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Ratgeber, Fit in den Frühling 16 Bilder Zoom

Ratgeber Frühjahrsfit: Weg mit dem Dreck

Die erste große Ausfahrt steht bevor: So startet Ihr Wohnmobil sauber, sicher und gepflegt in die neue Reise-Saison:

Moment mal: War unser Wohnmobil wirklich so dreckig, als wir es im letzten Jahr zum Überwintern weggestellt haben, oder tat der lange Winterschlaf seinen Rest? Denn auch in der schönsten Scheune verstaubt das Gefährt. Ob Winterschlaf oder Skiurlaub: Grober Schmutz ist das kleinste Übel, beschädigter Unterbodenschutz oder poröse Dichtungen das größere. Auch im Karussell von Hauptuntersuchung, Gasprüfung und Inspektion kann einem schon mal schwindelig werden. Was passiert bei welchem Check, welche Mängel führen zur Nachuntersuchung? Und was kostet der Profi-Blick ins Fahrzeug? Antworten rund um das Thema Frühjahrsputz, Winterschäden und Inspektion finden Sie hier.

Frühjahrsputz

Wenn zum Frühling die erste Tour mit dem Wohnmobil ansteht, gehts fix zur Waschanlage, aber innen wird nur feucht durchgewischt? Von wegen - wer sein Fahrzeug schätzt und noch lange Freude an Möblierung und Bordtechnik haben will, der geht mit System ans Werk. Immer von oben nach unten vorgehen, dieser älteste aller Putztipps gilt auch für das mobile Heim.

Geht es zu zweit ans Werk, lässt sich die Arbeit geschwind zwischen Innen- und Außenreinigung aufteilen. Das spart nicht nur Zeit, sondern macht mehr Spaß als allein. Einige Regeln sollte man im Vorfeld beachten: Viele Waschparks betreiben Lkw-Anlagen. Ihre Benutzung drängt sich beim Blick auf das schmutzbedeckte Reisemobil geradezu auf. Vorsicht: Das gute Stück den oft scharfen Reinigungsmitteln und kratzenden Waschborsten auszuliefern, ist nicht empfehlenswert. Glücklich schätzen sich jene, die in der Nähe eine Wohnmobil - Waschanlage mit handgeführten und fensterschonenden Bürsten aufsuchen können.
Wenn nicht: Selbst ist der Wohnmobilist und greift zu Eimer, Lappen und Schwamm. Hier gilt dasselbe wie für das Auto: Die Fahrzeugwäsche am Straßenrand ist in den meisten Städten nicht erlaubt, das Wohnmobil gehört an die Tankstelle oder auf den Waschplatz.

Dort angekommen, empfiehlt sich zu Beginn das richtige Waschprogramm für groben Dreck: Der Hochdruckreiniger verjagt im Turboverfahren Schmutz und eingetrockneten Matsch, der sich gern in Radkästen oder am Heck des Fahrzeugs festsetzt. Bei Dekor, Dichtungen und Kühlschrankgittern aufpassen, dass der Wasserstrahl keinen Schaden anrichtet. Über eine Portion Extrapflege freuen sich die Räder, für sie bietet der Zubehörhandel extra Felgenreiniger an. Auch Kühlschrankgitter und Gaskasten haben einen feuchten Lappen und schonenden Spülgang nötig.

Ist das Wohnmobil von außen wieder blitzblank, geht es ans Fahrzeuginnere. Unnötiger Ballast vom letzten Urlaub gehört vor dem Putzen genauso verbannt wie grober Dreck. Ausgerüstet mit Mikrofasertuch und verdünntem Reiniger geht es dann an Schränke, Sanitärraum und Möbeloberflächen. Bei der Feinarbeit sparsam mit dem Wasser umgehen, um Aufbau und Einrichtung vor Feuchtigkeit zu schützen. Dazu gehört, beim Reinigen die Fenster und Türen zu öffnen. Bei dieser Gelegenheit auch gleich Polster und Matratzen zum Lüften aufstellen.

Bleibt die Funktionsprüfung der Bordtechnik: Sind Kühlschrank, Kochfeld, Heizung und Bordbatterie bereit zum Start? Ist die Dichtung der Cassettentoilette noch geruchsdicht, oder gehört sie besser ausgetauscht? Sind alle Wassertanks ausgespült und vor allem desinfiziert? Dann ist Ihr Liebling fit für den Frühling.

Winterschäden

Weiter geht es mit der Suche nach Schäden oder kleineren Mängeln, die das Wohnmobil beim langen Stehen abkriegt. Nicht nur Kälte und Feuchtigkeit spielen hier eine Rolle, auch der Gesamtzustand von Fahrwerk und Aufbau leidet. Wird das Fahrzeug nach einer harten Saison ohne einen prüfenden Blick und vorbeugende Tricks in die Winterpause geschickt, kommt es im Frühling zu bösen Überraschungen.

Andere Strapazen erlebt das Wohnmobil beim Einsatz im Skiurlaub. Auch danach ist die schnelle Beseitigung sämtlicher Schäden ratsam, wenn sich zum Beispiel aus dem Streusalz-Angriff kein Rostproblem entwickeln soll.

Entscheidend bei der Anfälligkeit für Winterschäden ist die Beschaffenheit und Verarbeitung des Materials. Eine witterungsbeständige GfK-Haut ist nicht so empfindlich wie ein Holzboden. Rahmen- und Anbauteile am Fahrwerk können rosten. Experten raten besonders bei Holzkonstruktionen zur Flächenbehandlung mit Spezial-Heißwachs, damit es gar nicht erst zu Stockfeuchte am Unterboden kommt.

Ein Blick auf den Unterboden aus der Grube der Werkstatt belegt den Zustand. Die Fahrt dorthin lohnt ohnehin: Die Dichtigkeitsprüfung gehört schon wegen der damit verbundenen Garantie zum Pflichtprogramm. Ist es für Vorbeugung bereits zu spät? Dann müssen Experten Holzfäule oder Rostschäden ausbessern.
Damit beim Fahrtantritt alles sicher rollt, lohnt ein Blick auf die Räder. Wie lang ist eigentlich der letzte Reifenkauf her? Unabhängig von der empfohlenen Profiltiefe von mindestens drei bis vier Millimetern sollte nach spätestens sechs Jahren ein neuer Satz her. Wurde das Wohnmobil mit zu wenig Luftdruck oder auf Kanten abgestellt, bilden sich Standplatten oder Risse in der Flanke. Abgefahrene Laufflächen am Reifen lassen sich erkennen, bevor es auf freier Fahrt gefährlich wird. Nach der Prüfung von Aufbau, Fahrgestell und Rädern bleibt nur noch der Weg zu Hauptuntersuchung und Inspektion, damit auch technisch alles in trockenen Tüchern ist.

HU & Inspektion

Seit über 50 Jahren zeigt die Plakette am Nummernschild: Dieses Fahrzeug entspricht den gesetzlichen Vorschriften in Sachen Sicherheit und Umweltschutz. Was für den Pkw-Halter lästige Routine ist, wird für Wohnmobilfahrer oft zum Diskussionsthema. Bei der Hauptuntersuchung (HU) kommt es nicht nur beim Preis auf das Gewicht an: Wohnmobile bis 3,5 Tonnen müssen im dritten Jahr nach Erstzulassung, danach alle zwei Jahre zum Check. Schwerere Modelle wer-den in den ersten vier Jahren alle 24, danach alle zwölf Monate zur Untersuchung gebeten. Vorsicht besonders bei Saisonfahrern: Versäumte HU-Termine können teuer werden.

Auf der Prüfagenda steht neben der technischen Fitness des Basisfahrzeugs auch die Abgasuntersuchung (AU), die seit Januar 2010 zur Hauptuntersuchung gehört. Bei Reisemobilisten in Hinblick auf Umweltzonen, Abgasnormen und Rußpartikelfilter ein heikles Thema und neben Schäden am Aufbau ein häufiger Grund für die Nachuntersuchung.

Das Pflichtprogramm jeder Untersuchung enthält über 150 Kriterien - Bremse, Lenkung, Achsen, Fahrgestell und Aufbau werden von Spezialisten geprüft. Es lohnt in jedem Fall im Vorfeld ein Besuch beim Händler und der Vertragswerkstatt, die in der Regel sogar spezielle zugeschnittene Vorbereitungen zur Hauptuntersuchung anbieten - oder die Prüfer kommen sogar ins Haus.
Bei jedem Wohnmobil kommt im Rhythmus von zwei Jahren die Prüfung der Gasanlage hinzu. Sie gilt als wichtiger, wenn nicht gar wichtigster Faktor für Sicherheit an Bord. Oftmals kann sie in Kombination mit Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung ablaufen - Dichtungen, Schläuche und der Zustand des Gastanks stehen im Mittelpunkt. Nach erfolgreicher Prüfung wird eine Bescheinigung ausgestellt, die bei der HU vorzulegen ist. Eine fehlende oder fehlerhafte Prüfbescheinigung gilt als Mangel, dann heißt es hin zur Nachuntersuchung.

Die Sachverständigen zitieren aber nicht nur zum Pflichtcheck, sie bieten je nach Größe der Niederlassung auch Schaden- und Wertgutachten für einen Wiederverkauf oder detaillierte Sicherheitsprüfungen und Gewichtsmessungen an. Beim Blick in die Preislisten fallen die Preisunterschiede bei HU und AU besonders auf. Nicht nur die großen Anbieter TÜV, Dekra und GTÜ verlangen für ihre Dienste unterschiedlich viel, auch Preisschwankungen in den einzelnen Bundesländer tragen zu Abweichungen von bis zu 30 Prozent bei. 
Weitaus weniger Regeln erwarten den Reisemobilisten bei der Inspektion. Was beim Auto der Vertragshändler erledigt, übernimmt beim Wohnmobil die Vertragswerkstatt des Basisfahrzeug-Herstellers, mitunter unmittelbar an den Wohnmobilhändler angedockt.
Scheckheftgepflegt - dieses Attribut gilt auch für Wohnmobile. Nicht nur für einen hohen Werterhalt beim späteren Verkauf, sondern besonders beim Erhalt von Gewährleistungsansprüchen. Es lohnt ein genauer Blick ins Wartungsheft des Basisfahrzeugs, dort ist detailliert festgelegt, wann Klimaanlage und Co. gewartet oder der Zahnriemen ausgetauscht werden muss. Bei der Inspektion ist auch Zeit für Kleinigkeiten, etwa eine Funktionsprüfung der Beleuchtungsanlage - wer achtet schon genau auf die Stellung der Scheinwerfer?
Die Wohnmobil-Werkstatt bietet außerdem auch eine Aufbau- und eine Dichtigkeitsinspektion sowie Änderungen nach Wunsch an. Eine vollständige Inspektion, gegebenenfalls verbunden mit mehreren Arbeitsstunden und dem Einbau von Ersatzteilen, kann schnell über 100 Euro kosten. Was wieviel kostet, lässt sich unseren Kostenbeispielen in den Schaukästen entnehmen.
Ist in Sachen Waschplatz, Winterschäden und Werkstatt alles startklar für den Saisonstart, dann heißt es Auf in eine saubere, sichere und sorglose Reisesaison 2012.

Checkliste
Das gehört zum Putzplan

Außen:

  • Fahrzeugwäsche nur am Waschplatz
  • Hochdruckreiniger für groben Schmutz
  • Radkästen und Felgen extra reinigen

Innen:

  • Seifenlaugen und Spezialreiniger für Oberflächen
  • Mit wenig Wasser und offenen Fenstern putzen
  • Kühlschrank, Heizung und Gaskasten reinigen
  • Wassertanks reinigen und desinfizieren
Das gehört zum Prüfplan
  • Kontrolle Reifendruck und Profiltiefe, Radmuttern
  • Kontrolle Reserverad
  • Kontrolle Unterbodenschutz
  • Füllstand Scheibenwischwasser
  • Füllstand Motorkühlwasser

Nachgefragt …

bei Christian Ertl, Betriebsleiter
beim Wohnmobil - Spezialisten Goldschmitt Fahrwerkstechnik

Im Gespräch mit promobil erklärt der Fachmann, mit welchen Blessuren Wohnmobile nach einem langen Winter kämpfen - und was bei Dichtigkeit, Technik und Aufbau wichtig ist.

promobil: Welche typischen Schäden kann das Reisemobil beim Überwintern oder beim Winterurlaub davontragen?

Ertl: Zum einen können Frostschäden am Strom-, Heiz- und Wassersystem auftauchen, zum anderen muss man mit unerwünschten Eindringlingen wie Mäusen oder Ungeziefer rechnen. Nach dem Winterurlaub kann es hingegen zu Korrosion an Anbauteilen des Rahmens oder zur Oxidation von Schlössern und anderen Metallteilen kommen.

promobil: Was empfehlen Sie zur Vorbeugung und Reparatur bei geplatzten Rohren und Leitungen durch kalte Temperaturen?

Ertl: Vorbeugen kann man natürlich durch Öffnung und Entleerung aller Hähne und Leitungen im Wohnmobil. Auf Nummer sicher geht man, wenn die Frisch- und Abwasserleitungen mit Luftdruck, zirka 1,5 bar, ausgeblasen und damit getrocknet werden.

promobil: Woran erkenne ich ohne spezielles Zubehör Undichtigkeit, und wie gehe ich im Fall von Feuchtigkeit im Aufbau vor?

Ertl: Anzeichen für Feuchtigkeit im Aufbau gibt es viele: stellenweise oder überall modriger Geruch, weiche Stellen im Möbeldekor, im schlimmsten Fall dunkle Schimmelbildung. In allen Fällen sollte direkt eine Fachwerkstatt aufgesucht werden.

promobil: Und was tun, wenn Türdichtungen und Gummilippen mit Glyzerin oder Silikon nicht mehr zu kitten sind?

Ertl: Grundsätzlich sollte man jede defekte Dichtung an Türen und Fenstern bei Beschädigung ersetzen, um einen Wassereintritt zu verhindern. Mit Feuchtigkeit im Wohnmobil ist nicht zu scherzen.

promobil: Welche Stellen haben besonders häufig mit Rost und Alu-Fraß zu kämpfen, und was lässt sich dagegen tun?

Ertl: Rostanfällig sind in erster Linie Rahmen und Verschraubungen, auch bereits beschädigte Stellen am Blech können rosten. Alu-Fraß ist eher ein Problem von Türen, Klappen und Verkleidungen aus Aluminium. Vorbeugen kann man mit regelmäßiger Sichtkontrolle, gutem Unterbodenschutz und einer Versiegelung von Dichtungen und Hohlräumen.

promobil: Von welchen Mängeln sollte ich die Finger lassen und einen Experten hinzuziehen?

Ertl: Ganz klar: Wasserschäden, Frostschäden, Montagen an Strom- und Gasanlagen sowie Reparaturen an der Außenwand oder dem Boden des Fahrzeugs.

promobil: Welchen Tipp geben Sie den Lesern in Sachen Garantie, Gewährleistung und Kulanz mit auf den Weg?

Ertl: Es empfiehlt sich meiner Meinung nach immer, alles zu dokumentieren - und zwar bestenfalls schriftlich und mit Bildern. Dann ist man als Kunde auf der sicheren Seite. Bei Garantiearbeiten kurz vor Garantiezeitende kann auch eine Verlängerung auf die durchgeführten Arbeiten schriftlich verlangt werden.

promobil: Mit welchen Mängeln kommen Reisemobilisten überdurchschnittlich häufig zu Ihnen?

Ertl: Meist sind es Defekte an Kühlschrank, Heizung, Batterie, aber auch Alu-Fraßmängel, mit  denen Kunden zu uns kommen.

Blickpunkt Hauptuntersuchung & Inspektion

Hauptuntersuchung

Kosten

  • variiert nach Bundesland, Preise inkl. AU
  • TÜV: 74-95 € (3,5t), 117-127 €  (7,5t)
  • Dekra: 64-88 €  (3,5t), 101-123 €  (7,5t)
  • GTÜ: 81-89 €  (3,5t), 109-120 €  (7,5t)

Intervall

  • Mobile bis 3,5t: erstmals 36 Monate nach Erstzulassung, danach alle 24 Monate
  • Mobile bis 7,5t: alle 24 Monate in den ersten 4 Jahren, danach alle 12 Monate

Inhalt

  • Bremsen, Lenkung, Licht, Achsen, Reifen, Fahrgestell, Abgasanlage, Umweltbelastung
  • Gasprüfung kann im Anschluss gemacht werden, kostet etwa 35 € zusätzlich

Inspektion

Kosten

  • variiert nach Modell, Zustand und Baujahr
  • klassische Jahresinspektion ca. 130 €
  • Inspektion in freien Werkstätten erst nach Ablauf der Garantiezeit möglich

Intervall

  • Jahresinspektion einmal im Jahr oder nach Vorgaben des Herstellers (einzelne Teile)
  • wichtig für den Erhalt von Gewährleistungsansprüchen bei Händler und Hersteller

Inhalt

  • Wartungs- und Kontrollarbeiten: etwa Bremsbeläge, Karosserie, Klimaanlage
  • Prüfung und ggf. Wechsel von Motoröl, Kühlflüssigkeit, Bremsflüssigkeit


Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

27. April 2012
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