Alles über Reifen
Die vier Pneus eines Reisemobils fristen in ihren Behausungen oft ein unscheinbares Dasein. 19 Bilder Zoom

10 Fakten zu Wohnmobil-Reifen: Runde Sache

Die vier Pneus eines Reisemobils fristen in ihren Behausungen oft ein unscheinbares Dasein. Dabei ist es wichtig, den Zustand der Reifen immer im Blick zu haben, um sicher und entspannt zu reisen.

Die Reifen stellen den direkten Kontakt zur Fahrbahn her. Dabei übertragen sie auf relativ kleiner Fläche sehr hohe Bewegungskräfte. Deshalb sollten auch Reisemobilisten genau auf die Pneus achten.

Fakt 1: Brauchen Reisemobile einen CP-Reifen, oder reicht ein C-Reifen?

Möglich sind beide Varianten. Das C steht für Commercial (Transporterreifen) und das CP für Camping. Den Unterschied erklärt Reifenexperte Norbert Allgäuer-Wiederhold von Pirelli: "Wir haben bei CP-Reifen mehr Spielräume bei den Gummimischungen der Reifendecke." Insgesamt haben die CP-Reifen eine etwas höhere Überlastreserve, durchdie eine mögliche Überladungbesser abgefangen wird. EineOptimierung für hecklastige Reisemobile geht damit einher. Außerdem sind CP-Gummimischungen weicher und vertragen lange Standzeiten besser als C-Reifen für den Dauereinsatz an Transportern. Das geht etwas zu Lasten der Laufleistung, die bei Commercial-Modellen höher ist. C und CP sind aber nur Kennzeichen für fahrzeugabhängig optimierte Eigenschaften, denen der Lastindex als die eigentlich zu beachtende Größe zugrunde liegt.

Fakt 2: Wo kann ich den Lastindex nachlesen?

Der benötigte Lastindex (LI) steht in den Reifenangaben im Fahrzeugschein unter den Ziffern 15.1 und 15.2. Es ist hier die letzte Zahl nach dem Reifenformat. Der LI des Reifens steht auf der Flanke: Dem Wert "116" beispielsweise kann mittels einer Lastindextabelle, die man im Internet leicht finden kann, der Tragfähigkeitswert 1.250 kg pro Reifen zugeordnet werden. Reifen mit höherem Lastindex als der Angabe im Fahrzeugschein dürfen jederzeit montiert werden. Theoretisch ist auch die Verwendung eines Reifens mit niedrigerem Lastindex als der Herstellerangabe möglich, wenn die tatsächliche Achslast deutlich niedriger ist. Allerdings muss dies zuvor mit dem Hersteller und einer TÜV-Stelle abgestimmt werden.

Fakt 3: Weshalb ist der richtige Luftdruck so wichtig?

"Der Druck im Reifen trägt das Fahrzeuggewicht, nicht die Karkasse", sagt Norbert Allgäuer-Wiederhold. Er rät, sich im Zweifelsfall immer an die Druckangaben zu halten, die der Hersteller in der Regel auf einem Schild an der B-Säule vorgibt. Ein Absenken des Drucks zur Verbesserung der Komforteigenschaften darf nur bei genauer Kenntnis der tatsächlichen Lastenverhältnisse in Betracht gezogen werden.

Fakt 4: Wie erhalte ich Reifen möglichst lange?

Immer den richtigen Luftdruck einhalten und diesen alle zwei Wochen überprüfen. Bei zu wenig Druck wird die Lauffläche nicht nur ungleichmäßig abgenutzt, sondern auch stärker durchgewalkt und dadurch erhitzt, sodass nachhaltige Schäden entstehen. Über Kanten sollte man möglichst in stumpfem Winkel fahren, da bei spitzem Winkel die Reifenschulter zwischen Felge und Boden eingeklemmt wird und Schaden nimmt. Außerdem gilt es zu vermeiden, dass sich Fremdkörper im Profil festsetzen. Auch Steinchen sollten entfernt werden, wenn sie sich nicht von allein lösen. Wer sein Mobil mit dem Hochdruckreiniger wäscht, sollte mindestens 20 Zentimeter Abstand halten. Kommt die Düse dem Pneu zu nahe, wird das Innenleben der Karkasse verbogen.

Fakt 5: Wie lange kann man mit einem Reifen fahren?

Reifenexperten empfehlen, nach fünf bis sechs Jahren neue Pneus aufzuziehen. "Die Erfahrung zeigt, dass sich ab dem sechsten Nutzungsjahr die Defekte häufen", sagt Norbert Allgäuer-Wiederhold. Erkennbar ist das Reifenalter an der DOT-Kennung, an deren Ende eine vierstellige Zahl steht. Sie gibt die Produktionswoche und das zugehörige Jahr an.

Fakt 6: Welche Mindestprofiltiefen gelten?

In Deutschland wird als Mindestprofiltiefe für alle Autoreifen 1,6 Millimeter gefordert. Ob sie erreicht ist, erkennt man an den breiten Stegen zwischen den Laufstreifen des Pneus. Auf Winterreifen findet man häufig auch noch etwas schmalere Stege, die erkennbar höher sind – vier Millimeter. Das entspricht der Mindestprofiltiefe, die die Behörden in Österreich für Winterreifen fordern.Führende Automobilclubs raten dazu, sich entgegen deutscher Mindestwerte bei allen Reifentypen an den vier Millimetern zu orientieren. Mit abnehmender Profilstärke können die Reifen Wasser schlechter ableiten oder im Winter den Schnee weniger gut binden. Nachlassende Hafteigenschaften bei Aquaplaning und auf Schnee sind die Folge.

Fakt 7: Was sagt das Reifenlabel eigentlich aus?

Die erste Angabe des Reifenlabels bezieht sich auf den Rollwiderstand. Die Kraftstoffersparnis zwischen Klasse A und Klasse G wird bei PKW auf etwa 7,5 Prozent geschätzt. Daneben stehen die Bremseigenschaften bei Nässe. Ein Reifen Kategorie F braucht im Vergleich rund sechs Meter mehr, um von 80 km/h herunterzubremsen, gegenüber einem Reifen der Kategorie A. Am Fuß des Labels findet man noch das Abrollgeräusch.Je weniger Balken, umso leiser rollt der Reifen.

Fakt 8: Warum gibt es keine Reisemobilreifen mit Notlaufeigenschaften?

Bei Run-Flat-Reifen für Pkw tragen die stabilen Seitenwände des Reifens das Fahrzeug im Falle eines Druckverlusts noch bis zu 250 Kilometer weit bei Maximaltempo 80. Es ist jedoch technisch kaum möglich, eine Karkasse zu bauen, die Reisemobile mit mehr als drei Tonnen Gewicht in ähnlicher Weise trägt. Eine Alternative sind Felgenbänder. Diese Stahlringe werden um die Felge gespannt und verhindern, dass die Reifen ins Felgenbett rutschen und herunterspringen. Bei einem Plattfuß tragen sie das Fahrzeug immerhin bis zum nächsten Parkplatz. Wichtig beim Einsatz solcher Pannenhilfsmittel: einReifendruck-Kontrollsystem, das bei Druckverlust zuverlässig warnt.

Fakt 9: Welche Ausrüstung empfiehlt sich bei Pannen?

Ein Ersatzrad im Gepäck ist immer die beste Wahl – raten alle Reifenexperten. Angesichts von knappen Zuladungsreserven ist das in Reisemobilen aber oft nicht vorhanden. Stattdessen werden Reparatursets beigelegt. Sie bestehen meist aus einem kleinen 12-Volt-Kompressor, mit dem zuerst eine milchige Kautschukmasse in den Reifen gepumpt wird, die das Loch von innen abdichtet. Nach ein, zwei Radumdrehungen zur Verteilung der Masse kann der Reifen mit dem Kompressorwieder aufgepumpt werden, und man kann die Fahrt bis zur nächsten Werkstatt fortsetzen (max. 80 km/h). Dort muss der Reifen dann getauscht werden. Etwas einfacher zu handhaben sind Dichtmittel aus der Spraydose. Allerdings darf man damit nur eine kurze Strecke mit maximal 50 km/h zurücklegen.

Fakt 10: Was kann die Reifenflanke alles erzählen?
  • Reifen-Querschnitt: Der Wert bezeichnet das Verhältnis von Reifenhöhe und Breite in Prozent. Über den Querschnitt lässt sich mit dem Innen- oder Felgendurchmesser der Abrollumfang ermitteln, der eingehalten werden muss.
  • Reifenbauart: "R" steht hier für Radial- oder Gürtelreifen, die heute in der Autoindustrie zum Standard geworden sind. Ihre Vorgänger waren Diagonalreifen (D), die man in der Regel nur noch in der Landwirtschaft, an Oldtimern oder an Offroad-Fahrzeugen findet.
  • Lastindex (LI): Dieser Index gibt die maximale Last an, die der Reifen beim höchstzulässigen Fülldruck tragen kann. Mal zwei genommen müssen die Werte mindestens die zulässige Achslast ergeben. LI-Tabellen übersetzen den Indexwert in Kiloangaben.
  • Innendurchmesser: Der Wert entspricht dem Felgendurchmesser in Zoll. Er darf verändert werden, wenn sich dadurch der Abrollumfang des gesamten Fahrzeugrads nicht verändert. 
  • Geschwindigkeitsindex: Hinter diesem Buchstaben verbirgt sich die zulässige Höchstgeschwindigkeit, mit der ein Reifen gefahren werden darf. R steht für 170. Wie beim Lastindex gilt, dass höhere Werte als im Fahrzeugschein möglich sind.
  • Reifen-Nennbreite: Die Breite der Lauffläche ist in Millimetern angegeben. Beim Fiat Ducato als Basisfahrzeug für Reisemobile sind die häufigsten Breiten 215 oder 225 Millimeter.
  • Zusatzangabe: Die Buchstaben zeigen eine erhöhte Tragfähigkeit an. CP steht für Camping, C für Commercial – beides für Reisemobile gängig. Manchmal werden aber auch Extra-Load-Reifen (XL) verwendet.

promobil-Tipp zu Reifen: Winterreifen auf Schnee bevorzugt

Winter- oder M+S-Reifen? Eine Frage, die sich auch Reisemobilfahrer oft stellen. Beim aktuell laufenden Reifentest hat promobil den Bremsweg eines Winterreifens mit den Bremswegen von vier M+S-Reifen von Qualitätsmarken auf schneebedeckter Fahrbahn verglichen. Obwohl mancher Ganzjahresreifen sich wacker schlug, brauchten sie im Schnitt einen um 6,8 Prozent längeren Bremsweg, um aus Tempo 80 km/h zum Stehen zu kommen. Bei den Traktionswerten fehlten den Ganzjahresreifen im Schnitt 12,5 Prozent zum Messergebnis des Winterreifens. Ein Wert, der beim Anfahren und in Kurven nicht zu vernachlässigen ist. Fazit: Wintercamper, die oft bei Schnee und Kälte unterwegs sind, sollten auf jeden Fall besser einen Spezialreifen aufziehen.

Portraits Redaktion

Foto

Andreas Becker

Datum

19. Mai 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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