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Ratgeber: US-Reisemobile: Der amerikanische Traum

Groß und günstig: Der schwächelnde Dollarkurs hat auch in Deutschland zu sinkenden Preisen von US-Reisemobilen beigetragen. Sind die luxuriösen Mobile ein erfüllbarer Traum oder eher ein rollendes Risiko?

Verständnisloses Kopfschütteln oder glühende Leidenschaft - zwischen solchen Extremen bleibt wenig Platz, wenn es um Reisemobile aus den USA geht. Im Mutterland der Mobilität hat man sich nie mit ausgetüftelten Multifunktionsmobilen aufgehalten. Hier wird geklotzt: Riesige Wohnräume, massive Hölzer, kräftige Achtzylinder und eine sanft schaltende Automatik dürfen nicht fehlen.

Statt ausgefeilter Hub- und Klappkonstruktion bauen Amerikaner lieber richtige Schlafzimmer ein. Und wenn sich etwas bewegt, dann ist es der Slide-Out genannte Erker mit elektrischem Antrieb. Das Gefühl großer Freiheit wird serienmäßig mitgeliefert. Daran hat auch die Wirtschaftskrise in den USA nichts geändert.

Nach dem Absturz der Verkaufszahlen und Insolvenzen großer Hersteller geht es wieder bergauf. Neue Ideen, aber vor allem bewährte Rezepte sollen den krisengebeutelten Amerikanern ihre meist als RV bezeichneten Wohnmobile wieder schmackhaft machen: So bekommt man in den USA Integrierte mit ausfahrbaren Erkern und viel Platz zu Preisen um 100 000 Dollar. Diese Kombination hat auch auf unseren Straßen ihren Reiz. Fahrzeuge mit ähnlichen Attributen und Raumverhältnissen kosten hier mehr als das Doppelte - in Euro versteht sich.

Die weniger gute Nachricht: Keine der zahlreichen US-Marken fertigt speziell für den deutschen Markt. Einen offiziellen Import wie bei Fahrzeugen aus Europa gibt es nicht mehr. Woran liegt’s? Jürgen Landsberg, dessen Betrieb TSL schon Anfang der 90er Jahre US-Mobile importierte, kümmert sich heute um den Service. Für ihn erscheint der Aufwand für die Neuzulassung zu hoch: „Inzwischen benötigt man für alles einen Nachweis. Das beginnt mit Abgas-, Geräusch- und Bremsgutachten und geht bis zu Gutachten für die Befestigung von Sitzen und Gurten. Angesichts der kleinen Stückzahlen lohnt sich das nicht.“

Die hohen Hürden müssen für Freunde der US-Mobile allerdings nicht gleich das Ende des amerikanischen Traums bedeuten. Eine Zulassung, die für einen offiziellen Importeur schwierig wäre, kann im Einzelfall dennoch möglich sein. Karl-Heinz Spöri hat sich mit seinem Betrieb ICF auf solche Fälle spezialisiert: „Wir arbeiten seit Jahren mit einem Händler in den USA zusammen. Ähnlich wie wir ist das ein überschaubarer Familienbetrieb.“

Von dort holt ICF Fahrzeuge über den Großen Teich. Spöri: „Wir haben für einige Modelle die nötigen Gutachten und können schon im Vorfeld beurteilen, welche Fahrzeuge überhaupt zulassungsfähig sind.“ Ähnlich Manfred Müller, der auf Wunsch US-Fahrzeuge aus dem gigantischen Wohnmobil-Supermarkt Lazy Days in Florida holt. Nur die von ihm angebotenen Monaco-Modelle bezieht Müller direkt ab Werk.

Technik für europäischen Standard

Die richtigen Maße und Motoren sind aber nur eine Voraussetzung für die deutsche Zulassung. Kein US-Wohnmobil darf bei uns ohne technische Umrüstung auf die Straße. Im Normalfall müssen Scheinwerfer, Heizung und die komplette Gasanlage entsprechenden Teilen mit europäischer Prüfung weichen.

Auch die amerikanische Elektrik passt nicht zum deutschen Netz. Je nach Modell sind zudem Boiler, Kühlschrank, Herd und Klimaanlage tauschbedürftig. Da kommen schnell rund 20 000 Euro an Umrüstkosten zusammen. Doch selbst wenn man noch mindestens 5000 Euro für die Verschiffung addiert, kann die Rechnung angesichts des günstigen Dollarkurses aufgehen.

Vorsicht bei Gebrauchten

Die Alternative: bereits in Deutschland zugelassene Amis aus zweiter Hand. Auch hier haben die Preise nachgegeben, seitdem das Internet einen schnellen Kostenvergleich zwischen Europa und USA erlaubt. Um Verschiffung und Umrüstung muss man sich beim Kauf keine Gedanken machen. Zumindest wenn man bei einem vertrauenswürdigen Anbieter kauft. Kenner der Szene wissen, dass immer wieder Fahrzeuge auftauchen, die auf dubiose Weise in den Verkehr gebracht wurden. Das große Erwachen für den Käufer kommt dann zum Beispiel bei der nächsten Hauptuntersuchung. Wenn die Prüfstelle die eingebauten Geräte nicht akzeptiert, führt an einer seriösen und eben nicht billigen Umrüstung kein Weg vorbei.

Unter dem Strich fährt man günstiger, wenn man das Geld gleich in Fahrzeuge mit nachvollziehbarer Vorgeschichte investiert. Wichtig bei allen Preisvergleichen: Außer auf Bastlerexemplare geben Händler auf Gebrauchte ein Jahr Garantie. Die Kostenspanne für einen typischen Ami in gutem Zustand bewegt sich je nach Typ und Alter zwischen 30 000 und 300 000 Euro. Wohl in jedem Segment unschlagbar: das Preis-Raum-Verhältnis.

Doch welche Marke wählen? Manfred Müller: „Die meisten Kunden fragen nach Winnebago. Bei anderen Namen reagieren sie zu Unrecht skeptisch."Tatsächlich dürfte Winnebago die in Deutschland am stärksten verbreitete US-Marke sein. Schließlich gab es in den 90er Jahren sogar einen offiziellen Import über eine Werksniederlassung, aber auch andere US-Hersteller engagierten sich. Als spezielle Europa-Versionen gelangten über viele Jahre die noblen Modelle von Monaco zu uns. Und unter dem Markennamen Euro-Liner produzierte ein Deutscher in den USA für unseren Markt. Auch der kanadische Hersteller Triple E und viele andere US-Marken sorgten mit ihren Europa-Versionen für ein breites Angebot an US-Gebrauchten.

Eine Frage des Antriebs

Beim Kauf stellt sich zunächst eine für Wohnmobilfahrer ungewohnte Frage: Benziner oder Diesel? Auf den typischen Achtzylinderklang muss man so oder so nicht verzichten, allerdings laufen die Benziner spürbar kultivierter. Eine Autogasanlage mindert die Kosten ihres exorbitanten Verbrauchs. Sie kann, falls nicht ohnehin an Bord, für rund 6000 Euro nachgerüstet werden. Wirklich sparsam ist aber auch der verbreitete 6,5-Liter-Diesel von GM nicht. Werte um 20 Liter auf 100 Kilometer sollte man einkalkulieren.

Und wie sieht es mit der Zuverlässigkeit aus? Manfred Rengers importierte früher US-Mobile, hat bei RSF inzwischen einheimische Marken im Angebot, bietet aber weiterhin Service für Amis. Er sieht trotz anderer Bauweisen keine grundsätzlichen Qualitätsunterschiede: „Ältere US-Mobile haben nach unserer Erfahrung nicht mehr oder weniger Schäden als deutsche Modelle. Entscheidend ist in erster Linie der Pflegezustand.“ 

Jürgen Landsberg, der selber fast 600 US-Mobile auf europäische Straßen brachte, urteilt ähnlich: „Wenn das Fahrzeug einmal pro Jahr von einer Fachwerkstatt durchgesehen wurde, dann ist ein US-Mobil auch nach 10 bis 15 Jahren in gutem Zustand.“

Händler helfen bei Ersatzteilen

Vor Reparaturen kann man dennoch nicht die Augen verschließen. Vielleicht sind sie gerade dann fällig, wenn man in Spanien überwintert, wo solcherart Fahrzeuge nahezu unbekannt sind. Jürgen Landsberg: „Ein guter Händler in Deutschland kann in solchen Fällen helfen und für Ersatzteile sorgen.“ Das muss nicht einmal lange dauern. Karl-Heinz Spöri von ICF: „Wir reparieren selber und wissen, welche Ersatzteile gefragt sind. Die haben wir ständig am Lager.“

Weil US-Hersteller gerne auf standardisierte Teile zurückgreifen und diese auch nicht in jeder Saison wechseln, bleibt die Lagerhaltung übersichtlich. Herausforderungen bleiben dennoch. Spöri: „Wir haben schon Windschutzscheiben für 20 Jahre alte Fahrzeuge beschafft.“ Er will durch Kundendienst die Berührungsängste vor US-Mobilen nehmen und verlässt sich dabei auf die eigene Erfahrung: „Wir sind an keine Marke gebunden und haben auch keine Rückendeckung durch einen Hersteller.“Trotz niedrigem Dollarkurs ist unter dem Importeuren die Goldgräberstimmung der 90er Jahre nicht zurückgekehrt.

So halten bei uns kleine Betriebe die großen US-Reisemobile in Bewegung. Manchmal müssen die verbliebenen Spezialisten sogar bei der Ausfuhr helfen. Jürgen Landsberg: „Im vergangenen Jahr haben wir vier Fahrzeuge von Kunden  zurück in die USA verschiffen müssen, weil sie hier nicht zugelassen werden konnten.“

Lohnt der Kauf in den USA?

Das niedrige Preisniveau von Reisemobilen in den USA ist verlockend. Warum nicht selber hinfliegen und das Traummobil kaufen oder im Internet ordern? Von US-Seite spricht nichts dagegen. Händler verlangen aber oft die vollständige Bezahlung vor der Verschiffung. Die Zulassungshürden in Deutschland sind dagegen von Laien schwer zu überwinden. Nur ein Profi kann und darf Gas und Elektrik den europäischen Vorschriften anpassen.

Besser setzt man sich vor dem Kauf mit einem Spezialisten zusammen, der später die Umrüstung übernehmen soll. Auch die nötigen Gutachten müssen vor dem Kauf vorhanden sein - allein die Erstellung eines Abgasgutachtens würde jeden Kostenrahmen sprengen. Bleiben noch die Maße: Viele US-Mobile sind breiter als die zulässigen 2,55 Meter.

US-Markt wieder im Aufwind

Nach der schweren Krise 2008/2009 hat sich der Markt 2010 wieder erholt. Der US-Herstellerverband geht für das abgelaufene Jahr von insgesamt 236 700 Freizeitfahrzeugen aus, was gegenüber dem Vorjahr einem Zuwachs von 42,8 Prozent entspricht. Traditionell gehen die hohen Zahlen besonders auf die in den USA beliebten Wohnwagen und Wohnauflieger zurück.

Ein Beispiel: Unter den 21 500 im August 2010 ausgelieferten Freizeitfahrzeugen waren 2600 Reisemobile, darunter 1300 Integrierte. Dennoch trugen gerade die Luxusliner stark zum Wachstum bei. Ihr Absatz dürfte sich 2010 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt haben.

Adressen: Diese Betriebe haben sich auf Service rund um US- Reisemobile spezialisiert.

ICF US-Motorhomes
An der Bundesstraße 3 Nr. 979312 Emmendingen-Mundingen
Telefon 0 76 41/57 00 00
www.icf-gmbh.de

Müller’s Motorhomes
Rudolf-Diesel-Straße 46-48
64331 Weiterstadt
Telefon 0 61 51/8 26 60
www.mwom.com

RSF - Reisemobile, Service, Freizeit
Gronauer Straße 110
48607 Ochtrup
Telefon 0 25 53/97 73 33
www.rsf.de

TSL - Feine Manufaktur für individuelle Reisemobile
Breniger Straße 17-19
53913 Swisttal-Heimerzheim
Telefon 0 22 54/83 62 80
www.tsl-mobile.de

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Ulrich Kohstall

Datum

13. April 2011
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