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Schadens- und Wertgutachten: Wert-Schätzung

Sachverständige werden immer dann gebraucht, wenn es um Schadens- und Wertermittlung geht. Das ist bei Wohnmobilen oft nicht so einfach. Was zeichnet einen Fachmann aus? Und wie geht er vor?

Es gibt gute Gründe, zur Wertermittlung eines Wohnmobils einen Sachverständigen mit der Erstellung eines Gutachtens zu beauftragen. Die Besitzer von Expeditionsmobilen müssen oftmals der Versicherung gegenüber einen neutralen Wertbeleg vorweisen.

Empfehlenswert ist auch die neutrale Beurteilung aufwendig ausgebauter Eigenbauten. Die beurkundete Wertangabe spielt auch eine Rolle, wenn durch Scheidung oder Insolvenz vorhandener Besitz aufgeteilt werden muss.

Auch wer sich mit Verkaufsabsichten trägt, bekommt mit einem Wertgutachten ein verlässliches Instrument an die Hand. Die wenigsten Privatbesitzer haben einen umfassenden Marktüberblick, die Autobörsen des Internets liefern nur ungefähre Anhaltspunkte. Verkäufer äußern auf solchen Plattformen erst einmal ihre Wunschpreise. Dass der Markt diese nicht uneingeschränkt annimmt, zeigt der Preisverfall von Mobilen, die über längere Zeit einen Käufer suchen.

Außerdem erschwert die relativ hohe Anzahl von Fahrzeugen, die nur in geringen Stückzahlen gebaut wurden, einen realistischen Vergleich. Und nicht zuletzt werden gleichartige Wohnmobile in Süddeutschland höher gehandelt als im Norden der Republik. Ein unabhängiges Gutachten liefert eine objektive Einschätzung des momentanen Wertes.

Extras - Preissteigerung oder -verfall?

Dabei gilt, dass eingebaute Extras nicht zwangsläufig den Preis steigern. So werden digitale Satellitenanlagen als wertsteigernd angesehen, analoge dagegen eher als wertsenkend. Kaum ins Gewicht fällt die Ausstattung ab Werk - selbst wenn sie nur gegen Aufpreis erhältlich war. Radio und Fernseher werden als Standard angesehen. Accessoires wie Fahrradträger, Dachbox oder Heckleiter fallen kaum ins Gewicht. Eine hochwertige Aufbauklimaanlage oder Rückfahrkamera dagegen hebt den Kurs.

Wichtig ist auch der allgemeine Pflegezustand: Sieht das Modell auch nach Jahren noch wie neu aus, treibt dies den Wert ebenso nach oben wie der lückenlose Servicenachweis für Fahrzeug und Aufbau. Profilstarke Reifen und manierliche Polsterstoffe runden mitsamt kratzerfreien Möbeln den positiven Eindruck ab. Und der zählt mitunter mehr als das Alter des Wohnmobils.

Auch der jeweilige Zeitgeschmack fließt in die Bewertung ein. Die Zeiten, als Möbeldesign à la Eiche rustikal modern war, sind längst vorbei - derartige Dekors sind kaum noch gefragt und sorgen für Preisverfall. „Exotische Ausstattung und Farben mögen dem Geschmack des Einzelnen entsprechen, können sich aber wertmindernd auswirken, erklärt Hermann Schenk von der GTÜ, Deutschlands größtem Zusammenschluss freier Sachverständiger. Michael Szmigier vom TÜV Nord gibt zu bedenken, dass auch das Zubehör dem Stand der Gegenwart entsprechen muss.

Was eingebaut ist, muss auch voll funktionsfähig sein. Eher neutral wird eine nachgerüstete Anhängekupplung bewertet. Stellt sich heraus, dass das Wohnmobil viel im Hängerbetrieb unterwegs war, ist jedoch mit Punktabzug zu rechnen. Vor allem binnen der ersten fünf bis sieben Jahre wirkt es sich negativ aus, wenn das Wohnmobil einst als Mietfahrzeug eingesetzt wurde. Hermann Schenk von der GTÜ betont: „Manchmal geben wir Tipps, was der Besitzer noch verbessern kann. Das Gutachten wird dann erst nach erneuter Vorführung geschrieben.

Eine Testfahrt gibt Aufschluss

Unter die Lupe genommen wird das Fahrzeug an einer Servicestelle der Prüforganisation oder zu Hause beim Kunden. Vorteilhaft ist in diesem Fall, wenn eine Grube vorhanden ist. Zum Prozedere gehört eine Probefahrt, bei der auch darauf geachtet wird, ob die Gänge sauber einrasten, der Motor einwandfrei läuft und das Fahrverhalten problemlos ist. Kunden sollten neben den Fahrzeugpapieren auch Wartungshefte, Zubehörquittungen sowie vorhandene Reparaturbelege vorlegen können.

Während sich im Winter Termine in der Regel binnen weniger Tage realisieren lassen, kann die Wartezeit während der Saison schon mal mehrere Wochen dauern. Für die Erstellung eines Wertgutachtens sollte man je nach Größe des Mobils und Aufwand zwischen einer und zweieinhalb Stunden einkalkulieren. Danach dauert es meist nur wenige Tage, bis das Gutachten im Briefkasten steckt.

In Ausnahmefällen, bei Exoten, deren Marktwertermittlung aufwendige Außenrecherchen  erfordert, können allerdings auch einige Wochen ins Land gehen, erklärt der Sachverständige Thomas Kramm, der auch im Prüfungsausschuss für Caravantechniker bei der Fahrzeug-Akademie Schweinfurt tätig ist. Die Kosten sind abhängig vom Aufwand und betragen zwischen 100 und 300 Euro.

Zwar beschreibt ein Wertgutachten nur den tagesaktuellen Zustand, dennoch wird ihm eine Gültigkeit zwischen einem halben und einem Jahr zugebilligt - vorausgesetzt, der Zustand ändert sich nicht, und die regionale Marktlage bleibt stabil. Zudem wird ein vorhandenes Wertgutachten berichtigt, wenn in der Folgezeit ein Schaden zu reparieren war.

Für Schadensgutachten Sachverständigen selbst aussuchen

Schadensgutachten erstellen Sachverständige deutlich häufiger als Expertisen des reinen Fahrzeugwertes. Sie werden sowohl zur Abrechnung mit der Versicherung benötigt als auch bei einem Rechtsstreit als Beweismittel angefordert. Als Geschädigter hat man bei einem Haftpflichtschaden das Recht, zur Schadensermittlung einen eigenen Sachverständigen einzuschalten.

Gern macht in diesem Zusammenhang die gegnerische Versicherung das Angebot, auf ihren Gutachter zurückzugreifen - dem Ansinnen sollte man ebenso widersprechen wie der Reparatur in einer von der Gegenpartei ausgesuchten Werkstatt. Gutachter prüfen zwar nach festgelegten Kriterien, haben allerdings einen gewissen Spielraum bei der Einschätzung von Arbeitsaufwand und Abnutzungspotenzial. Während ein Sachverständiger der Versicherung des Unfallgegners eher geneigt sein dürfte abzurunden, haben selbst beauftragte Gutachter mehr das Wohl ihres Auftraggebers im Fokus.

Erleichtert wird die unterschiedliche Bewertung dadurch, dass zwar in der Regel das Caravan-Reparaturhandbuch des CIVD zur Grundlage der Kalkulation gemacht wird, dieses aber Durchschnittswerte angibt. Je nach Marke, Konstruktion und Aufbau kann die Erneuerung eines Dachs Preisunterschiede von bis zu 5000 Euro ausmachen.

Unstimmigkeiten darüber, welcher Reparaturaufwand tatsächlich gerechtfertigt ist, sind gar nicht selten. Technisch gesehen kann ein Streifschaden am Aufbau problemlos gespachtelt und lackiert werden - sofern durch den Anprall nicht auch dahinter liegende Regionen beschädigt wurden. Sensibel sind hier zum Beispiel Möbelhalterungen, die durch den Anprall aus der Wand gedrückt wurden. Dies aber lässt sich nur dann erkennen, wenn der Schaden nicht nur von außen, sondern auch von innen begutachtet wurde - was nicht immer die Regel ist.

Der DEKRA-Spezialist Gerd Sartor kennt das Problem: „Der eine Gutachter ist dafür, die ganze Wand zu erneuern, der andere ist der Meinung, eine Teilreparatur sei möglich. Fachleute sind sich einig darüber, dass der ermittelte Reparaturaufwand um plusminus 15 Prozent differieren kann.

Während der Fahrzeugbesitzer beim Haftpflichtschaden die freie Wahl des Gutachters hat, obliegt der Versicherung bei Kaskoschäden die alleinige Wahl des Sachverständigen. Versicherungsnehmer haben das Recht, ein Duplikat des Gutachtens anzufordern. Es empfiehlt sich, dieses gemeinsam mit dem Caravantechniker einer Fachwerkstatt daraufhin zu überprüfen, ob mit dem kalkulierten Betrag eine fachgerechte Reparatur möglich ist. Kommt es zu Unstimmigkeiten, kann der Versicherungsnehmer ein Sachverständigenverfahren nach §14 AKB einleiten.

Versicherung zahlt auch ohne Reparatur

Sachverständige agieren im Sinne ihrer Auftraggeber. Die Kosteneinschätzungen vieler Werkstätten bewegen sich am oberen Level, wenn absehbar ist, dass das Fahrzeug instand gesetzt werden soll. Kassiert der Kunde nur die Reparaturkosten, ohne den Schaden reparieren zu lassen, zahlen viele Versicherungen allerdings nicht den vollen Betrag. Droht es dem Wohnmobilbesitzer, der einen Schaden zu beklagen hat, übervorteilt zu werden?

Ein paar Zahlen zum Nachdenken: Während die durchschnittliche Schadenshöhe bei einem Pkw-Unfall etwa 2000 Euro beträgt, beläuft sie sich bei verunfallten Wohnmobilen auf mehr als den doppelten Wert. Nach Einschätzung der Experten wird jeder fünfte aufgenommene Unfallschaden am Wohnmobil nicht repariert, sondern fiktiv abgerechnet.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt an, dass ein Schaden auch nach Gutachten beglichen wird - abzüglich der in der Werkstatt für die Reparatur fällig werdenden Umsatzsteuer. Ob dann tatsächlich der Originalzustand wiederhergestellt wird oder nur das Geld als Wiedergutmachung eingestrichen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Noch heikler ist die Situation beim Thema Hagelschaden: Die überwiegende Mehrzahl der Hagelschäden wird fiktiv abgerechnet, kaum jemand lässt reparieren. In technischer Hinsicht mag das korrekt sein - zumindest leichte Schäden sind eher als optische Beeinträchtigungen zu werten. Thomas Kramm: „Spachteln und Lackieren ist bei einem voll verklebten Dach legitim. Ob der Besitzer die Reparatur ausführt, hängt vom ihm ab. Erkauft wird die Abrechnung ohne Reparatur allerdings mit einem Haftungsausschluss bei einem späteren Hagelvorfall, der womöglich schwerere Beschädigungen anrichtet.

Viele Versicherungen haben sich mittlerweile darauf eingestellt und limitieren die Kostenbeteiligung auf 50 bis 70 Prozent, wenn nicht oder nur teilweise repariert wurde. Andere begrenzen die Auszahlung auf 200 Euro pro Quadratmeter Dachfläche - ein Wert, zu dem kaum eine fachgerechte Reparatur möglich wäre. Michael Szmigier vom TÜV Nord: „Der Aufbau der Dachkonstruktion hängt auch vom Fertigungsablauf ab. Es kommt vor, dass im Schadensfall ein Dach nicht als Ersatzteil verfügbar ist, sondern nachgefertigt werden muss. Das kann teuer werden.

Gerolf Happel, einer der ausgewiesenen Spezialisten unter den Gutachtern für Freizeitfahrzeuge, weist auf die Grenzen hin: „Der Kunde hat einen Anspruch auf eine fachgerechte Reparatur und darf nach einem Schaden nicht schlechter dastehen als zuvor! Andererseits darf er keinen Wertvorteil erfahren. So kann der gleiche Schaden bei einem noch jungen Mobil mit einem Austausch gegen Neuteile beseitigt werden, während die Entscheidung bei einem älteren Modell nur für eine Instandsetzung ausfällt.

Reparatur zu Hause hat seine Grenzen

Einen aufgetretenen Schaden in Heimarbeit ausbessern zu wollen, wird immer schwieriger. Die Technik ist in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden - nicht nur durch den vermehrten Einsatz von Elektronik am Basisfahrzeug. Auch in der Aufbauherstellung haben sich neue Fertigungsmethoden durchgesetzt. So werden Fenster und Türen oft nicht mehr verschraubt, sondern geklebt.

Manches Bauteil wird nicht mehr einzeln, sondern nur noch im Paket der Baugruppe angeboten. Das treibt im Bedarfsfall den Preis nach oben oder erfordert sogar den Austausch größerer Elemente als zuvor. Heimwerkern sei zumindest angeraten, sich vor der Entscheidung für eine Instandsetzung in Eigenarbeit über die Ersatzteilpreise zu informieren. Allein eine neue Heckgaragenklappe kann 1800 Euro kosten - in jedem Fall lohnt ein Preisvergleich bei verschiedenen Händlern.

Wer einen Schaden reparieren lässt, kann sich in der Regel sowohl auf eine fachgerechte Arbeit als auch auf volle Kostenübernahme verlassen. Zum Teil begleiten Sachverständige sogar die Reparaturmaßnahme, um Nachteile für den Geschädigten auszuschließen. Mit der Entscheidung für eine fiktive Abrechnung jedoch geht oft eine Minderung der ausgezahlten Summe einher. Wie bei der Wahl des Sachverständigen für das Wertgutachten sollte man auch im Schadensfall auf jeden Fall einen Gutachter wählen, der über Erfahrung mit Wohnmobilen verfügt. Wer will sein Mobil schon unter Wert behandelt sehen.

Schiedsstellen nutzen

Bei Garantieschäden und Sachmängeln sollte man ein vorschnell in Auftrag gegebenes Gutachten vermeiden. Empfehlenswert ist, bei ernsten Meinungsverschiedenheiten eine der 130 Schiedsstellen des Kfz-Gewerbes einzuschalten. Das Verfahren ist für den Verbraucher kostenfrei, der Händler ist an die Weisung der Schiedskommission gebunden. Zuständig ist diese jedoch nur, wenn es sich bei Verkäufer oder Werkstatt um einen Meisterbetrieb der Kfz-Innung handelt. Diese sind am blau-weißen Meisterschild zu erkennen.

Spezialisten sind rar, die Suche nach einem fähigen Gutachter für Wohnmobile gestaltet sich aufwendig. Prüforganisationen wie die verschiedenen TÜVs, DEKRA und GTÜ schulen im eigenen Haus und vermitteln mitunter geeignete Gutachter. Dafür sollte man sich an die Prüfstelle oder an die Hauptverwaltung der Prüforganisation wenden. Freie Sachverständige, die mit Wohnmobilen regelmäßig zu tun haben, sind dem Thema oft enger verbunden. Die zu erwartende Eignung ergibt sich oft durch ihre Präsentation im Internet - je mehr Erfahrung im Reisemobilsektor zum Ausdruck gebracht wird, umso besser.

Im Streitfall widersprechen

Versicherungsnehmer, die mit der Abrechnung eines Kaskoschadens nicht einverstanden sind, können ein Sachverständigenverfahren nach § 14 AKB einleiten. Erforderlich dafür ist aber ein selbst vorfinanziertes Gegengutachten. Schließt sich das Gremium der Meinung der Versicherung an, kommen auf den Antragsteller die vollen Kosten zu, bei einem Vergleich werden auch die Gutachterkosten anteilig gesplittet.

Bevor man sich für ein Sachverständigenverfahren entscheidet, sollten die Versicherungsbedingungen überprüft werden. Diese gehen bei fiktiver Abrechnung vom ortsüblichen Stundensatz aus. Berechnet die Werkstatt des eigenen Vertrauens mehr, müssen diese Kosten nicht übernommen werden. Vorab empfiehlt sich, das aufklärende Gespräch mit dem Werkstattmeister oder dem eigenen Sachverständigen zu suchen. Dies ist auch der Fall, wenn die Höhe des Wiederbeschaffungswertes oder die Einschätzung des Marktwertes strittig ist.

Ihre Erfahrung ist gefragt

Auch die Ersatzteilsituation entscheidet wesentlich über die Höhe eines Schadens am Wohnmobil. Sind die benötigten Teile überhaupt noch zu bekommen? Und was kosten sie? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht? Fanden Sie Lieferzeiten und Ersatzteilpreise angemessen? Schreiben Sie uns: Redaktion promobil, 70162 Stuttgart oder an redaktion@promobil.de , Stichwort: Ersatzteile für Reisemobile.

Autor

Foto

Tschovikov, Vierneisel

Datum

18. Februar 2011
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