Ratgeber Wintercamping: Weisses Abenteuer

Wintercamping, Ratgeber

Für viele geht der Wohnmobilurlaub auch im Schnee weiter. Mit der richtigen Vorbereitung frieren Sie weder fest noch ein.

Was für ein Genuss! Drinnen im Reisemobil bollert die Heizung vor sich hin. Und draußen überzuckert der frische Schnee die Landschaft. Camping im Winter macht Spaß. 2010 gaben 46 Prozent der befragten promobil-Leser an, mit dem Reisemobil auch bei Schnee und Eis unterwegs zu sein. 24 Prozent fahren sogar jährlich zum Skilaufen oder Schneewandern.
Und der Rest? Nun ja, ein paar Vorbehalte bleiben. Was tun, wenn die Heizung ausfällt? Oder wenn man stecken bleibt? Oder wenn gar die Wasseranlage einfriert? Keine Frage: Bei Kälte auf Tour gehen bedarf einer gründlichen Vorbereitung. Aufs Geratewohl zu starten, kann ins Auge gehen.

Richtig vorbereiten:
Sie reisen entspannter, wenn Sie wissen, wohin. Gerade im Winter sollten Sie sich nicht nur über die grobe Richtung im Klaren sein, sondern über Ihr ganz konkretes Ziel. Manche Stell- oder Campingplätze haben nicht ganzjährig geöffnet oder sind - besonders wenn sie in beliebten Skigebieten oder bei anderen Top-Destinationen liegen - schnell ausgebucht. Nichts ist ärgerlicher, als in der Kälte vor geschlossenem oder überfülltem Platz zu stehen. Ein Anruf schafft Klarheit, am besten reserviert man vorab.

Fragen Sie auch gleich nach den Serviceleistungen wie Gasflaschentausch oder Ähnliches. In der Regel ist dieser gewährleistet. Und das ist gut so. Denn Gas werden Sie brauchen. Wer noch bei Tageslicht ankommt, tut sich beim Einrichten leichter. Berücksichtigen Sie bei der Routenplanung auch, dass manche Straßen oder Pässe im Winter geschlossen sind oder eine spezielle Winterausrüstung erfordern.

Winterreifen gehören prinzipiell dazu. Ohne sie geht nichts. Das ist nicht nur eine Frage von gesetzlichen Bestimmungen, die man natürlich auch in die Reiseplanung einbeziehen sollte, sondern schlicht eine Entscheidung der Vernunft.

Schon ab sieben Grad Celsius erzeugt die Gummimischung von Winterreifen mehr Grip als die von Sommerreifen. Vier bis fünf Millimeter Profiltiefe sollten die Pneus noch aufweisen. Denken Sie rechtzeitig an den Wechsel, bevor die Reifenhändler von panikartigen Anfragen überrannt werden. Das kann bares Geld sparen. Im vergangenen Winter schnellten mit der sprunghaft steigenden Nachfrage auch die Preise in ungeahnte Höhen.

Neben Winterreifen gehören auch Schneeketten oder vergleichbare Traktionshilfen zur Ausrüstung des Wintercampers. Die Mitnahme ist in einigen Ländern vorgeschrieben. Für das Aufziehen sind Handschuhe unentbehrlich; Taschenlampe, Isomatte, Warnweste und -lampe leisten dabei ebenfalls gute Dienste.

In der Notfallkiste macht sich auch ein Starthilfekabel gut. Selbst wenn man nicht sich selbst, sondern nur dem Nachbarn damit aushelfen kann. Frost stresst die Starterbatterie. Umso mehr, je stärker sie damit belastet ist, bei winterlichen Fahrten permanent Scheinwerfer und andere Verbraucher zu versorgen. Gute Vorsorge trifft, wer die Basisfahrzeug- und Bordbatterie vor dem Start in Eis und Schnee richtig volllädt und ihnen ein, besser zwei komplette Ladezyklen über mindestens zehn Stunden gönnt. Netzstecker zwischendurch ziehen, damit ein neuer Zyklus beginnt. Gesäuberte und gefettete Polklemmen sorgen für besten Kontakt.

Gute Sicht bedeutet Sicherheit, vor allem im Winter, wenn die Bremswege länger werden, und gesalzenes Spritzwasser die Scheiben schnell mit einem milchigen Schleier überzieht. Füllen Sie den Behälter noch zu Hause randvoll mit Wischwasser-Frostschutz; Markenprodukte haben sich bewährt. Setzen Sie die Mischung auf minus 25 Celsius an, um auf der sicheren Seite zu sein. Und sorgen Sie für Nachschub.

Sollten die Wischerblätter Streifen ziehen, wechseln Sie sie gegen neue aus. Und wenn Sie gerade beim Einkaufen sind: Haben Sie noch genug Ersatzlampen für die Scheinwerfer? In einigen europäischen Ländern ist nicht nur das Fahren mit Licht am Tag, sondern auch das Mitführen von Ersatzlampen vorgeschrieben.

Um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, checken sie auch die Bordtechnik vor der Abfahrt auf einwandfreie Funktion. Kommt aus allen Hähnen Wasser? Gut. Läuft die Heizung ohne Mucken? Noch besser. Aus einem Ausströmer tritt weniger Luft aus als erwartet! Das könnte daran liegen, dass eine der empfindlichen Pappröhren, die die Wärme verteilen, beschädigt ist. Tauschen Sie sie aus.
Die Heizung saugt die zu erwärmende Luft aus dem Innenraum an. Den Sommer über hat der Ansaugbereich Staub angesetzt. Damit das Gebläse nicht mehr als nötig davon aufwirbelt, sollte man den Kasten um das Kombigerät aussaugen und von Flusen befreien.

Besitzer von Reisemobilen mit Warmwasserheizung sollten im Auge behalten, dass die Anlage regelmäßig entlüftet werden muss und die Flüssigkeit turnusmäßig zu tauschen ist. Praktisch ist bei solchen Systemen ein Wärmetauscher, der Heizung und Motor koppelt. Damit können die Konvektoren im Aufbau über den Kühlkreislauf des Motors mit dessen kostenloser Abwärme temperiert werden. So verkürzt sich auch die für Warmwasserheizungen typisch lange Aufheizzeit am Zielort.

Das Betreiben der Gasheizung während der Fahrt ist bei Mobilen ab 2007 nur erlaubt, wenn die Gaszufuhr mit einer Sicherheitseinrichtung ausgestattet ist. Sinnvoll ist es, den Ofen unterwegs auf kleiner Flamme laufen zu lassen, damit das Frostwächterventil im auskühlenden Mobil nicht auslöst und Boiler oder gar Wassertank leer laufen lässt. 

Erfahrene Polarfüchse wissen, dass Gas, das noch aus dem Sommerurlaub in Südeuropa stammt, mit Vorsicht zu genießen ist. Schuld ist ein hoher Anteil von Butan, das schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht mehr verdampft. Der Brennstoff strömt nicht mehr aus. Im Zweifel lieber zwei frische Flaschen mitnehmen.

Richtig campen: Gut angekommen? Dann kanns ja losgehen. Einer der ersten Handgriffe wird der nach dem Heizungsregler sein, damits gemütlich wird in der Bude. Zum Einheizen sollte man die Türen und Klappen der Schränke öffnen, um die Wärme gleichmäßig zu verteilen. Sonst bleibt die Wäsche darin eiskalt.

Der Luftaustausch zwischen drinnen und draußen ist gerade im Winter sehr wichtig. Um die Luftfeuchtigkeit im Mobil einerseits und Wärmeverluste andererseits gering zu halten, öffnet man Fenster und Türen stoßweise und nur für kurze Zeit. Für permanente Sauerstoffzufuhr sorgen üblicherweise die Zwangsbelüftungen, die man keinesfalls verschließen sollte. Zugluft und Heizenergieverlust durch die Kühlschrankgitter reduziert man mit Winterabdeckungen.
Eine der größten Wärmebrücken vieler Reisemobile ist das Fahrerhaus, vor allem bei teilintegrierten Fahrzeugen, bei denen die Vordersitze in den Wohnraum eingebunden sind. Die nicht vorhandene Isolation kompensiert eine Thermohaube, die komplett über die Front gezogen wird, am besten. Günstiger und besser als nichts sind Isoliermatten, die nur die Scheiben bedecken. Eine gute Ergänzung ist eine isolierende Trennmatte, die innen über den kalten Fahrerhausboden ausgebreitet wird.   Das Einpacken der Gasflaschen kann man sich sparen. Die Kälte, die mitunter Regler vereisen lässt, entsteht bei der Gasentnahme. Sinnvoller ist ein kleines elektrisches Heizelement (Eis-Ex von Truma), das direkt am Ventil angebracht wird.

Richtig vorbeugen: Insgesamt ist der Strombedarf im Winter deutlich höher als im Sommer: Das Heizgebläse läuft länger, das Licht wird früher gebraucht, und mitunter zwingt einen das Wetter öfter als sonst zu einem Fernsehtag. Leicht vorstellbar, wie heftig sich Stromausfälle im Schnee auswirken können. Die Bordbatterie sollte daher so oft wie möglich nachgeladen werden. Als Alternative zum 230-Volt-Netz bietet sich ein Generator an. Oder eine Brennstoffzelle, die indes permanent mit Brennstoff versorgt werden muss, weil sie sonst ebenfalls einfrieren kann. Die Leistungsfähigkeit des Akkus hängt nicht nur von der Ladung, sondern auch von der Temperatur ab. Batterien in unbeheizten Außenstauräumen geben bei Frost weniger Strom ab, entladen können sie sogar regelreicht erfrieren. Unter Umständen ist es daher sinnvoll, die Batterie mit einer Thermomatte zu isolieren.
Wer aus dem Vollen schöpfen darf, kann mit einer Heizmatte auf dem Fußboden des Reisemobils die Behaglichkeit im Urlaubsdomizil steigern. Kälteabstrahlungen reduziert auch ein konventioneller Teppichboden. Dagegen spricht die wesentlich höhere Schmutzempfindlichkeit gegenüber den üblichen PVC-Böden.

Wie sich Wintercamping noch vor 50 Jahren anfühlte, sehen Sie hier:

Videobeitrag mit freudlicher Genehmigung der Fa. Truma


Schmutz- und Nässeeintrag lässt sich jedoch vermeiden: Ein Wintervorzelt, das gleichzeitig als Temperaturschleuse dient, erweitert den Wohnraum im Winter. Hier lassen sich Sportgeräte deponieren, ebenso voluminöse Stiefel und nasse Klamotten zwischenlagern. Achten Sie beim Kauf auf verdeckte Reißverschlüsse, ein steiles Dach und ein stabiles Gestänge. So bleibt der Wind draußen, und der Neuschnee kann abrutschen.
Zumindest Teile des Bodens deckt man sinnvollerweise mit einem Vorzeltteppich oder Kunststoff-Fliesen ab, damit sich der Vorplatz bei Tauwetter nicht in eine Schlammlandschaft verwandelt.
Bei Fahrzeugen ohne Doppelboden befinden sich meist einige Teile der Wasseranlage im Frostbereich. Während der Frischwassertank im Innenraum und damit außerhalb der Polarzone liegt, kann sich in Abwassertank und Ablassrohr Eis bilden. Da hilft ein Trick, der so alt ist wie das Wintercamping selbst: Man lässt den Schieber offen und stellt als Auffangbehältnis einen Eimer unter. Dass das Grauwasser einfriert, hat einen positiven Nebeneffekt: Es riecht nicht. Jedoch muss das Wasser entsprechend häufig entsorgt werden. 

Vor der Abfahrt lauert die letzte Hürde. Neuschnee auf dem Dach bildet nicht nur eine unnötige Last. Kommt er ins Rutschen, kann er zur ernsten Gefahr werden. Für verursachte Schäden haftet der Fahrer voll. Also vorsichtig die Leiter anstellen und den Schnee herunterkehren. Das ist nicht ohne Grund gesetzlich vorgeschrieben. Sonst wird aus dem Genuss doch noch Verdruss.

Das Perfekte Winter-Mobil

Kein Reisemobil ist völlig ungeeignet für den Urlaub im Schnee. Je besser das Fahrzeug jedoch technisch auf Winterreisen ausgelegt ist, desto weniger Abstriche müssen Besitzer beim Komfort machen. Mit einer 25 bis 30 Millimeter dicken, durchgehenden Dämmung schützen aufgebaute Reisemobile klar besser vor Frost als dünner isolierte, ausgebaute Kastenwagen. Diese sind wegen ihrer großen Türausschnitte zudem anfälliger für Zugluft.

Alkovenmobile und Integrierte sind bei Wintercampern zu Recht beliebt. Bei vielen Alkoven lässt sich das Fahrerhaus teilweise oder komplett abschotten; bei Integrierten umgibt es eine Dämmung, die mit doppelt verglasten Seitenscheiben, einem Frontrollladen und einer weit in den Fußbereich gezogenen Bodenplatte noch wirkungsvoller wird. Bei Teilintegrierten dagegen zählt das nicht isolierte Fahrerhaus meist voll zum Wohnraum. Auch die Haube über dem Cockpit ist nicht immer gedämmt. Hier kann sich Schwitzwasser sammeln.

Erhebliche Vorteile birgt ein beheizter Doppelboden. Er schirmt Kälte von unten ab. Auch lassen sich darin Wassertanks frostsicher unterbringen. Wichtig, dass auch die Ablasshähne innen liegen und vor Frost geschützt sind. Der zusätzliche Stauraum lässt sich außerdem zum Einlagern von Winterstiefeln etc. nutzen.

Gegenüber einer konventionellen Gas-Gebläseheizung verteilt eine Warmwasserheizung die Wärme gleichmäßiger und trocknet die Luft nicht so stark ab. Der Preis für das bessere Raumklima ist ein deutlich höherer Einbauaufwand. Ganz praktische Erwägungen beziehen sich auf die Versorgung. Bei hohen Verbräuchen lernt man gut zugängliche, nebeneinander im Gaskasten stehende Flaschen schnell zu schätzen. Wer nicht so häufig Flaschen tauschen will, unterstützt die Heizung mit optional erhältlichen 230-Volt-Heizpatronen oder einer Kraftstoff-Zusatzheizung.

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