack nicht auf das gelagerte Wasser überträgt.

Keime lieben das Nass

Abschließend sorgt man dafür, dass die gesamte Wasseranlage möglichst rasch und vollständig trocknet. Nur so lässt sich eine Wiederverkeimung möglichst lange hinauszögern. Denn wo Wasserreste zurückbleiben, da ist der Biofilm nicht mehr allzu fern. Das ist auch der Grund, weshalb man das Leitungs- und Tanksystem nach jedem Einsatz möglichst zügig trockenlegen sollte.

Dazu öffnet man nicht nur alle Hähne und Ablauföffnungen, sondern schraubt auch die Revisionsöffnung des Frischwassertanks auf und stellt das Sitzpolster darüber senkrecht. Je besser die Luft im Frischwassertank zirkuliert, umso schneller trocknet er.

Dem eingelagertem Nass kann man Produkte auf Silber-Ionen-Basis zusetzen. Diese können Wasser im Extremfall bis zu sechs Monate lang genießbar halten und sind für den menschlichen Konsum unbedenklich. Besser ist natürlich, das Wasser so bald wie möglich zu wechseln.

Trinkwasser ist nur dann für den Verzehr geeignet, wenn es frei von krank machenden Keimen ist. Zumindest in Westeuropa darf man davon ausgehen, dass die nationalen Überwachungssysteme die Qualität des Leitungswassers sicherstellen. In Süd- und Osteuropa dagegen wird die lokale Wasserversorgung nicht selten aus Brunnen oder Zisternen gespeist. Problematisch wird es, wenn Verschmutzungen in Kombination mit den hohen Temperaturen das Keimwachstum im Wasser beschleunigen.

Die rasante Keimvermehrung sollte man nicht unterschätzen. Beispielsweise kann aus einer Salmonelle binnen acht Stunden ein Millionenheer werden. Ob die Keime schließlich zu einer Erkrankung führen, hängt von vielen Faktoren, wie etwa der eigenen körperlichen Verfassung, ab.

Alternative für Ausnahme-Fälle: Wasserfilter

Eine Filterung ist für die in Europa übliche Wasserqualität in der Regel nicht nötig. Zwar sind im Outdoor-Bereich Filter für die Entnahme aus offenen Gewässern durchaus gebräuchlich, doch diese Systeme sind nur für kleine Mengen und nicht zum Füllen eines ganzen Wassertanks geeignet.  

Trotzdem gibt es in bestimmten Fällen Gründe für den Einsatz eines Wasserfilters im Fahrzeug. Sei es, dass die Mobilbewohner an einer Immunschwäche leiden oder eine Unverträglichkeit gegen die Wasserkonservierungspräparate besitzen oder dass exotischere Länder angesteuert werden.

Hochwertige Filter säubern das Nass zuverlässig von schädlichen Keimen ohne Chemiezusätze, doch sie verursachen relativ hohe Folgekosten. In aller Regel ist alle sechs Monate ein neuer Filtereinsatz nötig, um den Hygienestandard zu sichern. Darüber hinaus ist meist eine starke Pumpe nötig, um das Wasser durch die feinen Filterkapillaren zu pressen.

Neben den im Campingbereich üblichen Filtern sind auch sogenannte endständige Filter aus dem Klinikbereich verfügbar. Diese medizinischen Produkte werden unmittelbar an der Entnahmestelle montiert und liefern keimfreies Wasser. So wird auch vermieden, dass Restwasser in der Leitung hinter dem Filter zurückbleiben kann.  

Im gewerblichen Einsatz wird Wasser oft auch mit Hilfe von starkem UV-Licht entkeimt. Für die dauerhaft sichere Wasserversorgung im Reisemobil müssen im Tank platzierte Lampen mehrmals pro Tag für einige Minuten aktiv sein. Das sollte man bei der Kalkulation der Batteriereserven berücksichtigen. Auf dem Weg vom Tank zur Entnahmestelle können belastete Leitungen und Schläuche jedoch eine Wiederverkeimung auslösen.

Vertrauenssache: Miet- und Gebrauchtmobile

Die Hygiene der Wasseranlage im eigenen Fahrzeug hat man selbst in der Hand. Doch wie sieht die Situation im Gebrauchtmobil oder Mietwagen aus? Den Pflegezustand von Tank und Schläuchen kann man bei einer Sichtprüfung nur vage abschätzen. Man bedenke: Gebrauchte stehen oft viele Monate mit vielleicht feuchtem Wassertank auf den Höfen der Händler, und in einer Vermietflotte geben sich viele Kunden die Klinke in die Hand.

Verantwortungsbewusste Betriebe reinigen deshalb das Wassersystem vor der Weitervermietung oder dem Verkauf. Ob die Säuberung gründlich ausfiel und ob danach der Frischwassertank unverzüglich trockengelegt wurde, ist ungewiss. Oft beschränkt sich die Sorgfalt auf das Ablassen des Grauwassers.

Da der Händler auch für den einwandfreien Zustand der Wasseranlage verantwortlich ist, sollte bereits im Kauf- oder Mietgespräch geklärt werden, ob und auf welche Art Tank und Leitungen aufbereitet wurden. Nicht viel anders ist übrigens auch die Situation bei Neufahrzeugen: Im Werk wird im Rahmen der Funktions- und Dichtigkeitsprüfung auch die Wasseranlage getestet. Dafür wird der Tank teilweise befüllt. Eine anschließende, gewissenhafte Trockenlegung des Rohr- und Tanksystems ist jedoch kaum gängige Praxis. Und so wartet der Wagen schließlich mit feuchtem und verschlossenem Tank vielleicht Monate auf Kunden.

Eine gründliche Reinigung mit anschließender Desinfektion des Wassersystems ist darum sowohl beim Neu- wie beim Gebrauchtkauf angeraten. Und zum Beginn der Saison sollte man diese Prozedur zum festen Ritual machen, denn das ist der erste Schritt für eine unbeschwerte Reisezeit.

Saubere Mietmobile

Interessenten an Mietmobilen können davon ausgehen, dass die Wasseranlage den hygienischen Mindestanforderungen genügt. Besitzer von gewerblich genutzten Campingfahrzeugen sind nämlich gesetzlich dazu verpflichtet, einmal pro Jahr eine mikrobiologische Untersuchung durchführen zu lassen. Diese weist nach, dass die Wasseranlage zu diesem Zeitpunkt den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entsprach.

Sichere Alternativen

Wer auf Nummer sicher gehen will, verzichtet trotz aller Vorkehrungen auf den Verzehr des gebunkerten Wassers und nutzt dieses nur zum Spülen und Waschen. Tafel- oder Mineralwasser kann man gerade in süd-europäischen Ländern überall preiswert kaufen. Das befreit von Zweifeln bei der Einschätzung dubioser Zapfstellen. Außerdem lässt sich im Notfall Wasser auch durch mindestens dreiminütiges, sprudelndes Abkochen keimfrei und damit genießbar machen.

Frühjahrsputz komplett

Bei der jährlichen Reinigung der Wasseranlage sollte man den Zulaufschlauch auf jeden Fall einbeziehen. Mit Trichter oder Gießkanne wird mit Entkeimer versetztes Reinigungsfluid in den Schlauch gegossen und dieser so aufgehängt, dass sich die Enden oben befinden. Nach der vorgeschriebenen Einwirkzeit ausgießen, durchspülen, fertig. Ebenso sollte sowohl an den Einfüllstutzen als auch ans Verbindungsstück zum Frischwassertank gedacht werden. Eine lange, flexible Flaschenbürste verrichtet hier gute Dienste. Wie schon beim Zulaufschlauch wird Entkeimungs- bzw. Reinigungsmittel in einem Eimer aufgelöst und per Bürste verteilt. Auch hier gilt, nach Beendigung des „großen Abwaschs" gut durchzuspülen.

Autor

Foto

Archiv Beate Jeske

Datum

19. Mai 2012
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